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"Glass" rückt Superhelden in ein vollkommen neues Licht

Man hatte M. Night Shyamalan bereits als Regisseur abgeschrieben. In 2016 meldete er sich mit seinem bislang größten Hit Split eindrucksvoll zurück und offenbarte gleichzeitig, mit einer Post-Credit-Scene, dass Split ein zweiter Teil einer Trilogie darstellt, die nun mit Glass zu Ende erzählt wird. 

Entgegen der weitläufigen Meinung großer Kritiker-Seiten, wie Rotten Tomatoes, sind wir der Meinung, dass mit Glass das erste große Highlight des Jahres ist.

 

"Glass" bleibt sich seinen Wurzeln treu

M. Night Shyamlan versteht es (zumindest bei dieser Trilogie) seine Filme auf deren Ebene weiter spielen zu lassen. Die Welt entwickelt sich nicht übermäßig und bleibt schließlich seinen Wurzeln treu. Mysteriös und Zwielicht wie die beiden vorherigen Teilen erzählt Glass die Geschichte Kapitel für Kapitel weiter, ohne dabei maßlos zu werden. Große elementare Entwicklungssprünge wie in anderen Superhelden-Franchises (bspw. MCU) bleiben hier komplett außer acht. Und nicht nur dass, er bringt sogar die Hauptfiguren durch seine Abhandlung soweit ihre Kräfte, obwohl sie sie zu genüge kennen, dann doch zu hinterfragen. Zudem wird auch bezüglich optischer Superhelden-Merkmale, wie bspw. das Outfit und besonderer Technologien, kein großes Aufsehen erregt. Bedenkt man hierbei, dass Bruce Willis als David Dunn schließlich nur grünen Kapuzenmantel als Markenzeichen nimmt, macht es die ganze Sache in gewisser Form viel "normaler".

Und in der typischen Art von M. Night Shyamalan wird hier ein Netz um die Geschichte gesponnen, das weitaus mehr ausholt, als man zunächst vermuten mag. Da werden zum Ende hingegen einzelne Geschichten so verbunden, dass sie trotz der Vielseitigkeit der drei Haupt-Charakteren, tatsächlich sogar Sinn ergeben. Es mag zum Schlusspunkt vielleicht zu viel des Guten sein, aber rückblickend wirkt das gesamte Konzept gut gelungen.

 

James McAvoy allein ist bereits das Kino-Ticket wert

In Split hat er es bereits allen gezeigt, James McAvoy musste viele verschiedene Persönlichkeiten verkörpern und diese dann auf Knopfdruck abrufen. Auch in Glass brilliert McAvoy mit den erfunden Individuen, die des Öfteren sogar für den einen oder anderen Witz nicht zu schade sind. Manchmal wirkt das sogar ein Ticken zu viel, so das die Ernsthaftigkeit in einigen Szenen etwas darunter leidet. Aber McAvyos Kevin Wendell Crumb ist, wie schon zuvor 2016 in Split, fast schon im Alleingang das Kinoticket wert. Aber auch Samuel L. Jackson als Mr. Glass oder Bruce Willis, ja sogar Sarah Poulsen als Dr. Elle Staple machen eine gute Figur. Dabei wird bis zum Schluss, jede einzelne Figur sehr genau unter die Lupe genommen. Glass erzählt hier mit viel Liebe zum Detail und gibt allen Charakteren eine gewisse Daseinsberechtigung. Trotzdem wird des Lobes über McAvoy viel zu wenig gesprochen. Er ist das entscheidende Kernelement, dass durch seine Vielschichtigkeit und der überraschenden Verbindung zu den beiden anderen Figuren, der Geschichte den Feinschliff gibt, nach der M. Nigh Shyamalan die letzten beiden Filme schon gesucht hat. Und vor allem die Tatsache, dass McAvoy innerhalb der seltenen Kämpfe sogar auf Finger schnippen eine andere Persönlichkeit abruft, ist wirklich eine meisterliche Leistung. Man kriegt nicht genug von der Split-Storyline. Und Glass zeigt davon noch mehr!

 

Bild: In der Mitte James McAvoy als Kevin Wendell Crumb in der psychatrischen Klinik von Dr. Staple | ©Universal Pictures

 

Superhelden sind keine Hoffnungsträger

Das was Glass allerdings in besonderem Maß von vielen anderen Filmen aus dem Genre abhebt, ist die komplett andere Interpretation eines Superhelden. In dieser Welt sind sie keine Hoffnungsträger, die teilweise von den Menschen angefordert werden, nein es sind Menschen mit enormen Fähigkeiten, die nicht wissen, wie sie ihre Kräfte einteilen und dabei unentdeckt bleiben. Hier werden solche Menschen tatsächlich sehr gespalten aufgenommen. Sie werden sogar in Frage gestellt, ob sie gibt. Diese Welt und ihre Institutionen versuchen u.a. diese Übermenschen vor der Öffentlichkeit geheim zu halten und das ist eine Eigenschaft die vermutlich 1:1 auf unsere heutige Gesellschaft zutrifft. Es wird in Glass zu keinem Augenblick versucht diese Menschen als heroische Figuren zu stilisieren. Erst Elijah Price alias Mr. Glass plant die untergetauchten Figuren der Welt zu präsentieren. 

 

Wer brauch schon einen Showdown?

Im krassen Gegensatz zu den großen Superhelden-Blockbustern aus den Häusern Marvel oder DC, beweist Glass, dass er sich seiner eigenen Größe durchaus bewusst ist. Er spielt auf viele Kleinigkeiten aus typischen Comic-Erzählungen geschickt an, ohne diese am Ende wirklich einzusetzen. Vielmehr werden diese Elemente in kritischer Form aufgegriffen und in keinster Weise beschönigt. Glass will keine heldenhafte Story, mit der sich ein großes Publikum identifizieren kann. Er versucht es eher sich mit der Psyche eben jener Leute auseinanderzusetzen, die übermenschliche Fähigkeiten besitzen. Ein wichtiges Argument, dass viele andere Filme aus diesem Genre, nur halbwegs oder gar nicht aufzugreifen versuchen. Ohne großartig vorzugreifen, muss zum Finale gesagt werden, dass euch hier nicht das übergroße Finale Gut-gegen-Böse erwartet, sondern ein Abschluss, der durch viele überraschende Twists am Ende wirklich sehenswert ist und im hier und jetzt spielen könnte. Es brauch nicht immer eine atemberaubende Optik und einen großartigen Endkampf. Manchmal reicht es aus eine Geschichte mit viel Nervenkitzel und einigen Anspielungen zu würzen. 

 

Bild: Die drei Nebenfiguren, die das Finale entscheiden prägen werden. | ©Universal Pictures

Fazit:

Vielleicht ist "Glass" genau dieser eine Film, der ein ganzes Genre in seiner Struktur komplett hinterfragt. Ohne in seinen Werken, die die Eastrail-177 Trilogie beinhalten ("Unbreakable", "Split" und "Glass), maßlos zu werden wirft M. Night Shyamalan die Frage in den Raum, wie Menschen mit übernatürlichen Kräften auf unsere Gesellschaft in einer möglichst realistischen Form in Erscheinung treten. Zwar handelt es sich um ein rein fiktionales Werk, aber die Hintergründe zu den einzelnen Charakteren sind menschlich gesehen absolut nachvollziehbar. Da sprechen wir von psychischen Erkrankungen, körperlichen Einschränkungen und persönlichen Tragödien, anstelle von außerirdischen Faktoren (Beispiel: Marvel). Gerade daher und weil "Glass" seinem eigens aufgelegten Maßstab treu bleibt, ist dieses Finale wirklich ein sehr guter Abschluss, das nachwirkend mit sehr viel Brisanz und Detailtreue erzählt wird. 

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

8.0 Punkte

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