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"Follow Me": Der Influencer in der Folterkammer! (REVIEW)

Er sieht aus wie ein normaler Direct-To-DVD Film ist aber, wohl auch dank der Coronakrise, nun ein Kinofilm geworden. Follow Me von Will Wernick ist ein weiterer Film aus dem Sortiment: Escape Room! Dieses mal lässt man Influencer die tödlichen Rätsel lösen. Was eine halbwegs normale Katastrophe hätte sein können, ist am Ende ein mittelmäßig unterhaltsamer Streifen mit den stiltypischen Mängeln, aber einem Schlussakt den man noch weit über die eigentliche Sichtung hinaus diskutieren kann.

Eine einfallsreiche Kombination

Sie sind die Stars unserer aktuellen Zeit: Influencer! Mal sind sie übertriebene Chaoten, mal Stilbeeinflusser. Mit dem Begriff Influencer verbinden wir heutzutage womöglich mehr negatives, als positives. Denken wir doch nun mal an den polarisierenden Logan Paul. In Follow Me tauchen wir in die Seelen solcher Menschen, die ihren Alltag auf Kamera festhalten und dafür trotzdem in eine vollkommen andere Rolle schlüpfen. Sie sind nicht mehr sie selbst, sondern eine Person, die anderen versucht zu gefallen. Hauptprotagonist Cole (Keegan Allen) ist so jemand! Mit über 12 Millionen Fans erreicht er eine extrem hohe Reichweite an Menschen. Das ist in etwa in die Hälfte von dem, was ein Logan Paul bspw. auf YouTube hinter sich versammelt hat. Er macht sich nicht viel Gedanken darum, was wo anders passiert, sondern ist eigentlich nur auf sich selbst fixiert. Ein arroganter Typ, der sehr oberflächlich und vor allem eins ist: Erfolgsverwöhnt! Für sein 10-jähriges Jubiläum wird ihm ein Trip nach Moskau gesponsert, wo er und seine Freunde in einen extremen Escape Room einen Livestream starten. Dies mag jetzt erst einmal nach nichts neuem klingen. Auf den Hype der Escape Rooms haben sich schon andere Filme fokussiert, aber diese mit Social Media zu kombinieren passt wie die Faust auf Auge. Die Kamera wechselt dabei stets von den gängigen Story-Videos hinzu Überwachungskameras. Und tatsächlich gelingt es Follow Me sehr gut diese Kombination in weiten Teilen des Films einzusetzen. Neben dem ständigen Drang nach Aufmerksamkeit, mischen sich horrorartige Rätsel, wie bei Saw oder dem im letzten Jahr veröffentlichten Escape Room. Eine gute Voraussetzung für einen guten Film, wenn da nicht die uninteressanten Charaktere wären.

Perfide Spielchen mit schwachen Charakteren

Bevor man den perfiden Spiele innerhalb des Films Tür und Tor öffnet, kommt man jedoch nicht drum herum die Figuren in Follow Me ausgiebig vorzustellen. Hier hätte es allerdings gereicht, wenn wir als Zuschauer gesagt bekommen hätten: Wir haben hier einige Social Media Stars, die sich in einen extremen Escape Room einsperren lassen. Stattdessen stellt man jeden einzelnen dieser Influencer, für die anschließend doch eher überschaubare Geschichte, ziemlich langatmig vor. Zwar braucht man Charakter-Building, aber mit Sicherheit nicht in diesem Ausmaß. Im Grunde hätten nur zwei der fünf Figuren, die den Escape Room betreten, diese Exposition verdient. Leider erhält jeder dieser Figuren, trotz deren teil geringeren Wichtigkeit, mehr Zeit als ihnen zusteht. Es klingt absurd, aber dafür dass diese (Neben-)Figuren so viel Screentime erhalten, ist deren Auftreten im Film es schlichtweg nicht wert. Viel schlimmer noch, dadurch werden sie trotzdem gegenüber dem Zuschauer nicht sympathischer als vorher, da die veranschaulichten Szenen dies nicht hergeben. [Ein Film, der dies deutlich besser inszenieren konnte war bspw. der bereits genannt Escape Room aus 2019.] Natürlich kommt hier wieder das altbekannte "10 kleine Jägermeister..."-Spiel mit einher. Figur um Figur erhält ihr individuelles Ableben (und nein das ist kein Spoiler, da offensichtlich) und trotz deren Einführung, lässt dies uns die meiste Zeit einfach nur kalt. Häufig nerven sie einfach nur, was die ganze Sache auch nicht viel besser macht. Klar, man wünscht sich Charaktere, die auch irgendwie interessanter gestaltet sind als sonst, aber mehr Screentime ist nicht unbedingt das richtige Mittel dafür. Leider ist es bei Follow Me auf weite Strecken eher zeitraubend. Deutlich mehr Fokus auf die Hauptfigur Cole, die am Ende wirklich eine nennenswerte Entwicklung durchläuft, hätte hier mehr bewirken können. Doch wie jeder andere Horrorfilm, hadert auch dieser hier mit seinen Nebenfiguren, die gelinde gesagt wie bei einem Schachbrett als Bauer fungieren. Sie fallen, in den meisten Fällen, als erstes.  

Follow Me Filmbild
Bild: Cole (Keegan Allen) ist erfolgreicher Influencer der sein 10-jähriges Jubiläum feiert. | Capelight Pictures

"Follow Me" braucht lange um in Fahrt zu kommen

Wer denkt, dass der Film schnell in die Gänge kommt, wird hier ebenfalls fehlgeleitet. Die vorher beschrieben Einführung der Charaktere lässt es im Umkehrschluss kaum zu, dass man schnell voranschreitet. Die Zeit vergeht zwar dennoch wie im Fluge, dies liegt aber eher an der zusammengepressten Laufzeit. Trotzdem ist es ein Manko, dass wir hier nicht so schnell in die eigentliche Geschichte eintauchen. Erst nach gut einer halben Stunde fängt man so richtig an, die Weichen für den angepriesenen Horrortrip zu setzen. Zugestehen muss man Follow Me allerdings, wenn erstmal dieser Punkt erreicht ist, gibt es kein Halten mehr. Man tappt von einer brenzligen Situation unausweichlich in die Nächste. Hier geht keine Zeit verloren und manche dieser Fallen bzw. Rätsel sind doch ausgeklügelter, als sie zunächst scheinen mögen. Solange wir in diese Szenerie eintauchen ist alles gut und auch manchmal sogar spannend, es dauert aber bis wir an diesem Punkt angelangt sind. Und am Ende hätte man sich doch mehr davon gewünscht, als "Hey Leute! Willkommen zu einem neuen Video, wir machen heute echt was krasses..."

Ein diskutables Ende

Viele halten Follow Me vor, dass sein Ende den kompletten Film zum Einsturz bringt. Der Schlussakt ist tatsächlich sehr diskutabel, aber auf eine schräge Weise auch zutreffend auf die gesamte Social Media Geilheit, die sich stets im Hintergrund abspielt. So kann man sich gut einen Influencer vorstellen, der in einem Escape Room in totale Panik gerät. Es wird zwar ordentlich konstruiert, aber es wirkt definitiv nicht so, als wäre das Umfeld des Films unrealistisch. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Sets überraschend realitätsnah aussehen. Da hat man sich, in vielerlei Hinsicht, extreme Mühe gemacht, alles so inszenieren, dass es der Wirklichkeit entsprechen könnte. Dennoch wird das Ende zwangsläufig nicht jeden überzeugen bzw. erfreuen. Auf seine Einzelteile zerlegt ist dieses zwar nicht außerordentlich originell oder gar eine große Überraschung, die keiner so kommen sieht, aber auch keines das überhaupt keinen Sinn macht. Geübte Beobachter können erahnen auf was Follow Me zusteuert, aber das macht das Ende auch nicht so schlecht, wie es von vielen anderen Kritikern felsenfest behauptet wird. Man muss zudem positiv bemerken, dass das Finale mal wieder ein hervorragendes Beispiel dafür ist, auch nach der Filmsichtung lange darüber zu sprechen. Ob zum guten oder zum schlechten. Denn viele Horrorfilme und ihre abschließenden Minuten lassen uns häufig sehr kalt. Hier nicht! Ob man die zusätzlich eingeführte Gesellschaftskritik über Social Media und den Influencer nun feiert oder nicht, es ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen, im Hinblick darauf was wir auf den heutigen Plattformen (Facebook, YouTube oder Instagram) schon für schräge Inhalte sehen durften.

Fazit:

Follow Me hat zwar verstanden wie es die Komponente Social Media mit einem minimalen Horror-Faktor verknüpft, verfügt aber auch über die typisch schwachen Elemente des Genres: Uninteressante Charaktere und eine viel zu lange Einleitung. Für einen 90-Minüter ist der Anfang zu lang gezogen, bietet aber zumindest im Mittelteil durchaus viel Unterhaltung, in Form von perversen Spiele alla Saw. Über das Ende kann man noch Tage nach dem Film streiten, aber letztlich passt es in den Film recht gut, selbst wenn es weder genial noch unvorhersehbar erscheint. In Anbetracht dieser Punkte landet dieser neuer Horror-Thriller im Mittelfeld.

MCG-Raiting

★★★★★★

5.0 Punkte

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