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"3 Engel für Charlie": Ein gescheitertes Reboot! (REVIEW)

Erste Frage zum Film: Hat irgendjemand tatsächlich auf dieses Reboot gewartet? Nun ja, die Frage ist schnell beantwortet, wenn man überlegt, dass der Film 2019 in vielen Ländern (außer den USA natürlich) mehrere Monate verschoben wurde. In Deutschland bspw. erst Anfang 2020! Leider strotzt das Reboot zu 3 Engel für Charlie vor lahmer Action und billigen Gags. Und das obwohl das Trio an sich nicht einmal schlecht ist und durchaus mit der Harmonie des mittlerweile legendären Dreiergespanns der 2000er, mithalten kann.

Ein neues Trio!

Das Original in Serienform liegt schon über 40 Jahre zurück! Doch die Version an die sich die meisten noch erinnern werden und sie vielleicht sogar lieben sind die beiden Filme in 2000 und 2003. Hier agierten noch so namhafte Darstellerinnen wie Cameron Diaz, Lucy Liu und Drew Barrymore auf der Leinwand. 20 Jahre später folgt nun ein neuer Versuch die Engel auf der Filmlandschaft wieder zu etablieren. Zugegeben, auch die Filme der frühen 2000er waren definitiv keine Meisterwerke, boten aber zumindest einen gewissen Grad der Unterhaltung, sowie viel Slapstick-Humor, der damals noch besser funktionierte. In 2020 sieht man aber wie sehr diese Filme bereits gealtert sind. Sie werden lediglich noch belächelt. Da war es wohl, nach so langer Pause, wieder an der Zeit den Stoff fürs Kino aufzufrischen.

 

Herausgesucht hat man zwar keine unbeschriebenen Blätter, aber zeitgleich auch nicht gerade die Elite der momentan Schauspielerriege. Verkörpert werden die neuen Engel nämlich von Twilight-Star Kristen Stewart, Newcomerin Ella Balinska und Naomi Scott (Aladdin). Zu ihnen stoßen einige sehr bekannte Schauspieler wie The One And Only Patrick Stewart und Elizabeth Banks, die gleichzeitig Regie für den Film führte. Und Fakt ist, dass man dem Reboot eine gewisse Harmonie der Truppe nicht abstreiten kann. Tatsächlich funktioniert dieses Trio auch ähnlich gut, wie seine prominenten Vorgänger. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, was auch damals schon den Charme dieser Einheit ausmachte.

Hinzu kommt, dass die Neuauflage sofort damit beginnt die Welt von 3 Engel für Charlie weiter auszubauen. Aus der bisherigen Einzelgruppe wurden mittlerweile zahlreiche neue geformt und hervorging eine Organisation die im Film den Namen Townsend Agency trägt. Diese Entwicklung ist schon ein ziemlich interessanter Ansatz, der, wohl bemerkt, auch nicht vergisst seine Vorgänger zu würdigen. Doch was in Sachen Harmonie und Weiterentwicklung zu einem größeren Franchise durchaus viel Gutes verspricht, hat auf der Kehrseite eine eher plumpe Story-Struktur und herzlich wenig gute Action im Sortiment.

Die Normalität einer lauen Actionkomödie

Wir hatten bei bislang allen Filmen der Reihe nicht wirklich eine gut strukturierte Geschichte. Die 2000er Filme waren da fast schon ein überdimensionales Durcheinander, um wirklich alle Facetten der einzelnen Charaktere zu erklären. Zumindest hatte dies bei deren Version aber immerhin für den komödiantischen Part die Grundlage gebildet. In der Neuauflage stoßen wir auf eher durchschnittlich sympathische Hauptakteure, die zwar ein wenig Background erhalten, diese aber definitiv nicht so überzeichnet sind, wie bei der Darstellung vom vorangegangen filmischen Trio (Diaz, Liu und Barrymore). Das Salz in der Suppe bei 3 Engel für Charlie allerdings, sind die Zusammenhänge mit einigen Nebenfiguren (darunter vor allem die Antagonisten der Geschichte) und deren Handlungen. Sie bringen zwar die Geschichte erst so richtig in Fahrt, versuchen aber zeitgleich mit ihnen und fehl geleiteten Überraschungsmomenten, den Film auf einen Kurs zu lenken, für den er eigentlich viel zu klein bzw. zu normal ist. Wir reden hier von einer simplen Actionkomödie, die hier aber vielleicht etwas zu viel sein will, als das es der eigentliche Film letztlich hergeben kann. Wie schon gesagt, auch die Vorgänger hatten nicht wirklich die Struktur um große Plot-Twists einzufügen und auch sie scheiterten in Folge dessen an dem Versuch die Zuschauer unbedingt überraschen zu wollen. Diese Art von Film muss das natürlich immer wieder probieren, doch leider gelingt es den wenigsten Filmtiteln daraus Kapital zu schlagen. Und die neuen Engel sind hierfür ein perfektes Beispiel, wie es am Ende ordentlich nach hinten losgeht.

3 Engel für Charlie Filmbild
Bild: Jane (Ella Balinska) in Undercover-Mission. | Sony Pictures

Zwei Stunden mit (etwas) zu wenig Action

Charlies Angels stand schon immer für Action einhergehend mit interessanter und an manchen Stellen zu übertriebene Detektivarbeit. Diesen Punkt möchte man beim neuen Film natürlich nicht vollkommen abstreiten, es hätte aber wesentlich mehr sein können. Mit knapp zwei Stunden ist er von der Laufzeit her der Längste von allen drei Kinofilmen, bietet aber auf Gesamtsicht wohl die geringste Menge an unterhaltsamer Action. Die Zeit wird häufig für überschwängliche Erklärungen genutzt, wie wir sie zwar auch aus den Vorgängern kennen, aber dort wesentlich schneller ihr Ende finden. Elizabeth Banks verkörpert mit ihrer Figur (Bosley) zwar den Offizier bzw. den Chef der Truppe, verzögert aber das eine oder andere mal eine rasante Action-Sequenz. Des Weiteren fällt auf, dass die neuen Engel oftmals auch mehr alleine agieren, anstatt im Team. Der Hauptbestandteil eines jeden Teams: die Zusammenarbeit im Kollektiv fehlt leider in weiten Teilen des Films vollständig. Sie kommt erst gegen Ende des Films wieder so richtig zum Tragen, was sehr schade ist, da das Grundgerüst dieses Trios eigentlich gut steht. Das macht auch viele der Actionszenen letztlich ziemlich mau, da wir sehr viele springende Momente in der Handlung haben. Mal sind die Engel auf sich allein gestellt, mal zu zweit und am seltensten sehen wir sie tatsächlich zu dritt. Es mag zwar die ein oder andere coole Sequenz geben, die für 3 Engel für Charlie spricht, sie kratzen aber nur an der Oberfläche und sind im Hinblick auf das Genre doch eher nur im unteren Durchschnitt anzusiedeln.

Irgendwie will man trotzdem mehr...

In Anbetracht der Kritikpunkte zum Reboot ist es fast unmöglich, dass man sich hier, an dieser Stelle, für eine Fortsetzung ausspricht. Das verrückte dabei, irgendwie wäre man, trotz eines eher verkorksten ersten Auftritts des neuen Trios, einer Fortsetzung nicht abgeneigt. Denn letztlich enthält der neue Film ein Element, welches für Stewart, Balinska und Scott als die neuen Engel spricht. Sie befinden sich, im Gegensatz zu den 2000er Engel, noch ganz am Anfang ihrer Reise. Das geht auch teilweise Hand-in-Hand mit den Kritikpunkten, denn als Team sind sie für die Geschichte noch sehr unerfahren, ungeübt und eventuell sogar unbeholfen. Daher macht es auch, an einigen Stellen Sinn, hier in einem neuen Film anzusetzen. Zumal das Reboot sich durch zahlreiche Cameos und die dadurch mit einfließende Hommage für frühere Darstellungen viel positive Resonanz abgeholt hat. Da man die Harmonie des neuen Trios nur loben kann, und eine Weiterentwicklung der Figuren wesentlich mehr Anreize für einen weiteren Film anbietet, als eine schon jahrelang praktizierende Gruppe, würde man als Zuschauer am liebsten grünes Licht geben für einen zweiten Versuch. Da allerdings die Zahlen an den Kinokassen am Ende ausschlaggebend sind, wurde dem Aufbau dieser Filmreihe bereits ein Riegel vorgeschoben. 

Fazit:

Man will die 3 Engel für Charlie vielleicht größer machen, als es eigentlich möglich ist. An einer durchaus talentierten und ambitionierten Truppe scheitert es nicht, vielmehr versucht die Geschichte ein wenig zu viel des Guten. Damit einhergehend sind die Nebenfiguren wohl der Schwachpunkt, der das Ausmaß des Scheiterns offenbart. Elizabeth Banks versucht, in bester Absicht, ein neues Franchise rund um die Townsend Agency zu begründen, legt sich mit dem Film aber selbst einige Stolpersteine, die diese Idee schnell zu Grabe tragen. Dennoch wünscht man sich von diesem doch harmonischen Trio (Stewart, Balinska und Scott) einen zweiten Versuch, der aber aller Voraussicht nach, nicht in Planung sein wird.

MCG-Raiting

★★★★★★★★ 

4.0 Punkte

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