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"A Rainy Day In New York": Es regnet viele Fragezeichen (REVIEW)

Woody Allen Filme sind in den seltensten Fällen Kost für Jedermann. A Rainy Day In New York stellt das erneut sehr deutlich unter Beweis. Großstadt-Flair eingefangen von langsamen Kamerafahrten und mit bekannten Namen aus Hollywood bestückt, beinhaltet dieser Film seinen ganz eigenwilligen Charme, welcher aber nur den wenigsten Besuchern gefallen wird.

A Rainy Day In New York Filmbild
Bild: Timothee Chalamet als Gatsby Welles. | © 2019 Gravier Productions

Rom-Com mit Snobs

Romantische Komödien leben von ihren Figuren. Daher ist es wichtig diese so anschaulich und sympathisch wie möglich zu verkörpern, um die Zuschauer zum mitfühlen zu bewegen. Das große Problem bei den Figuren von A Rainy Day In New York ist die Tatsache, dass beinahe alle wie echte Snobs präsentiert werden. Das mag nicht nur am Look der einzelnen Personen liegen, sondern vielmehr an deren Verhalten. Für die breite Masse an Kinogängern/Zuschauer könnte das mit zunehmender Dauer sehr abstoßend wirken. Das die männliche Hauptfigur, gespielt von Oscar-Nominee Timothee Chalamet, den Vornamen Gatsby trägt, ist wahrscheinlich eine kleine aber feine Rand-Referenz an die bekannte Romanfigur "Der große Gatsby". Auch die filmische Figur aus Allens aktuellem Film ist privilegiert und hat, einige Male auch im Film präsentiert, Glück dabei auf dem schnellen Wege an Geld zu kommen. Auch die von Selena Gomez dargestellte Chan scheint weder Geldsorgen zu haben oder großartig um die Zukunft nachzudenken. Ein Leben im hier und jetzt mit viel Genuss und relativ wenig realitätsnahen Kummer, den andere Menschen aus unserer aktuellen Epoche haben, auch in der scheinbar unproblematischen Großstadt. Das sich nicht jede Rom-Com mit problematischen Themen, wie Arbeitslosigkeit, Armut und Sehnsucht nach Liebe auseinandersetzen kann, ist verständlich. Doch die Leichtlebigkeit mit der sich diese Komödie fortbewegt ist etwas, was wohl fast jedem am Ende böse aufstoßen lässt. Lediglich die vom Land stammende Ashleigh, gespielt von Elle Fanning, wird für die meisten der Zuschauer, mit ihrer lieblichen Naivität, eine gewisse Empathie erzeugen können.

Skurril aber unterhaltsam

Romanzen sind entweder tief emotional oder mit einem lustigen Unterton verbunden. Diese hier gehört zweifellos zu Letzteren. A Rainy Day In New York schafft es, trotz der vielen Snobs, tatsächlich den einen oder anderen größeren Knüller von der Leine zu lassen. Zwar bleibt man hier, gemäß dem stilvollen Umgang innerhalb der vielen Dialoge, auf einer sehr subtilen Ebene, aber eine gewisse Wirkung dieser Gags ist nicht abzustreiten. Nur selten allerdings nehmen die Charaktere den Stock aus dem Hintern, um frei zu sprechen, wie beispielsweise Gatsbys Mutter. Diese sagt in einem relativ bedeutenden Moment zu ihrem Sohn: "Ich rieche eine N**te aus zwei Meilen Entfernung". Da wurde die bislang so noble Etikette aus New York kurz mal außer Acht gelassen. Aber wie schon erwähnt, es bleibt eine Seltenheit. Die meiste Zeit (leider) wirken lange Dialoge, die gegen Ende des Satzes mit viel Ironie bedacht werden, mit einem seichten arroganten Unterton. Dennoch streut A Rainy Day In New York in seiner Handlung viele stilistische Klischees aus dem Genre ein, die den Film fortwährend ein wenig unterhaltsam gestalten. Es sind zwar einige sehr made Passagen dabei, welche sich durch den etwas alt aufgesetzten Kamera-Stil tatsächlich noch etwas langatmiger anfühlen, als sie in Wirklich sind, aber am Ende gibt es nicht viele Stellen die einen schlichtweg nur langweilen.  

A Rainy Day In New York Filmbild
Bild: Die Hauptfiguren im Film. Ashleigh (l., Elle Fanning) und Gatsby (Timothee Chalamet) | © 2019 Gravier Productions

Charaktere wie "Tag und Nacht"

Um ein bedeutungsschwangeres Zitat innerhalb des Films zu zitieren: "Wir sind wir Tag und Nacht". Genau diese Stelle beschreibt die meisten der Figuren in einem einzigen Satz etwas zu simpel. Nehmen wir das Paar, welches von Oscar-Preisträger Timothee Chalamet und Elle Fanning dargestellt wird, die als Sinnbild für dieses Zitat dienen. Das nächste Problem, was A Rainy Day In New York mit sich bringt, ist die Tatsache, dass dieser markante Vergleich, aufgrund der vielen Nebenfiguren einfach viel zu selten im Vordergrund steht. Es wäre, in vielerlei Hinsicht, eine sehr kunstfertige Story werden können, wenn man sich dazu entschlossen hätte, viele unnötige Charaktere wie die von Diego Luna, Kelly Rohrbach und von Liev Schreiber verkörperten einfach gestrichen wurden. Viel mehr als lang gezogene Dialoge und sehr abstruse Handlungsstränge, die am Ende nur als Lückenfüller dienen, waren das im Endeffekt nicht. Zumindest ist die Idee, die dahinter steckt, einen sehr ereignisreichen Tag eines ungleichen Paares in eine Filmgeschichte zu packen gar nicht mal so verkehrt. Da wir, als Zuschauer, nicht viel mehr von den beiden Hauptfiguren Gatsby und Ashleigh erfahren, wie an welchem College sie studieren oder aus welchen gesellschaftlichen Schichten sie stammen, regt das dazu an mal darüber nachzugrübeln. Wie kamen solche ungleichen Partner zusammen? Gab es überhaupt gemeinsame Ausflüge zu zweit? Macht eine Zukunft mit diesem Mann/dieser Frau Sinn? Alles Fragen, die wahnsinnig interessant sind, für die aber innerhalb des Films keine Zeit mehr bleiben.

Weniger ist manchmal mehr

Woody Allen weiß in seinem neuen Film, wie auch in seinen bisherigen Werken, wo er den Fokus drauf legen muss. Große Hintergründe sind nicht der Maßstab. Die Dialoge im Zusammenspiel mit der Großstadt im Hintergrund sind hier das Mittel, welches das Szenenbild ergänzen soll. Und New York fängt der Elite-Regisseur auch in A Rainy Day In New York wieder sehr gut ein, ohne es zu markant ins Auge stechen zu lassen. Es wird eher mehr Wert darauf gelegt, in abwechselnder Tendenz, die Dialogpartner entweder mit sehr weichen oder mit etwas dunkleren Farben im Vordergrund zu präsentieren. Das mag vielleicht, in der heutigen Zeit, keine große Kunst mehr sein, aber weniger ist manchmal einfach mehr. Und mehr große Bilder, mit mehr Landschaft und mehr Großstadt hätte diese Komödie vielleicht noch etwas schlechter gemacht. Achtet man genauer auf die Beleuchtung wird einem zudem klar, dass diese perfekt für die aktuelle Stimmungslage zugeschnitten ist. Wut und Traurigkeit als dunklerem, Lust und Romantik in hellem Farbton.

Fazit:

A Rainy Day In New York ist am Ende wie ein Film von Woody Allen. Gemäß seinem Filmstil aufgebaut, mit einem Cast aus bekannten Namen, aber auch einer etwas abgehobeneren Art an Charakteren. Für die breite Masse ist vieles, was der Film beinhaltet, nämlich die seriöse und teilweise sehr eingebildete Etikette, eher abstoßend, aber in gewissem Maß auch unterhaltsam, wenn es ans Eingemachte geht. Es hagelt viele sehr subtile Scherze, aber es wirkt dem Ende hingegen doch häufig viel zu konstruiert. Am Ende rettet sich der Film, durch die typische Machart seines Regisseurs, auf eine sehr durchschnittliche Komödie, die man zwangsläufig aber nicht jedem Zuschauer empfehlen kann.

MCG-Raiting

★★★

5.0 Punkte

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