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"Aladdin": EIn Fortschritt in Sachen Realverfilmung (REVIEW)

Disney musste, dank ihren Planungen für die Zukunft des Filmstudios, äußerst viel Kritik einstecken. Der größte Kritikpunkt in letzter Zeit war das Disney ihre All-Time Klassiker wie Der König der Löwen, Dumbo und nun auch Aladdin als Live-Action verfilmen. Alle diese Zeichentrickfilme waren sehr erfolgreich und das das aktuell erfolgreichste Filmstudio alle diese Filme quasi recycelt, sorgte für einigen Unmut von den Fans. Nach dem schlechten Abschneiden von Dumbo, Anfang des Jahres, muss nun Aladdin die Weichen wieder in eine positive Richtung Stellung lenken.  

Farbenfrohes Agrabah und arabischer Prunk

Wer kennt es noch aus der Kindheit? Die farbenfrohe und gleichzeitig mystische Welt von Arabien, noch genauer gesagt Agrabah. Das was gleich zum Start sofort ins Auge sticht, ist das Zusammenspiel mit einer Vielfalt aus Farben. Sei es die Stadt selbst, ein wohl dekorierter Palast, dem Stile arabischer Sultane gerecht, oder aufwändige Kostüme, die sich von Szene zu Szene selbst zu übertreffen versuchen. Der Realfilm Aladdin macht neben seinem Original eine ziemlich glanzvolle Figur und zeigt für uns eine fast schon surreale, aber faszinierende und schöne Welt, die für einen Film in dieser Größenordnung (ca. 180 Mio. US Dollar Produktionsbudget) wie geschaffen ist. Zwar hat man in der Stadt Agrabah nicht so recht das Gefühl, dass Arm und Reich eine solche Kluft trennt, wie man es uns weiß machen will - denn sind wir mal ehrlich, der im Film dargestellte Aladdin sieht nicht wie ein gewöhnlicher Straßenjunge aus (aber das tat er auch schon im Zeichentrick nicht) - aber irgendwie bekommt man hier das Gefühl nicht los, dass dies alles sehr stimmig auf das Publikum wirkt. Dabei kriegen wir, mehr als nur einmal, den arabischen Prunk vor das Auge gedrückt. Und dieser sieht nicht nur so aus, als hätte man hier mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet, er fällt auch fast recht makellos aus. Allein auf das Kostümdesign abgeleitet, ist der Film ein echtes Highlight in diesem Jahr.

 

Intro = Gänsehaut, aber nicht alle Songs erzielen Wirkung

"Arabische Nächte". Wer diesen Song, bzw. das Intro des Zeichentricks noch im Gedächtnis hat, bekommt mit Sicherheit eine Gänsehaut wenn Will Smith den Film damit einleitet. Oftmals sind vielleicht einige der insgesamt 37 Tracks innerhalb des Films, an der einen oder anderen Stelle zu viel und eventuell auch nervig. Aber eins ist garantiert, sobald Genie bei einem der Musikstücke im Vordergrund steht, besitzt dieses äußerst viel Charme und jede Menge Spaß. Anders sieht es da bei der Hauptfigur selbst, also Aladdin, oder der Prinzessin Jasmin aus, wo ein paar der Titel etwas cringy sind. Ob das jetzt eventuell an der deutschen Synchro liegt, die ohnehin bei Liedern sehr schwer anwendbar ist, ist eher zweitrangig. Im Original kann sich das geringfügig besser anhören, aber diese beiden Figuren und ihre Lieder stehen nicht auf einer Ebene mit dem Charisma eines Genie. Eigentlich schon ein bisschen schade, denn schließlich spielen Mena Massoud und Naomi Scott die offiziellen Hauptrollen im Film und sollten zumindest gleichwertige Perfomances abliefern, was aber leider nicht so ganz gelingen mag. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass Will Smith schließlich bereits als Musiker in Real Life abgeliefert hat und einfach gesagt weiß, wie so etwas auszusehen hat. Trotzdem passen, wie erwähnt, nicht alle Tracks an den eingesetzten Stellen.

Bild: Ein echtes Dreamteam im Film. Aladdin (Mena Massoud) und Genie (Will Smith) | 

Will Smith ist fantastisch als "Genie"

Eigentlich machen fast alle im Cast eine relativ gute Figur. Der wahre Star des Films ist aber, und das war schon fast zu vermuten, Will Smith als "Genie". Abgesehen von seinen Musik-Skills zaubert er mit seinem Auftreten in wirklich jeder Szene ein Lächeln auf euer Gesicht. Und alle die sich zur Veröffentlichung des ersten Trailers über das Aussehen des Genies lustig gemacht haben, werden spätestens mit dem Film eines besseren belehrt. Den dieser Genie sieht im Film in seiner Geistesgestalt weder over-the-top, noch zu CGI-überladen aus. Sie sieht optisch, zwar nicht herausragend aus, ist aber wirklich gut getroffen. Hinzu kommt ein einnehmender und sehr lustiger Charakter, der fast schon komödiantische Anlagen vorweisen kann. Egal ob Mentor oder am Ende sogar bester Freund von Aladdin, Will Smiths Genie macht von Anfang bis Ende richtig viel Spaß und hebt die Qualität des Films so sehr, dass man über typische Muster eines Disney-Films hinwegsehen kann. Denn grundsätzlich ändert sich nicht sehr viel an der Geschichte des Originals. Da ist ein sehr muskulöser Genie, mit dieser Bandbreite an stark gelungenen Gags in dieser Häufigkeit der größte Unterschied zum Zeichentrick. Und natürlich ist dessen Humor der Altersfreigabe (FSK 6) entsprechend einfach gehalten, aber passend. 

 

Dschafar ist eine Riesen-Enttäuschung

Wo ein Protagonist auftaucht, st selbstverständlich auch ein Antagonist notwendig. Bei Aladdin ist das der berühmt berüchtigte Dschafar, der nach der Macht des Sultans trachtet. Im Zeichentrickfilm und in der gleichnamigen Zeichentrickserie ist diese Figur fast schon Angst einflößend und eine sehr imposanter Bösewicht. Die Realfilm-Version allerdings ist von vorne bis hinten eine absolute Enttäuschung. Dschafar-Darsteller Marwen Kenzari ist weder körperlich, noch charismatisch in der Lage, dieser wichtigen Figur etwas richtig böshaftes zu verleiten. Es mag zwar nicht unbedingt nur am Schauspieler liegen, aber Kenzari bietet für die Rolle dann doch auch viel zu wenig gute Eigenleistung an, um hier zumindest den Anschein zu erwecken, dass Dschafar als Bösewicht auf der Filmlandschaft Ernst genommen werden kann. Er ist dem Zeichentrick-Dschafar nicht nur in allen Punkten unterlegen, sondern ist am Ende des Films beinahe zu einer Witzfigur geworden. Und das sollte letztlich nie das Endresultat eines filmischen Bösewichts sein. Mission failed in allen Bereichen was den Aladdin-Schurken angeht.

Bild: Der Sultan (Navid Neghaban)  und Dschafar (Marwen Kenzari) im Gespräch. |  

Ein Hoch auf die Liebe und gute Freunde

Das Aladdin letztlich auf eine Liebesgeschichte hinsteuert, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn wie auch im Original versucht der verarmte Straßenjunge, der als Dieb seinen Unterhalt verdient, seine Angebetete zu beeindrucken. Natürlich kommt hier auch der Genie des Öfteren zum Einsatz, wenn auch zum Großteil nur mit Tipps, anstelle von Magie. Die Romanze selbst ist, wenn häufig auch sehr kitschig angelegt, sehr niedlich und mit vielen emotionalen Momenten gefüllt. Natürlich muss man auch hier vor Augen führen, dass diese nicht der Maßstab für zukünftige romantische Filme dienen kann. Aber diese Lovestory gehört definitiv zu einer der besseren in jüngster Zeit. Dafür sorgen ein sehr leidenschaftlicher Mena Massoud und eine reizende Naomi Scott als Hauptfiguren. Dem hinzu kommt natürlich die bunte Mischung an eigenartigen und loyalen Freunden. Darunter in erster Linie Aladdins ständiger Wegbegleiter Abu, der neben Will Smith für die meisten der Gags verantwortlich ist und der fliegende Teppich, der ebenfalls für viele lustige Szenen sorgt. Zusammenfassend ist die Story ein emotionaler Kampf um die Liebe, sowie die Entwicklung zu wahren Freundschaften. Darunter gibt es auch einen sehr schönen, wenn auch viel zu leicht erspürbaren, Schlüsselmoment zwischen Aladdin und Genie, den wir an dieser Stelle, wegen möglicher Spoiler, natürlich nicht Preis geben können.

Fazit:

Disneys neue Realverflimung ist optisch, sowie erzählerisch gut gelungen. Natürlich ist hier keine Rede von einem Meisterwerk. Aber der 2019er Aladdin in Live-Action bietet viel Charme, Witz und einen farbenfrohes Spektakel das auf der Leinwand viel Spaß hervorbringt. Ein Film für jung und alt, mit einem Will Smith als Star der Show.  Einen besseren Genie hätte man an dieser Stelle nicht wählen können. Im krassen Gegensatz dazu ist ein sehr eindimensionaler und fast schon uninteressanter Dschafar, der den vielleicht schlechtesten Bösewicht des Jahres abgibt. Was das Gesamtbild gut abrundet sind weitere gute Schauspielleistungen von Mena Massoud als Aladdin und Naomi Scott als Jasmin, sowie ein sehr schickes Szenenbild und Kostümdesign. Die vielen Musikstücke können eventuell in ihre Fülle doch recht anstrengend sein, gehören aber auch irgendwie dazu (also kann man sich damit anfreunden). 

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.0 Punkte

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