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"Army Of The Dead": Zombiefilm-Revolution oder doch nur Eintagsfliege? (REVIEW)

Zack Snyder und Zombiefilme. Das hatten wir doch schonmal. 17 Jahre nach Dawn Of The Dead kehrt der Justice League Regisseur zu seinen Wurzeln zurück. Mit Army Of The Dead glückt ihm dabei, was vielen anderen Zombiefilmen der heutigen Zeit einfach nicht mehr gelingen mag. Aber ist sein neuer Zombiefilm auch eine Revolution oder doch nur der absolute Genre-Standard?


Filminfos:

Netflix-Start: 21. Mai 2021

Laufzeit: 148 Minuten

FSK: 16

Genre: Horror/Zombiefilm/Action

 

Regie: Zack Snyder

Mit: Dave Bautista, Matthias Schweighlöfer, Omari Hardwick und Ella Purnell

Story:

Nachdem Las Vegas einer Zombie-Epidemie zum Opfer gefallen ist, wurde die Stadt abgeriegelt. Doch der Casinochef Bly Tanaka wittert seine Chance und schickt ein speziell ausgewähltes Expertenteam in die Quarantänezone, um 200 Millionen Dollar aus einem Tresor unter dem Las Vegas Strip zu bergen. Da die Regierung plant, die Stadt mit einem Atomschlag den Erdboden gleich zu machen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und auch die ansässigen Zombies sorgen für die ein oder andere Überraschung.…



"Army Of The Dead": Keine "normalen" Zombies!

Zack Snyder ist mit Army Of The Dead zu seinen Karriereanfängen als Regisseur zurückgekehrt! Seine Laufbahn auf dem Chefsessel begann er nämlich 2004 mit dem Dawn Of The Dead Remake, welches zeitgleich eine Würdigung für das in 1979 veröffentlichte Zombie-Urwerk von George A. Romero darstellte. Nach 17 Jahren also widmet er sich wieder einem Zombiefilm, in dem zwar nicht das Rad neu erfindet, es aber in weiten Teilen ein wenig verfeinert hat. Anstelle der klassisch schwerfälligen Untoten, welchem man ziemlich leicht aus dem Weg gehen kann, liefert er mit seinem neuen Streifen eine Art von Zombie-Hierarchie auf den Plan. Schnelle und in seltenen Fällen intelligente Zombies gleichen den Kampf mehr als nur aus. Reine nummerische Überlegenheit der wandelnden Toten wird durch eine hinzukommende Komponente wie strategisches Vorgehen noch deutlich gefährlicher. Ein krasser Gegensatz zu einer der Zombie-Serien schlechthin: The Walking Dead. Da sieht dieses Verhältnis nämlich ganz anders aus. Damit ordnet sich Army Of The Dead in Sachen Zombie-Eigenschaften irgendwo zwischen World War Z und Resident Evil ein. Es entsteht jedoch folgendes Problem: Snyder denkt in diesem Film nicht einmal daran uns dafür irgendeine Art von Erklärung zu liefern. Die Ursachen bleiben vollkommen im Raum stehen und werden nur bruchstückhaft erläutert. Eine genaue Aufklärung werden wohl nur weitere Film- oder Serienadaptionen zu dieser Story leisten. Im Umkehrschluss liegt der Fokus also nur auf die ohnehin schon sehr interessante Kombination Zombie, Action und Heist-Movie! Warum es einen Zombie-König namens Zeus oder den bösartigen Zombie-Tiger gibt wissen wir somit selbst nach über zweieinhalb Stunden nicht. 


Zügellose Action und altbekanntes Szenario

Ganz im Ernst jetzt. Ein Zombiefilm über 120 Minuten? Davon gibt es nicht viele. Zack Snyder ist spätestens seit seiner Justice League dafür bekannt sehr ausschweifende und umfangreiche Geschichten abzudrehen. Da könnte man meinen bei seinem neuen Werk schleicht sich doch die ein oder andere Länge ein? Falsch gedacht! Army Of The Dead ist einer der unterhaltsamsten Zombie-Actioner der vergangenen Jahre. Das liegt zum Teil an einem sehr zügellos geratenen Zombiegemetzel, welches in Deutschland ein FSK 16 erhält, aber deutlich brutaler daherkommt. Hier fliegen wortwörtlich die Fetzen. Von aufgeplatzten Halsschlagadern, über einen Kiefer-Ausriss, bis hin zur Zerfleischung durch den Zombie-Tiger. Wer ein blutiges Spektakel erwartet wird hierbei definitiv nicht enttäuscht sein. Das ist in Anbetracht dieser kurzen Auflistung (es gibt natürlich eine Vielzahl weiterer solcher Szenen) kaum zu toppen. Es gehört letztlich zu dem Genre dazu und hat die Erwartungen vollends erfüllt, zumindest in diesem Punkt. Dabei lässt sich dieser Film erst einmal ein wenig Zeit für die eigentliche Vorbereitung dieser halsbrecherischen Mission. Wenn man so will ist es ein Selbstmordkommando, mit der verführerischen Option ordentlich Gewinn abzustauben: Einige Millionen Dollar! Im Mittelpunkt dabei steht Dave Bautistas Charakter Scott Ward, der ein Team aus einigen sehr sonderbaren Gestalten zusammenstellt. Darunter auch seine Tochter, die im Endeffekt allerdings ihre eigene Agenda verfolgt. Für den Großteil dieser Nebenfiguren werden recht überschaubare Hintergründe definiert, die teilweise Sinn ergeben und teilweise auch nicht. Aber bei dieser Vielzahl auch kein Wunder. Das dabei nicht jeder von diesem elf Mann starken Team überlebt ist vorhersehbar und einleuchtend, da sich das ohnehin in zahllosen anderen Zombiefilmen im Genre schon fundamental etabliert hat. Die spannende Frage in jedem dieser Filme ist jedes Mal vorgegeben: Wer überlebt und wer nicht? Auf dieser Basis erzählt Army Of The Dead leider nichts Neues, hat aber andere Faktoren die ihn entsprechend von der Masse abheben. Dazu gehören die Schauspieler:

Army Of The Dead Netflix
Bild: Matthias Schweighöfer und Dave Bautista in "Army Of The Dead". | NETFLIX

Schweighöfer und Hardwick brillieren als Nebenfiguren

Kaum zu glauben aber es ist tatsächlich so: Matthias Schweighöfer ist in Army Of The Dead ein echter Scene Stealer. Er, als "Tressorknacker", der allerdings etwas ängstlich porträtiert wird, ist die Schlüsselfigur zum Erfolg der Mission. Schweighöfer bekommt sogar noch ein Prequel mit dem Titel Army Of Thieves, welches in naher Zukunft (vielleicht sogar noch in diesem Jahr) auf Netflix erscheinen wird und den Story Arc seiner Figur Ludwig Dieter erzählen wird. Ob nun dessen schreckhaftes Auftreten oder die bärenstarke Chemie mit Omari Hardwicks Figur Vanderohe, egal in welcher Szene er vorkommt, wird er zum heimlichen Star des Films und das obwohl er keineswegs eine imposantes Erscheinungsbild verkörpert. Ganz im Gegenteil sogar. Stellt man ihn neben den ehemaligen Wrestlingstar Dave Bautista kann man (nicht einmal im Ansatz) von einem ausgeglichenen Verhältnis sprechen. Der Unterschied ist buchstäblich Riesengroß! Aber trotz der Wichtigkeit seiner Figur gelingt es ihm gerade dadurch Profit zu machen. Das wird vor allem kurz vor Erreichen des Zieles zum Ausdruck gebracht, wo unmissverständlich klar wird, dass es ohne ihn nicht weitergeht. Zudem bringt sein Ludwig Dieter die ein oder andere lustige Auffrischung mit, welche auch beim Publikum ihren Anklang findet. Auch Omari Hardwick wird im Verlauf des Films immer wichtiger. Vom kraftprotzenden Söldner zum aufopferungsvollen Kameraden, liefert er mit Vanderohe wohl die krasseste Charakteretnwicklung innerhalb des Films ab. Dave Bautista vermag zwar ebenfalls als Hauptfigur eine gute Performance zum Besten zu geben, getoppt wird er allerdings ohne jeden Zweifel von Schweighöfer und Hardwick!

Heist-Movie, Drama oder doch nur Zombie-Spektakel?

Was Army Of The Dead Letzten Endes sein möchte ist nicht eindeutig. Wahrscheinlich war man bereits von der Idee ein Heist-Movie, wie Oceans 11, mit einem Zombiefilm verbinden zu sehr überzeugt. Dieser Heist-Faktor spielt dabei aber tatsächlich kaum eine größere Rolle, ist er objektiv betrachtet gerade mal für eine Viertelstunde ein bedeutendes Thema im Film. Es überwiegt schlicht und ergreifend der Action lastige Teil, der ab und an durch einige humoristische Einlagen verfeinert wird. Da stellt man sich jedoch die Frage: Was möchte diese neue Filmreihe eigentlich nun sein? Army Of The Dead kostete immerhin schlappe 90 Mio. US Dollar und sollte doch gerade in dem Punkt in der Lage sein sich selbst zu definieren. Doch leider gelingt das nur bedingt. Irgendwie will man ein Stückchen von allen erdenklichen Möglichkeiten ausreizen. Neben lustigen Momenten mischen sich nämlich auch ziemlich dramatische dazu. Kernelement hier ist die Beziehung zwischen dem Team-Leader Scott Ward (Dave Bautista) und seiner Tochter Kate (Ella Purnell). Deren heikles Verhältnis stellt letztlich sogar eine Gefahr für die gesamte Mission dar und das obwohl es da auch einige andere Story-Elemente gibt, die das bereits im Hintergrund vollziehen (Auftritt: Ein skrupelloser Casino-Mogul). Einerseits ist der Film dadurch sehr vielschichtig, andererseits mag es auch etwas zu viel des Guten sein, wenn Drama, Komödie, Action und ein Heist-Movie aufeinandertreffen. Richtig ausgewogen ist das zwar nicht, aber es fühlt sich auch nicht so an, als hätte sich Zack Snyder komplett verspekuliert. Am Ende kann dabei für jeden Zuschauer etwas dabei sein oder auch nicht. Eines ist jedoch deutlich geworden: Army Of The Dead ist endlich mal wieder ein Zombiefilm mit erstaunlich guter Qualität!

Fazit:

Um auf die Frage des Titels zu kommen: Army Of The Dead ordnet sich genau zwischen Zombiefilm-Revolution und einer Eintagsfliege des Genres ein. Der neue Film von Zack Snyder hat sehr viele starke und neuartige Ansätze die tatsächlich etwas außergewöhnliches für das Genre präsentieren. Von einer kompletten Revolution zu sprechen mag jedoch zu euphorisch klingen. Trotz deutlicher Überlange ist es dieser harten Interpretation einer Zombie-Apokalypse gelungen einen hervorragenden Unterhaltungswert anzubieten, welcher bei Filmen dieser Art längst nicht mehr selbstverständlich ist. Für seine Sets, die Darstellung der untoten Armee und interessanten Charakteren gebührt Army Of The Dead zusätzliches Lob! Auch das sind Elemente welche Zombiefilme der heutigen Generation in der Gewichtung gerne weit nach hinten stellen.

MCG-Raiting

★★★★★★★★

7.0 Punkte



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