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"Artemis Fowl": Das große Disney-Desaster (REVIEW)

Was hat dieses Projekt für eine Vorgeschichte? An die gleichnamigen Romanserie von Eoin Colfer wollte man sich schon vor etlichen Jahren heranwagen. Die Planungen begannen 2013, die eigentliche Produktion allerdings erst im Jahr 2018. Trotz einiger sehr bekannter Namen im Cast scheitert diese Adaption auf der ganzer Linie. Hinzu kommt das Disney+ nach diesem Desaster ebenfalls in kein gutes Licht gerückt ist.

Große Namen, wenig Sympathie

Judi Dench und Colin Farell sind im Cast die bekanntesten Darsteller. Klar auch diese beiden Namen sind keine Garantie für einen guten Film, aber zumindest hatte man einen Funken Hoffnung an diese Adaption. Ferdia Shaw, der mit Artemis Fowl sein offizielles Leinwanddebüt feiert bzw. aktuell nur sein "normales" Debüt auf einem Streamingdienst (der Film kommt ja nicht in die Kinos), hat mit seiner ersten Rolle gleich ordentlich ins Fettnäpfchen getreten. Zwangsläufig kann man ihm da keinen Vorwurf machen, denn die Produktion stand seit 2018 nicht wirklich unter einem guten Stern. Riesenproblem: Der Karriere des 15-jährigen irischen Darstellers wurde mit dem Film nun ein abnorm großer Stein in den Weg gelegt. Warum stellt sich die Frage? Artemis Fowl ist, und man muss es deutlich sagen, eine Riesenenttäuschung. Der im letzten Jahr schon als zukünftigen Flop abgestempelte Fantasyfilm landete nun, auch dank der aktuellen Problematik mit der Coronakrise, auf dem hauseigenen Streamingdienst Disney+. Eine Tatsache, die mit Sicherheit vielen Filmliebhabern auch noch das letzte Quäntchen Sympathie geraubt hat. Erster Punkt der Misere ist tatsächlich die Besetzung, der man schon zu Beginn nahezu überhaupt nichts abgewinnen kann. Eine wahnwitzig schwache Charakterbeleuchtung jeder einzelnen Figur sorgt für ebenso schwache Sympathie gegenüber diesen. Vor allem die Hauptfigur, die in der filmischen Adaption sehr unglücklich porträtiert wird, bringt man als Zuschauer nur Missachtung und eine gigantische Menge Antipathie entgegen. Auch die beiden eher größeren Namen an Schauspielern (bereits weiter oben genannt) tragen einen nicht unwesentlichen Anteil dazu bei, dass die Besetzung mehr und mehr einem Komplettausfall gleichkommt.

125 Mio. Dollar in den Sand gesetzt

Bei dreistelligem Millionen Budget sollte doch deutliche Qualität zu spüren sein? Bei Artemis Fowl kann man zumindest im Ansatz etwas spürbar positives im Szenenbild abgewinnen. Sowohl Kostüme, als auch visuelle Effekte sind gelegentlich ganz ordentlich umgesetzt, wenn auch ohne hervorstechende Besonderheiten. Für das Riesenbudget ist die Erfolgsmessung am Ende letztlich nur ein schwaches okay, was die Technik betrifft. Von einem guten Film, geschweige denn einem visuell beeindruckenden Fantasy-Meisterwerk ist man trotz allem meilenweit entfernt. Und selbst wenn man hier mit durchschnittlicher Qualität zumindest ein wenig wieder gut machen kann, so bleiben auch viele Details nachrangig in Erinnerung, die den Film an vielen Stellen auch häufig mit schlechten Effekten überschatten. Bei Artemis Fowl ist das leider ein zweischneidiges Schwert. Es gibt ein paar gute, aber genau so viele schlechte Szenen. Und vielleicht ist es am Ende auch gut so, dass Disney diesen Film tatsächlich lieber direkt ins Heimkino schickt, anstelle auf die großen Leinwände. Denn ein 3D-Release hätte wohl zu noch schlimmeren Reviews geführt, als es sie ohnehin schon gibt. Hier bleibt am Ende nur zu sagen, dass die Investition in diesen Film eine riesige finanzielle Katastrophe darstellt. Es zählt eben nur die Gesamtheit und nicht nur einzelne Szenen. Und die ist eben hundsmiserabel.

Artemis Fowl Szenenbild
Bild: Ferdia Shaw spielt den jungen Artemis Fowl. | Disney

Falschinterpretation des Charakters

Während er im Roman selbst doch eher als Gauner beschrieben wird, so ist Artemis Fowl in der filmischen Adaption eher heldenhaft charakterisiert. Während er in der Vorlage zu einem Meisterdieb avanciert, ist er 2020 zu einem absoluten Stereotyp eines heroischen Filmcharakters degradiert worden. Hinzu kommt das die filmische Figur nahezu keinerlei Form von Charisma aufweist. Vielmehr ist der arrogante Jungspund einer der nervigsten Figuren des aktuellen Filmjahres. Ob das jetzt daran liegt, dass Darsteller Ferida Shaw hier letztlich sein Leinwanddebüt feiert (ohne nennenswerte Erfahrung), sei zunächst mal dahingestellt. Das Porträt von Artemis Fowl im Film ist absolut uninspiriert und lieblos. Ein Film, der also schlichtweg nicht seiner Vorlage auch nur im Ansatz gewachsen ist und schon im Vorfeld von eingefleischten Fans mit mulmigem Gefühl aufgefasst wurde. Diese Emotion hat sich nun in tragischer Weise bestätigt. Und leider spielen die Macher zu sehr darauf aus, mit diesem Charakter ein neues Franchise ins Leben zu rufen. Die Buchreihe würde immerhin acht Bände vorweisen, die mit Sicherheit auch gute Geschichten auf der Leinwand präsentieren könnten. Allerdings vermag dieses von Disney angestrebte Filmuniversum wohl kaum eine große Fanbase zu finden. Der Adaption wird zu 100% keinerlei Fortsetzung folgen. Hierfür ist die Ablehnung gegenüber dieser filmischen Interpretation einfach zu hoch. Zudem wird Disney aller Wahrscheinlichkeit für einen solchen Riesenflop wohl kaum erneut so tief in die Tasche greifen. John Carter wäre wohl ein passendes Beispiel, um das schon jetzt zu unterstreichen.

Disney+ als Auffangstation

Nach anfänglicher Begeisterung über den Streamingdienst Disney+ schlug die Gefühlslage vieler Zuschauer schnell ins Negative. Launenhaftes Angebot und im Grunde fast keine guten Originals, The Mandalorian mal ausgenommen! Das Artemis Fowl direkt zum Streamingdienst wechselt, passierte nicht ohne Grund. Nach zahlreichen Verschiebungen und der Corona-Krise, wuchs das Desinteresse an dem Projekt. Es gab am Ende vermutlich keine andere Option, als diese (und man muss es so deutlich sagen) gescheiterte Adaption aus dem Kinoprogramm zu streichen. Der drohende Flop war eigentlich nicht mehr abzuwenden. Jetzt nachdem man das Endprodukt sehen konnte, fühlt man sich auch in dieser Annahme mehr als bestätigt. Ein zukünftiger Flop, der von der großen Mehrheit an Zuschauern genauso schlecht aufgefasst wird, als die ohnehin schon nicht zurückhaltenden Kritikern, die den Film förmlich zerfetzen. Die Abschiebung auf den Streamingdienst wird mit ziemlich großer Sicherheit eine enorme Tragweite mit sich ziehen. Denn nach Artemis Fowl könnte man Disney+ wohl als endgültige Auffangstation gescheiterter Disney-Filme interpretieren. Ist dieser Ruf erstmal da, wird es für den Service wohl umso schwerer sein gegen die Konkurrenz von Netflix, Prime Video, HBO Max usw. anzukommen. Fakt ist, sollte sich das wiederholen, wird Disney+ auf Dauer viele seiner Abos verlieren.

Fazit:

Misslungen. Wäre wohl ein zutreffender Begriff um diesen Flop in höflicher Form zu umschreiben. Artemis Fowl, ein Fantasyfilm auf den viele Kinogänger noch vor über einem Jahr als Geheimtipp gespannt waren, ist ein gigantisches Desaster geworden. Ein dreistelliger Millionen Betrag brachte nicht mehr hervor, als ein liebloses mit einem überwiegenden enttäuschenden Cast geflopptes Projekt, dass am Ende noch deutlich mehr schaden anrichten könnte, als auf der großen Leinwand. Disney tut gut daran, ihrem Streamingdienst in naher Zukunft anders zu definieren. Die filmische Adaption ist weder sehenswert, noch im Ansatz für ein aufflackerndes Franchise gedacht. Am besten ihr greift zur Buchreihe, denn diese wird euch wesentlich mehr Freude bereiten, als der Film

MCG-Raiting   

★★★★★★★★ 

1.5 Punkte

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