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"Awake": Schlaflos, ermüdend, zum Einschlafen langweilig! (REVIEW)

Schlaflos in der Tat, denn so könnte man die bisherige Content-Strategie von Netflix im ersten Halbjahr 2021 bei dessen Filmen beschreiben. Der neue Endzeit-Thriller, mit einem eigentlich interessanten Kernelement, verschläft es (sinngemäß) aus seinem Konzept eine mitreisende Geschichte zu inszenieren. Und naja, ihn als Science-Fiction Film einzuordnen ist fast schon eine Frechheit!

Awake Film
Eine Familie in einer schlaflosen Welt. V.l. Lucius Hoyos, Gina Rodriguez und Arianne Greenblatt in "Awake". | NETFLIX

Filminfos:

Netflix-Start: 9. Juni 2021

Laufzeit: 96 Minuten

FSK: ?

Genre: Sci-Fi/Thriller

 

Regie: Mark Raso

Mit: Gina Rodriguez, Ariana Greenblatt und Shamier Anderson

Story:

Als ein verheerendes Ereignis jegliche Elektronik vernichtet und die Schlaffähigkeit des Menschen zerstört, bricht die Hölle auf Erden los. Die Menschen werden aufgrund des Entzugs ihres natürlichen Biorhythmus immer wahnsinniger und gewalttätiger, so dass selbst der Untergang der Zivilisation nur noch eine Frage der Zeit scheint. Inmitten dieses Chaos kämpft eine Mutter mit ihren beiden Kindern ums Überleben: Jill (Gina Rodriguez), eine Soldatin mit schwieriger Vergangenheit, würde töten, um ihren Sohn Noah (Lucius Hoyos) und ihre Tochter Matilda (Ariana Greenblatt) zu beschützen. Doch bald stellt sie fest, dass ausgerechnet Matilda der Schlüssel zum Überleben der Menschheit sein könnte. 



"Awake" und die Idee einer schlaflosen Apokalypse

Wie der Filmtitel unschwer vermuten lässt, wird sich dieser neue Netflix-Film mit dem Thema des Wach seins bzw. seinem Synonym Schlaflosigkeit beschäftigen. Ein Thema welches man in diesem Film als eine Art Endzeit-Szenario auf die Menschheit loslässt. Eigentlich ist es faszinierend, wenn man sich wissenschaftliche Studien dazu betrachtet. Nach 24 Stunden wird bereits die Reaktionszeit des Menschen praktisch halbiert, die Augen werden rot, brennen und ein stetiges Gefühl der Müdigkeit beherrscht den Körper. Einen weiteren Tag später, also nach 48 Stunden, kann man in einem Fieber ähnlichen Zustand verfallen. Schüttelfrost, Gleichgewichtsverlust und unkontrollierte Emotionsausbrüche sind die Folge. Bereits nach 72 Stunden ist logisches Denken praktisch unmöglich, Psyche und Stoffwechsel fahren runter und brechen zusammen. Wahnvorstellungen sind die Folge und nicht selten ist da für den menschlichen Körper schon Endstation!

Ihr seht, für einen mitreisenden apokalyptischen Film sind die Weichen eigentlich gelegt, aber was macht Awake nun daraus? Herzlich wenig um es einmal schnell zu formulieren. Denn genau diese Punkte werden einfach nur kurz erwähnt, finden aber in weiten Strecken der Geschichte wenig Beachtung. Das bei einem weltweiten Ereignis gesellschaftliche Strukturen dabei zu Fall kommen werden, war praktisch absehbar, doch wirkt es eher so als würden sich die Menschen absichtlich darüber hinwegsetzen, anstelle von genannten Wahnvorstellungen, die bei längerem Schlafentzug auftreten können. Es sieht oftmals bei Begegnungen von unseren Protagonisten mit anderen Menschen so aus, als seien deren Absichten und Machenschaften absolut einkalkuliert und teilweise sogar geplant, obwohl das bereits nach zwei Tage letztlich bei einer Vielzahl der Menschen nicht mehr der Fall sein sollte. Hier ist schon jetzt das Thema völlig verfehlt, aber es kommt wie es kommen muss: Awake hat noch andere sehr große Schwachstellen!


Wenig Qualität im Cast

Zweifellos muss nicht jeder Netflix-Film einen prominenten Cast besitzen. Bei Awake heben sich zwar ein paar Namen hervor, aber die gehören natürlich nicht zur Hollywood-Elite. Darunter befinden sich die Hauptdarstellerin Gina Rodriguez, bekannt aus zahlreichen Nebenrollen wie Kajillionaire, Scooby und Auslöschung, Arianne Greenblatt bekannt aus dem kürzlichen Netflix-Hit Love And Monsters, Jennifer Jason Leigh u.a. bekannt aus The Hateful 8 und Barry Pepper, welcher zuletzt im Katastrophenfilm Crawl noch gegen Alligatoren kämpfte. Dennoch können diese Darsteller nicht einmal im Ansatz mit ihren Figuren die desillusionierte Geschichte retten. Sie tragen eher noch dazu bei diese weitestgehend zu verschlimmern. Denn eine lahme Geschichte, die bereits das Thema verfehlt, hat wie auch alle andere Filme folgendes Kryptonit: Uninteressante Figuren! Und die gibt es in Awake leider in großer Anzahl. Das sind nicht nur die von den bereits erwähnten Namen porträtierte, sondern auch einige Nebenrollen, wie bspw. die Rolle des Noah, gespielt von Lucius Hoyos, der für die Handlung eigentlich komplett irrelevant ist und nur integriert wurde, weil er der Sohn der Hauptfigur Jill (Gina Rodriguez) verkörpert. Dabei hätte man mit diesem Dreiergespann aus Mutter, Sohn und Tochter eine echte Fallhöhe mit emotionalem Verlust erzeugen können. Die bleibt aber folglich leider aus. So ist uns diese Familie in diesem apokalyptischen Szenario weder ans Herz gewachsen, noch fühlen wir mit ihnen und ihrem Schicksal mit. Zumal es auf uns Zuschauern ohnehin den Eindruck macht, dass fürsorgliche Mutter in nahezu jeder Szene die Kontrolle hat, obwohl (wie schon veranschaulicht) dies durch die Schlaflosigkeit kaum noch möglich sein sollte. Dazu gesellen sich klischeehafte Deus Ex Machina Momente, fernab jeglicher Logik oder Konsequenz. Auch das schnelle Auftauchen und Verschwinden des "freundlich entflohenen Häftlings", hier gespielt von Shamier Anderson zählt nicht nur einmal zu diesen Szenen dazu. Hoffen können wir nur darauf, dass er im kommenden John Wick 4 eine weitaus bessere Rolle erhalten wird.

Awake Film
Bild: Die schläfrigen Figuren aus "Awake" auf der Flucht ins nirgendwo. | NETFLIX

Schlaflos, schläfrig, zum Einschlafen!

Je mehr der Film auf sein Ende zusteuert, desto ermüdender wird dieses Abenteuer. Letzte Hoffnung ist das Finale, welches zwar nochmal das Ruder rumreißen will, aber am Ende doch wieder die Augen zu fallen lässt. Wenig Spannung und noch weniger gute Action als man befürchtet hatte. Naja, aber die Figuren sind ja bis dahin schon eine Weile wach und der Körper funktioniert ja nicht mehr. Das stimmt wiederum, doch stellt sich dann zeitgleich die Frage, warum Soldaten immer noch, nach Tagen der Schlaflosigkeit, so gut zielen und schießen können. Kein Witz, da trifft am Ende fast jeder Soldat sein Ziel. Schon etwas eigenartig! Und die Begründung sind einfach nur die Wahnvorstellungen! Alles klar. Allerdings sind zwischen mäßig bis schwachem Auftakt und einem spannungsarmen Finale, noch etliche Passagen die den Film etwas zu sehr in die Länge ziehen und das obwohl bis zum Ende der Menschheit, denn in Folge der Schlaflosigkeit kann am Ende logischerweise auch keiner überleben, nur wenige Tage vergehen. Sollte man dann die Geschichte nicht etwas rasanter gestalten? Awake hat dieses Merkmal übergangen, vielleicht auch dem Kernelement verschuldet komplett verschlafen, weil durch zusätzliche Fragen, wie bspw. der Herstellung eines Heilmittels, ein paar Fragezeichen mehr über der Story entstehen, als man hätte gebrauchen können. Letztlich ist dieser Film, getarnt als Endzeit-Thriller, aber genau das, was er selbst in seiner Story nie präsentieren wollte: Zum Einschlafen! Gähnende Ideenlosigkeit über ein Konzept, dass eigentlich gutes Potenzial für Größeres besitzt, aber hier folgerichtig eine weitere Enttäuschung auf Netflix darstellt.

Fazit:

Es ist eigentlich schon paradox. dass Awake erzählt eine Geschichte von absoluter Schlaflosigkeit der Menschen, getarnt als eine Art Endzeit-Szenario. Allerdings bewirkt das beim Zuschauer das komplette Gegenteil. Der Film ist ermüdend und einschläfernd! Voll von langweiligen Stereotypen und einer belanglosen Geschichte. Hinzu kommen Charaktere, die kaum uninteressanter hätten gestaltet werden können. Alles zusammengefügt ist Awake wohl einer der bisher lahmsten Apokalypsen die man im Heimkino nur finden kann. 

MCG-Raiting

★★★★★★★★

3.0 Punkte



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