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"Bad Boys For Life": Mit dem Alter abgehärtet (REVIEW)

"Ich bin zu alt für diesen Sch**ß!" Irgendwie mag dieses legendäre Filmzitat, aus Lethal Weapon, nahezu wie die Faust aufs Auge passen, wenn das Comeback der Bad Boys auf der Kinoleinwand anläuft. Mittlerweile sind 25 Jahre vergangen, seitdem uns Will Smith und Martin Lawrence mit ihrer ersten Perfomance eines ungleichen, aber dennoch äußerst lustigen Actionduos, begeistern konnten. Der dritte Teil läuft aktuell in den Kinos und scheint tatsächlich nichts vom alten Glanz der Reihe verloren zu haben.

Bad Boys! Ein letztes Mal?

Gefühlt weiß es schon die halbe Welt. Nach Bad Boys For Life wird ein weiterer Teil folgen und das sogar in naher Zukunft (2021/2022). Nach dem aktuellen dritten Teil geht es also (vorerst) einmal weiter. Doch mit wem bleibt zunächst ein Geheimnis? Nichtsdestotrotz merkt man es beiden, also Will Smith, als auch Marin Lawrence an, dass nicht nur ihre Rollen ins Alter gekommen sind. Der Film macht auch sehr gezielt viele Anspielungen darauf und tatsächlich ist dabei eine lustiger, als die andere. Krasse Action-Stunts und Schnelligkeit war gestern. Vor allem bei Martin Lawrence, dem man deutlich ansieht, dass er nicht mehr auf absolutem Top-Niveau agiert (was den Körperbau angeht), fehlt die Agilität. Seine Figur spricht ja nicht umsonst vom Ruhestand. Bad Boys For Life legt hier somit doch sehr nüchterne Anforderungen an seine Protagonisten und deren Alter. Das tut dem Film und mit Sicherheit auch den Schauspielern sehr gut (beide sind ja bereits über 50!). Was dagegen allerdings wieder etwas negativ hervorsticht, ist ein ähnliches Problem wie im vorangegangen Teil. In Teil zwei war es noch die Versetzung von Marcus Burnett (Martin Lawrence), aus der nichts wurde und nun geht halt um den Ruhestand. Aus dem im Endeffekt auch nichts wird. Es ist zwar sehr unterhaltsam mit anzusehen, wie diese Figur immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen kommt, aber irgendwann ist auch in der Wirklichkeit mal Schluss und diesen Schritt sollte man vermutlich auch mal filmtechnisch gehen. Im krassen Gegensatz dazu muss man aber deutlich hervorheben, dass die Chemie zwischen den beiden, trotz der langen Zeitspanne, immer noch wahnsinnig stark ist und erneut viele spaßige Momente anbietet.

Vergrößerte Crew! Eine Verbesserung?

Nicht nur einen, nicht nur zwei. Gleich vier Neuzänge besorgt uns der dritte Teil der Bad Boys Reihe. Dazu gehören eine wiedererweckte Vanessa Hudgens, die eher unbekannte Paola Nunez, der aufstrebende Charles Melton und Vikings-Star Alexander Ludwig, als eine neue ins Leben gerufene Einheit namens AMMO (Advanced Miami Metro Operations). Ein Ersatz? In diesem Fall jetzt erstmal nicht, denn zunächst geht es um eine ungewollte Zusammenarbeit. Mike (Will Smith), noch vom alten Schlag, trifft während der filmischen Handlung auf genau diese, noch eher unerfahrene Truppe aus Jungspunden, bei der Ermittlung einer Mordreihe. Diese Mordreihe hat zudem eine Verbindung zur Vergangenheit. Aber auf die Vergangenheit (wir gehen natürlich nicht ins Detail) kommen wir später nochmal kurz zu sprechen. Die Idee, die Crew an sich zu vergrößern ist ein Fortschritt, der man allerdings nicht nur positives abgewinnen kann. Denn nicht alle Charaktere der AMMO haben eine gute Qualität für diesen Film. Besonders hervor sticht natürlich Alexander Ludwig (Rolle: Dorn), als Hüne, der lustigerweise "nur" als Technikprofi fungiert (kommt aber auch zu seinem Einsatz. VERSPROCHEN!) und Paola Nunez (Rolle: Rita), die die Einsatzleitung übernimmt. Die beiden anderen Figuren Kelly (Vanessa Hudgens) und Rafe (Charles Melton) bleiben insgesamt doch eher ziemlich blass und eintönig, aber passen am Ende irgendwie doch relativ gut ins Team. Qualitativ ist diese Vergrößerung nicht zwingend eine große Bereicherung für die komplette Reihe, aber zu einem weiteren Film mit der Besetzung würde man als Fan wohl auch kein Veto einlegen. Es passt! Irgendwie!

Bad Boys 3 wird von der Vergangenheit beherrscht

Ein sehr fader und komplizierter Punkt ist hier dann doch der geschichtliche Hintergrund. Die Gegenspieler im dritten Teil haben nämlich viel mit der Vergangenheit von einer der beiden Hauptfiguren zu tun. Natürlich darf man sich nicht, aus kritischer Sicht betrachtet, direkt auf den Plot stürzen. Es ist ja ohnehin schon fast eine Faustregel, dass im Actionfilmgenre häufig eine unlogische Abkürzung genommen wird. Aber im dritten Teil stoßt es dann etwas zu sehr heraus, dass hier extrem viel dazu gedichtet wurde. Wir wissen nicht viel aus der Vergangenheit der beiden Protagonisten Mike und Marcus. Es wird ja wenig bis kaum auf die Geschichten der Figuren innerhalb der Reihe eingegangen. Aber die Geschichte die dieses mal dahinter steckt wirkt schon ziemlich willkürlich für den Film konstruiert. Da waren die beiden vorangegangen Handlungen wesentlich übersichtlicher. Denn diese waren zumindest, abseits voneinander betrachtet, abgeschlossene Geschichten, sowie es sich für einen Actionfilm nunmal gehört. Teil drei bricht aus diesem Käfig zwar aus, allerdings wird es vermutlich nicht jedem Zuschauer gefallen, da es nach dem Ende des Films eher den Anschein hat, als wäre dieser Plot nur als Türaufstoßer für einen weiteren Teil gedacht.

Die gängige Popcorn-Action die man sehen will

Action! Wo fangen wir da nur an? Michael Bay machte es bei den ersten Teilen vor und übertrieb, schon für damalige Verhältnisse, etwas zu sehr, was die Action angeht. Hauptsache es sieht cool aus! Spricht ja letztlich nichts dagegen bei einem Actionfilm. Bad Boys ist simples Popcornkino, welches sich nicht viel Mühe gibt auf dem Boden zu bleiben. Hin und wieder brauch es schon eine Reihe sehr spektakulärer Explosion. Der dritte Teil hat diese zwar auch, verballert dieses Pulver aber nicht gleich zum Start oder in der Mitte. Hier hebt man sich das eher für das letzte Drittel auf. Das ein Michael Bay nicht mehr auf dem Registuhl sitzt, merkt man dann doch relativ deutlich. Es gibt viele längere Szenen, wo dann doch extrem wenig passiert, als noch im überladenen zweiten Teil aus 2003. Bedeutet aber nicht, dass Bad Boys For Life, im Vergleich zu seinen Vorgängern etwas langweilig daherkommt. Im Gegenteil. Die durchaus sehr proportionierte Menge und Dauer der Actionszenen ist für den Film ein absolutes Plus. Es geht nämlich, nach wie vor, sehr (und wie kann es anders sein) hart zur Sache. Die Bad Boys wissen noch wie es geht und lassen einen eigentlich härteren 90er Jahre Actionfilm, auch dank einiger neuer Gadgets, etwas moderner aussehen. Man kann jetzt zwar nicht behaupten auf einer Ebene wie der aktuelle King der Action, John Wick, zu stehen, aber die Bad Boys bedienen, und das nach wie vor sehr gut, Actionfans auf ganzer Linie. Denn für die ist der Film wie gemacht!

Fazit:

Der Motor gerät ins Stottern, aber er läuft noch. Die Bad Boys passen, trotz aller Bedenken sie seien doch nur die 90er oder 2000er Actionklassiker, noch irgendwie in die heutige Zeit. Der dritte Teil wird zwar durch eine Geschichte geprägt, die selbst für Actionfilme etwas zu weit hergeholt daherkommt, bleibt aber ein sehr launenhaftes Action-Abenteuer mit großem Unterhaltungswert. Im Endeffekt ist es absolut stereotypisches Popcornkino, dass einiges an Nostalgie enthält, aber von gröberen Schnitzern nicht wirklich befreit bleibt. Das was aber weiterhin sehr positiv im Gedächtnis bleibt ist, dass Will Smith und Martin Lawrence einfach immer noch eine fantastische Chemie besitzen. 

MCG-Raiting  

 

★★★  

 

6.5 Punkte

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