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"BIrds Of Prey": Gewalt statt Emanzipation (REVIEW)

Birds Of Prey war in fast jeder Most Wanted Liste für das Jahr 2020 zu finden. Leider wird er sich bei den meisten davon definitiv nicht mehr in der Top-Liste des Jahres eingliedern. Der neue Film mit Margot Robbie in ihrer Paraderolle der Harley Quinn, hat sehr viel Potenzial verschenkt und übernimmt auch schon sehr bekannte Fehler der Vorgänger.

Die "Harley Quinn" Show

Wenn ein Film nach seinem Kinostart seinen Filmtitel anpassen muss, soll das schon was heißen. Das alarmierende Startwochenende von Birds Of Prey sorgt schnell für ein radikales Umdenken. Denn der offizielle Titel: "Birds Of Prey: And The Fantabulous Emancipation Of Harley Quinn" wurde in die kürzere Variante "Birds Of Prey" umgewandelt. Letztlich passen beide Titel nicht so wirklich für die erzählte Geschichte. Nach Betrachten des Films fällt einem schnell auf, dass die Hauptprotagonisten Harley Quinn so viel davon einnimmt, dass für die Titel gebenden Birds Of Prey nicht genügend Zeit zur Verfügung steht. Margot Robbie ist zweifellos die ideale Besetzung für diese Rolle, ist aber so sehr im Vordergrund, dass ihre gewalttätigen Freundinnen am Ende sehr belanglos erscheinen. Die Darstellung von Margot Robbie bleibt, nüchtern betrachtet, auch das einzig positive Highlight was den Cast angeht.

 

Nicht einmal die Gegenspieler, die zudem ihr Leinwanddebut gefeiert haben, Black Mask (Ewan McGregor) und Victor Zsaz (Chris Messina) sind trotz ihrer sehr bekannten Darsteller nur blasse Charaktere, die ihrer Comic-Vorlage nicht gerecht werden. Hier kann man sogar soweit gehen, dass diese sich am Ende in derselben Kiste von schlechten Bösewichten wiederfinden, wie die ebenso qualitativ schwache Entchantress in Suicide Squad oder Steppenwolf bei der desolaten Verfilmung der Justice League. Ein gravierendes Problem, welches sich durch die erste Stunde des Films zieht, ist die Vorstellung eben all dieser Nebenfiguren und wie sie alle zusammenfinden. 

"Birds Of Prey" hat bei anderen Filmen abgeschaut

Damit die Geschichte rund um die Birds Of Prey ins Rollen kommt, erzählt der Film einen absolut irrwitzigen Prolog, der tatsächlich auch etwas an die Suicide Squad erinnert. Jede einzelne Figur, neben Harley Quinn, benötigt einen kleinen Einstieg, was sie aktuell macht, woher sie stammt oder warum sie gerade das tut, was sie eben tut. Da geht mal schnell eine Stunde im Film flöten, ohne das sich so recht was entwickelt hat. Leider springt die Story von Charakter zu Charakter auch zwischendurch auch Zeit technisch zurück und wieder vor, was für noch mehr Verwirrung sorgt. Für einen solchen Film, wo die Story doch eher im Hintergrund angesiedelt ist, ein riesiger Minuspunkt. Und immer wieder muss sogar die Hauptfigur als Off-Sprecher herhalten, um genaustens zu dokumentieren, in welcher Zeitzone wir uns gerade befinden. Kommt euch das bekannt vor? Selbst ohne die Erwähnung, dass es sich hier um einen "Antihelden"-Film handelt, sollte jedem bewusst sein, dass hier Halrey Quinn fleißig bei der Marvel-Konkurrenz abgeschaut hat. Selbes Prinzip wandte auch der überaus erfolgreiche Deadpool in 2016 an. Dabei weißt der aktuelle Film nicht einmal eindeutige Unterschiede auf, sondern fühlt sich sogar an wie ein direktes weibliches Pendant zum sprüchenklopfenden Wade Wilson.

Birds Of Prey Filmbild
Bild: Die "Birds Of Prey" in ihrer vollen Montur gegen Ende des Films. | © 2000-2019 Warner Bros.

Eine geballte Ladung an blutiger Action

Was man dem Film definitiv nicht vorhalten kann, ist seine Action. Das R-Raiting hat Birds Of Prey in fast jeder Minute absolut verdient. Dabei wird weder an Knochenbrücken oder äußerst blutigen Ermordungen gespart. Es ist aber auch klar, und das war schon im Vorfeld zu vermuten, dass man es bei DC wieder herzlichst übertreiben wird. Manche Szenen sind eventuell etwas unübersichtlich und greifen dann auf die etwas ausdruckslose Zeitlupe als Effekt wieder zurück. Dennoch gelingt es dem neuen DC-Streifen, im Grunde nur mit menschlichen Kräften, nicht ganz so dick aufzutragen, wie die bisherigen Filme aus dem DCEU. Die Action bleibt weitestgehend bei brutalen Schlägereien, anstelle von langweiligen Schießereien oder Effekt überladene Kämpfe. Es geht schließlich auch ohne großes CGI-Spektakel! Dabei nutzen die Birds Of Prey alle möglichen Gadgets für den Nahkampf und können im Zusammenspiel auch in Sachen Humor (hier natürlich etwas derb) punkten. Das bunte Szenenbild, besonders zum Schluss, sorgt für eine besondere Verrücktheit, die für einen gemütlichen Kinoabend absolut ausreicht. Vor allem dann, wenn man einfach den Kopf ausschaltet und die überspitzte Action auf sich wirken lässt. Da rückt die Story selbstverständlich in den Hintergrund. Aber um mal ehrlich zu sein, die Handlung ist eigentlich für die Mülltonne. Gott sei Dank mach Birds Of Prey in puncto Action (fast) alles richtig.

Die (etwas) bessere Suicide Squad

Natürlich kommt man zum Ende nicht drum herum, diese neue Gruppierung im DCEU zu kategorisieren. Harley Quinn war bereits in der Suicide Squad ein wahrer Blickfang. Damals, wie heute, eigentlich das Element, was den Film noch leicht positiv ausklingen lässt. Der komplette Film an sich allerdings, ist vielmehr ein Spiegelbild zu erwähnten Suicide Squad. Die gleichen Mängel in Sachen Figuren und der irrelevanten Geschichte. Auch dort stimmt letzten Endes der Filmtitel nicht. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen (dieses mal eben nur weiblich), mit fragwürdigen Motiven und einer individuellen Background-Story, die, freundlich ausgedückt, schlicht uninteressant für die komplette Geschichte sind. Einziger Bindungspunkt der Figuren ist der Antagonist in Form von Black Mask, der das Chaos perfekt macht. Man muss allerdings eingestehen, dass trotz dieses ultimativen Chaos, eine gewisse Unterhaltung nicht zu leugnen ist. Es mag an manchen Stellen sehr schwarzen Humor beinhalten und die Action, im Vergleich zur Suicide Squad deutlich härter sein, ist aber gut anzuschauen. Typisches Popcorn-Kino, mit teilweise sehr plumpen Momenten. Bedenkt man aber, dass Birds Of Prey, mehr Augenmerk auf die Haudraf-Action gelegt hat, anstelle der bombastisch effektvollen CGI-Schlacht der Suicide Squad, dann schneiden die "Raubvögel" etwas besser ab. Zumal, in gewisser Form, die Figuren mehr zusammenpassen, als noch beim "Selbstmordkommando". Die ein oder andere Backpfeife an den Vorgänger, sowie gezielt gegen den Leto-Joker, konnte sich Birds Of Prey ebenfalls nicht verkneifen. Das kann man gut finden oder nicht, viel Relevanz hat das im fertigen Film jedoch nicht.

Fazit:

Hier fällt das Ergebnis doch sehr nüchtern aus. Das DCEU lässt mit Birds Of Prey viel Potenzial auf der Strecke und sieht mehr wie eine Kopie von Deadpool und Suicide Squad aus, als wirklich etwas gänzlich neues. Ein chaotischer Plot, relativ uninteressante Figuren und zwei schlechte Bösewichte führen hier zu einer leichten Enttäuschung. Die Action punktet aber, im Gegensatz zu den bisherigen Mängeln, auf ganzer Linie. Fans können froh darüber sein, das Birds Of Prey sich mit einem R-Raiting ausgestattet hat und zweifellos für das DCEU-Franchise einen kleinen aber nennenswerten Fortschritt darstellt. Es geht auch härter! Neben der sonst so glatten feinjustierten Marschroute der bisherigen Filme, eine gute Abwechslung. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Birds Of Prey so viel mehr hätte sein können. Schade!

MCG-Raiting   

 

  ★★★

 

  5.0 Punkte

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