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"Black Widow": Ein denkwürdiger Abschluss für Natasha Romanoff! (REVIEW)

Lange haben wir darauf warten müssen und endlich bekommt Scarlett Johanssons Black Widow jenen Abschluss, den sie schon längst als Natasha Romanoff verdient hätte. Der 24. Kinofilm der erfolgreichen Filmreihe erfüllt die Erwartungshaltung und gehört wohl zu den besten Solofilmen des MCU!


Filminfos:

Kinostart: 1. Juli 2021

Laufzeit: 134 Minuten

FSK: 12

Genre: Action

 

Regie: Cate Shortland
Mit: Scarlett Johansson, Florence Pugh, Rachel Weisz und David Harbour

Story:

Natasha Romanoff alias Black Widow kann auf eine Vergangenheit beim KGB zurückschauen, wo sie zur Spionin und Auftragskillerin wurde. Als Teil der Avengers sollte die sowjetische Zeit passé sein. Doch auf unliebsame Weise trifft sie auf Black Widows, mit denen sie eine Geschichte teilt. Das sind zum Beispiel die junge Yelena Belova, zu der sie ein schwesterähnliches Verhältnis hatte, Melinda und Alexei Shostakov, der einst als Red Guardian das russische Äquivalent zu Captain America war.



"Black Widow": Langes Warten, dass sich gelohnt hat!

Black Widow war einer jener Filme, die es als erstes erwischt hat. Seine Terminverlegung hat eine ganze Welle anderer Verlegungen, aufgrund der Corona-Pandemie, losgetreten. 2020 konnte man also, was Blockbuster angeht, nahezu komplett in die Tonne treten. Letztlich verstrich ein ganzes weiteres Jahr, bis Scarlett Johansson den Abschluss ihrer ikonischen Rolle auf der großen Leinwand bekommen hat. Und Gott sei Dank hat sich das lange Warten auf den Film gelohnt. Zurück gezahlt hat man dies mit toller Qualität im Cast und einer, im Vergleich zu anderen Solofilmen des MCU, abwechslungsreicheren Geschichte. Hervorgetan haben sich einige Nebenfiguren, die wir auch im Nachgang noch in Aktion erleben werden oder zumindest einige Konzepte für weitere Projekte vorliegen. Das Ganze hätte aber auch mächtig nach hinten gehen können, schließlich stieg die Erwartungshaltung an den Film von Monat zu Monat, bis sich folglich, nach zahlreichen Verschiebungen ein ganz anderes Bild abzeichnete. Eine Art der Gleichgültigkeit kam zum Vorschein, da man immer stärker vermutete das Black Widow wohl oder übel nur via Stream zur Verfügung gestellt werden könnte, wie es Disney schon mit anderen Filmen abhandelte. Jetzt jedoch avanciert der 24. Film des MCU tatsächlich zu einem der aktuell vielen Heilsbringer für die angeschlagenen Kinos. In den USA verzeichnete er sogar einen Rekord (zumindest während der Pandemie) und auch in Deutschland nahmen viele Menschen den Gang ins Kino wahr, um Black Widow zu sehen. "Ende gut, alles gut!" Könnte man da sagen, aber bevor nun weiter fleißig Lobeshymnen verteilt werden, gehen wir zunächst auf einige Mängel ein:

Der große Taskmaster-Fail!

Der mysteriöse Taskmaster! Viele haben sich, seit dem ersten Trailer zu Black Widow, riesig auf diesen Antagonisten gefreut. Das Ergebnis aus dem Film könnte aber viele Fans etwas enttäuschen. Das diese Figur unweigerlich mit der Vergangenheit von Natasha Romanoff oder dem berühmt berüchtigten "Roten Raum" zusammenhängt, dürfte wohl keine Überraschung mehr sein. Schließlich bekommen wir im Vorfeld vermittelt, dass der Taskmaster eine Verbindung dazu hat. Die Fähigkeit, den Kampfstil seiner Kontrahenten zu kopieren bzw. diesen nachzuahmen, wird im Film ziemlich verunglimpft, sodass die Faszination zu diesem Bösewicht nach der Sichtung verloren geht. Diese Figur mag zwar in mehr als zwei Stunden für viele prägnante Actionszenen verantwortlich sein, doch die Auflösung, wer tatsächlich hinter der Maske steckt, hat einen sehr bitteren Nachgeschmack. Der Hintergrund wirkt vollkommen aus der Luft gegriffen und nicht wirklich plausibel, aber wann tut es das schon. Dennoch ist es ein beachtlicher Mangel, welcher beinahe die Suppe komplett versalzen hätte.

Auch der boshafte Kopf hinter dem Plan, die manipulierten Widows auf die Menschheit loszulassen, vermag nicht wie ein gelungener Bösewicht zu agieren. Dreykov (Ray Winstone), den wir bislang nur aus Hörensagen aus anderen MCU-Filmen kennen, schmiedet zwar finstere Pläne und hat im Vergleich zu anderen Schurken deutlich mehr Macht, ist aber bisweilen weniger Präsent und auch sein Background klingt am Ende mehr zusammengedichtet, als nachvollziehbar. Aber, und das ist das Gute am Black Widows Solofilm, war es das schon mit den Mängeln!


Black Widow Natasha und Yelena
Bild: Natasha (Scarlett Johansson) und ihre Schwester Yelena (Florence Pugh) auf der Flucht. | Marvel Studios/Disney

Natashas Familie glänzt auf ganzer Linie

Es kommt wirklich selten vor, dass die Nebenfiguren in einem MCU-Blockbuster eine derart entscheidende Rolle in einem Film einnehmen. In Black Widow überzeugt die Familie der Hauptfigur Natasha auf ganzer Linie. Als Erstes wäre da natürlich die im MCU angekündigte Nachfolgerin und Schwester Yelena, gespielt von Florence Pugh. Die ist für einen Großteil der Gags hauptverantwortlich und hat im Gegensatz zu vielen anderen Figuren des Franchise, die mit Abstand beste Verbindung zu Natasha und das obwohl sie jetzt erst eingeführt wurde! Nicht umsonst, wird in diesem Solofilm auch die Vergangenheit unserer allseits bekannten Widow immer wieder hervorgehoben und dort spielt die jüngere Schwester nun mal eine sehr wichtige Rolle. Yelena wird in Zukunft noch eine sehr wichtige Rolle zu Teil. Für die neue MCU-Serie Hawkeye ist sie bereits als Nebenfigur bestätigt worden. Florence Pugh gelingt es dabei, hin und wieder, allen anderen Stars des Films (und davon gibt es nicht gerade wenig) die Show zu stehlen! Entweder durch markante Witze, in einer Szene wird sogar drauf eingegangen, wie es ist im Roten Raum sterilisiert zu werden, oder durch einen dramaturgischen Unterton bei Interaktionen mit der eigentlich nur fiktiven Familie. Diese Familie wird vervollständigt durch das russische Captain America Pendant Red Guardian oder den Vater genannt Alexei Shostakov. Hier dargestellt von einem sehr spaßigen David Harbour, der neben Florence Pugh für den ein oder anderen Gag mit verantwortlich ist. Nicht zu vergessen die Mutter namens Melina Vostokov (Rachel Weisz), die weniger witzig, dafür einen deutlich ernsteren Part einnimmt und den Abschluss dieses Vierergespanns bildet. Beide Elternteile sind natürlich in die Jahre gekommen und haben ihre Adoptivtöchter für eine geraume Zeit nicht mehr gesehen. Spannungen sind da vorprogrammiert und nicht unerheblich für den Verlauf der gesamten Handlung. Hier steckt also viel mehr familiäres Drama drin, als in so manch anderem MCU-Blockbuster. Und das gibt einem Film wie Black Widow weitaus mehr Struktur, als eine gängige Marvel-Origin Geschichte.  

Marvel-Bombast trifft Spionage-Thriller

Natürlich darf in einem Marvel-Film kein bildgewalte Action fehlen. Die gibt es, mit der ein oder anderen wichtigen Pause, zu Genüge. Perfekte Unterhaltung für einen Kinoabend oder eben, so wie es mittlerweile auch bei Disney ist, im Heimkino auf Disney+. Dabei beginnt Black Widow in den Anfangsminuten sehr zahm. Dort gibt es zunächst nur eine Art Spionage-Plot, indem Yelena (Florence Pugh) einen wichtigen Part einnimmt. Dieser Plot bringt letztlich auch den Stein ins Rollen, was Natasha (Scarlett Johansson) auf den Plan ruft. Ob man den Hintergrund der manipulierten Widows nun mag oder nicht, dass erste Zusammentreffen der Schwestern ist ein großes Highlight des gesamten Films. Über weite Strecken des ersten Drittels müssen beide vor ihren "Artverwandten" fliehen bzw. gegen sie kämpfen. Dabei handelt es sich mehr um, man könnte es für Marvel-Verhältnisse etwas unlieb ausdrücken, stinknormale Fights ohne übernatürliche Kräfte! Das macht jedoch den Charme dieses lange erwartenden Blockbusters aus. Der Auftakt bleibt auf dem Boden der Tatsachen und lässt den klischeehaften Marvel-Bombast zunächst außen vor. Der wird dann in Folge dessen wieder zum Finale ausgepackt. Doch daran stört man sich, als Zuschauer nicht, dass wird letztlich doch von jedem einzelnen MCU-Film erwartet. Trotzdem stellt die Verknüpfung zu einer Spionage-Welt, in den sonst so übermächtigen Gefilden dieser Filmreihe, einen hervorragenden Gegenentwurf zu den Superhelden dar. Denn die Welt des MCU besteht nicht nur aus Superhelden. Eine Tatsache, die einem fast alle anderen Filme der Reihe praktisch nicht vermitteln können. Black Widow´s abschließende Minuten sind aber wieder die klassische überladende Action, die wir bereits kennen, aber definitiv auch feiern. Alles davor ist aber trotz oder viel besser gesagt, gerade wegen seiner "Normalhaltung" ein guter Stilwechsel und genau die Abwechslung, die uns jahrelang gefehlt hat.

Fazit:

Zugegeben, Solofilme des MCUs waren nicht immer ein Highlight. Einigen kann man vorwerfen, dass die Origins der einzelnen Superhelden sich häufig sehr stark ähneln. Bei Black Widow ist das schon mal nicht der Fall. Er ordnet sich ganz anders ein und verknüpft Spionage-Action in der Welt der Superhelden. Und gerade weil hier (fast) komplett auf Superkräfte verzichtet wird, ist der 24. Teil dieser Filmreihe eine gelungene Abwechselung, wenn nicht sogar einer der besten Solofilme von Marvel der vergangen Jahre. Beide Daumen hoch für Black Widow. Das lange Warten auf den Film hat sich tatsächlich gelohnt!

MCG-Raiting

★★★★★★★★

7.5 Punkte



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