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"Bloodshot": Vin Diesels zaghafter Versuch als brutaler Antiheld (REVIEW)

Superheldenfilme sind auf ihrem Zenit angelangt. Seit ein paar Jahren wagen sich die Studios an eine ähnliche Sparte, nämlich an die des Antihelden. Der klassische Superheld wird hinten angestellt und räumt Platz ein für einen Typ Mensch der nicht zwangsläufig für das Gute einsetzt, sondern eher mit brutalen Mitteln seine Rivalen bekämpft. So nun auch Sonys Bloodshot mit Vin Diesel als Hauptfigur. Allerdings hält dessen Film kaum Überraschung bereit, bleibt zeitgleich ziemlich vorhersehbar und ist auf Gesamtsicht gesehen ein Debakel.

Nano-Technologie als Heilbringer

Wie kommt der Held an seine Superkräfte? Die Origin eines jeden Heldens wird natürlich, wie in jedem Superheldenfilm, gleich zum Start erörtert. Der "Big Reveal" und der Ursprung der Kräfte bei Bloodshot haben beinahe schon den Charakter eines Eigentors. Denn im Endeffekt ist die Erschaffung dieser Figur, die Grundlage für den Antihelden, vollkommen überflüssig. Das Unternehmen, welches eine Superelite (modifizierte Ex-Soldaten) mit einzigartigen Fähigkeiten erschafft, hat eigentlich ihre Bausteine für den perfiden Plan, der ausgeheckt wird, bereits vor sich liegen. Die Hauptfigur Ray Garrison ist lediglich ein Spielball, den man Gleichsetzen kann mit lieber "auf Nummer sicher gehen". Dieser wird zum befähigten Mörder und wird durch die ihm einverleibte Technologie von dessen Schöpfer kontrolliert. Nano-Technologie als Waffe! Es hört sich zwar cool an, wenn man aber den Plan welcher der große Gegenspieler von Bloodshot verfolgt, in seiner Gänze aufdröselt, so bemerkt man, dass dieser nur nach gängigem Schema F handelt. Rache, Kontrolle und ein standardisierter Bösewicht sind die Kernkompetenz dieses Films. Nach fast zwei Stunden Laufzeit bleibt auch nicht wirklich viel im Gedächtnis, da wirklich alle Einzelheiten (mit Ausnahme einer kleinen persönlichen Tragik der Hauptfigur) keinerlei neuen Anreize anbieten. Es ist fast so, als würde man viel Material von anderen platten Vin Diesel Streifen nehmen und sie allesamt in einen neuen Film packen. Und leider waren in jüngster Vergangenheit seiner Schauspielkarriere keine guten Beispiele mit dabei!

Ermüdungserscheinungen in Bloodshot

Neben einer überschaubaren Filmhandlung will Bloodshot vor allem auf seine Actionszenen setzen. Leider kann der Film auch an diesen Stellen nicht wirklich überzeugen. Zu Beginn mag das noch einigermaßen unterhaltsam sein, aber mit der Zeit wirkt das in seiner Gesamtheit sehr ermüdend. Es wird kaum etwas neues gezeigt und Vin Diesel setzt hier schlicht auf seine allseits gewohnte Coolness. Hinzu kommt das die visuellen Effekte ebenfalls, an einigen Stellen, generisch und nach absoluten Standard produziert wurden. Teilweise sehen sie, trotz ordentlichem Produktionsbudget, häufig billiger aus, als sie eigentlich hätten sein sollen. Zwar mag die mit eingebundene Nano-Technologie einige Male die Szenerie aufpeppen, bspw. wenn die Figur Ray Garrison einen Schuss mitten ins Gesicht reingeballert bekommt. Allerdings hat man diese Stelle ohnehin schon bereits im Trailer sehen können, weshalb auch dieses Merkmal von Bloodshot nach zwei, maximal drei Szenen, auf den Zuschauer nur noch als typische Stilmittel des Helden wahrgenommen wird. Es fehlt am Ende das gewisse Etwas in diesem Actionfilm, der oftmals einfach nur Vin Diesel so sehr in den Vordergrund drängt, dass die filmische Qualität stark darunter leidet. Die Action mag vielleicht der größte Pluspunkt des Films sein, ihr gebührt letztlich aber nur der Stempel "ganz okay".

Bloodshot Filmbild
Bild: Ray Garrison (Vin Diesel) erhält im Film Superkräft und ist praktisch unsterblich. | Sony Pictures

Nicht einmal Guy Pearce kann überzeugen

Das Vin Diesel im Fokus stehen muss, mag nicht wirklich eine Überraschung sein. Umso mehr überrascht es aber, dass es deutlich spannendere Figuren im Cast gibt. Zu denen kann man auch einen sehr einfach gehaltenen Bösewicht, hier dargestellt von Guy Pearce, hinzuzählen. Die Backstory seines Charakters und dessen Vision hätte für kleinere Lichtblicke in dieser recht lahmen Geschichte sorgen können. Auch Elite-Kollegin KT (Eiza Gonzales) hat deutlich mehr Impact auf das Geschehn, als man zunächst glauben mag. Trotzdem vermag es kaum einer im Cast so recht das Ruder an sich zu reißen. Alle bleiben im Schatten des großen Action-Stars und dadurch verpasst der Film die Chance auf Wiedergutmachung. Es gäbe einige Punkte die dem simplen Actionblockbuster durchaus den gewissen Charme verliehen hätten, der hier dringend nötig gewesen wäre. Aber keiner der Darsteller sticht maßgeblich hervor. Ein Schauspieler wie Guy Pearce, der ohne jeden Zweifel mit seinem Können einen Film im Alleingang aufwerten kann, wird hier zu gängigen Standardprozedur eines bösen Charakters degradiert. Und auch ein später hinzugefügter Comic-Relief, i. d. F. dargestellt von Lamorne Morris, wirkt eher nervig, als dass er dem Film einen humorvolleren Ton verleiht. Alles in Allem bleibt die gesamte Besetzung eine Enttäuschung und das trotz einigen nicht unbedeutenden Namen an Schauspielern.

Warum denn so ernst?

Was an Bloodshot vielleicht auch am meisten stört, ist seine Ernsthaftigkeit. Man will irgendwie, durch einige Figuren zwar frischen Wind und eventuell kleine komödiantische Elemente hinzufügen, scheitert aber damit kläglich. Bloodshot driftet förmlich ab in die Trash-Richtung. Er nimmt sich deutlich zu ernst, für das was er eigentlich seinen Zuschauern präsentiert. Und das ist letztlich nicht mehr als unterdurchschnittliche Standardware. Dieser fast 50 Millionen teure Actionstreifen wäre als Direct-To-DVD fast besser geeignet, als für einen Gang ins Kino. Es fehlt an eine gewisse Frische für das Genre, in das sich Vin Diesel und Regie-Debütant Dave Wilson gewagt haben. Es mangelt hierfür an fast allen Stellen an Qualität. Der Film beruht zwar auf einer Comic-Reihe, aber wenn man mal ehrlich ist, kaum einer hatte sich im Vorfeld so wirklich dafür interessiert. Die Nachricht, dass der Fast & Furious Star den brutalen Antiheld verkörpern wird, hatte zwar für eine kleine Euphorie-Welle gesorgt, diese verpufft aber spätestens in den ersten Minuten in der sich der Film in ein ödes und einfallsloses Grundkonzept stürzt, dass man so bereits hundertmal gesehen hat.  

Fazit:

Bloodshot hat sein Arsenal vollkommen verballert und dabei nicht die Wellen geschlagen, die er eigentlich schlagen wollte. Vin Diesel stürzt sich in das Superhelden-Genre und enttäuscht dabei auf der ganzen Linie. Sein neuer Actionfilm bleibt deutlich unterm Durchschnitt und ermüdet einen bei der Sichtung. Nicht gerade die Eigenschaften die einen guten Film ausmachen. Alles in der Story, sowie die Charaktere bleiben generisch und uninteressant. Selbst die Hauptfigur bietet keinen großen Reize und man setzt, wie so häufig bei Vin Diesel, schlicht auf dessen Coolness, was hier aber dementsprechend nach hinten losgeht. 

MCG-Raiting 

 

★★★★★★     

2.0 Punkte

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