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"Bombshell": Schweigen ist nicht immer Gold (REVIEW)

Die Medienwelt hat ihre Ecken und Kanten, aber selten bringt man sie in einem Film in Szene. Bombshell erzählt eine interessante, als auch eine sehr abschreckende Geschichte über eine Branche, die für ihre sehr objektive Betrachtung in Kritik gerät. Doch kann das Biopic auch die prägnante Thematik für Zuschauer relevant verdeutlichen?

Eine wahre Geschichte mit enormer Tragweite

2016 sorgte ein Skandal bei den Fox-News dafür, dass der damalige Chef Roger Ailes seinen Sessel räumen musste. Sexuelle Belästigung gegenüber Angestellten Redakteurinnen waren die Vorwürfe, die sich am Ende als traurige Wahrheit bestätigten. Die Frau, die diesen Skandal letztlich ins rollen gebracht hatte, war Gretchen Carlson (gespielt von Nicole Kidman). Am Ende sollten sich mehr als 20 Frauen dazu entschließen, sich der Klage gegen Roger Ailes anzuschließen. Auch die berühmte Fox-Journalistin Megyn Kelly (gespielt von Charlize Theron) war eine der Unterstützerinnen dieser Klage. Neben den realen Figuren, um die sich die Handlung dreht, gibt es viele Frauen, die wegen einer Stillschweigeerklärung im Film nicht genannt werden dürfen, die aber durch die charmante Margot Robbie in der Figur der Kayla Pospisil verkörpert werden.

Für den Sender Fox News war dieser Skandal, einer mit enormer Tragweite. Als die Geschichte ihr unsanftes Ende fand, waren für den Sender nicht nur zig-Millionen Dollar, wegen Entschädigung von Gretchen Carlson und der Abfindung an Roger Ailes, futsch. Es entstand auch ein riesiger Imageschaden, der dem sonst so zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Sender bis heute noch nachreicht.

Darstellung starker Karriere-Frauen

Wer beim Film Bombshell einmal genauer draufschaut, erkennt man das die drei Hauptfiguren im Film auch die Karrieleiter bei einem TV-Sender repräsentieren. Da haben wir die von Nicole Kidman dargestellte Gretchen Carlson. Sie stellt die bereits mehrjährig erfahrene TV-Moderatorin dar, die ihre beste Zeit hinter sich hat. Die Quoten stimmen nicht mehr, und der Sender schiebt sie schon in das unbeliebte Nachmittagsprogramm. Schlussendlich wird sie sogar entlassen. Sprich sie ist diejenige, wo das Ende dieser Kette verkörpert. Dann gibt es noch Megyn Kelly, den aktuellen "Shootingstar". Eine Moderatorin, die das Aushängeschild des Senders ist. Zumindest für den Moment. Und als Letztes hätten wir Margot Robbie, als aufstrebende Redakteurin, die ihrer Karriere den entscheidenden Push geben will. Gleichzeitig sind die Motive, sowie die Meinungen dieser drei Karrierestufen in einem solchen Detail in Szene gerückt, dass man diese sofort für bare Münze nehmen würde. Die unerfahrene Redakteurin (Margot Robbie) hält lieber die Klappe, wenn es  etwas am Sender zu kritisieren gibt. Der Shootingstar (Charlize Theron) spricht vielleicht offen mit den Kollegen, über Sachen die nicht ihren Vorstellungen entsprechen, äußert sich aber ungern nach Außen gegenüber internen Angelegenheiten. Und die in die Jahre gekommene TV-Moderatorin (Nicole Kidman), deren Karriere im Grunde hinter ihr liegt, sagt schlichtweg frei Schnauze was ihr nicht passt und das auch gegenüber ihren Vorgesetzten. Dabei kann man sich nach fast zwei Stunden Laufzeit nicht wirklich entscheiden, wer von diesen drei Charakter-Darstellern am meisten hervorsticht. Vielleicht ist gerade deren indirektes Zusammenspiel (den in der meisten Zeit interagieren die drei nicht einmal miteinander) der Punkt, der dieses Biopic ausmacht. 

Emanzipation in einer sexistischen Branche

Bombshell behandelt neben der wahren Geschichte natürlich auch, speziell für Frauen, in gewisser Form auch die Ablehnung von rein objektiven Aspekten. Denn seien wir mal ehrlich: In keiner Branche achtet man so sehr auf Aussehen, als in der Medienbranche. Dieser Konfliktpunkt wird im Film ganz offen aufgegriffen und nicht selten stark kritisiert. Was gut ist, aber die Männerwelt (die hier ja nur am Rande in Erscheinung tritt) vielleicht etwas zu eintönig darstellt. In Bombshell scheinen nicht viele noble Charaktere des männlichen Geschlechts aufzutauchen. Aber stellen wir das mal hinten an, denn das Augenmerk richtet sich auf ganz andere und konkretere Themen. Die Frauen, in der Geschichte, werden förmlich dazu gedrängt ihren Körper, als Blickfang für die Kamera in den Vordergrund zu drängen. Diese Masche ist dementsprechend keine gelegentliche Option, sondern wird für die Damen zur Routine. Das der Film diese Routine in der Medienbranche ganz offen zeigt und sie damit so negativ wie möglich für den Zuschauer präsentiert, spricht in jeder Minute für den Film. Hier sei aber auch ein Schwenk in Richtung Realität erlaubt. Zwar mag sich dieser Zustand in kleinem Rahmen verbessert haben. Es ist aber nach wie vor (leider) gängige Praxis das objektive Kriterien immer noch einen gewissen Vorrang haben vor qualitativen. Vielleicht kann ein solcher Film, wie Bombshell, nicht nur über eine bewegende Geschichte mit großen Nachwirkungen aufklären, sondern tatsächlich sogar einen anderen Blickwinkel auf die Medienwelt vorzeigen.

Ist "Bombshell" oscarreif? (3x nominiert!)

Es ist kein Geheimnis, dass das US-Biopic Bombshell bei den Oscars zumindest in drei Kategorien an den Start geht. Und meines Erachtens genau in den richtigen Kategorien. Denn um sich als "Bester Film" am Ende bezeichnen zu können, fehlt Bombshell doch das gewisse Etwas für diesen Prestige trächtigen Titel. Die Thematik, um die sich der Film dreht, ist wohl doch zu sperrig für viele Zuschauer. Denn nicht jeder wird sich von Grund auf schnell in diese weit gedehnte Geschichte hinein versetzen oder sich mit so indivuell unterschiedlichen Charakteren identifizieren können. Dies ist selbstverständlich kein K.O.-Kriterium, erweckt aber nur selten eine emotionale Bindung. Dafür erzählt er seine Story aber sehr akurat und mit einem tollen Set, welches zwar nicht für eine Nominierung gereicht hat, aber ebenso positiv erwähnt werden sollte. Nominiert hingegen sind Charlize Theron, als "Beste Hauptdarstellerin" und Margot Robbie, als "Beste Nebendarstellerin". Und diese Nominierungen sind absolut gerechtfertigt. Denn ihre Perfomances machen dieses Biopic erst zu einem interessanten Titel, den man sich auch im Kino anschauen kann. Ob es am 9.2. dann für einen Oscar reicht ist dann zwar eine andere Frage, aber manchmal ist auch eine Nominierung schon eine ausgezeichnete Würdigung einer Leistung. Weitaus wahrscheinlicher ist es allerdings, dass Bombshell in der Nebenkategorie Bestes Make-Up und Frisuren einen Preis mit nach Hause nehmen kann. Aber why Not?

Fazit:

Wir haben mit Bombshell einen sehr interessanten Titel für die Kinos bekommen. Er erzählt nicht nur eine Geschichte, die später viele finanzielle als auch gesellschaftliche Folgen für ein Unternehmen nach sich trugen, sondern verhelfen die Medienbranche auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die guten Perfomances der drei Hauptfiguren, die die Karriere in der Medienwelt darstellen, verhelfen im Zusammenspiel einer anschaulichen Szenerie, dass dieser Film größer scheint, als er vermeintlich sein kann. Denn die Thematik mag vielleicht etwas sperrig sein, und viele Kleinigkeiten für sich selbst passend erzählen, aber er zieht einen förmlich in den Bann sich mit der realen Geschichte auseinanderzusetzen. Und das soll schon etwas heißen!

MCG-Raiting   

★★★

7.5 Punkte

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