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"Captain Marvel": Frauenpower ohne Ende

 

Eine Oscar-Preisträgerin im MCU? Ja das gibt es mittlerweile auch. Im Vorfeld musst sich Brie Larson der enormen Skepsis stellen, die ihr entgegen gebracht wurde. Nur wenige Filme im erfolgreichsten Filmunisversum aller Zeiten hatte vor dem eigentlichen Kinostart für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie Captain Marvel. Das Endergebnis sollte aber die meisten der kritischen Stimmen verstummen lassen. Und das nicht nur wegen den ersten, sehr starken, Zahlen vom Box Office.

 

Was haben eigentlich alle gegen Brie Larson?

Brie Larson ist längst kein ungeschriebenes Blatt mehr in Hollywood. 2016 wurde sie sogar als Beste Hauptdarstellerin in dem Film Raum mit einem Oscar ausgezeichnet. Danach folgten zwar als Rollen eher weniger auffälligere Auftritte wie in Kong: Skull Island oder Free Fire. Über ihr scheint allerdings immer ein gewisses Maß an Kritik zu schweben, was ihre oftmals harte und versteifte Mimik betrifft. Doch für Captain Marvel kann man hier schon einmal Entwarnung geben. Denn als stärkste Superheldin im MCU macht die Oscar-Preisträgerin eine recht gute Figur. Es mag zwar nicht an Perfomances wie von Robert Downey Jr. als Iron Man und Benedict Cumberbatchs Doctor Strange heranreichen, ist aber auf das gesamte Franchise gesehen eine solide Darstellung, die zuweilen auch darüber grübeln lässt, ob es überhaupt eine andere Schauspielerin in dieser Rolle hätte geben sollen. Denn allein was der Charakter im Film hergibt, scheint die Aura von Brie Larson optimal zu passen. Zumal die Story auch von der typischen 0815-Origin etwas abweicht.

 

Typische Origin-Story oder nicht?

Das MCU ist dafür bekannt, neue Helden mit einer Origin-Story in die nahtlose Geschichte einzuführen. Bei zwei Figuren ging das Franchise diesen Weg aber bewusst nicht. Hierbei handelt es sich um Black Panther, der im letzten Jahr in den Kinos satte 1,3 Milliarden US Dollar einspielen konnte, und den zuvor eingeführten Spider-Man. Beide Figuren erhielten zunächst einen Auftritt in anderen Filmen. Dieses Prinzip hätte auch beinahe bei Captain Marvel Anwendung gefunden, doch letztlich blieb man bei der Idee, der Figur einen ganz eigenen Film zu widmen. Und die scheinbar typische Origin-Story findet in gut eineinhalb Stunden des Films zwar statt, weicht aber durch einen eher untypischen Twist (für Marvel-Verhältnisse) ein bisschen davon ab. Denn so einfach, wie es in den Trailern dargestellt wird, ist es dann am Ende doch nicht. Und das macht auch den Charme der Geschichte aus. Denn im Verhältnis zu anderen Geschichten des MCU läuft diese tatsächlich etwas schleppender als für gewöhnlich. Hier nimmt man sich besonders viel Zeit um alle Ecken und Kanten von Captain Marvel alias Carol Denvers mit viel Liebe zum Details auszuschmücken. Vielleicht wird das an manchen Stellen doch etwas fade, hilft aber im Endeffekt dabei die Figur in seiner Gänze wirklich gut zu verstehen. Hart gesottete Marvel-Fans können innerhalb des Filmes auch viele nette Easter Eggs sichten, die nach Abschluss der aktuellen 3. Phase womöglich auch die Zukunft des MCU bestimmen könnten. Dies sollte ein zusätzlicher Anreiz sein, den Film an sich letztlich nicht als Lückenfüller zu betrachten, sondern sogar als eine Art Wegbereiter für den Fortgang des Franchises. Und es sollen ja noch so einige Filme folgen laut Kevin Feige.

 

Bild: Yon-Rogg (Jude Law) beim Kampftraining mit Vers (Brie Larson) | ©Marvel Studios 2019

 

Das 90er Feeling in Captain Marvel

Als man Captain Marvel als Film ankündigte wurden einige Fans bereits hellhörig. Denn wie sollte die Figur in das MCU zeitlich einsortiert werden? Weit vor den Avengers, während oder unmittelbar nach dem Kampf gegen den Titan Thanos oder gar in der Zukunft? Eingeordnet wurde die Geschichte von Captain Marvel letztlich in die 90er. Das gab enorm viel Raum einige unbeantwortete Fragen zu klären, aber auch die Gelegenheit in ein Jahrzehnt einzusteigen, welches Merkmale besitzt die heutzutage nahezu ausgestorben sind. Dazu gehören beispielsweise Videotheken, enorm langsame Computer und revolutionäre Songs. Der Film selbst drückt dem Zuschauer die 90er vielleicht zu oft zwingend vors Auge. Doch gerade die veraltete Technik, welche früher das Maß aller Dinge war, sorgt für jede Menge Spaß. Gerade die Generation 20+ wird mit den Anspielungen, wie extrem langsame Ladezeit, in alten Erinnerungen schwelgen. Allgemein ist es schön zu sehen, wie Captain Marvel die 90er versucht immer wieder in Szene zu rücken.

 

Nick Fury in jung und sein Kater

Durch CGI optisch verjüngt findet auch der Shield-Agent Nick Fury seinen lang ersehnten Gastauftritt in Captain Marvel. Anstelle der vielen etwas kürzeren Auftritte, bekommt Samuel L. Jackson in seiner ikonischen Rolle deutlich mehr Screentime. Besonders sein Aufeinandertreffen mit Captain Marvel prägt ein Großteil der Geschichte des Films. Die gemeinsame Mission sorgt dabei, dass sich beide Figuren besser kennen lernen. Dabei mag es zwar am Anfang, dass eine oder andere Mal etwas mühselig sein, manche Dialoge wirken des Öfteren sehr aufgezwungen, vermindern sich aber im Laufe der Zeit. Spätestens zu dem Zeitpunkt als der Kater Goose seinen Auftritt bekommt, erhöht sich die Qualität im Film maßgeblich. Hier werden dann letztlich auch die ersten größeren Lacher zu finden sein. Der etwas müdere Start hatte nämlich nicht so viel Witz und Charme zu bieten, wie die zweite Hälfte des Films. Und der besagte Kater hat großen Anteil daran, dass die Zuschauer gut unterhalten werden. 

Anders als diesen beiden, gerade genannten, Figuren sind andere im Film etwas zage. Carols ehemalige Freundin ist wohl einer der durchschnittlichsten Nebenfiguren im gesamten MCU. Die Freundschaft die die beiden verbindet, hat vielleicht ihre Daseinsberechtigung, ist aber gemessen an der fehlenden emotionalen Tiefe schnell vergessen. Weitaus wichtigere Rollen bekamen Ben Mendelsohn als Talos und Jude Law als Yon-Rogg. Da allerdings ihre Rollen einen wichtigen Teil der Geschichte inne haben, kann man hier nicht im Detail darauf eingehen, da das zu viel Spoilern würde. Eins sei aber gesagt, beide machen ihren Job recht gut und haben hin und wieder auch einen geeigneten Lacher parat.

 

Bild: Carol (Brie Larson) entfesselt ihre ganze Kraft. | © 2019 eOne Germany

 

Ein langer Weg zur bombastischen Action

Ja, es dauert eine Weile bis wir Captain Marvel mit all ihren Fähigkeiten zu Gesicht bekommen, aber das was den Zuschauern geboten wird, ist für einen Film innerhalb des MCU wiedermal erste Sahne. Sobald die Power von Carol Danvers entfesselt wird, brechen alle Dämme. Und dabei geht es jetzt nicht zwangsläufig um ihre gigantischen Plasmastrahlen, denn es werden auch simple Faustkämpfe gezeigt. Selbst wenn einiges davon nach einem 1x1-Maßstab den Weg in die Kamera findet, erkennt man des Öfteren eine relativ gut einstudierte Choreographie. Letztlich muss man sich als Zuschauer aber hinterfragen, ob gerade zu diesem Zeitpunkt (Ende der 3. Phase des MCU) eine solch überdimensionale Superheldin wirklich in Lauerstellung gehen sollte. Wenn man bedenkt das Nick Fury seit den 90ern in Besitz des Pagers ist, der Carol Danvers im Notfall kontaktiert, so hätte er bereits mit Lokis Invasion in New York seine Anwendung gefunden. Dies ist so ein großes Fragezeichen, was den Hilferuf in Richtung Captain Marvel betrifft. Dieses Fragezeichen schwebt aber nicht nur über diesen Film, sondern eigentlich über dem kompletten Filmuniversum. Nun ja, abgesehen von dieser Frage, ist das letzte Drittel im Film eine wahre Wucht. Im Stile absoluter Frauenpower, die dem MCU und vermeintlich auch der gesamten Filmlandschaft erheblich gut tut. 

 

Fazit:

Eine Solo-Abenteuer mit grundsolider Qualität. Für das MCU ist Captain Marvel natürlich keine Offenbarung, aber dennoch auch nicht unbedingt die typische 0815-Story. Trotz einem holprigen und eher mäßigen Start, liefert MCUs stärkster Charakter ein regelrecht galaktisches Feuerwerk ab, dass einige subtile Fragen der bisherigen Geschichte beantwortet, aber auch eine elementare Frage über den Köpfen zurücklässt. Aber das ist letztlich nicht das Problem von diesem Film. Denn dieser bietet mit seinem spektakulären Finale, die geballte Frauenpower die es versprochen hat, den gängigen Marvel-Humor und einen Nick Fury mit jeder Menge Screentime. Also viele Eigenschaften, die vorherige Filme bislang außen vor ließen. Abgesehen von ein paar Ecken und Kanten (oben schon mal erwähnt, ich weiß) macht das neue Abenteuer viel Spaß und ist besonders für die Marvel-Fans ein Muss!

 

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.5 Punkte

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