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"Contagion": Wenn ein Virus die Welt herausfordert!

Ein Film wird zum Hit. Und das mehr als acht Jahre, nach dessen Kinostart. Das erlebt nicht häufig. Beim Pandemie-Thriller Contagion, ist dieses seltene Phänomen nun aufgetreten. Das liegt vor allem daran, dass durch das neuartige Coronavirus, die Thematik aktueller denn je ist.   


Produktionsjahr: 2011 (Kinostart: 20. Oktober 2011)

Laufzeit: 106 Minuten

Genre: Drama/Thriller

Budget: 60 Mio. US Dollar

Box Office: 137 Mio. US Dollar

Regie: Steven Soderbergh

Cast: u.a. mit Matt Damon, Kate Winslet, Laurence Fishburne, Marion Cotillard und Jude Law


SPOILER-WARNUNG!

Ab diesem Zeitpunkt geht der Beitrag direkt auf die Story ein!

Wer den Film also nicht kennt, und ihn noch sehen möchte, überspringt den Teil bis zu "Was Contagion uns lehren kann (und was nicht)".


Endzeit-Szenario: Pandemie

Es gibt sie mittlerweile wie Sand am mehr: Endzeit-Szenarien. Das Thema ist derart breit gefächert, dass sich hierfür sogar ein eigenes Subgenre in Filmen entwickeln konnte. Der klassische Katastrophenfilm erzählt von einem einschneidenden Ereignis, welches gesellschaftliche Strukturen zum kollabieren bringt. Neben Szenarien, die in  den Bereich der Science-Fiction einzugliedern sind, wie bspw. eine Alien-Invasion, gibt es auch deutlich realitätsnahe Katastrophen, wie die Ausbreitung eines bösartigen Virus. Ein Szenario, dass die aktuelle Situation der Welt 1:1 wiedergibt. Eines vorab um euch gleich zu beruhigen. Die meisten filmischen Handlungen, die eine Pandemie beinhalten, lassen die Menschheit im Grunde fast ausgerottet zurück in den meisten Fällen. Das aktuelle Coronavirus, und da können wir dementsprechend aufatmen, hat zum Glück nicht das Potential um ein globaler Killer zu sein. Dennoch ist Vorsicht davor geboten, weil ein unkontrollierter Ausbruch hiesige Gesundheitssysteme lahmlegen könnte und genau das versuchen die Landesregierungen derzeit, mit ihren radikalen Maßnahmen, zu verhindern. In vielen Filmen ist ein Virus ein gleichermaßen infektiöser, als auch tödlicher Erreger, ganz im Gegenteil zum gegenwärtigen Coronavirus, denn dieses ist größtenteils geprägt von einem eher milden Krankheitsverlauf.

 

Im Thriller Contagion bricht eine mysteriöse Krankheit in China aus. Der Film startet dabei mit einer Geschäftsreise von der von Gwyneth Paltrow gespielten Beth Emhoff, die mit einem zunächst harmlos wirkenden Husten zurück in ihre Heimat in die USA fliegt. Und hier beginnt im Grunde schon der weltweite Ausbruch einer globalen Katastrophe. Zu diesem Zeitpunkt hat sie, unbeabsichtigt, schon viele weitere Menschen infiziert, die genauso wie sie in ihre Heimatländer zurückkehren. Als Beth in ihr zuhause nach Minneapolis ankommt, nimmt die Epidemie in den USA ihren Lauf. Nach einem Kollaps stirbt sie und wenig später auch ihr Sohn, den sie infiziert hatte. Ihr Mann Mitch (Matt Damon) muss in Quarantäne, scheint aber keinerlei Symptome aufzuweisen und immun zu sein. Während bei Familie Emhoff ein nie zuvor dagewesenes Familiendrama ausbricht, machen sich Forscher des CDC (Centre for Disease Control and Prevention) daran den mysteriösen Tod zu untersuchen, denn es scheint ähnliche Fälle aus anderen Städten zu geben. Zeitgleich wittern andere, wie der Meinungsblogger Alan Krumwiede (Jude Law) ihre große Chance um auf sich aufmerksam zu machen. Mit der Zeit häufen sich die Fälle und nach geraumer Zeit ist der CDC klar, dass ein weltweiter Ausbruch nicht mehr aufzuhalten ist...

Contagion Filmbild
Bild: Alan Krumwieder (Jude Law) macht mit dem Virus ein großes Geschäft macht. | Warner Bros.

Ein Virus fordert die Welt heraus

Nachdem bereits (im Film) eine geraume Zeit vergangen ist, wird allen Bewohnern dieser Welt nach und nach klar, dass nun der Kampf ums nackte Überleben beginnt. Das CDC forscht mit Hochdruck nach einem Impfstoff und einer Heilung gegen das benannte MEV-1 Virus. Doch zeitgleich greifen in nahezu allen Ländern Panik und Wut um sich. Es kommt zu teilweise anarchistischen Zuständen in Städten. Menschen decken sich mit Lebensmittel und anderen Produkten des täglichen Bedarfs ein. Kaum jemand nimmt mehr Rücksicht auf andere. Das öffentliche Leben liegt still und jeder ist sich nunmehr selbst der Nächste. Eine Entwicklung die wir aktuell auch sehen, aber hoffen das sich dies in naher Zukunft bessert. Im Einsatz direkt vor Ort agiert Dr. Erin Mears (Kate Winslet), die in provisorisch errichteten Krankenstationen versucht Herr der Lage zu werden. Doch auch sie fällt dem neuartigen Virus zum Opfer. Währenddessen gerät Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) in die Kritik, nachdem er vertrauliche Informationen des CDC an seine Familie weitergibt. Großer Gewinner des weltweiten Ausbruchs ist der jetzt weltbekannte Blogger Alan Krumwiede (Jude Law), der anhand einer einfachen Rechnung zwar weitere Panik schürt, aber am Ende sogar mit dieser Recht behält, da die weltweiten Infektionen weit über die Millionen gehen. 

 

Genaue Zahlen zu Opfern werden im Laufe des Films nur selten präsentiert. Die Rede ist, im vorletzten Drittel des Films, von knapp 1% der US-Bevölkerung. Mehr als 2 Millionen Tote. Zeitgleich spricht das CDC davon, dass sich mindestens jeder zwölfte Mensch auf der Erde mit dem Virus infizieren wird. Eine Horrorbilanz! In Anbetracht dieser Statistik macht sich Ally Hextall (Jennifer Ehle), eine Virologin, selbst zum Versuchsobjekt und testet einen noch ungeprüften Impfstoff, von der sie erhofft das es der Durchbruch sein könnte. Und tatsächlich erweist sich dieser als das rettende Ufer gegen das MEV-1 Virus. Die weltweiten Mediziner machen sich drauf und dran den neuen Impfstoff in großer Menge herzustellen. Trotzdem wird allen Forschern klar, dass zu Beginn nicht genügend für alle Menschen des Impfstoffs vorhanden sein wird. Hier wird nun eine Maßnahme getroffen, die zwar einerseits einleuchtend klingt, aber auch eine enorme Tragweite mit sich bringt. Der Impfstoff wird in einer Art Lotterie an die Menschen weitergegeben. Es werden nach und nach die Geburtstage der Bevölkerung ausgelost, die den Impfstoff erhalten. Eins wird dadurch auch dem Zuschauer klar: Selbst im Moment der Hoffnung, werden viele Menschen die Kehrtwende im Kampf gegen das Virus verlieren.

 

Das Zentrum des Ursprungs (China) erforschend wird der Charakter von Marion Cotillard (Dr. Leonora Orantes) von einem chinesischen Kollegen gekidnappt, um ein betroffenes und ärmlich geprägtes Dorf, dass aller Voraussicht nach als letztes Glied der Impfkette gilt, einen Vorteil im Kampf um den Impfstoff zu ermöglichen. Die Auflösung dieses Handlungsstrangs zeigt unter anderem auf, wie sehr vor allem die eher ländliche Bevölkerung leidet und nahezu außen vor gelassen wird. Hinzu kommt, dass die US-Regierung die Entführer mit einem unwirksamen Präparat in die Irre führt, und so dennoch die Freiheit von Dr. Orantes erkauft, was diese selbstverständlich, trotz der neu erworbenen Freiheit verärgert.

 

Contagion endet mit der Darstellung der Einzelschicksale: Mitch Emhoff (Matt Damon) hat zusammen, mit seiner Tochter, die Seuche überlebt. Hat aber seine Frau und seinen Stiefsohn verloren. Dr. Cheever (Laurence Fishburne) ist für viele in der Öffentlichkeit, wegen seinem Fehltritt, ein Sündenbock, aber im Grunde einer der großen Helden im medizinischen Kampf gegen das Virus. Die Virologin Hextall (Jennifer Ehle) hat, dank ihrem Einsatz, einen erheblichen Anteil an der Entwicklung des lebensrettenden Impfstoffs, will aber nicht ins Rampenlicht. Auf der anderen Seite haben wir noch den Blogger Alan Krumwiede (Jude Law), der nach einer vorübergehenden Verhaftung, zu einer weltweiten Berühmtheit avancierte. Contagion stellt also alle möglichen Arten von Menschen zum Vorschein, die vom Virus betroffen sind. Familien, Forscher und Mediziner, sowie auch Spekulanten, die daraus ihren Vorteil ziehen wollen und das darf man nicht vergessen, weite Teile der Bevölkerung, die ums nackte Überleben kämpfen, auch wenn diese nur in einzelnen Szenen ihren Auftritt erhalten. Das was der Film letztlich noch offen lässt, ist die Statistik. Bis zum Schluss wissen wir nicht, wie viele Menschen dem Virus zum Opfer gefallen sind. Die Menschheit blickt trotz dem gewonnen Kampf gegen den unsichtbaren Fein in eine ungewisse Zukunft. Die Schlussszene präsentiert Tag 1 und wie das Virus entsteht, sowie auf die Menschen übergesprungen ist.

Contagion Filmbild
Bild: Dr. Orantes (Marion Cotillard) wird Opfer einer Entführung. | Warner Bros.

Was "Contagion" uns lehren kann  (und was nicht)

Neben dem eigentlichen Kernelement der Erforschung des Virus und dem täglichen Kampf ums Überleben der einfachen Bevölkerung, vermittelt Contagion auch die psychischen Folgen auf die verschiedenen Länder. Ein gleichsam infektiöses, als auch tödliches Virus, legt die Öffentlichkeit lahm und führt nach und nach zum Verlust von Menschlichkeit und Nächstenliebe. Man wird aufgefordert sich von anderen fern zu halten, was vielleicht nicht unüblich in dieser Situation ist, aber der grundlegenden Natur des Menschen nach sozialen Kontakten komplett widerspricht. Es sind Maßnahmen, die wir aktuell erleben und vermutlich in Zukunft immer wieder erleben werden. Viren und Bakterien haben uns in Vergangenheit schon häufig herausgefordert und Experten sagen voraus, dass das weiterhin so sein wird. Früher haben sie uns millionenfach getötet. Heute sind wir, in vielerlei Hinsicht, deutlich besser auf Epidemien und Pandemien ausgerichtet, als frühere Generationen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krankheit uns komplett auslöscht, ist so gering wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Bedenkt man, dass wir bereits so tückische Krankheiten, wie Pest, Pocken und die spanische Grippe, allesamt überlebt haben, muss uns klar werden: Das Coronavirus wird zwar eine Herausforderung, eine neue Laune der Natur, aber wir werden auch diese Krise bewältigen. Da bin ich mir sicher!

 

Der Film kann einem Angst machen. Keine Frage. Es bleibt aber, nach wie vor klar: Contagion ist ein fiktives Erlebnis, dass es so (in dieser Form) nie gegeben hat und vermutlich nie geben wird. Es ist uns, der Menschheit, bisher immer gelungen solche Viren zu bekämpfen oder mit ihnen zu koexistieren. Alltäglich setzen wir uns mit Viren und Bakterien auseinander. Eine Vielzahl von ihnen ist sogar relativ harmlos für unseren Körper. Hin und wieder allerdings gibt es trotzdem welche, wo unser Immunsystem herausfordern. In Contagion wird uns hautnah vermittelt, wie einfach es sein kann, sich mit einer schweren Krankheit zu infizieren und vor allem wie schnell sich diese, in Zeiten der Globalisierung, auf einfachstem Wege ausbreiten können. Solche Viren können sich nahezu unbemerkt, in der heutigen Zeit, schon innerhalb weniger Tage auf allen Kontinenten schnell verbreiten. Anhand der starken Vernetzung mit anderen Ländern, sowie Tourismus haben Infektionskrankheiten sogar bessere Chancen, als in der Vergangenheit. Im Film selbst ist das erschreckend realitätsnah und nachvollziehbar dargestellt.

Genau wie beim aktuellen Coronavirus ist der Erreger, der sich durch eine simple Tröpfcheninfektion völlig ungehindert durch die Bevölkerung schleicht. Ein lautloser und unsichtbarer Feind, den man nicht unterschätzen sollte. Der riesige Unterschied zum fiktiven MEV-1 Virus im Film ist der, dass das Coronavirus eine geringe Sterblichkeitsrate (in Deutschland 0,3%) hat. Im Film wird diese immer mal wieder benannt und angepasst (zunächst 20%, später mehr). Eine genaue Zahl der Toten findet nur einmal kurz Erwähnung, als ein Nachrichtensprecher von mehr als 2 Millionen Verstorbenen aus den USA sprach und das innerhalb von drei Wochen! Also wäre es absurd anzunehmen, dass uns solche Zustände wie im Film auch erwarten könnten. Also nehmt den Film nicht zu ernst. Er ist keine exakte Voraussage und schon gar nicht ein Vorhersage-Modell für das neuartige Coronavirus!

 

In Contagion wird oftmals gezeigt an was für einem Tag man sich aktuell befindet. Angesichts des mysteriös und überaus schnellen Fortschritts des Krankheit, wirkt das auf weite Strecken sehr unrealistisch, da die Krankheit offenbar auch ziemlich schnell die Menschen tötet. Wie viele Menschen am MEV-1 Virus tatsächlich ums Leben gekommen sind bleibt eine unbeantwortete Frage. Nach einem Monat, wird in einer Nachrichtensendung von weltweit 26 Millionen Todesopfer gesprochen, danach folgen keine weiteren Statistiken mehr. Die filmische Handlung endet nach dem 135. Tag (knapp sechs Monate), was völlig übertrieben wirkt. Viel anschaulicher dagegen wird visualisiert, wie sich das Gesamtbild des Planeten und der einzelnen Länder verändert. Der komplette Weltmarkt kommt zum erliegen, der Müll bleibt auf der Straße und Läden werden geplündert. Es stellt das reinste Chaos dar. Und ersterer der gerade genannten Punkte trifft aktuell auch auf unsere Situation zu. Die Börsen befinden sich im freien Fall und eine Wirtschaftskrise ist im Grunde nicht mehr abzuwenden. Und trotz dieser Gemeinsamkeiten mit dem filmischen Virus, sei nochmals gesagt: Es ist reinste Fiktion, was sich in Contagion abspielt. Auch wenn man im Film selbst ein solche Planbeispiel, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der CDC inszenierte, bleibt es ein sehr unrealistisches Szenario, dass uns eine Pandemie dahin rafft. Man kann allerdings nicht leugnen, dass es völlig aus der Luft gegriffen ist.

 

Sehr hilfreich ist es den Film zu rekapitulieren. Denn vieles aus dem Film lässt einen nachdenklich zurück. Wie geht es mit der Menschheit und den aufbereiteten Einzelschicksalen weiter? Diese Frage lässt Contagion völlig offen. Viel gravierender ist die um sich greifende Panik, welche des Öfteren im Vorder- als auch Hintergrund dargestellt wird. Panik ist das letzte was wir jetzt brauchen und genau der Punkt, der alles zusammenbrechen lassen würde. Nicht umsonst gleicht die komplette zweite Hälfte des Films reinster Paranoia und einen überaus großen Stresstest für alle Parteien. So viel sei gesagt: In der aktuellen Lage wurden akute Maßnahmen getroffen, um das Virus und dessen Infektionszahlen, welches nicht im Ansatz mit filmischen MEV-1 zu vergleichen ist, einzudämmen. Zumal gibt es auch schon tausende Menschen, die als geheilt zählen. Also habt etwas Geduld, auch das Coronavirus wird vorüber ziehen. Wichtig ist nur, dass wir als Menschen zusammenhalten und uns versuchen zu schützen und auch wenn es uns hin und wieder schwer fällt, auf die Mahnungen unserer Landesregierungen besser achten.

Infos zur aktuellen Situation:

Ich bitte euch alle die schwierige Lage nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Bleibt gesund und achtet auf euch, genauso wie auf die Anderen in eurer Umgebung. Hier gibt es noch ein paar Links mit aktuellen Informationen zum Coronavirus von offizieller Seite:

  • Informationsseite des Robert Koch Instituts
  • Offizielle Seite der Bundesregierung

Contagion ist bei folgenden Betreiber verfügbar:

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