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"Creed 2": Wenn die Familie im Vordergrund steht

Die Boxer-Reihe Rocky meldet sich zurück. Im Vordergrund steht Adonis Creed (Michael B. Jordan), der von Rocky Balboa (Sylvester Stallone) gecoacht wird. In seinem zweiten filmischen Abenteuer steht Creed der übermächtige Viktor Drago (Florian Munteanu) im Weg. Zu allem Überfluss erschweren persönliche Entwicklungen das Geschehen rund um den Boxring zusätzlich.

 

Vom launischen Weltmeister zum Familienvater

Der Weg zur Spitze ist wahrlich nicht leicht. Das wissen wir mittlerweile aus den sieben vorherigen Filmen der Rocky-Reihe nur zu gut. Creed steht stets vor enormen Druck und dann entfachen im Film sogar Spannungen gegen seinen Coach Rocky Balboa. Doch anstelle einer gewissen Reife, zeigt sich der Charakter viel zu oft, bei sehr kritischen Situation mehr kindlich als Erwachsen. Es ist natürlich klar, dass ein Boxer meistens eine etwas aufbrausende Figur sein mag, aber Creed scheint in einigen Szenen nicht mehr zu sein als ein launisches Kind, dem man den Lutscher weg genommen hat. Selbst wenn das gewollt sein sollte, stört es dennoch innerhalb der sonst recht soliden Geschichte. Da ist die persönliche Entwicklung von Creed, die nach und nach uns als Zuschauer vor Auge geführt wird, etwas nachvollziehbarer. Ähnlich wie schon aus den Vorgängern, muss sich die Hauptfigur zu dem Gedanken eines Familienlebens bekennen. Aufgrund dieser Veränderungen wirkt Creed zwar in einer oder anderen Situation komplett überfordert. Das ist allerdings sehr menschlich und daher auch für uns "normale" Menschen um einiges ansprechender, als bspw. das Kernelement (i.d.F. der Boxsport).

 

Die Drago-Storyline ist um einiges interessanter

Im krassen Gegensatz zu einer fast vollkommen heilen Welt als Familie in den USA, ist die Geschichte der Dragos ein viel größeres und komplexeres Gebilde, dass viel mehr hätte gewürdigt werden können. Diese ist durch viele einzelne Momente aus der Vergangenheit und ebenso der Gegenwart doch um einiges interessanter geraten, als vermutlich geplant, von kulturellen Faktoren ganz zu Schweigen. Denn bei all der Brisanz, die Vater und Sohn der Drago-Familie verbindet, bleibt beim Verlauf des Films eigentlich kaum Zeit dafür. Wenn man, unbedingt gerade diese Familie so hervorheben will als die großen Gegenspieler, ist das eben nicht mit drei, max. vier Szenen getan. Nein! Denn allein das Marketing, dem sich der Film bedient hat, lies viel Spielraum für eine packende Rivalität, wie wir sie nur aus den ganz frühen Werken kennen. Doch letztlich gelingt es Creed 2 nicht, eben diesen Spielraum, im ausreichenden Maß auszunutzen. Er legt vielmehr einen möglichen Grundstein für einen weiteren Film, wo man diese Rivalität weiter ausbauen könnte. Na dann heißt doch mal wieder: Abwarten! Schade! 

 

Bild: Adonis Creed auf dem Weg zur Titelverteidigung? | © 2000-2018 Warner Bros.

 

Recycelt und dennoch spannend!

Das sich Creed an typischen Merkmalen der Rocky-Reihe bedient, ist im Grunde selbstverständlich. Bestes Beispiel ist die klischeehafte Trainings-Montage, die zwar in etwas anderer Form, aber vom Bild her genau gleich aufgebaut wurde. Trotzdem ist es für uns Zuschauer immer wieder schön mit an zu sehen, wie diese Profisportler ans Limit gehen, und das im Endeffekt nur für einen Boxkampf innerhalb eines gewissen Zeitraums. Dadurch, dass sich die beiden Rivalen im Film, auch im echten Leben solche Mühe für die Rolle machten, lässt die vielen Trainingseinheiten sehr realistisch wirken. Aber man kennt das wirklich schon zu Genüge und dennoch gelingt es auch mit dem achten Film, den finalen Kampf ebenfalls sehr spannend und stellenweise sogar sehr aufwühlend zu gestalten. Das ist nicht nur den Darstellern, die - sei es im oder neben den Ring - der gesamten Prämisse eine tiefere Geschichte beigeben, sondern auch einer rasanten und cleveren Führung mit der Kamera, gedankt. Optisch sind einige Szenen sogar aus direkter Sicht auf die Boxhandschuhe des Gegners gerichtet, wodurch der Kampf aus einer anderen Perspektive zusätzlich verschärft wird. 

 

Familie steht über allem

Das Stichwort "Familie" muss tatsächlich nochmal aufgegriffen werden. Denn davon gibt es, vielleicht etwas zu viel in Creed 2. Die meisten Kapitel behandeln selbstredend die persönlichen Ups & Downs von Adonis Creed, welche sehr vielfältig sind, vor allem im Hinblick auf die Geschichte seines Vaters. Aber muss das gleich so viel davon sein? Von so eher suspekten Themen, wie das Business im Boxsport an sich, hält sich der Film und das gesamte Fanchise kleinmütig zurück, obwohl es doch da wohl einiges zu erzählen gibt. Und selbst als Drama, könne man hier und da durch fragwürdige Manager oder provokante Journalisten noch mehr Salz in die Suppe geben. Zum Boxen gehört nun mal auch die Show als Großes und Ganzes. Doch warum hält man die bei den Filmen so auf Abstand? In vielerlei Hinsicht hätte das der zweistündige Geschichte noch mehr Schliff verleihen können. Und etwas neues in das Franchise hinein zu geben ist doch nicht so abwegig, zumal die Filme bereits seit Jahren rein kommerziell betrachtet, auch gut aus den Kinos kommen.

 

Bild: Der Unterschied ist groß. Die aktuellen Rivalen aus der Rocky-Reihe: Viktor Drago und Adonis Creed. | © 2000-2018 Warner Bros.

Fazit:

Creed 2 bleibt den Wurzeln treu, recycelt eventuell an manchen Stellen zu viel von seinen Vorgängern, bleibt aber vor allem im Endkampf ein spannendes und teilweise recht aufwühlendes Boxer-Drama, mit soliden Schauspielern, wenn auch keine Meisterleistungen erbracht worden sind. Geschuldet ist das allerdings dem gesamten Franchise, dass sich nach wie vor nicht ganz zu trauen scheint, tiefer in die Welt des Boxsports einzutauchen. Die Entwicklung unseres Protagonisten ist jedoch für uns als Zuschauer sehr nachvollziehbar, weshalb man ihn dennoch in positiver Erinnerung behält. 

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★

7.0 Punkte

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