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"Der Hexenclub": Teenie-Hexen außer Kontrolle! (REVIEW)

Ein Sequel! Eines das keiner erwartet und womöglich auch eines auf das keiner gewartet hat. Der Hexenclub wurde 1996 bereits verfilmt und erhält in diesem Jahr ein überraschendes Sequel. Doch für dieses scheint sich wirklich kaum jemand so richtig interessiert zu haben. Selbst der offizielle Trailer dazu ließ lange auf sich warten. Dieser ist keine vier Wochen alt. Und jetzt kommt auch noch ein landesweiter Lockdown dazwischen. Lohnt sich trotzdem ein Blick auf den neuen Hexenclub?

Der Hexenclub 2020 Filmbild
Bild: Vier Mädels im Teenie-Alter versuchen sich im Hexen-Handwerk. | Sony Pctures

Hexenwerk mit jugendlichem Leichtsinn

An sich ist es gar keine schlechte Idee Mädels im Teenie Alter als ambitionierte Hexen ins Rennen zu schicken. Viele Elemente der Schulzeit passen auch erstaunlich gut in die Welt der Hexerei. Recht schnell wird deutlich, dass die Hauptfiguren innerhalb ihrer Schule absolute Außenseiter sind, aufgrund ihrer mysteriösen Eigenart. Es macht tatsächlich viel Sinn eine Geschichte von unerfahreneren bzw. unreifen Hexen zu erzählen, denn die bekommt man doch, wenn man genauer darüber nachdenkt, relativ selten zu Gesicht. Und gerade diese Unreife macht es doch in vielen Szenen unterhaltsam, wenn ein Zauber schlussendlich auch gelingen will. Zwar mag das nach der ersten halbe Stunde in überhöhter Geschwindigkeit von Statten gehen, aber der Ansatz für einen halbwegs guten Blockbuster ist somit eigentlich vorhanden. Aus diesem Konzept macht Der Hexenclub aber im Nachgang herzlich wenig. Häufig werden die ernsteren Szenen, welche durchaus etwas Brisanz beinhalten, von der Übertriebenheit einzelner Figuren überschattet. Jugendliche oder junge Erwachsene neigen zwar genau zu so einem Verhalten, aber an vielen Stellen zieht es den Zuschauer wieder komplett aus der aktuellen Situation heraus. Leider gelingt es auch keiner der vier Hauptfiguren sich wirklich gut zu präsentieren. Dies liegt auch hauptsächlich daran, dass zunächst einmal nur eine der Hexen deutlich in den Vordergrund gerückt wird, wenig später dann alle vier, und wieder nur wenig später erneut nur Hannah (Cailee Spaeny). Irgendwie fehlt es beim Drehbuch an einer gewissen Struktur. Es wirkt fast so als hätte sich der jugendliche Leichtsinn der Filmcharaktere bis auf den Regiestuhl übertragen.

Unspektakuläre 100 Minuten

Was man vorab wissen sollte: Der Hexenclub ist kein Horrorfilm, sondern deutlich mehr Fantasy mit einer kleinen Portion Mystery verschachtelt. Er setzt deutlich mehr auf das Okkulte. Wir bekommen keine halbgaren Erklärungen, wie die Kräfte der Hexen funktionieren oder wo sie ihren Ursprung haben. Es interessiert auch nicht wirklich. Vielmehr bleibt das ein offenes Rätsel, was im Rückkehrschluss auch gar nicht mal so verkehrt zu sein scheint. Dennoch verlaufen die knapp 100 Minuten Laufzeit ziemlich unspektakulär. Sie bieten zwar einige amüsante Momente an, mehr aber auch nicht. Die Hexerei verhilft den Außenseiter-Clique zu etwas mehr Vorteilen in der Schule. Und dies stellen sie auch hin und wieder gegenüber ihren "Widersachern" mit den zusätzlichen Mitteln, die einer Hexe zur Verfügung stehen, klar. Bis aber tatsächlich etwas spannendes der Geschichte hinzugegeben wird, vergeht schon ein ganzes Weilchen. Bis dahin beinhaltet der Film mehr Teenie-Drama in Kombination einer sichten Komödie, anstelle eines interessanten Fantasyfilms. Natürlich werden sie im Laufe des Films mit ihrem Handeln konfrontiert und auch ein Bösewicht darf in der Geschichte nicht fehlen. Allerdings dauert es bis zu diesem Punkt viel zu lange. Was dabei herauskommt ist letztlich ein sehr magerer Schlussakt, in welcher Der Hexenclub zu einem sehr faden und vor allem lauwarmen Nachmittagsfilm verkommt.

Der Hexenclub 2020 Filmbild
Bild: Mitten im Wald beschwören der Hexenclub den ersten gemeinsamen Zauber. | Sony Pictures

Wenig Aufregung mehr Freude

Eines kann man beim Hexenclub, also die 2020 Version, nicht bestreiten. Die Truppe, rund um Hannah wird zu einem eingeschworenem Team. Von mal zu mal gelingt mehr, indem sich die vier angehenden Hexen zusammen auf ihre Stärken fokussieren. Das hat zumindest einen gewissen Charme für eine ganz bestimmte Zielgruppe: Junge Mädchen. Da mögen sogar viele Szenen auch für die ein oder andere Zuschauerin realitätsnah erscheinen. Natürlich ohne die fiktiven Zauberkräfte! Denn durch das mitgezogene Teenie-Drama werden sich bestimmt auch einige Mädels angesprochen fühlen, eventuell sogar identifizieren können. Denn neben dem ganzen Hexenwerk wird bei diesem Film vor allem auf eine freundschaftliche Harmonie gesetzt, die auch an manchen Stellen für eine erheiterte Stimmung sorgen kann. Auch wenn das womöglich nur für exakt diese Gruppe an Zuschauern gerichtet ist und auch die gewünschte Wirkung erzielt, ist es nur ein kleines Trostpflaster für den Hexenclub. Vielleicht mag es doch noch den ein oder anderen Fan des Originals geben, der eventuell auch mit dem Sequel warm werden kann. Für viele Andere allerdings wird dieser Stoff wohl eher ein ödes Filmerlebnis sein, welches deutlich mehr Qualität hätte abrufen können, wenn man mehr in die Welt der Hexerei eingetaucht wäre, als in den Schulalltag der Charaktere. 

Fazit:

Der Hexenclub ist ein ziemlich uninspiriertes Sequel eines ohnehin schon durchschnittlichen Klassikers. Die 2020er Version lässt es sich am Ende auch nicht nehmen, eine klare Anbindung zum Original zu schließen. Das hat aber im Endeffekt auch keine Auswirkung mehr auf dessen Qualität. Leider empfindet man nach der Sichtung nicht wirklich das Bedürfnis viel mehr von dieser Gruppe in Augenschein zu nehmen. Es fehlt an Qualität. An nahezu allen Ecken. Es sind zwar keine schwerwiegenden negativen Kriterien, doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass wir es hier mit einem halblebendigen Fantasyfilm zu tun haben. Dieser hat im Ansatz zwar interessante Eigenschaften, weiß aber nicht so recht etwas damit anzufangen.

MCG-Raiting

★★★★★★★★

4.0 Punkte

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