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"Der König der Löwen": Mehr als "nur" ein Remake (REVIEW)

25 Jahre ist es her, da verblüffte das Zeichentrick-Abenteuer alle Altersklassen. Damals wie heute, war er, ein Meilenstein der Filmgeschichte. Nun versucht sich Disney erneut an einer Live-Action Adaption. Zuvor versuchte es man bereits mit Klassikern, wie Dumbo und Aladdin. Jetzt soll Der König der Löwen als Realverfilmung eine neue Generation zum Staunen bringen. Ob das gelungen ist und warum die ganze Kritik im Vorfeld vielleicht Fehl am Platz ist, erfahrt ihr in dieser neuen Filmkritik.

Der visuelle und musikalische Höhepunkt der Disney-Remakes

Mit einem riesigen Batzen Geld versucht Disney ihren größten Klassiker aller Zeiten wieder zum Leben zu erwecken. Das, wie beim Dschungelbuch vor drei Jahren, alles somit komplett aus dem Computer stammt, vergisst man dabei schnell. Doch was man hier, mit dem gigantischen Budget, geschaffen hat, ist wirklich einsame Spitze. Da hat sich, das viel kritisierte Filmstudio, erneut selbst übertroffen. Ähnlich wie, der bahnbrechende Zeichentrickfilm aus 1994, wird auch die Live-Action Adaption mit seiner visuellen Kreativität in den Kinos Wellen schlagen. Rein optisch ist Der König der Löwen einer der besten Filme des Jahres, wenn nicht sogar der Beste! Nahezu alle Tiere, die hier im Film gezeigt werden, sind so real dargestellt, wie es nur möglich ist. Man vergisst schnell diesen einen Punkt, dass alles tatsächlich nur am Computer entstanden ist. Ja, man kann diesen Punkt nicht oft genug erwähnen.

 

Musikalisch braucht man ebenfalls nicht untertreiben. Natürlich lebt auch diese Adaption von den originalen Songs, die wie wir heute wissen, einen riesigen Wiedererkennunswert besitzen. Selbstverständlich lässt es Disney sich da nicht nehmen, diese gekonnt im Film einzusetzen. Nur der eigenständige Song von Beyonce, die gleichzeitig auch als Synchronsprecherin fungiert, sticht geringfügig negativ hervor. Vielleicht der einzige Song, der so gar nicht in die Tracklist reinpassen will. Ansonsten sind die Songs ja letztlich nichts neues, aber dennoch erzeugen sie, auch nach einer so langen Zeit, immer noch eine Gäsehaut.

Timon und Pumba laufen zur Bestform auf

Sie sind genau die Figuren, die uns am besten im Gedächtnis geblieben sind: Das Warzenschwein Pumba und das Erdmännchen Timon. "Hakuna Matata. Keine Sorgen." Wer erinnert sich nicht an diesen Auszug des berühmtesten Song den der Klassiker hervor gebracht hatte? Und auch in der 2019er Version machen uns die Figuren und ihre Titelmelodie noch Spaß. Man würde aber lügen, wenn man behauptet, dass die aus dem Realfilm stammenden Timon und Pumba besser sind als die Zeichentrick-Version. Trotzdem ist auch die neue Version der überaus sympatischen Figuren sehr gut gelungen. Gute Laune und viel Witz sind hier garantiert, auch wenn er des Öfteren für das eher kleine Publikum, sprich Kinder, gedacht ist. Aber nicht nur die beiden, auch Simba, Nala, Mufasa und alle weiteren Figuren, die man bereits aus dem Original kennen und lieben gelernt hat, fügen sich relativ stimmig in die Geschichte ein. 

 

Aber auch die andere Seite, also die der Antagonisten, welche sich in diesem Fall durch Scar und die Hyänen definiert, muss sich ebenfalls dem Vergleich zum Original unterziehen. Und hier vermögen es diese Figuren tatsächlich dem Original aus 1994 nicht nur Stand zu halten, sondern sogar geringfügig besser abzuschneiden. Scar wirkt, dank der äußerst markanten deutschen Synchronstimme von Torsten Michaelis, enorm einschüchternd und durchtrieben, so wie es nun einmal sein soll. Die einprägsame schwarze Löwenmähne hat es zwar nicht auf die Leinwand geschafft und dennoch ist die Figur im Film ein Bösewicht wie er im Buche steht. Das Hyänen-Rudel ist ebenfalls gut getroffen. Tatsächlich sogar weniger nervig als die vorherige Zeichentrick-Fassung und durchaus gegenüber dem jüngeren Publikum sogar Furcht einflößend. 

Der junge Simba mit Zazu
Bild: Der junge Simba (r.) mit Zazu (l.) | © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Der König der Löwen ist das Resultat fehlender Risikofreudigkeit

In Sachen Emotionalität muss sich die Live-Action Adaption dem Vorgänger geschlagen geben. Vielleicht auch gerade deswegen, weil die Story im Film sich kaum bis gar nicht vom Zeichentrick unterscheidet. Man hat eben alles schon einmal gesehen und ruft sich es 2019 nur noch zurück ins Gedächtnis. Jetzt könnte man Disney natürlich fehlende Kreativität vorwerfen, aber aus Sicht des Studios denkt man als Zuschauer im ersten Zuge nicht. Denn die Frage ist und bleibt, warum sollte Disney derzeit eine unbekannte oder neue Figur auf die Leinwand bringen (das Geld wäre ohnehin nicht das Problem)? Denn in jüngster Vergangenheit hatte man reihenweise Pech was komplett neue Geschichten angeht. Denken wir z.B. an den kaum bekannten John Carter, der 2012 auf der Kinolandschaft etabliert werden sollte. Und dann gehen die Leute schlicht nicht in diesen Film ins Kino. Er entpuppte sich als katastrophaler Flop. Letztlich ist es für das Filmstudio eher von Vorteil bereits etablierte Geschichten, die auch in der Vergangenheit erfolgreich waren, in diesem Fall ein weiteres Mal auf die Leinwand zu bringen. Man kann diese Vorgehensweise scharf kritisieren, aber für Disney ist das Risiko für Der König der Löwen als Live-Action Abenteuer wesentlich geringer, als eine komplett neue Adaption.  

 

Dennoch was die ganz großen Szenen angeht, welche sich für immer in unser Gedächtnis gebrannt haben, hinkt der aktuelle Streifen seinem Original hinterher. Die gleiche emotionale Achterbahn bleibt aus. Zumal auch etwas Spannung auf der Strecke bleibt. Denn, man kann es nicht häufig genug sagen, die Geschichte bleibt einfach dieselbe wie vor 25 Jahren. Sie bietet somit nichts neues an und wäre für Zuschauer, die nach neuen Filmen eventuell Ausschau halten, nicht die beste Wahl. Andererseits bietet das neue Disney-Abenteuer die Gelegenheit die jüngere Generation anzusprechen, die möglicherweise nichts mit Zeichentrickfilmen anfangen können. 

Ein Spaß für jung und alt

Was man ebenfalls nicht vergessen darf: Der König der Löwen ist eine Filmgeschichte für absolut jede Altersklasse. Egal ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Disneys erfolgreichste Erzählung kennt keine auf das letzte Detail zugeschnittene Zielgruppe. Vielmehr ist sie, und wird auch für immer, die Geschichte sein, mit der Kinder aufwachsen werden. Das kann und wird sich vermutlich auch nicht mehr so bald ändern. Und auch wenn, den größten Teil dazu der Zeichentrick von 1994 beigetragen hat, wird der Film aus diesem Jahr ebenfalls beeinflussen können, dass diese Geschichte noch über Jahre hinweg einen gigantischen Wiedererkennungswert haben wird. Der König der Löwen erzählt, wenn man es den etwas genauer betrachtet, eigentlich nur die Geschichte vom Erwachsen werden. Von einer großen Verantwortung die irgendwann auf uns allen lastet. Und wer könnte sich damit nicht identifizieren? Simbas steiniger Weg, der auch 2019 noch wunderbar ins Konzept passt, hat so viele positive Merkmale, dass es fast schon ein Verbrechen gewesen wäre, diesen Film nicht in irgendeiner Form zurück ins Kino zu bringen. Und nach 25 Jahren ist das, aus meiner Sicht, völlig legitim. Die Live-Action Adpation von Der König der Löwen ist eine Hommage an den legendären Vorgänger und möglicherweise sogar der sinnvollste aller neuen Realverfilmungen.

Simba bei Timon und Pumba
Bild: Simba bei Timon und Pumba. | © 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Fazit:

Ja, es mag sein das Disney hier vielleicht wieder einmal die Kuh zu stark melken will. Aber bei dieser Live-Action Adaption überwiegen die positiven Aspekte weitestgehend. Die visuellen Eindrücke sind bombastisch und vielleicht sogar das Beste was man aus diesem Jahr im Kino zu sehen bekommt. Alle Figuren, egal ob Simba, Mufasa, Timon & Pumba passen in diesen Film wie die Faust aufs Auge. So real sehen die Figuren tatsächlich aus, dass wir die Machart (es entsteht folglich alles nur am Computer) absolut ausblenden können. Das neue Abenteuer verbreitet viel Spaß, wenn auch durch die Tatsache das die Story 1:1 übernommen wurde, vieles an Spannung verloren geht und die gewisse emotionale Tiefe des Zeichentricks selbstredend nicht erreicht werden kann. Trotzdem ist Der König der Löwen nach 25 Jahren immer noch eine allgegenwärtige filmische Erzählung, die es Wert ist noch einmal ins Kino zu bringen und ihre Wirkung nicht verloren hat.

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.5 Punkte

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