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"Der Letzte Bulle": Für Fans, aber auch NUR für Fans! (REVIEW)

Von 2010-2014 hatte Der Letzte Bulle im TV ermittelt. Die raue und lustige Actionserie mit Henning Baum in der Hauptrolle war nach 60 Folgen eingestellt worden und feiert nun, fünf Jahre später, sein Comeback. Und anders als man zunächst vermuten würde, anstelle von einem simplen TV-Spielfilm, ein eigener Kinofilm, der ab dem 7. November startet. Doch war es wert, dass dieses TV-Material letztlich den Weg ins Kino findet?

Der Letzte Bulle Film Szenenbild
Bild: Henning Baum spielt wieder Mick Brisgau. | © 2000-2019 Warner Bros.

Ein Prequel das keiner braucht

Das man alte TV-Produktionen mit Kinofilmen auf kurzfristige Dauer wiederbeleben will, ist schon lange nichts Neues mehr. Letztes größeres Beispiel war die sehr erfolgreiche britische Drama-Serie Downton Abbey, deren Kinofilm sogar an den Kinokassen große Wellen geschlagen hat. Nun, Der Letzte Bulle ist vielleicht nicht Downton Abbey, aber als allererstes muss die Frage gestellt sein: Braucht man diesen Film, der hier als Vorgeschichte fungiert? Und an dieser Stelle hört ihr hier ein ganz klares NEIN! Die Geschichte von Mick Brisgau wurde in 60 Episoden mehr als aus erzählt. Der Film fühlt sich weder so an, wie purer Fanservice, noch wie ein guter deutscher Actionfilm. Die Vorgeschichte, die bislang nur als Synopsis zur Serie diente, ist nun Kernelement des Kinofilms und das kann doch nicht die Argumentation sein, um einen Kinofilm ins Leben zu rufen. Ein weiteres großes Problem von diesem Film ist die Tatsache, dass über weite Strecken des Films auch nur absolute Insider gestreut werden. Insider, die vermeintlich nur ein absolut eingefleischter Fan der Serie verstehen kann. Dieser Mangel findet sich nicht nur in zahlreichen Gags, sondern auch, und das ist weitaus schlimmer, in einigen Elementen der Handlung. Gut, bei Actionfilmen kann man sich nicht ausschließlich darauf stürzen, aber wenn einem das so aufs Auge gedrückt wird wie in diesem Film, hätte er vielleicht, um eine größere Zielgruppe überhaupt ansprechen zu können, diese Elemente vielleicht deutlich zugänglicher machen müssen. Ein Kinofilm ist vielleicht gerade deshalb, die falsche Wahl gewesen. Eine reine TV-Produktion, im Rahmen eines Specials hätte es doch auch getan.

Maue Action, schlappe Sprüche

Deutsche Actionfilme. Wir suchen seit Jahren vergeblich gute deutsche Actionfilme. Der Letzte Bulle gehört am Ende auch eher in die Schublade der gängigen 0815-Actionstreifen, vielleicht sogar noch eine tiefer. Nur selten gelingt es, aber auch nur rein ausschließlich der Titel gebenden Hauptrolle, im Ansatz gute Kämpfe zu inszenieren. Auch die häufigen Verfolgungsjagden, die zu einem Action-Blockbuster dazu gehören, sind eher unterdurchschnittlich. Wenigstens wird diese Prämisse hin und wieder durch plattes Macho-Gehabe aufgelockert, ja nahezu, ironisch untergraben. Doch auch hier heißt es wieder: Wir bedienen nur unsere Fans! Wer den Humor von Der Letzte Bulle kennt und diesen vielleicht feiert, wird deutlich mehr unterhalten sein, als ein "normaler" Zuschauer. Das ist schade, vor allem in der Hinsicht, dass weder die generische Action, noch der überaus konstruierte Plot auch nur annähernd Spannung aufbauen können. Etwas was man hierzu vielleicht Positiv deuten könnte, ist die Tatsache, dass Hauptdarsteller Henning Baum auf seine Paraderolle sehr viel Bock und mit Sicherheit auch seinen großen Spaß dabei hatte. Und auch der restliche Cast hat sich wohl mit nostalgischer Freude auf ihre alten Rollen vorbereitet und dies so gut gemacht, wie es das Drehbuch hergibt. Doch für die Ambition als Action/Krimi-Film mit viel Humor war das an vielen Stellen einfach zu wenig. Hinzu kommt die vielleicht lächerlichste Todesszene des Jahres! 

Product Placements nerven und technische Feinheiten

Deutsche Filme drücken einem die Placement so sehr auf die Augen, dass es schon schmerzt. Und ja, Der Letzte Bulle ist leider keine Ausnahme. Egal ob Auto-Marken, wo man auf aktuelle Modelle mit inhaltlosen Dialogen hinweisen muss. Oder die sehr deutliche Präsentation von einer Biermarke. Es ist vielleicht kein reiner Kritikpunkt für einen einzelnen Film, aber bei den deutschen Produktionen nervt die Eigenschaft, dass sich diese hauptsächlich durch bekannte Marken finanzieren. Hätte man das nicht (eventuell) etwas unauffälliger machen können? 

 

Machen wir aber nochmal kurz einen radikalen Schnitt und gehen auf die technischen Kleinigkeiten des Films ein. Als relativ harmloser Actionfilm, bleibt Der Letzte Bulle auch zum Großteil wirklich auf dem Boden der Tatsachen. Das Explosionsgewitter alla Cobra 11 bleibt Gott sei Dank aus. Das wäre ja auch wirklich furchtbar gewesen! Für ein Serienhit hat man, dank der großzügigen Sponsoren (haha), sich tatsächlich in Sachen Kamera und Schnitt sehr ins Zeug gelegt. Abseits der bislang genannten Kritikpunkte hat die Technik den höchsten Stellenwert, für eine Argumentation einer Kinofilm-Produktion. Für einen TV-Film, oder für eine Serienepisode sah das, und das muss man ohne weiteres offen zugegeben, viel zu gut aus

Fazit:

Ein Film gemacht für Fans, aber nur für wahre Fans. Actionfans nein danke, die brauchen wir nicht. Wer die Serie mag, wird auch den Film mögen, alle Anderen werden sich nur denken: Was zur Hölle war das? Der Humor ist teilweise unterdurchschnittlich, die Geschichte mega konstruiert und wenn der einzige Lichtblick der Sprüche klopfende Mick Brisgau ist, dann reicht das schlicht nicht für einen soliden Kinofilm. Auf anderer Seite steht die technische Seite, die für einen reinen TV-Film schon etwas zu Over-the-top wäre. Dies war auch vielleicht das einzige Argument, diesen Film ins Kino zu bringen. Sagen wir es mal so: Fans von Der Letzte Bulle sind die Zielgruppe. Alle Anderen sollten wohl lieber auf andere Filme zurückgreifen, sonst lauert hier eine schwere Enttäuschung.

MCG-Raiting

★★★

3.0 Punkte

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Kommentare: 1
  • #1

    Die letzte Kuh (Donnerstag, 07 November 2019 20:59)

    Was für ein dämlicher Bericht. Der Verfasser scheint wirklich hirnlos zu sein