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"Der Unsichtbare": Alter Filmstoff modern adaptiert! (REVIEW)

Unsichtbare Schurken sind in der Filmgeschichte nichts neues. Die Romanvorlage von H.G. Wells (auf die sich auch der diesjährige Film beruft) wurde bereits in den 30ern das erste Mal verfilmt. Das Material wird nun neu adaptiert und für moderne Zeiten aufgepeppt. Das gelingt erstaunlich gut. Tatsächlich so gut, dass man ohne jeden Zweifel Der Unsichtbare als ein Überraschungshit betiteln kann.

Elisabeth Moss spielt das perfekte Opfer

Was beim Film als aller erstes heraussticht ist seine leidende Hauptfigur. Hier gespielt von Elisabeth Moss. Cecillia steckt in einer gewaltvollen Beziehung fest. Da sie sich kaum gegen ihren deutlich stärkeren Partner durchsetzen kann, ist sie leider auch das perfekte Opfer für diese Geschichte. Erst nach deren Trennung und dem inszenierten Tod von Adrian (Oliver Jackson-Cohen) beginnt die Story des Unsichtbaren. Es dauert ein wenig bis dieser tatsächlich das erste Mal in Erscheinung tritt, dafür ist dessen Einführung ziemlich rabiat. Sie kündigt sich durch einige kleine Details an, fährt aber im passenden Moment zwei Gänge hoch. Man muss sich zwar erst mit dieser merkwürdige Szenerie anfreunden, schließlich sieht es zunächst so aus als kämpfe Elisabeth Moss sprichwörtlich mit sich selbst, aber im Laufe der Zeit verfliegt dieses Manko. Das Auge gewöhnt sich an diesen Anblick. Die einprägende Mimik von Moss verstärkt den Eindruck eines physisch schwachen, als auch psychisch angeknacksten Charakters, der von Minute zu Minute jegliches Vertrauen ihrer Freunde verliert. Natürlich im Zusammenspiel eines diabolischen Plans ihres nunmehr unsichtbaren Ex-Freundes. Sie wird praktisch von allen isoliert. Für den weiteren Verlauf der Geschichte ist dies zudem ein wichtiges Bindeglied. Denn die Isolation ihrer Figur zwingt sie irgendwann auch in die Offensive. Für einen Thriller wie geschaffen. Denn dadurch entwickelt sich eine überraschend spannende Story. Und das gänzlich ohne markante Horrorszenen.

Weniger Horror mehr Thriller

Wer sich von Der Unsichtbare einen Film mit ordentlichen Horror-Elementen wünscht, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein. Denn genau das Gegenteil ist hier der Fall. Es gibt vielleicht zwei, maximal drei, Jumpscares. Aber die sind wenig auffällig, geschweige denn furchteinflößend. Ein kurzer Schreck und fertig. Ist ja auch kein Wunder! Wenn der Gegenspieler nicht zu erkennen ist, und maximal die Fußabdrücke ein Erkennungsmerkmal sind, ist das für die Protagonisten schon beängstigend, wenn sich genau diese auf einen zu bewegen. Trotzdem bleiben diese Schock-Momente eine Ausnahme. Im Gegensatz zu den fehlenden Horror-Elementen, haben wir tatsächlich viele Szenen die in jedem Fall einen packenden Thriller versprechen. Viele Einstellungen fangen vor allem die eingeschüchterten Blicke der Opfer des Unsichtbaren ein, sodass wir deutlich zu sehen bekommen, wie viel Macht in diesem Vorteil steckt. Hinzu kommen viele der Szenen wie aus dem Nichts. Eben wie jener Schurke des Films. Das ausgerechnet der psychopatische Ex-Freund den Feind mit dem unfairen Vorteil repräsentiert bringt zusätzlich mehr Brisanz in die Geschichte. Und selbst wenn es für kurze Zeit so aussieht, als könne man den Unsichtbaren in irgendeiner Form überrumpeln, gleicht dieser den Nachteil mit seiner Fähigkeit schnell wieder aus. Es ist ein ständiges hin und her. Und bis kurz vor dem Schlussakt ist auch nur Cecillia (Elisabeth Moss)  bewusst, dass es einen Unsichtbaren in der filmischen Realität gibt. Sie steht weitestgehend allein da, was sie allmählich zur Verzweiflung treibt. Die Tatsache, dass ihr kein Glauben geschenkt wird, wirkt bis zum Finale nach, weshalb man von vorne herein mit dieser Figur auch mitfiebern kann.

Der Unsichtbare Filmbild
Bild: Cecillia (Elisabeth Moss) versteckt sich vor ihrem unsichtbaren Ex-Freund. | Universal Pictures

Einfach aber spannend

Wie stellt man einen Unsichtbaren überhaupt dar? Vieles hängt da an der Optik und der Beantwortung der Frage nach dem wie. Bei der diesjährigen Verfilmung der Materie hat man einen Mittelweg, in Anbetracht unserer aktuellen Zeit, gewählt. Manch einer mag die Antwort als zu einfach empfinden, aber wie wählt man bei einem solchen Thema schon den richtigen Weg? Unsichtbarkeit in dem Sinne gibt es ja nicht und letztlich darf sich gerade dadurch auch jeder Film seinen eigenen Ansatz auswählen. Was der Film ebenfalls richtig handhabt, ist sein Aufbau. Der Unsichtbare wird klassisch in drei Abschnitte aufgeteilt. Vielleicht macht es ihn gerade deswegen doch zu sehr geradlinig und eventuell auch vorhersehbar. Als Blockbuster im Mainstream blieb ihm aber für die große Leinwand mit Sicherheit auch keine andere Wahl. Das er sich genau dort ansiedelt, war ohnehin klar, wenn man die bekannte Hauptdarstellerin und ein fast zweistelliges Millionenbudget berücksichtigt. Es sind aber auch eben jene erzählerische Faktoren, die für den Mainstream sprechen. Doch man kann darüber auch froh sein! Lieber haben wir einen gut dargestellten und optisch aufgewerteten Film, als mit einigen billigen Effekten geschmücktes B-Movie, dass schnell in Vergessenheit gerät. Gleichzeitig will die diesjähriger Version eines unsichtbaren Schurken, dank seines gelungenen Finales und eines bereits bestätigten Kinoerfolgs, mit einem Sequel weiter machen. Und man darf mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass sich viele auf eben solch eine Fortsetzung freuen werden.

Fazit:

Am Ende kann man sagen, dass bei Der Unsichtbare die Erwartungen erfüllt wurden. Eine wirklich faszinierende Performance von Elisabeth Moss sorgt für eine abwechslungsreiche Geschichte, mit spannender Entwicklung und einigen, wenn auch erwartbaren Momenten. Was den Horror anbelangt, so vermag es der Film nicht unbedingt die Zuschauer gebührend einen Schrecken zu bescheren, trotz einer unerwarteten Überraschung eines unsichtbaren Gegners. Hier liegt die Qualität eher auf Seiten eines gut aufgebauten Thrillers, in einem sehr ungleichen Kampf: Sichtbar vs. Unsichtbar. Der Unsichtbare ist eine der großen Überraschungen in diesem Jahr und das obwohl er am Ende doch sehr einfach erzählt ist.

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.0 Punkte

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