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"Die Bestie": Auf den Spuren von Liam Neeson (REVIEW)

Actionfilme auf Netflix waren dieses, sowie letztes Jahr etwas durchwachsen. Es gibt sehr hochwertige Produktionen, die auch überraschend gute Filme geworden sind. Meistens wandeln wir hier bei dem Erlebnis aber eher im Durchschnitt. Der italienische La Belva ordnet sich da weitestgehend auch ein, ist aber auch ein Versuch wert.

La Belva Wallpaper
Bild: "La Belva" zu deutsch "Die Bestie" läuft seit dem 27.11. auf Netflix. | Netflix

Ein bekanntes Vorbild für "La Belva"

Erinnert ihr euch an euren letzten italienischen Actionfilm? In Deutschland bekommen wir relativ selten so eine Kost auf den Streamingdiensten, geschweige denn im Kino, zu sehen. Die Bestie, im Original: La Belva, erzählt die Geschichte eines vom Krieg traumatisierten Ex-Soldats, der seine brutale Vergangenheit hinter sich lassen will. Die Entführung seiner Tochter zwingt ihn allerdings dazu, seine militärischen Fertigkeiten wieder einzusetzen. Was ihn ebenfalls belastet ist das Verhältnis zu seiner Familie, von der er sich wegen seiner Berufung entfernt hat. Klingt schon etwas vertraut oder? Man kommt bei diesem Machwerk von Regie-Newcomer Ludovico Di Martino schnell zum Vergleich seines vermeintlichen Vorbilds 96 Hours. Allein der Inhalt zeigt die Parallelen zum äußerst bekannten Blockbuster mit Liam Neeson auf. Die Hauptrolle spielt der Italiener Fabrizio Gifuni. Rein physisch betrachtet, besitzt Gifuni eine ähnliche Statur wie Neeson (mit dem Unterschied von ca. 10 cm Körpergröße). Beide sind nicht unbedingt die übertrainierten Alleskönner mit charmanten Babyface, sondern mimen jeweils einen sehr einschüchternden und erfahrenen Berufskiller mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte. Natürlich ist hier nur ein Vergleich im Ansatz möglich. 96 Hours kostete in der Produktion ungefähr das Doppelte wie die hier angesprochene italienische Filmversion, die jetzt auf Netflix erschienen ist. Dennoch muss man schauspielertechnisch eingestehen, dass Gifuni seine Sache nicht unbedingt viel schlechter macht wie Neeson. In zweifellos jeder Szene in der er sich befindet, verleibt er sich diese mühelos an. Egal ob das jetzt der dominierende Kampfstil der Figur oder dessen rauen Gesichtszüge sind, es gelingt für den Zuschauer eine ziemlich ernstzunehmende Persönlichkeit darzustellen. Eine Person, mit der es man sich lieber nicht verscherzen will!

Rückblende: Vergangenheit!

Flashbacks als Stilmittel zu verwenden, ist bei Kriegs- oder Actionfilmen mit traumatisierter Hauptfigur keineswegs eine Ausnahme. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo dieses erzählerische Hilfsmittel seine Anwendung findet. Manchmal klappt dies ziemlich gut und manchmal eben nicht. Bei La Belva leider letzteres! Die Vergangenheit der Hauptfigur wird mit zunehmender Dauer des Film minutiös aufgearbeitet. Und trotzdem erfahren wir am Ende nicht wirklich viel mehr über die Figur des gebrochenen Soldaten. Wir sehen im Grunde nur den letzten gescheiterten Auftrags des Ex-Militärs. Wir sehen also nicht, wie sich Leonida (Fabrizio Gifuni) aufgrund seiner Traumata von seiner Familie entfernt und auch nicht wie er das Vertrauen seines Sohnes verspielt, was später im Film noch sehr wichtig sein wird. Die einzelnen Rückblenden bleiben daher auch wenig überzeugend und können bis zu Letzt nicht wirklich veranschaulichen, warum die Hauptfigur so ist, wie sie nun mal ist. Einzig relevant für die Story ist die Beendigung seiner militärischen Laufbahn. Aber an dieser Stelle hören die Flashbacks tatsächlich schon wieder auf. Und das obwohl wir schon zu Beginn erfahren, dass er all seine Erlebnisse in einer Therapie verarbeitet oder es zumindest versucht. Versteht mich nicht falsch, solche Flashbacks sind ein wunderbares Instrument um eine Figur in all seinen Facetten vorzustellen. Wenn die Szenen, die man hierfür heranzieht, wenig Bedeutsamkeit haben, macht es sie streng genommen allerdings unbrauchbar.

La Belva Filmbild
Bild: Leonida (Fabrizio Gifuni) zu Beginn seiner brutalen Hetzjagd auf die Entführer seiner Tochter. Netflix

Brauchbare Action oder Langweiler?

Böse Zungen könnten meinen: Action und Italien! Kann ja nichts werden. Dem möchte man hier aber deutlich widersprechen. Denn selbst, wenn dieser Action-Thriller definitiv nicht den größten Bekanntheitsgrad inne hat, so sind die Actionszenen keine die man als billig bezeichnen könnte. Jedenfalls wenn die Hauptfigur Leonida im Vordergrund steht. Sobald die Polizei allerdings mit von der Partie ist, kann von Action keine Rede mehr sein. Der Freund und Helfer in La Belva ist zum leisen Beobachter degradiert, der schlichtweg nur daneben steht, während sich andere durch ganze Häuserblocks durchboxen müssen. Fraglich ist auch deren schwache Präsenz. Es kommt einem so vor, als würden die Beamten folglich nur mit Räumungsarbeiten beschäftigt sein. Mit spannenden Ermittlungen und interessanter Detektivarbeit hat das nicht wirklich viel zu tun. Lieber sieht man da dem erfahrenen Ex-Militär bei seiner "Arbeit" zu. Dieser prügelt sich mit einer ordentlichen Portion Brutalität durch die italienische Unterwelt. Unfehlbar ist die Hauptfigur trotzdem nicht. Auch Leonida muss viel einstecken und büßt von Kampf zu Kampf enorm viel seiner Kondition ein.

Dabei setzt auch dieser Film, ähnlich wie bei anderen Filmen des Genres, bisweilen die Grenzen des menschlichen Körpers einfachheitshalber außer Kraft. Denn während der vielen Kämpfe geht es meistens so rabiat zur Sache, dass die Hauptfigur schon mindestens dreimal zuvor K.O. gehen sollte. Viel Zeit vergeht im Film nicht wirklich und auch ein Ex-Soldat wird bei dieser Heftigkeit von Schlägen und Schusswunden irgendwann mal eine längere Pause benötigen. Aber wer brauch das schon, wenn die eigene Tochter entführt wird? Zur Verteidigung dieses Films, auch andere teils größere Actionfilme unserer Zeit nehmen nicht unbedingt viel mehr Rücksicht auf physikalische Gesetzte. Bestes Beispiel ist da ein John Wick, wo die Hauptfigur einfach mal den Sturz von einem Hochhaus nahezu unbeschadet überlebt. Was die Kämpfe an sich angeht, ist La Belva ziemlich auf dem Boden geblieben. Keine besondere Choreo, einige Schusswechsel und viel Faust-Einsatz. Das ermüdet zwar nicht, kommt aber dadurch trotzdem nicht wirklich an die Qualität eines Hollywood-Actionfilms ran.

Fazit:

Den Plot von La Belva hat vielleicht zu sehr an einigen Hollywood-Blockbustern abgeschaut, dies macht den Film aber nicht weniger hart! Ich denke die meisten deutschen Cineasten haben im Normalfall wenig mit italienischen Actionfilmen am Hut. Vielleicht ein Grund mehr mal bei diesem Film, der direkt auf Netflix veröffentlich wurde, reinzuschauen. Eine durchschnittliche Empfehlung für Actionfans. Die Qualität besitzt fast alle Eigenschaften eines gelungenen B-Movies, welche zwar mit seiner düsteren Hauptfigur und dessen dominierenden Kampfstil seine Stärken hat, aber vor allem die Geschichte mit überflüssigen Elementen füllt. Der Unterhaltungswert ist folglich in der Mitte angesiedelt. Ein Filmoption im Sinne von "kann, muss aber nicht sein".

MCG-Raiting

★★★★★★★

5.5 Punkte

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