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"Die Turteltauben": Das verrückteste Detektiv-Prächen! (REVIEW)

Wieder ein Netflix-Original Film. The Lovebirds zu deutsch Die Turteltauben mixt eine Romcom mit einem Krimi. Zwei völlig normale Menschen, die in ihrem normalen Leben plötzlich in eine Situation verwickelt werden, in der sie sich so noch nie befanden und natürlich völlig am Rad drehen. Klingt lustig, ist lustig, aber ist auch leider schnell wieder vergessen.

Die Turteltauben Filmbild
Bild: Leilani (Issa Rae) und Jibran (Kumail Nanjiani) bei ihrem ersten Date. | Netflix

Keine außergewöhnlichen "Turteltauben"

Ein eigenartiger Filmtitel mit einer häufig veranschaulichten Geschichte. In Die Turteltauben gerät ein "Normalo"-Pärchen gespielt von Issa Rae und Stuber-Darsteller Kumail Nanjiani in eine für sie noch nie erlebte Situation. Sie werden Zeuge einer rasanten Verfolgungsjagd und eines Mordes. Und manch einer mag da schon aufschreien und behaupten, dies wäre schon ein massiver Spoiler zum Film. Aber nein! Diese Situation, sowie das erste Date der beiden und ein mehrjähriger Zeitsprung handeln bereits die ersten zehn Minuten des Films ab. In dieser Zeit ordnet sich auch die bereits erwähnte Szenerie mit ein. Der Film macht, was den Ablauf der Story angeht, keine halben Sachen und startet sofort in die Vollen. Kein langes umher, einfach drauf los. Manch einer mag das für überstürzt halten, aber bei der Sichtung von The Lovebirds (und ja, der Originaltitel hat wieder einmal deutlich mehr Coolness) fällt einem schnell auf, dass es hier gar nicht anders geht. Wozu langes Vorspiel, wenn man die Charaktere, die ohnehin gewisse Macken im Vorfeld mit sich her schleifen, simpel und komplett chaotisch in die Story reinwerfen. Das Ganze hat nicht wirklich viel neuen Gesprächsstoff, man erinnert sich noch an einen wunderbar vom Chaos überfluteten Film namens Game Night, hat zu Beginn aber durchaus seine Vorzüge. In absoluter Ideenlosigkeit stürzen sich die Protagonisten, und wie kann es anders sein, von einer unglücklichen Aktion in die Nächste. Und auch wenn der Film lediglich eine Komödie präsentiert, so bekommt man doch eher selten den Eindruck, als würde es Leilani und Jibran zunehmend an die Substanz gehen. Denn neben einigen sehr lustigen Momenten, schleichen sich auch tatsächlich kurze Spannungsbögen mit ein, die ungenutzt bleiben. Sie haben bedenklich wenig Input auf die Emotionen der Figuren, was sehr schade ist, denn so eine Situation ist nicht wirklich etwas das den meisten Menschen so im Alltag widerfährt.

Ein verrücktes Pärchen auf der Suche nach der Wahrheit

Man kann eigentlich froh sein über die Entwicklung, dass Kumail Nanjiani in diesem Film das Wörtchen "Uber" nicht ausspricht. Das dreisteste Product Placement aus dem vergangen Jahr in seinem letzten großen Kinofilm Stuber ist noch lange nicht vergessen. Und ob geplant oder nicht, auch in Die Turteltauben greift seine Figur wieder auf ein ähnliches Muster zurück. Das Prächen, dass nun die Detektivarbeit selbst in die Hand zu nehmen versucht, bestellt sich Fahrer, private Fahrer (kommt euch vermutlich bekannt vor). Der Service bleibt zwar ungenannt, aber wer Stuber gesehen hat, bei dem sollten sich sofort beide Ohren spitzen. Es ist mit Sicherheit keine Laune des Drehbuchs, dass man wieder auf externe Fahrdienste in der Story zurückgreift und dabei denselben Schauspieler in den Vordergrund schickt. Womöglich zielt der Film auf eine kleine Backpfeife oder einen subtilen Hinweis ab, um klar zu machen, dass es auch ohne ständiges Anpreisungen eines gewissen Service geht. Aber gehen wir mal zurück zu dem verrückten Paar. Denn eigentlich scheint genau dieses, trotz der vielen Indifferenzen, welche auch der ungewollten Kriminalgeschichte geschuldet sind, bis zu einem gewissen Punkt in Vollkommenheit zu harmonieren. Häufig wird darüber gesprochen, dass sich die beiden zu unterschiedlich sein würden (genaue Gründe bleiben da widersprüchlich), aber im Endeffekt erhält man nie so recht den Eindruck davon. Hier und da mögen sie zwar durch ihre Uneinigkeit für charmante Gags werben, aber es bleibt dabei, dass dem Pärchen so gut wie nichts im Wege steht. Vielmehr stehen sich beide Charaktere eher selbst im Weg. Ein Problem, welches in der Knappheit des Gesamtwerks letztlich keine Lösung benötigt, aber den Film dann auch deutlich langweiliger machen würde. Der chaotischen Situation muss eben auch eine ziemlich chaotische Beziehungshistorie beigefügt werden, ansonsten würde der Film kaum bis gar nicht funktionieren. Dennoch bekommt man bei Die Turteltauben eher das Gefühl, als hätte das Pärchen vielmehr im Griff, wie es die Story eigentlich in der jeweiligen Situation tatsächlich anbieten würde. Es ist schon ziemlich fragwürdig, wie schlicht Leilani und Jibran sich von Aktion zu Aktion nahezu unbeschadet weiterkommen und sich aus ihrer Misere retten.

Die Turteltauben Filmbild
Bild: Leilani und Jibran haben viele Diskussionen über die weitere Vorgehensweise. | Netflix

Das Detektivspiel ohne Wirkung

Sie sind keine Profis. Das steht außer Frage. Die Hauptfiguren Leilani und Jibran müssen sich mit einer Reihe kniffliger Aufgaben auseinandersetzen. Sie werden sozusagen zu Detektiven in ihrem eigenen Fall. Klingt spektakulär ist es aber folglich sehr sehr selten. Sie stürzen dabei eher mithilfe des Zufallsprinzips von einem Puzzlestück zum Nächsten. Nicht gerade Stoff aus dem ein guter Krimi gemacht ist, aber wir behalten ja stets im Hinterkopf, dass es sich hierbei nur um eine Komödie handelt. Der Film scheint sich aber demnach, in der Häufigkeit dieser Szenen, in eine schlechte Kopie zum sehr erfolgreichen Game Night zu entwickelnDie Turteltauben hat sich dabei, wenn man mal einen strengen Vergleich zieht, doch eher auf die Gags fokussiert, als eine einigermaßen kluge Auflösung darzulegen. Klug ist, in diesem Zusammenhang, auch ein sehr gutes Stichwort, denn viel zu oft, wollen die beiden Charaktere am Ende doch nur mit dem Kopf durch die Wand, als ihn fürs Denken einsetzen zu wollen. Wenn der Film in gleicher Qualität auch seinen Humor garniert hätte, wäre das auch überhaupt kein Problem gewesen, aber es ist und bleibt eine ziemlich seichte Komödie, die viel mehr auf dem Kasten hat, als sie in seiner recht überschaubaren Laufzeit am Ende darbietet. Zumal verfügt die Geschichte über eine Reihe von unbedeutenden Nebenfiguren, die viel zu wenig Anteil für die Unterhaltung des Zuschauers beisteuern. Selbst Gegenspieler, Zeugen oder die Polizei bleiben unauffällig harmlose Rollen, von denen kaum ein vernünftigen Input ausgeht. In Folge dessen lastet alles auf den Schultern der beiden Hauptdarsteller. Die machen ihren Job verhältnismäßig ordentlich, können aber das Ruder trotzdem nicht rumreißen. Die ganze Detektivarbeit stellt sich, durch den Schlussakt, ohnehin als ziemlich nutzlos dar, als die "Wahrheit" ans Licht kommt.

Fazit:

Die Turteltauben oder viel besser The Lovebirds hat ein nicht außergewöhnliches Szenario aufgegriffen und dabei zumindest im Ansatz für ordentliche Unterhaltung gesorgt. Man kommt aber nicht darum herum, dass es manchen Szenen des Öfteren probiert Game Night in gewisser Weiße nachzuahmen und dabei teilweise kläglich scheitert. Die unfreiwillige Detektivarbeit hat einige Slapstick-Momente, aber auch nicht viel mehr im Angebot als eben genau das. Dabei hätte diese viel zu seichte Komödie mit interessanten Nebenfiguren, mehr Charme und weniger auf den reinen Zufall bedacht, ein erheblich besserer Film werden können. So bleibt er am Ende ein etwas zu normales Machwerk, dass schnell wieder aus dem Kopf verschwindet.

MCG-Raiting

★★★★    

4.0 Punkte

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