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"Die Weite der Nacht": So sollte Sci-Fi Mystery aussehen! (REVIEW)

Ende Mai veröffentlichte Streamingdienst Prime Video einen Science Fiction Film der einen gleich auf zwei Arten zum Erstaunen bringen kann. Zum Einen ist da eine Veröffentlichungsgeschichte, welche den Beweis liefert, dass man als Regie-Neuling niemals aufgeben darf und wie man Mystery und Science Fiction am besten miteinander kombiniert. Die Weite der Nacht ist ein Beispiel dafür, wie man mit einfachsten Mitteln eine durchweg spannende Geschichte inszenieren kann.

Andrew Pattersons langer Weg zur Veröffentlichung

Es war kein einfacher Weg bis The Vast Of Night endlich (irgendwo) zu sehen war. Die Historie bis  zur Veröffentlichung des Films war für Regiedebütanten Andrew Patterson ein schier endloser Prozess voller Ablehnung. Insgesamt 18mal hatte er versucht seinen Film auf einem größeren Filmfestival vorstellen zu dürfen. Nach den niederschmetternden Absagen, kam 2019 die erlösende Nachricht. Auf dem Slamdance Film Festival feierte The Vast Of Night seine Premiere und konnte dort gleich den Publikumspreis mit nach Hause nehmen. Eine Erfolgsgeschichte, die veranschaulicht, dass man niemals aufgeben darf. Ganz besonders nicht wenn man als Regisseur ganz am Anfang steht. Mittlerweile ist sein erster Film auf Prime Video gelandet, wo er seit dem 29. Mai im Programm steht.

Eine Nacht voller mysteriöser Ereignisse

Ein mysteriöses Störsignal sorgt für große Unruhe in dem kleinen Örtchen namens Cayuga, New Mexico. Zwei junge Erwachsene Everett (Jake Horrowitz), Moderator einer örtlichen Radiosendung, und Fay (Sierre McCormick), die bei der ansässigen Telefonzentrale arbeitet, werden Zeuge von eben diesem Signal. Genauer gesagt ist es ein seltsames Geräusch, welches keiner der beiden so recht zuordnen kann. Sie befragen Zuschauer der Radiosendung und auch Zeugen von außerhalb, die scheinbar etwas merkwürdiges am Nachthimmel beobachtet haben sollen. Es entbrennt eine interessante Spurensuche. Sie wird zwar zunächst ziemlich langsam angesteuert, nimmt aber kontinuierlich Fahrt auf. Im Hintergrund offenbart sich eine Frage nach einem übernatürlichen Mysterium, welches die Science Fiction von Grund auf definierte. Neben den Abbruch von Telefonaten und Radiosignalen, spielen vor allem Zeugenaussagen eine sehr wichtige Rollen in diesem Film. Dabei ist die Atmosphäre zu Beginn zunächst relativ normal. In dem kleinen Örtchen findet ein Basketballspiel statt, welches die Aufmerksamkeit der meisten Anwohner auf sich zieht. Es passt irgendwie in solche mysteriösen Geschichten. Denn wie in der Realität sind derartige Zeugenaussagen über eigenartige Phänomene oftmals klar in der Minderheit befinden. Während also die meisten Menschen in diesem Film schlicht von ihrem Alltag abgelenkt sind, gibt es ein paar einzelne Individuen die in eine Reihe ungewöhnlicher Ereignisse hineingezogen werden. Wie oft ist das auch abseits der Filmwelt schon die beängstigende Realität gewesen? Die Inszenierung in einer Kleinstadt, fast mitten in der Nacht und beunruhigenden Indizien, bieten die perfekte Prämisse für ausgezeichneten Mystery-Stoff. 

Die Weite der Nacht Filmbild
Bild: Everett und Fay nehmen beunruhigende Telefonate während der Sendung auf. | Prime Video

Kleine Produktion mit spannender Atmosphäre

Es kommt nicht gerade häufig vor, dass ein Low-Budget Film eine spannende Atmosphäre erzeugt. Natürlich gelingt es immer mal wieder einigen kleineren Filmperlen, diesen Punkt wunderbar auszufüllen, aber bei Die Weite der Nacht stand diese Eigenschaft zunächst einmal ziemlich auf der Kippe. Die erste Viertelstunde des Films werden wir Zeuge eines fortwährenden Dialogs der beiden Hauptfiguren. Die Kamera folgt den Beiden bis zu ihren Arbeitsplätzen. Danach springt der Film zwischenzeitlich hin und her, bis sich Everett und Fay dazu entschließen den aus der Radiosendung resultierenden Spuren nachzugehen. Sie sprechen mit Anwohnern mit merkwürdigen Schilderungen von seltsamen Ereignissen. Man lauscht als Zuschauer automatisch gespannt mit. Denn obwohl dies rein inszenatorisch nicht gerade eine große Herausforderung ist, bleiben Aussagen stets ziemlich wage, sodass wir zeitgleich im Kopf versuchen das Szenario selbst zusammenzusetzen. Das Mysterium zieht seine Kreise und nimmt ungeahnte Ausmaße an. Hinzu kommt das sich all diese Momente bis hin zu einem großartigen Finale, welches durch die all umfassende Dunkelheit der Nacht noch viel spannender wirkt. Dies vereinfachte in gewisser Weiße auch die Produktion, da dunkele Flecken im Hintergrund schon ausreichend sind um eine schaurige Atmosphäre zu erzeugen. Und auch wenn wir mit weit geöffneten Augen nur darauf warten, bis sich die Szenerie und das Mysterium auflöst, kommt das Ende so plötzlich, wie der Ursprung des Signals. 

Fiktion bleibt keine Fiktion!

Da sich der Film Ende der 50er Jahre abspielt, lässt es sich Andrew Patterson nicht nehmen, ziemlich eindeutig auf zukünftige Erfindungen anzuspielen. Das heute nicht mehr wegzudenkende Navigationssystem für das eigene Auto bleibt dabei keine Ausnahme. Des Weiteren werden in die Anfangs-Dialoge weitere noch selbst für die heutige Zeit fiktive Technologien genannt, wie eine überschnelle interkontinentale Bahnstrecke, die in der Zukunft Autos, sowie Flugzeuge ersetzen soll. Kurze Trivialinfo: Der japanische Transrapid bewerkstelligte auf seiner Teststrecke bspw. eine Spitzengeschwindigkeit von über 500 km/h. In dem Gespräch der beiden Hauptfiguren ist aber für dieses Thema die Rede von wenigen Minuten von Kontinent zu Kontinent. Man sieht bei diesen Beispielen aus den nicht weniger wichtigen Dialogen, spielt man indirekt darauf an, dass selbst die übertriebenste Wunschvorstellung nicht immer nur reine Fiktion bleibt. Ein Navi mag für die 50er eine absolut irrwitzige Technologie gewesen sein, und heute besitzt dies im Grunde jedes mobile Endgerät. Die Weite der Nacht stellt somit die These auf, dass selbst für uns offensichtlich erscheinende Ammenmärchen in der Science Fiction am Ende auch die Wahrheit darstellen können. Es ist zudem keine Laune des Regisseur, dass sich der Film in New Mexico abspielt. Genau dem Bundestaat in dem sich ein weltbekanntes mysteriöses Ereignis im Jahre 1947 und als der s.g. Rosswell-Zwischenfall in die Geschichte einging. Eine nicht unbedeutende Parallele zwischen Film und Wirklichkeit!

Fazit:

Kleiner Film große Wirkung. Die Weite der Nacht ist weder eine aufwendige Produktion, noch ein auf Hochglanz gedirmmtes Science Fiction Abenteuer. Der Film spielt auf ein mysteriöses Ereignis in einer Kleinstadt an und vergisst dabei nicht seine Zuschauer mit den nötigen Anspielungen aus der Geschichte zu versorgen. Andrew Patterson stellt klar und deutlich dar, dass selbst das unglaubwürdigste Rätsel, welches als reinste Fiktion abgestempelt wird, ein Funken Wahrheit beinhalten kann. Es die Einfachheit die aus The Vast of Night einen Film mit prägender Atmosphäre erschafft, ohne ein gigantisches Actionspektakel zu verursachen.

MCG-Raiting

 

★★★★★★    

 

8.0 Punkte

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