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"Dreissig": Das Alltagsdrama ohne Ziel (REVIEW)

Richtig gute deutsche Filme lassen in letzter Zeit auf sich warten. Und wenn, dann handelt es sich zumeist um ziemlich kleine Produktionen, die von dem Großteil der Leute fast nicht wahrgenommen werden. Häufig setzen deutsche Filme dabei auf die eigene dramatische Geschichte im 20. Jahrhundert oder aber auf sehr normale Problematiken, wie es bei dem Film Dreissig beispielweiße der Fall ist.

Dreissig Filmbild
Bild: Alle Hauptprotagonisten im Film Dreissig. | deja-vu

Alltag für Dreißigjährige?

Die Geschichte erzählt aus der Sich von sechs Erwachsenen Ende ihrer 20er. Der Film spielt dabei an einem Geburtstag von einem dieser sechs Hauptpersonen und spielt an mehreren Ortschaften in unserer Hauptstadt Berlin. Soweit so gut. Dreissig versucht dabei hin und wieder zu verdeutlichen wie sich das Leben kurz vor 30 rapide verändert hat. "Party Hard" ist nicht mehr und alle Beteiligten druften schon ihre Erfahrungen machen, in Sachen Liebe und der Suche nach der eigenen aufgebauten Existenz, was alleine gesehen schon schwierig erscheint. All diese Hintergrund-Problematiken sollen während der Party-Nacht nach hinten geschoben werden, doch wie das bei solchen Dramen ist: Es gelingt nicht! Hinter jeder Ecke wartet eine noch unaufgearbeitete Sache, mit der die jeweilige Figur noch nicht abgeschlossen hat bzw. sie so aufgearbeitet das sie mit der Situation zufrieden ist. Und wie das nun mal so ist denkt man in den frühen 20er deutlich lockerer als in den späten 20ern. Der Film gibt dabei einen relativ guten, wenn auch mit ziemlich simplen Mitteln, Einblick in die Gefühlslage ihrer Hauptpersonen. Ist man mit seiner aktuellen Lage glücklich? Mach ich das Richtige? Wie sieht meine Zukunft aus? Diese Fragen gehen Hand in Hand mit in diesem Drama, welches aber dennoch versucht so wenig wie möglich auf Lösungsansätze einzugehen. Da sich Dreissig nur an einem einzigen Tag abspielt bleibt ja auch schlichtweg keine Zeit dafür. Denn wie will man all das (auch im Hinblick auf die reale Welt) an einem Tag bewerkstelligen? Aber ist das jetzt fördernd oder nicht? Teils ja, teils nein! Denn in Dramen ist es auch wichtig, dass etwas einschneidendes passiert, und das ist bei diesem Film leider nicht der Fall. Man wartet auf einen Wendepunkt, ein Ereignis welches die Stimmungslage eines Films kippen kann, doch dieser Moment kommt einfach nicht!

Langeweile oder kunstfertige Inszenierung?

Es ist nicht ohne! Der Film geht immerhin zwei Stunden. Man hofft das in diesen zwei Stunden viel passiert, doch eigentlich ist es nicht viel. Wie gesagt es ist ein einziger Tag im Leben von sechs Personen mit verschiedenen Problemen und Erfahrungen. Irgendwie sind sie alle Freunde und gleichzeitig auch nicht. Die Regisseurin Simona Kostova setzt sich hier nicht zum Ziel nur einer Hauptfigur die Aufmerksamkeit zu schenken. Nein, denn selbst eine Fremde in dem Haufen von eigenartigen Freundschaften findet Platz und vor allem Zeit sich genügend in die Story einzubringen. Verdankt ist das vor allem dem Fokus der sich von Szene zu Szene auf eine andere der sechs Personen bezieht und das selbst obwohl sie nicht zwangsläufig im Moment des Geschehens Kernelement sind. Häufig zoomt die Kamera auf gerade die Person, die ohne Worte neben zwei Anderen steht und gibt uns kleine gedankliche Ansätze. Was geht in ihrem Kopf vor? Wie steht sie zu dem Thema, dass gerade angesprochen wird? Und viele weitere Möglichkeiten. Es kommt tatsächlich sehr häufig vor das Zwei aus dem Kreis einen Dialog führen und die Dritte lediglich stiller Beobachter bleibt. Das bietet vielleicht einen kleinen künstlerischen Grundsatz, denn häufig liegt der Fokus eben lieber auf prägnante Dialoge in Filmen, anstatt das wir eine ruhige Persönlichkeit daneben beobachten, hat aber im Fortgang der Geschichte kaum eine Auswirkung. Nur selten versuchen die Figuren ihre Konflikte zu besprechen und auszudiskutieren. Klar es ist ein Geburtstag, aber wenn man die Konflikte hin und wieder trotzdem aufkeimen lässt, dann muss man ihnen ihren Lauf lassen, sonst verrennt man sich auch in seiner Inszenierung.

Dreissig Filmbild
Bild: Raha und Pascal waren ein Paar trennen sich aber gleich zu Beginn. | deja-vu

Drama ohne Mehrwert

Dramen beschreiben alltägliche Situation und dramatische Erlebnisse. Im besten Fall zeigen sie ein Happy-End im schlimmsten Fall hinterlässt sie Traurigkeit und Verzweiflung. Doch wie ist die Lage nach der Sichtung von Dreissig? Während andere Dramen vielerlei Emotionen in uns hervorrufen können, bleiben diese hier gänzlich aus. Die Stimmung während des Films ändert sich kaum. Sie bleibt in einem ständigen Gleichgewicht, welches den Film aber nicht wirklich interessant gestaltet. Er ist so normal wie seine komplette Handlung, ohne große Aussagekraft und viel wichtiger einem Mehrwert für den Zuschauer. Aber ist das auch überhaupt das Ziel bei Dreissig? Es kommt einem nicht so vor, denn man kratzt lediglich an der Oberfläche. Wir erfahren nie, wie das Leben der sechs Figuren nach diesem Tag weiter geht. Diese Frage bleibt, sowie wie viele andere völlig offen. Bei zwei Stunden Laufzeit sollte sich aber dennoch, in irgendeiner Form, eine Stelle finden wenigstens etwas zu klären oder zumindest eines der Probleme, die sich alle im Hintergrund abspielen, zu lösen. Man lässt den Personen ihre Probleme, was das gesamte Werk dann doch ziemlich öde aussehen lässt, obwohl vielmehr darin steckt.

Fazit:

Ein Drama welches in seiner Gänze absolut normal bleibt. Sieht man selten und ist gelinde gesagt an den meisten Stellen äußerst langweilig und unaufgeregt. Auch wenn es nicht die Intention ist in Dreissig die Handlung in ein völliges Trauma ausarten zu lassen, wünscht man sich hier doch etwas mehr, als nur die strengente Fortsetzung der Normalität. Es gibt doch so viele gute Ansätze, die man abspielen könnte. Und doch kann man am Ende auch zufrieden sein, wenn wir im Film nicht nur einer einzigen Hauptfigur sondern gleich sechs folgen dürfen und somit mehr Einzelgeschichten haben, von denen jede ihre Berechtigung hat. Die kleine Produktion hat so viel reingesteckt in diesen Film, auch wenn für die individuellen Probleme keinerlei Fokus zur Verfügung steht.

MCG-Raiting   

 

★★★  

5.0 Punkte

 

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