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"Encanto": Disneys kolumbianische Zauberwelt! (REVIEW)

Encato schickt uns nach Kolumbien und in die Zauberwelt eines verträumten kleinen Dorfes. Der neue Disney-Animationsfilm überzeugt, ist sympathisch und sehr unterhaltsam, auch wenn dieses Mal kein neues Meisterwerk auf euch im Kino wartet. 


Filminfos:

Kinostart: 24. November 2021
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: 0

Genre: Animation/Fantasy

 

Regie: Byron Howard, Jared Bush und Charise Castro Smith

Cast (Synchro): u.a. Stephanie Beatriz, John Leguizamo und Wilmer Valderrama

Story:

Versteckt in den Bergen Kolumbiens lebt die magische begabte Familie Madrigal in einem Dorf namens Encanto. Die Einzige, die allerdings keinen Funken Magie beherrscht, ist die Jugendliche Mirabel. Sie versucht, sich trotz ihres Handicaps einzugliedern. Plötzlich wird das Zuhause der Familie bedroht, was zur Folge hat, dass die Magie aus Encanto verschwindet. Die unbegabte 15-Jährige ist auf sich allein gestellt, um ihre Familie zu retten...



"Encanto": Besonders nicht besonders zu sein!

Ein ganzes Dorf voller Magie. Das ist faktisch gesehen die gesamte Vorgeschichte zum Film in einem Satz zusammengefasst. Warum das so ist, bekommen wir nur bruchstückhaft erläutert, aber das interessiert letztlich auch gar nicht. Denn die Kernbotschaft des kurzweiligen Animationsfilms geht von ihrer Hauptfigur Mirabel (gesprochen von Stephanie Beatriz) aus. In dieser kleinen, aber dennoch sehr magisch geprägten Welt, ist sie die Einzige (innerhalb der Familie), die keinerlei übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Damit beschäftigt sich Encanto in gewisser Form mit dem Außenseiter-Thema. Zwar wird die Hauptfigur Mirabel keineswegs von ihren Verwandten gemobbt, allerdings ist sie bei den Familien-Zeremonien für die Kinder, welche stets empfänglich für Magie sind, ein ungern gesehener Gast. Das grenzt zwar an Ausgrenzung, aber hier fließt auch das Stigma des Aberglaubens mit ein. Das einzige Familienmitglied, welches bei der Zeremonie leer ausging, soll bei eben dieser beiwohnen? In der von starkem Glauben geprägten Welt des Films tatsächlich wenig verwunderlich. Trotz ihrer Besonderheit, eben nicht besonders zu sein, ist Mirabel ein fröhliches und beliebtes Mädchen im Dorf. Irgendwie hält sie, ohne magische Kräfte, alles zusammen mit ihrer freundlich auftretenden Art. Sie fungiert zu Beginn sogar als eine Art Mentorin für einen kleinen Jungen namens Antonio, der extrem nervös ist vor seiner Zeremonie, die ihm seine magische Fähigkeit verleiht. Der hat, by the way, die coolste aller Fähigkeiten, die allerdings nicht wirklich eine weitere Rolle im Film spielen wird, als nur am Anfang. So geht es auch bei all den anderen Figuren. Die magischen Kräfte sind ein Nebenplot. Der Fokus liegt klar bei Mirabel und ihrem Abenteuer die Magie im Dorf zu retten, auch wenn sich für sie selbst trotzdem nichts ändert.

Klassisches Disney-Abenteuer

Von Encanto sollte man nicht erwarten, dass hier ein komplett neues Disney-Meisterwerk die Bühne betreten hat. Vielmehr bedient man sich der mittlerweile extrem missbrauchten Story-Struktur vorangegangener Animationsfilme. Geändert wird lediglich der Ort (hier Kolumbien) oder dem Background (hier Magie). Dargestellt wird eine heile Welt mit kleinen Makeln, welche in der Folge hinterfragt und sogar droht in sich zusammenzubrechen. Erfindungsreich ist die Idee, sowie auch der Fortgang der Geschichte innerhalb des neuen Disney-Films definitiv nicht. Das dürfte spätestens nach einer halben Stunde klar sein. Die Zuschauer müssen sich also darauf einstellen, dass man mit Encanto keineswegs etwas nie dagewesenes auf die Leinwand porträtiert hat, sondern ein alter Schinken neu gebraten wird. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Encanto nicht unterhaltsam ist. Der Spaß- und Gefühlsfaktor ist gut bis überdurchschnittlich, auch wenn man hier kein Meisterwerk zu erwarten hat. Dafür ist die Story schlichtweg zu leicht in seine Einzelteile zu zerlegen. Ob ein Animationsfilm Überraschungen braucht, kann jeder für sich entscheiden, allerdings wäre es doch mal wünschenswert einen Disney-Film zu präsentieren, der zumindest etwas aus der Reihe tanzt und nicht in die bereits vielfach bekannten Muster verfällt. Gemischt wird was natürlich mit jeder Menge Gesangseinlagen, die irgendwie dazugehören, aber in der deutschen Synchro doch ziemlich sperrig und unharmonisch klingen. Da sollte man sich vielleicht doch mal diese Songs im Original anhören. Auf die Merkmale reduziert, ist Encanto damit ein klassisches Disney-Abenteuer mit den bereits verinnerlichten Strukturen. 

Encanto Disney Mirabel
Bild: Mirabel Madrigal (Stephanie Beatriz) versucht die Magie ihres Dorfes zu retten. | Disney

Ohne Mirabel wäre "Encanto" gescheitert!

Es ist ganz klar. Ohne Hauptfigur Mirabel wäre der neue Disney-Animationsfilm gescheitert. Mirabel ist eine charmante und vor allem extrem sympathische Figur, mit der der Zuschauer mitleiden soll. Denn trotz ihrer nicht vorhandenen Fähigkeit, bleibt sie stets ein gut gelauntes Familienmitglied, welches praktisch immer lächelt. Als das Abenteuer startet und die ganze Sache erst so richtig ins rollen kommt, spricht man damit auch an, dass selbst der Normalste unter uns zum Helden werden kann. Damit ist die Figur ziemlich nah am Publikum. Mit der Zeit muss sie sich vielen Rätseln innerhalb der Familie stellen und mehrere Male über den eigenen Schatten spring und das ganz ohne magische Kraft. Offenbart wird, dass Mirabel für die große Aufgabe auserwählt wurde, da sie im Gegensatz zu ihrer Familie, nicht befangen ist und trotzdem alles für ihre Lieben tun würde. Die zu Beginn fast unlösbare Aufgabe wird zu einer echten Prüfung, wo die Familie mehrere Male, ob positiv oder negativ, in den Vordergrund rückt. Darin angesprochen werde u.a. der Schwesternkonflikt mit der präsenten und in einem Blumenmeer liegende Isabela, der Liebling des gesamten Dorfes. Ebenfalls wird die Beziehung zu ihrer Großmutter und Familienoberhaupt Abuela auf eine schwere Probe gestellt. Encanto versucht dabei mit jeder Menge emotionalen Momente, welche auch den Hintergrund der Magie darstellen wollen, ohne dies in Gänze komplett zu erklären, auf die Tränendrüse zu drücken. Als Zuschauer jedoch hat man nicht das Gefühl, als könnte uns das Familiendrama emotional catchen. Das haben andere Disney-Filme, wie Die Eiskönigin oder Vaiana deutlich besser gemacht. Nichtsdestotrotz wäre ohne den Hauptcharakter Mirabel ein wesentlich schlechterer Film das Ergebnis gewesen. 


Fazit:

Encanto ist mit großer Sicherheit kein neues Disney-Meisterwerk. Trotz der Tatsache, dass man bei Disney gerne die immer gleiche Formel für die Story verwendet, ist der neue Animationsfilm ein durchaus unterhaltsame, charmanter und lustiger Film für Groß und Klein! Großen Anteil daran hat die extrem präsente und sympathische Hauptfigur Mirabel, ohne die der Film praktisch nicht funktionieren würde. Schlussendlich kann man nach einem Kinogang oder Streaming-Abend sehr zufrieden sein mit Encanto.

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.5 Punkte



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