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"Enkel für Anfänger": Großeltern durch Zufall! (REVIEW)

Mit deutschen Komödien ist das so ne Sache. Selten findet man da in letzter Zeit was gutes. Enkel für Anfänger sah jetzt nicht wirklich nach etwas anderem aus, hat aber, im Gegensatz zu anderen Produktionen aus Deutschland durchaus verstanden, wie man eine Geschichte ordentlich zu Ende erzählt und dabei mit dem Humor nicht allzu drüber ist wie für gewöhnlich.

Enkel für Anfänger Set-Bild
Bild: Der Cast von "Enkel für Anfänger" mit Schauspieler-Urgesteinen und Newcomern. | Studiocanal

Gute Laune garantiert?

Bei deutschen Produktionen ist in den letzten Jahren sehr viel Vorsicht geboten. Viele Nulpen und Enttäuschungen im Genre der Komödie lauern hier auf euch. Bei Enkel für Anfänger kann man mit ähnlicher Skepsis an den Film herantreten. Auf den ersten Blick sieht das wie die 100. Ausgabe einer einstmals spaßigen Familienserie an, die ihren Höhepunkt längst überschritten hat. Zweifellos ist es auch schwierig aus der Menge herauszustechen. Seit den 2010er werden wir ja von Filmen mit allseits bekannten Namen wie Til Schweiger oder Elyas M´Barek quasi überschwemmt. Und nur wenige davon überzeugen letztlich auch mit Qualität. Bei dem aktuellen Beispiel haben wir zwar einen alt eingesessenen, dafür aber sehr hoch dekorierten, Schauspieler wie Heiner Lauterbach am Start, der fast jede Szene vereinnahmen kann, ohne dabei vollkommen aus dem Rahmen zu fallen. Und auch die Story bietet schon deutlich mehr an, als andere häufig wiederkehrende Comedy-Elemente wie Alkoholkonsum oder sexistische Gags jenseits von Gut und Böse. Davon ist dieser Film, abgesehen von einer Szene (ein Dialog zwischen zwei Damen, also passt genau auf), befreit und kann vor allem mit seiner charmanten Besetzung und dem witzigen Zusammenspiel zwischen alt und jung voll auftrumpfen. Zu Beginn mag der Motor stottern, aber er läuft, wenn auch zunächst sehr gemächlich, warm.

Cast mit allen Altersklassen

Das Filmcasts mal komplett bunt durchgewürfelt sind, ist natürlich erstmal nichts besonderes. Allerdings ist es manchmal ziemlich knifflig eine Besetzung mit verschiedenen Altersgruppen und zeitgleich ordentlicher Qualität zu finden. Bei Enkel für Anfänger kann man das nur lobend hervorheben. Da passt vom Senior bis hin zum Kind eigentlich fast alles. Egal ob die Legende Heiner Lauterbach als Solo-Senior, Palina Rojinski als alleinerziehende Mutter mit glaubwürdigem russischen Akzent, Maya Lauterbach als rebellierende Jugendliche oder Julius Weckauf als völlig übermotiviertes Kind. Wirklich selten tanzt hier jemand aus der Reihe, sodass stimmungstecnisch bei diesem Film eine gute Grundlage vorhanden war. Oftmals kritisiert man gerne die Kinderdarsteller, die eben nicht unbedingt so viel Erfahrung haben. Hier war das aber keineswegs störend oder gar schauspielerisch aufgesetzt. Gerade die, teilweise recht großen, Altersunterschiede zwischen den Charakteren bieten an vielen Stellen sehr gute humoristische Ansätze. So unterrichtet bspw. Gerhard (Heiner Lauterbach) den etwas introvertierten Viktor (Bruno Grüner) wie man sich verbal gegen seine Widersacher durchsetzt. Natürlich mit einigen Umschweifen über vergangene Zeiten. Aber auch Karin (Maren Kroymann) und Philippa (Barbara Sukowa) haben vor allem zu Beginn so ihre Probleme mit ihrer neuen Rolle zurecht zu kommen. Dabei finden beide mehr als nur unterschiedliche Wege sich mit ihren "Enkeln" anzufreunden. Gerade auch die Darstellung von drei ungleichen Senioren-Figuren, mit sehr individuellem Werdegang und den dadurch resultierenden individuellen Erziehungsmaßnahmen bietet für diesen Film eine weiteren recht amüsanten und abwechslungsreichen Handlungsstrang.

Enkel für Anfänger Filmbild
Bild: Gerhard (Heiner Lauterbach) übernimmt zufällig die Rolle eines Großvaters. | Studiocanal

Erst unaufgeregt, dann aufgeregt...

Eigentlich möchte ich nicht immer auf schwache Plot Devices hinweisen, aber deutsche Filme (im Mainstream), so auch Enkel für Anfänger, haben eben dieses Manko nach wie vor. Für die bislang sehr unauffällige, aber heitere Komödie benötigte man im zweiten Drittel wieder etwas mehr Dramatik. In diesem Fall ein Love-Interest, der beinahe die ganze Geschichte des Filmes zusammenkrachen lässt. Natürlich legt das, wie so oft bei Komödien oder Dramen, dem bisher so glücklichen Dasein einen abnorm riesigen Stein in den Weg. Ob das hierbei in der Form so zwingend nötig war? Es ist erstmal nichts falsches, ein derartiges Filmmittel zu etablieren, wenn verbindende Elemente vorhanden sind. Im bisherigen Verlauf dieses Films allerdings, kam diese Stelle (ihr werdet dann mit Sicherheit wissen, was gemeint ist) zu sehr aus heiterem Himmel, weshalb es letztlich einfach nur störend ist. Nun mag man eventuell glauben, dass genau dieses Element den mühsamen und glaubhaften Aufbau der Geschichte vernichtet. Dem ist aber glücklicherweise nicht so. Denn diesen Fehler bügelt Enkel für Anfänger vor allem mit dessen Ende wieder aus. Dieses ist nicht das allseits bekannte Finale a la "Friede, Freude, Eierkuchen". Zumindest nicht für alle! Hierfür hat man tatsächlich gute und, wie auf die drei Senioren-Figuren abgestimmt, sehr individuelle Abschlüsse gesetzt, die auch viel Sinn machen. Dabei lohnt es sich auch auf zunächst harmlos wirkende Dialoge zu achten, denn einige davon sind sogar bedeutend für die Schlussminuten.

Fazit:

Allgemein kann man zufrieden sein mit Enkel für Anfänger. Auf der deutschen Filmlandschaft wartet definitiv viel schlechteres auf euch. Dieser Film ist nicht so aufgeregt, wie andere Beispiele aus dem Genre, weiß dies zeitgleich auch zu nutzen und hat vor allem eines: Einen durch alle Altersstufen hinweg passenden und qualitativ guten Cast. Das untypische und aus heiterem Himmel fallende Drama im zweiten Akt hätte man sich aber sparen können. Hier ist es zu offensichtlich worauf man hinauswill. Beinahe hätte das den sehenswerten Aufbau dieser Komödie zerstört, aber durch ein intelligentes und auf die einzelnen Figuren ausgerichtetes Ende wurde dieser Fehler wieder ausgeglichen. 

MCG-Raiting

★★★★★★★

6.5 Punkte

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