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"Es - Kapitel 2": Die Fortsetzung ist gut, aber nicht gut genug! (REVIEW)

2017 schockte uns der schon nahezu vergessene Horror-Clown Pennywise die Kinowelt. Stephen Kings 1000-seitiges Meisterwerk Es kam, nach der Adaption von 1990, wieder zurück auf die große Leinwand. Dieser Film von 2017 wurde zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten. Natürlich liegt auf der Fortsetzung eine große Last und leider war diese womöglich zu groß für das heiß ersehnte "Kapitel 2".

Bill Skarsgard als Pennywise überragt alle anderen

Wer sticht wieder klar hervor? Natürlich der Horror-Clown Pennywise, der 2017 Horrorfilme wieder für ein Mainstream-Publikum schmackhaft machen konnte. Dank einem hervorragenden Bill Skarsgard, dem durch diese Rolle seither alle Türe offen stehen, wurde Es (2017) zu einem so enormen Erfolg. Im zweiten Teil knüpft er genau an diese Stärke wieder ein. Diabolisch und ab und an sogar ungewollt amüsant legt seine Darstellung den Grundstein für eine gute, wenn auch nicht fehlerfreie Fortsetzung. Es ist ohnehin kein leichtes in einem Cast, wo so große Namen wie Jessica Chastain, Bill Hader und James McAvoy auftauschen. Doch am Ende stiehlt Bill Skarsgard als übermächtiger Feind wieder allen die Show. Bereits zum Start der Dreharbeiten zum ersten Film schien es so, als sei die Perfomance von Tim Curry Anfang der 90er unerreichbar. Spätestens mit der diesjährigen Fortsetzung fühlt man sich aber mit der Annahme bestätigt, dass Skarsgard ein mehr als würdiger Nachfolger ist, ja sogar der bessere Pennywise ist. Der 29-jährige Schwede vermag es sogar in der Wirklichkeit seine Augen so zu verrollen, wie im Film dargestellt. Sein höllisches Lachen, seine verdrehte Mimik raubt einem den Atem. Und mithilfe der visuellen Aspekte wird der Clown auch in der Fortsetzung zu einem der großen Horror-Ikonen unserer Zeit. Doch wo der Clown der Qualität des Films enorm gut tut, da gibt es einige, relativ simple Dinge, die Es - Kapitel 2 nachhaltig schaden.

Die Laufzeit ist viel zu übertrieben

Während der erste Teil mit bereits 135 Minuten zu den längeren Horror-Blockbustern zählt, hat die Fortsetzung eine Rekordlänge von 165 Minuten. Wer nun denkt, dass das aufgrund der ähnlich gigantischen Länge der adaptieren Romanvorschlage nötig ist, der irrt. Denn während wir relativ schnell zu den blutrünstigen Taten von Pennywise zurückkatapultiert werden, werden wir genauso schnell wieder davon heraus gezogen. Denn wo der Clown sein "großes Comeback" in Derry feiert, muss auch der durch ein Blutschwur verbundene "Club der Verlierer" seine Rückkehr in die Heimat organisieren. Und dies zieht sich letztlich schon etwas zu sehr in die Länge. Auch wenn es sehr schön ist in der Nostalgie der einzelnen Figuren zu schwelgen und jedem sein aktuelles Leben, nach den Geschehnissen vor 27 Jahren zu präsentieren, hätte man sich hier viele Szenen sparen können. Wen interessiert es bitte, dass Bill keine vernünftigen Schlussakte für Geschichten schreiben kann? Wen interessiert es, ob Richie auf einer Bühne gute Witze erzählen kann? Jedem Charakter wird zwar viel Zeit geschenkt und dadurch sind sie im Grunde auch viel besser erzählt, als in manch anderem Film, aber es sind tatsächlich viel zu viele Details, die im Nachhinein fast keine Rolle mehr spielen. Der Fortsetzung fehlt der klare Fokus. Entweder charakterliche Tiefe oder Grusel-Faktor. Beides im selben Maße scheint, allem Anschein nach, nicht zu funktionieren.

Es Kapitel 2 Szenenbild
Bild: Pennywise (Bill Skarsgard) macht Derry wieder unsicher. | © 2000-2019 Warner Bros.

Technisch Horror-Hochglanz mit kleineren Problemen

Während wir in Es - Kapitel 2 mit einigen erzählischeren Schwächen hadern, gelingt es dem Horrorfilm dennoch mit seinen starken Effekten zu überzeugen. Kaum ein Film aus diesem Genre vermochte es in der Vergangenheit eine solche Bildgewalt auf die Leinwand zu etablieren. Die 80 Millionen Produktionsbudget spürt man, aber man bekommt einen erstaunlich guten Eindruck davon, wie diese an der richtigen Stelle eingesetzt wurden. Ob das jetzt die vielen Monster sind, die an jeder Ecke und in der Vorstellung der Figuren lauern, um uns zu erschrecken, oder beeindruckende Sets die mithilfe von starken Schnitten noch gruseliger erscheinen. Was das visuelle angeht, ist Es - Kapitel 2 ein Meister seiner Zunft. Und da gehen, die wenigen kleineren technischen Probleme in Sachen CGI, in der Vielfältigkeit der visuellen Eindrucke ganz und gar unter.

ES 2 kannibalisiert sich mit Jumpscares

Um den Horror-Clown zu bekämpfen braucht es natürlich einen ausgeklügelten Plan. Pennywise zu besiegen setzt voraus, dass jeder Einzelne aus dem "Club der Verlierer" seinen eigenen Kampf schlagen muss. Letztlich auch mit der eigenen Vergangenheit. Das führt zu einer solch einer absurden Abfolge von Jumpscares, dass sich der Film darin vollständig verirrt. Ein zusätzliches Problem was damit einhergeht, ist das mehr als nur ein paar davon ungewollt witzig sind, und dadurch viel an Spannung und Schock einbüßt. Hin und wieder zwar recht amüsant, aber dadurch verfehlt die sonst so düstere Stimmung im weiteren Verlauf seine Wirkung. Unterstützt wird das ganze natürlich von den gängigen Soundeffekten, die in der Praxis zwar so gut wie alle funktionieren, aber teilweise die Jumpscares zu prominent ankündigen und ebenfalls ihrem Ziel verzweifelt hinterher laufen. Die eigentliche Stärke von Es ist bei seiner Fortsetzung also auch seine größte Schwäche. Zu viel und zu eindeutig und zu sehr am Vorgänger orientiert, liefert das Sequel eine deutlich schlechtere Perfomance ab, als noch in 2017. 

Der Club der Verlierer in zwei Zeitabschnitten

Wir haben viele Charakterdarsteller in den Reihen des Casts. Zwar erzählt der erste Abschnitt des Film eventuell zu viel, was später nicht mehr von Belang ist, allerdings haben wir durch einige Rückblenden in die Vergangenheit sehr starke Momente mit dem jüngeren Cast, der Es (2017) mit vielen ernsteren Themen beflügelte, wie man es sonst nicht unbedingt aus diesem Genre kennt. Auch Teil 2 bringt diese Themen wieder geschickt zum Vorschein und spielt hier auch mit der Nostalgie der Zuschauer, die den ersten Teil gemocht haben. Mit James McAvoy und Jessica Chastain haben wir zusätzlich zwei sehr gute Schauspieler, die einen Großteil der Geschichte abdecken. Besonders Chastains Beverly kann man hier hervorheben, der es immer wieder gelingt ihrer Figur eine gebührende Tiefe zu geben. Aber auch Bill Hader als Richie gebührt eine lobenswerte Erwähnung, da er auch im Zusammenspiel mit seinen Freunden wirklich gut fungiert. Der Club ist wiedermal gut getroffen und manchmal sogar angenehm selbstironisch. Was die Besetzung angeht kann man dem Film tatsächlich kaum Vorwürfe machen.

Fazit:

Gute Darsteller und faszinierend gute Bilder als Pluspunkte. Starrsinnige Detailtreue und der übermäßige Einsatz von Jumpscares als Minuspunkte. Die Fortsetzung ist seinem Vorgänger unterlegen und ist, vielleicht etwas grob formuliert, schon eine kleine Enttäuschung. Von diesem epochalen adaptieren Horror-Drama kann man wesentlich mehr erwarten. Dennoch wird uns dieser Pennywise, in Form von eines hervorragenden Bill Skarsgard für immer in unsere Köpfe einprägen. Er ist das Kernelement, welches der Qualität des Films einen großen Schub gibt. Wenngleich nicht alles funktioniert und einige Schwächen offenbart wurden, bleibt der zweite Teil ein ordentlicher Horrorfilm, der sich aber lediglich nur knapp über gutem Durchschnitt einsortiert.

MCG-Raiting

★★★★★

6.0 Punkte

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