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"Eternals": Die gefallenen Götter! (REVIEW)

Das MCU wird größer und größer. Die neu eingeführten Eternals dehnen mit ihrer eigenen Geschichte das Universum auf ungeahnte Bahnen aus. Trotzdem oder eventuell sogar deswegen läuft bei diesem neuen Marvel-Abenteuer leider nicht alles nach Wunsch...


Filminfos:

Kinostart: 3. November 2021

Laufzeit:

FSK: 12

Genre: 157 Minuten

 

Regie: Chloe Zhao

Cast: u.a. mit Gemma Chan, Richard Madden, Angelina Jolie, Kumail Nanjiani und Salma Hayek

Story:

Ajak führt eine Gruppe von zehn übernatürlichen Wesen bekannt als die Eternals an, die seit Tausenden von Jahren unentdeckt unter den Menschen leben. Die Eternals beschützen die Menschheit vor den bösen Deviants, die kürzlich wieder aktiv geworden sind. Nach den Ereignissen rund um Thanos treten die unsterblichen Superhelden Ikaris, Sersi, Kingho, Makkari, Phastos, Ajak, Sprite, Gilgamesch, Druig und Thena aus dem Schatten, um ihre Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen



"Eternals" baut die MCU-Welt weiter aus!

Chloe Zhao, Oscar-Preisträgerin (Nomadland), will mit ihre Interpretation der Eternals weit hinaus. Das Worldbuilding, welches hier angestrebt wurde, zählt wohl zu einem der interessantesten Ansätze, die je ein MCU-Blockbuster verfolgte. Die Einführung und großzügige Exposition, warum die menschliche Zivilisation so ist, wie sie in diesem filmischen Universum nun einmal ist, hat ein zum Teil sehr tiefgründiges Fundament. Lassen wir mal außen vor, dass der Grundsatz der übermächtigen Heldengruppe ein klein wenig widersprüchlich ist, so liefert man mit den Eternals ein großartiges Bindeglied zu vielen kosmischen Ereignissen, die das MCU definieren. Dabei springen wir in der Handlung zwischen einigen verschiedenen historischen Zeitpunkten hin und her. Die werfen folglich auch viele existenzielle Fragen über die Eternals auf, da die menschliche Rasse augenscheinlich keine friedfertige Spezies ist. Der Aufstieg und Fall Babylons, der Untergang der Atzteken und der Atombombenabwurf auf Hiroshima sind prägende Ereignisse, welche die Regel "kein Eingriff in Konflikte" extrem schwer zu ertragen machen. Das Schicksal der mehr Gott ähnlichen Wesen ist wahrlich ein tragisches, wenn man bedenkt das sie mit ihren Fähigkeiten diese Konflikte praktisch mit einem Wimpernschlag beenden könnten. Letzten Endes kommt man zu dem Schluss, welcher zweifellos auch abseits der filmischen Fiktion seine Wahrheit besitzt, dass die Menschen sich nur durch solche Konflikte weiterentwickeln konnten. Im hier und jetzt angekommen wird auch erklärt, warum die Eternals nie in die neueren Kämpfe, egal ob der Kampf gegen Thanos, Ultron oder andere Widersacher sich jemals einmischte bzw. angeschlossen hat. Solange die s.g. Deviants nicht involviert sind, ist ein Eingreifen verboten. Das dies im Laufe der Jahrtausende nicht jedem Mitglied schmeckt, ist fast schon die logische Konsequenz.

Zu viel Charaktere mit vielen Problemen!

Eternals hat zu viele Charaktere. Von den ohnehin schon überlangen 157 Minuten geht mindestens die Hälfte davon für die Einführung der Figuren drauf. Das ist keinesfalls eine Übertreibung, sondern fast schon ein Tatsachenbericht. Ikaris, Ajak, Sersi, Thena, Druig, Kingo, Phastos, Gilgamesh, Makkari und Sprite. Kann man mal machen, aber vielleicht nicht in dieser ausgedehnten Erörterung einzelner Figuren. Uns als Zuschauer wird zwar klar gemacht, dass sich ein Großteil der Geschichte auf Ikaris (Richard Madden) und Sersi (Gemma Chan) bezieht, jedoch ein klarer Fokus auf eben diese Charaktere fehlt. Das liegt vor allem daran, dass andere Eternals ebenfalls für eine erhebliche Zeitspanne involviert und viel Exposition abverlangen. Leider sind auch gut die Hälfte davon kaum interessant und eher unauffällig, sodass es dem Filmerlebnis schadet. Es ist zu viel auf einmal. Zudem wird die Wichtigkeit mancher Figuren schnell abgewertet. Die in der Vorschau noch als eine der Schlüsselfiguren angeteaste Ajak (Salma Hayek), entpuppt sich später als Randfigur. Gleiches gilt auch für die kriegerische Thena (Angelina Jolie), welche sich leider erst zum finalen Schlussakt so richtig austoben darf. Sehr gelungen dafür ist Druig, gespielt von Barry Keoghan, der seinen "Arbeitsalltag" als Eternals ohnehin schon kritisch hinterfragt. Als schwarzes Schaf unter den loyalen gottgleichen Wesen, kommt am Ende eine wichtige Aufgabe zu Teil, welche man ihm so nicht zugetraut hatte. Dagegen ist die als ewiges Kind gestrafte Sprite (Lia McHugh) so durchschaubar Glas. Zumindest wiegelt ein witziger Kingo (Kumail Nanjiani) viele negative Punkte der Besetzung wieder auf. Der bringt durch sein Auftreten als Bollywood-Star eine für den Film zunächst ungeahnte komödiantische Energie mit ins Spiel. Alles in allem hat der Cast zu viel Licht und Schatten. Er ist zu unausgewogen und keineswegs ein Highlight, welches hervorzuheben ist.

Eternals Film 2021 Marvel
Bild: Die wichtigsten Figuren der Story Ikaris (Richard Madden) und Sersi (Gemma Chan). | Marvel Studios/Disney

Die tragischste aller Marvel-Geschichten!

Selbst wenn die Eternals nicht unbedingt eine der spannendsten Geschichten des Universums erzählen, so präsentiert Regisseurin Chloe Zhao mit ihrem MCU-Film zumindest eine der tragischsten. Denn im 26. Leinwandabenteuer der erfolgreichen Superhelden-Opera ergeben sich viele existenzielle Fragen über die neu eingeführten Heldenwesen. Die Figuren hinterfragen im Laufe der Zeit ihre, wenn man so will, "Erschaffer", die Celestials und warum man überhaupt dieses eigenartige Konzept als Weltbeschützer, die tatsächlich nur unter gewissen Regularien ihr "Amt" ausüben dürfen, für sie bestimmt hat. Das bringt zwar nicht unbedingt was vollkommen neues ins MCU, dafür aber enorm viel Tiefe, da die Existenz dieser gottgleichen Helden über weit mehr Tragweite verfügt als bspw. die Backgrounds zu Thor, Iron Man oder gar ein Captain America. Die hatten derweil eigentlich sehr simple Motive und im Verhältnis gesehen "normale" Superheldengeschichte, die auch relativ einfach zu verstehen waren. Hier ist es dann um ein vielfaches komplizierter, auch wenn man dadurch Gefahr läuft den gängigen Marvel-Unterhaltungsfaktor dadurch stark zu reduzieren. Eternals traut sich in dieser Eigenschaft viel. Viel mehr als der ein oder andere Kassenschlager des MCU. Die standardisierte Marvel-Formel finden wir hier, zumindest in weiten Teilen der Geschichte, absolut nicht. Das die einzelnen Charakter, in dieser Vielzahl ohnehin sehr wahrscheinlich, nicht immer auf derselben Seite stehen, war allerdings vorherzusehen. Einheitliches, geschwiege denn geschlossenes, Auftreten der gesamten Gruppe kommt folglich nicht zustande. Das könnte zwar in der sonst so heilen und heroischen MCU-Welt abschrecken, passt aber in das Konzept von anzweifelnden Helden extrem gut rein.

Gewöhnungsbedürftige Helden...

Mit Eternals will man vor allem auf Emotionen setzen. Im Endeffekt erzählt man nicht mehr als ein überdimensioniertes Familiendrama, welches logisch zu ergründen ist, aber den Zuschauer hin und wieder sehr kalt lässt. Es liegt natürlich an den Figuren, denen das gewisse Etwas fehlt. Zum Vergleich: Bei Iron Man war es noch das exzentrische Verhalten, bei Captain America und Thor der Mut und Wille den Tag zu retten. Die Guardians of the Galaxy waren allesamt zunächst Kriminelle auf Beutezug und bei Doctor Strange übertriebenes Charisma. Bei den Eternals sieht es so aus, als würde man einen Mix aus vielem dieser Charakterzüge mit einfließen lassen, aber es ist so wenig von all diesem, dass es folglich schwer wird sich an sie zu gewöhnen, gar ein echter "Fan" zu werden. Ob man das nun zwangsläufig braucht, um einen Film zu rechtfertigen, sei mal dahin gestellt. Aber sagen wir es mal so, ein wenig mehr Charisma hätte keinem der zehn Helden hier geschadet. Da hilft auch keine Superhelden-Romanze, die sich zwischen Ikaris und Sersi schnell andeutet. Diese nimmt ohnehin viel Raum ein und wirkt am Ende doch viel nebensächlicher, als ursprünglich angenommen. Allgemein, also auf alle Figuren betrachtet, fühlt sich Eternals an wie eine Superhelden-Telenovela. Viel romantischer Kitsch, mit teilweise sehr unangenehmen Dialogen, und einem Handlungsbogen in dem auf der Leinwand mehr Tränen fließen, als in allen anderen MCU-Abenteuern. 


Fazit:

Von einem Scheitern der Eternals will ich erstmal nicht sprechen. Dafür sind das Worlbuilding und der Hintergrund dieser Heldentruppe viel zu interessant. Was letztlich aus den eigentlich sehr guten Zutaten gemacht wird, versalzt die Suppe. Dennoch fühlt man sich hier nicht Fehl am Platz. Die Einführung und die Helden selbst sind gewöhnungsbedürftig und eben nicht Marvel-Schema-F. Was nichts schlechtes heißt, aber auch nicht bedeutet, dass es hier gut umgesetzt wurde. Die Eternals sind Licht und Schatten. Keine Katastrophe, aber auch keine Offenbarung für das MCU!

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

6.0 Punkte



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