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"Faking Bullshit": Eine Polizeiwache dreht durch! (REVIEW)

Über den deutschen Film in den letzten Jahren lässt sich lang diskutieren. Und das man längst nicht mehr so experimentell ist kein Geheimnis mehr. Deutsche Produktionen gehen häufig lieber auf Nummer sicher, anstatt ein Risiko einzugehen. Mit Faking Bullshit haben wir zwar mal wieder eine relativ simple Komödie, dennoch funktioniert sie teilweise sehr gut, selbst wenn am Ende auch der Mut zu etwas Besonderheit fehlt.

Faking Bullshit Filmbild
Bild: Ein Teil der Polzeiwache - v.l.: Rocky, Deniz und Netti | Telepool/24 Bilder

Wer brauch Schweiger, Schweighöfer und M´Barek?

Wenn man an deutsche Komödien denkt, dann kommen einem bestimmt gleich drei große Namen in den Sinn: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Elias M´Barek. Die Creme de la creme der deutschen Filmindustrie sind seit spätestens diesem Jahr längst keine Garanten mehr für große Kinoerfolge, wie zuletzt schon Til Schweigers Die Hochzeit unschwer erkennen ließ (knapp 50% Besucher-Rückgang zum ersten Teil: Klassentreffen 1.0). Natürlich locken diese Namen immer noch viele Leute ins Kino. Aber der Zenit dieser seichten Komödien ist längst überschritten. Zwar hatte man dieses Jahr mit Nighlife mit Elias M´Barek dieses Jahr wieder einen ziemlich großen Hit, aber dieser Film wurde letztlich auch endlich wieder von den Kritikern besser aufgenommen als andere Beispiele aus der Feder dieser renommierten Schauspielerriege. In Faking Bullshit verzichtet man auf großen Namen, sondern bedient sich eher an Darstellern, die einem nicht sofort etwas sagen: Erkan Acar (Ronny & Klaid), Sina Tkotsch (Der Nachtmahr) oder Alexander Hörbe (Tatort und viele weitere Krimis). Und dieses Prinzip, eben nicht mit überaus bekannten Namen werbetechnisch die Zuschauer zu locken, ist der größte Pluspunkt dieser Krimikomödie. Denn allesamt machen ihren Job ziemlich gut. Zwar sind auch in diesem deutschen Film wieder viel zu überzeichnete Figuren dabei, aber man verzeiht es Faking Bullshit auch relativ schnell, da der Humor tatsächlich gut an den Mann herangeführt wird. Das Team, um das es im Film geht, entwickelt nach und nach die richtige Sympathie zum Zuschauer. Eine Sympathie, die vielen anderen deutschen Filmen seit geraumer Zeit einfach fehlt. Über weite Strecken der Komödie weiß man diese Fähigkeit wirklich gut einzusetzen, sodass es einfach nur Spaß macht den Film bis zu einem gewissen Punkt anzuschauen.

Warum der Humor in Faking Bullshit funktioniert

Im Gegensatz zu vielen anderen Beispielen von deutschen Komödien hat Faking Bullshit, anstelle des eher plumpen und teilweise geschmacklosen Witzes, wieder eine angenehme Form von Humor etabliert. Zwar kommt man auch hier nicht unbedingt um den gängigen Slapstick-Moment herum, doch die Sprüche und die komplette Szenerie sind um ein vielfaches subtiler, als bspw. bei Klassentreffen 1.0 oder Hot Dog. Gleichzeitig wird eine Szene hier nicht so eindeutig mit musikalischen Begleitstücken untermauert, wie bei den genannten Beispielen.

 

Side Fact: Achtet mal bei den Filmen von Schweiger und Schweighöfer genau darauf! Die Musik in diesen Filmen nervt einfach nur!

 

Allein schon die Aufmachung der gesamten Handlung ist ein Schenkelklopfer. Um ihre, im Grunde sehr untätige, Polizeiwache vor dem Aus zu bewahren, kommen die Beamten auf die glorreiche Idee Straftaten zu inszenieren, um den Gegenbeweis zu liefern, dass sie doch alle Hände voll zu tun haben. Zudem gibt es kleinere Anspielungen an kleinere Polizei-Randthemen, wie Rockergruppen, die ja eigentlich ziemlich harmlos sind, wenn es ums Ganze geht, Disziplin am Arbeitsplatz oder auch die Faszination bzw. Sehnsucht nach knallharter Action, die so in der Wirklichkeit nur selten anzutreffen ist. All das wird unaufgeregt vorgelegt und mit einer guten Portion Satire gewürzt. Also in Sachen Humor wird man hier mehr als nur gut unterhalten, die Probleme des Films liegen an anderer Stelle.

Faking Bullshit Filmbild
Bild: Die Polizeibeamten einer Kleinstadt in NRW inszenieren Straftaten um ihre Jobs zu sichern. | Telepool/24 Bilder

Der entscheidende Fehler an der falschen Stelle

Was der am Anfang sehr unaufgeregten Kriminalkomödie einen ordentlichen Strich durch die Rechnung macht, ist die Auflösung seiner Geschichte. Aus einer harmlosen Story mit absurdem Hintergrund, wird dem Ende hingegen, eine viel zu spektakuläre Zusammenreihung verschiedener Ereignisse. Es wird manch einen Zuschauer eventuell überraschen, aber wohl doch eher im Negativen. Denn dieses Filmende ist wohl eine Spur zu "verkünstelt" geraten. Da wäre es wohl doch besser gewesen bei den Basics zu bleiben, die von Anfang bis Mitte wirklich gut funktionierten und an manchen Stellen sogar schon viele deutsche Vertreter des Genres alt aussehen lassen. Hier hatten die Macher des Film zu sehr ihre Ideenschmiede verheizt. Es ist natürlich nichts schlechtes daran, aus einer Komödie mehr zu machen, als der Zuschauer zunächst erwartet. Man sollte aber stets im Hinterkopf behalten: Lieber macht man die einfachen Dinge richtig, als die schwierigen am Ende schlecht. Vielleicht hätte dies deutlich mehr Nutzen gehabt, als der Hintergrund, der das Ende des Films einleitet. Zwar widerspricht sich das etwas mit dem fehlenden Mut deutscher Filme (denn Mut hat dieser Film, aber eben an falscher Stelle), nur ist es dann noch entscheidend, wie man die wichtigsten Szenen innerhalb des Films umsetzt. Zumal man trotz dieser irrwitzigen Auflösung der sich im Hintergrund abspielenden Story, häufig nur das normale 1x1 einer seichten Komödie abspielt. Es darf weder ein Love-Interest fehlen, noch der umstrittene Mitspieler, der fehlende Informationen mit seinem Wissen vervollständigt und zu Beginn erstmal zurückhält. Kurz gesagt: An der entscheidenden Stelle des Film, wo Faking Bullshit sich innerhalb des deutschen Films einsortiert, macht er leider seinen entscheidenden Fehler!

 

Fazit:

Faking Bullshit hat von Beginn an viel Spaß gemacht und vieles besser gemacht, als andere deutsche Vertreter seines Genres. Er präsentiert viel subtile Gags und hat eine Idee, die absurder nicht sein kann (die Polizei inszeniert Straftaten). Diese Idee passt bis zum leider völlig verfehlten Ende, wo man eine absolut irrwitzige Hintergrundgeschichte einfließen lässt, wo viel von der bisher gewonnen Sympathie verloren geht.  Bis zu diesem Moment stimmte beinahe alles: Ein toller Cast ohne die großen geläufigen Namen, die unaufgeregte Erzählweise und gut funktionierende Satire. Schlussendlich fehlt der Mut zur Abwechslung an anderen Stellen, und wurde (und das ist noch viel schlimmer) an der denkbar ungünstigsten Stelle angesetzt. 

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★

5.0 Punkte

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