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"Mortal Engines": Optisch gigantisch, erzählerisch nachlässig! (REVIEW)

Peter Jackson adaptiert den ersten Teil einer Fantasy-Buchreihe von Philipp Reeve. Der hochwertig produzierte Film überzeugt mit einer eindrucksvollen Optik, offenbart aber kleinere Schwächen in der Handlung. Das Projekt mag zwar nicht mit anderen Werken von Jackson mithalten, ist aber definitiv ein Hingucker.

Zunächst sollte man sich als Zuschauer darauf einstellen, dass sich auf der Leinwand mit Mortal Engines kein Fantasy-Epos alla Herr der Ringe wartet. Deswegen Erwartungen runterschrauben, und sich selbst eine Meinung bilden, bevor man sich von den bislang mäßigen Kritiken beeinflussen lässt. Leider sind nicht viele davon standhaft, denn der Film ist richtig gutes Popcornkino geworden.

 

Beeindruckende Optik und einzigartiges Konzept

Was visuelle Effekte angeht und die Optik einer neuen Welt, kann Peter Jackson kaum einer das Wasser reichen. Auch Mortal Engines überzeugt mit seiner neuen Welt, in der große Städte mobil werden und Jagd auf kleinere Städte machen. In einer dystopischen Zukunft hat sich ein Großteil der Menschheit durch den Einsatz neuer Waffen nahezu komplett ausgelöscht. Der Planet hat sich verändert und urbane Gegenden sind Vergangenheit. In diesem Chaos entsteht dennoch eine sehr unterhaltsame Geschichte, indem das übermächtige London das ehemalige Europa und Asien unsicher macht. Und gleich zum Start wird diese gigantische von Motoren angetriebene Stadt mit einer ungleichen Verfolgungsjagd in Szene gesetzt. Und sowas monströses war 2018 bislang nicht wirklich auf der Leinwand wieder zu finden. Allein das Konzept, dass sich Städte auf Rädern fortbewegen, und andere Siedlungen verspeisen, um zu überleben, wirkt wie etwas noch nie Dagewesenes. 

 

Bild: Das gigantische London fährt durch menschenleere Gebiete. | © 2018 Universal Pictures International Germany GmbH

 

Optisch ist das ganze wieder äußerst genial eingefangen. Dabei wirkt die Welt, trotz der apokalyptischen Zeit, trotzdem irgendwie fortschrittlich, was wirklich paradox klingt. Der Stil ist daher etwas was einem sofort ins Auge sticht und auch nach dem Film in den Köpfen hängen bleibt. Und diese Optik macht für den Zuschauer Laune auf mehr. Man will mehr von dieser Welt sehen, selbst wenn die Geschichte an sich einige Schwächen offenbart.

 

Erzählerische Mängel

Abseits des visuellen Eindrucks, hat Mortal Engines eigentlich nur Probleme mit seiner Geschichte. Es gelingt oftmals nicht, die einzelnen Figuren emotionaler erscheinen zu lassen. Vor allem Hugo Weavings Thaddeus Valentine spielt äußerst trocken und teilweise sehr uninspiriert. Dabei hat die Geschichte im Grunde viel Potential die unterschiedlichen Individuen an verschiedenen Stellen gefühlvoller darzustellen. Diese Bindung an die Charaktere wird häufig von dem gewaltigen Einfluss der Bilder überblendet, weshalb der Zuschauer manche Szenen als eher wenig aufreibend und spannend empfinden könnte. Vor allem die Handlungsstränge im gigantischen London sind häufig gefühlskalt und eintönig gestaltet und haben keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Und auch die eingestreuten Dialoge sind nicht vergleichbar mit anderen Fantasy-Blockbuster, selbst wenn sie dennoch eine gewisse Relevanz für die Geschichte aufweisen. Da ist die Geschichte der Hauptfigur um einiges interessanter:

 

Bild: Hester Shaw (Hera Hilmar) hatte eine traurige Kindheit. | © 2018 Universal Pictures International Germany GmbH

 

Hester Shaw hat einen interessanten Hintergrund

Die Figur mit der man am meisten mitfiebert ist die anfangs sehr kaltherzige Hester Shaw gespielt von der Isländerin Hera Hilmar. Dabei hinterlässt vor allem ihre familiäre Beziehung zu einem Stalker (eine Art Cyborg) eine ganz große Rolle im explosiven Mittelteil. Genau zu diesem Zeitpunkt entwickelt sich nach und nach eine Achterbahnfahrt der Gefühle für die tragische Hauptfigur. Darin geht es vor allem um Trennung und Verlust und in ein paar Rückblenden auch um die große Tragödie die Hester auf ihren einsamen Weg brachte. Als launisches Racheengel macht sie, aufgrund dieser Tragödie und nachdem ihre Siedlung (im Trailer bereits gezeigt, daher kein Spoiler) von London verschlungen wird, Jagd auf den Mörder ihrer Mutter, Thaddeus Valentine. Diese Jagd entwickelt sich letztlich zu einem Spiel mit Zügen und Gegenzügen, an dem am Ende sogar ein Krieg der Städte (zwischen London und einer chinesischen Festungsstadt)  entbrennt. So wird aus dem Kampf gegen ihren Widersacher, doch noch ein gigantischer Endkampf gegen das hungrige London, dass entgegen seinen Willen, zu einer Todeswaffe wird.

 

Dynamisch und spannendes Popcornkino

Trotz den erzählerischen Schwächen und wenig emotional aufgeladenen Figuren ist die Handlung an sich sehr dynamisch. Es gibt viel Action, mit der sich auch der ein oder andere humoristische Eintrag in den Film einmischt. Dabei legt vor allem Anna Fang den Grundstein für viel handfestes Gemenge. Auch der Kampf gegen den übermächtigen Stalker im Mittelteil sorgt für einen vernichtenden Showdown, bei dem ganze Städte in Brand gesetzt werden. Dadurch wird Mortal Engines zu einem spannenden Film und zeigt wo seine Stärken liegen. Auch der Endkampf zwischen dem chinesischen Wall und London hebt hervor, wie so ein Krieg der Städte aussieht. Hier fiebert man als Zuschauer mit den Figuren mit und offenbart wie katastrophal so ein Kampf der Giganten ausgeht. Der Endkampf hat trotz allem einen kleinen Mangel, den viele Kritiker als eine Kopie von Star Wars stilisieren. Den letztlich wirkt London wie eine Art Todesstern, selbst wenn die Einwohner absolut unschuldig das Geschehen beobachten. Trotz allem ist die Geschichte gerade durch diese Dynamik selten langweilig und die zweistündige Laufzeit ist tatsächlich wie im Flug vorbeigezogen. 

 

 Bild: Der spannende Endkampf gegen das überdimensionale London beginnt. | © 2018 Universal Pictures International Germany GmbH

Fazit:

 

Mortal Engines weißt zwar, ähnlich wie bei der Hobbit-Reihe, Schwächen in der Handlung auf, ist aber äußerst dynamisch geschrieben und bietet jede Menge postapokalyptische Action. Einige austauschbare Charaktere haben sich zwar in den Film eingemistet, der großer Pluspunkt im Cast ist aber eine starke Hera Hilmar als tragisches Racheengel. Es ist vielleicht kein Herr der Ringe, aber dennoch ein spannendes Fantasy-Abenteuer, dass Laune auf mehr macht. Großes Manko ist eine Vorlage die jedoch epische Anreize vermissen lässt.

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