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"Freaks - Du bist eine von uns": Die Krankheit der Superheldenkräfte! (REVIEW)

Was? Deutsche Superheldenfilme? Ja es ist eine Rarität und irgendwie springt unsere Nation als letztes auf den bereits abgefahrenen Zug. Marvel und DC und noch ein paar andere Ideenschmieden haben dieses Genre bereits vollends ausgeschöpft und schöpfen es auch noch die nächsten Jahre aus. Nun kommt, direkt auf Netflix, eine kleine Produktion aus Deutschland daher und verbindet ein herkömmliches Alltagsdrama mit einer kleinen Prise Superheldenfeeling in einem Film. Das Ergebnis: Ein zahmer Versuch mit geringer Qualität!

Freaks Netflix Wallpaper
Bild: Den Film hatte keiner so recht auf dem Schirm - Freaks: Du bist eine von uns. | Netflix

Verzweifelter Versuch oder geniale Idee?

Seit dem 2. September darf man den Film von Felix Binder (u.a. Club der Roten Bänder) auf Netflix bestaunen. Hier befasst man sich mit dem Thema Superhelden, inmitten der überschaubaren Vorstadt. Keine heldenhafte Reise, keine gigantische Aufmachung und keinerlei stinkreichen Schnösel in pompösen Outfits. Nein! Für Freaks ließ man all diese klischeeüberladenen Punkte, bis auf ein markantes Outfit, komplett wegfallen. Wie zahlreiche andere Kritiker es schon sprichwörtlich sehr gut getroffen haben: Die Superhelden von der Tanke! Im Mittelpunkt dabei steht die hart schuftende Wendy (Cornelia Gröschel), zeitgleich noch Mutter eines Kindes, die durch einen Obdachlosen (Wotan Wilke Möhring) erfährt, dass ihre Arznei, welche sie für ihre psychotischen Erlebnisse verschrieben bekommen hat, letztlich nur ihre vorhanden Kräfte unterdrückt. Klingt absurd? Keine Sorge, es wird noch viel absurder, denn es betrifft nicht nur sie, sondern alle anderen Menschen, die ebenfalls solche verschreibungspflichtigen Medikamente zu sich nehmen. Und das ist die Grundlage dieses Films. Irgendwie ist es was anders, aber vielleicht nicht gerade das was man sich von einem auffrischenden neuen Stoff wünscht. Der Hintergrund zu Freaks ist aber, trotz der völligen Absurdität, eine lobenswerte Erwähnung. Doch leider hört es da schon auf mit den positiven Seiten des Films.

Billig und überzeichnet

Das bei einer kleinen deutschen Produktion natürlich nicht mit einem Effektfeuerwerk zu rechnen ist, sollte einem schon vor dem Film klar sein. Doch selbst hier ist der Film schon ziemlich mangelhaft umgesetzt. Freaks ist in diesem Punkt schlichtweg eine Spur zu billig geraten und teilweise schon lächerlich, was seine Technik betrifft. Es ist ein Streitpunkt bei einem so kleinen Film, aber es sieht wirklich so faszinierend schlecht aus, dass man aus Scham darüber lachen muss. Es war mit Sicherheit nicht der Plan das Genre in manchen Szenen zu parodieren, denn hierfür ist die Grundthematik einfach zu ernst. Hinzu kommt, dass trotz einer relativ guten Hauptfigur, Wendy (Cornelia Gröschel), sich gleich mehrere blutleere und überzeichnete Charaktere dazu gesellen. Der spätere Elektro-Man (ja, er spricht ihn tatsächlich auch im Film so aus), verkörpert durch Tim Oliver Schultz, schießt mit seiner Darstellung bereits den Vogel ab. Sein Superheld ist dermaßen überladen mit furchtbaren Dialogen und seinem Erscheinungsbild so krampfhaft dargestellt, dass man ihn zweifellos als einer der schlechtesten Filmfiguren des Jahres betiteln könnte. Leider stellt man ihn, zusätzlich dazu, als den typischen Comic Relief Charakter dar. Zwar nur zu Beginn (aber das reicht auch schon). Doch die Wirkung seiner müden und steifen Art blieb ebenfalls nur im Schlechten in Erinnerung. Hingegen zu ihm war Marek, der Obdachlose (Wotan Wilke Möhring) noch im Ansatz ein Charakter, den man noch Sympathie abgewinnen kann. Er ist letztlich der Guru, wobei er im Endeffekt sehr wenig zur Geschichte beigetragen hat. Und von Wendys Chefin fangen wir mal gar nicht erst an! Der "Schwarzenegger-Vergleich" im Film wird euch dazu alles sagen, was ihr über sie wissen müsst.

Freaks Netflix Szenenbild
Bild: Wendy (Cornelia Gröschel) lernt ihre Kräfte kennen und legt sich mit ihrer Chefin an. | Netflix

Familiendrama und Charakterstudie

Es nimmt zwar ein Großteil in der Geschichte ein, hat aber auf Gesamtsicht wenig Effekt auf die Entwicklung der filmischen Handlung. Das Familiendrama der Hauptprotagonistin Wendy beinhaltet viel charakterliche Tiefe und ist damit auch sehr nah am Zuschauer dran. Es hat dennoch nicht allzu viel Einfluss auf die Geschehnisse, denn die werden deutlich stärker von den jeweiligen Kräften der "Helden" geprägt. Indem sie ihre Kräfte kennenlernt, verändert sich auch ihr eigener Charakter zunehmends. Und wie man das so kennt, nicht ausschließlich nur zum Guten. Auf der Arbeit legt sie sich u.a. mit ihrer Chefin an. Wenn auch im Anschluss, an die erste Auseinandersetzung, wieder extrem höflich und respektvoll gegenüber der Vorgesetzten, verängstigt sie diese zunächst, indem sie ihre neu entstandene Muskelkraft zur Schau stellt. Das was also, weit mehr Inhalt darbietet, ist eine s.g. Charakterstudie. Was passiert mit einem Menschen, wenn er bemerkt, dass er anders ist? Wenn er übermenschliche Fähigkeiten besitzt? Hier geht Freaks, zumindest in seinen Anfängen, den richtigen Weg und zeigt auf, dass man zu aller erst nur die eigenen Bedürfnisse erfüllt, anstelle an das Allgemeinwohl zu denken. Dieser Charakterzug ändert sich, so wie in jedem bereits bekannten Superheldenfilm, mit der Zeit. In diesem Film allerdings verklärt man die Superkraft weder zu etwas gutem, noch zu etwas schlechtem, sondern degradiert sie zu einer psychotischen Störung, zumindest laut Meinung der mitwirkenden Ärzte, die hier ohnehin den Gipfel der Ironie repräsentieren. Vergleichbar ist der Film letztlich mit einer anderen, deutlich größeren Filmreihe, nämlich mit der der X-Men! Zudem lässt man es sich hier nicht nehmen und will mit einem klischeebehafteten Trick auf eine kommende Fortsetzung anspielen.

Ausgefallene Heldenreise oder doch nur Schema F?

Zeitweise wirkt es tatsächlich so, als könne Freaks eine gänzlich andere Heldenreise erzählen, als gewohnt. Selbst wenn die relativ interessante Charakterstudie ihren Höhepunkt erreicht, kommen wir spätestens in der Mitte des Films zum selben Punkt wie immer: Gut gegen Böse! Ja, es gibt Momente, die vom Typ Schema F abweichen, aber zerlegt man den Film in seine Einzelteile, so erhält man trotzdem eine simple Superheldengeschichte. Die Hauptfigur lernt ihre Kräfte durch eine Person kennen, die später als eine Art Guru oder Meister gilt, trifft auf die Widersacher und kämpft am Ende gegen das vermeintlich Böse. Am Ende will man es zwar anders handhaben, landet aber beim gängigsten aller Konzepte eines Superheldenfilms, mit einem kleinen Ticken mehr Drama. Und das ist alles! Das Drama, welches wir im Hintergrund vorgestellt bekommen, hätte man mehr in den Vordergrund rücken sollen. Stattdessen erhalten wir folgendes Schlusswort: "Mama ist jetzt ein Superheld!Drama hin oder her, nach knapp eineinhalb Stunden sind wir dort angelangt, wo wir sonst auch stehen, nur qualitativ deutlich schlechter und mit mehr absurden Momenten. Das ist nicht wirklich ausgefallen, geschweige denn eine Offenbarung! Es ist eine Heldenreise, die einfach nur deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Fazit:

Letztlich will man den Film nicht nur schlecht reden. Es gibt die Grundidee, die eigentlich nicht so falsch ist und eine Hauptfigur, mit der sich bestimmt viele Zuschauer identifizieren können. Leider zieht man es bei Freaks zu sehr ins lächerliche. Sei es die ohnehin schlechte Qualität von Effekten oder Nebenfiguren, die völlig überzeichnet sind, dieser Film ist am Ende nur ein schwacher Versuch sich in Deutschland noch irgendwie auf dem Superheldenmarkt zu positionieren. In seinem Bestreben anders zu sein, gerät man dennoch auf den immer gleichen Strudel einer Superhelden-Story, welche man zwar heutzutage immer noch (irgendwie) gut finden kann, aber hier weit unter dem Durchschnitt präsentiert bekommt. 

MCG-Raiting

★★★★ 

3.0 Punkte

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