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"Ghostbusters Legacy": Eine gelungene Überraschung! (REVIEW)

Eigentlich hätte man damit nicht wirklich rechnen können. Das letzte Aufwärmen der Ghostbusters endete 2016 in einem glorreichen Fiasko und der Beerdigung aller Träume das Franchise neu aufleben zu lassen. Ein neuer Versuch wurde gestartet. Ghostbusters: Legacy ebnet tatsächlich wieder den Weg für eine erfolgreiche Fortsetzung des beliebten Franchise...


Filminfos:

Kinostart: 18. November 2021
Laufzeit: 124 Minuten
FSK: 12

Genre: Action/Komödie

 

Regie: Jason Reitman

Cast: u.a. Carrie Coon, Finn Wolfhard, McKenna Grace und Paul Rudd

Story:

Die alleinerziehende Mutter Callie zieht mit ihren zwei Kindern Trevor und Phoebe in eine Kleinstadt. Als sie auf einen unterirdischen Stützpunkt stoßen, finden sie heraus, dass ihre Familie eine Verbindung zu den legendären Ghostbusters hat. Als eine dunkle Kraft in einer Mine erwacht, müssen die Kinder in die Fußstapfen ihres Großvaters treten und selbst auf Geisterjagd gehen. Ein großes Abenteuer beginnt...



"Ghostbusters: Legacy": So sympathisch wie das Original

Nach der vorherigen Enttäuschung aus 2016, gibt es nun den erneuten Versuch die Ghostbusters wiederaufleben zu lassen. Ein Plan, der weiß Gott, nicht wirklich einfach werden würde. Die Originalfilme sind zwar keine Meisterwerke, erfreuen sich aber einer unbeschreiblichen Beliebtheit. Hinzu kommt ein legendärer Soundtrack, welcher bereits in seinen ersten Tönen einen überdimensionalen Widererkennungswert inne hat. Das der neu inszenierte Teil 3 (das Sequel aus 2016 versucht man gleichzeitig irgendwie aus den Geschichtsbüchern zu streichen) vor allem auf Nostalgie setzen wird, stellt ein vollkommen legitimes Stilmittel dar. Die viel wichtigere Frage ist: Funktioniert das in Legacy? Ja tut es und das sehr erfolgreich. Dabei übertreibt man es nicht und schafft es sogar enttäuschte Fans wieder abzuholen. Alte Geister in einer neuen Umgebung, die extrem abgelegen von großen US-Metropolen ist, sind eine ideale Grundlage für eine Neuauflage der Ghostbusters. Eine Neuauflage, die sich vor seinen Originalen aus 1984 und 1989 nicht verstecken muss. Es war wohl auch die vollkommen richtige Entscheidung den Regiestuhl den Sohn der Originalregisseurs Ivan Reitman zu überlassen. Bei Jason Reitman merkt man sofort, dass der neue Film eine Art Herzensprojekt war. Allein in den ersten Minuten ist eine ähnliche Handschrift wie beim Original zu erkennen. Die übernatürliche Ereignisse, verursacht durch Geisterwesen, werden so mystifiziert, dass selbst im Kinosaal reges Interesse entsteht. Eine Magie, welche man seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gespürt hatte, zumindest wenn es um die Ghostbusters selbst geht. Die nächste Hürde, neben Regie, Nostalgie und der Inszenierung, lag im Cast. Und auch der konnte, entgegen aller Kritik, vollständig überzeugen!

Die neue Ghostbusters-Generation

Der Cast war bei Ghostbuster Legacy der größte Wackelkandidat. Bei einem weitestgehend extrem jungen Cast, überwiegend Kinder und Teenies, schauen vor allem die Kritiker zwei bis drei mal genauer hin als sonst. Und manchmal wird man sogar überrascht, wie in diesem Fall. In dieser Besetzung sind kaum Schwächen zu erkennen. Durch die Bank weg, ist die neue Generation der Ghostbusters, welche familientechnische Wurzeln zu einem Mitglied der originalen Ghostbusters haben, sehr sympathisch und lustig aufgestellt. Allen voran und natürlich das fürs Marketing hoch gepreiste Aushängeschild Paul Rudd. Als gelangweilter Lehrer an einer kleinen Schule, hat er ein Interesse an übernatürlichen Phänomenen entwickelt. Da kommt die Physik begeisterte Phoebe (McKenna Grace) sehr gelegen, welche seine Begeisterung folglich teilt, als sie mit ihren Recherchen über ihren mysteriösen Großvater beginnt. Allgemein betrachtet, will der neue Ghostbusters Film durch kleinere Easter-Eggs die Originale in Ehren halten. Die Geisterjagd wird hier als eine Art veraltete Handwerkskunst symbolisiert, für die sich seit Jahrzehnten keiner mehr interessiert hat, außer einige neugierige Nerds. Zwar mag es an ein paar Stellen vielleicht etwas zu einfach wirken, als sich die neue Generation sich mit der alten Technik beschäftigt und nach einigen Handgriffen mit allen Gerätschaften problemlos zurechtkommt.

So richtige Pionier-Arbeit wie im ersten Teil scheint es dann eben nicht zu sein. Es wird eher das alte Produkt verwendet und aufgemöbelt. Der Kniff gelingt allerdings, da hierdurch ein paar extrem witzige Momente entstehen und die Geisterjagd im neuen Film nostalgische Gefühle hervorrufen kann. Als Technik-Genie im Hintergrund agierend und gleichzeitig als lustiger Sidekick fungierend, ebnet Podcast (Logan Kim) den Weg für eine ausgeglichene Gruppe voller Heldenmut, Tatendrang und Tollpatschigkeit. Diese Merkmale funktionieren auch dann noch, als Trevor (FinnWolfhard) und dessen Love-Interest Lucky (Celeste O´Connor) zur neu formierten Geisterjäger-Gruppe dazustoßen. Auch hier sieht man deutliche Parallelen zu den originalen Ghostbusters, mit dem Unterschied, dass hier lediglich Schüler auf die Jagd gehen. Eine Innovation stellt das nicht dar, aber man hat definitiv seinen Spaß mit dieser Fortsetzung und seinen Figuren.

Ghostbusters Legacy
Bild: Sie sind die neuen "Ghostbusters" und recherchieren über die eigenartige Geschehnisse ihrer Stadt. | Sony Pictures

Altes Material neu verfilmt!

Sind wir doch mal ganz ehrlich. Erfolgreiche Originalfilme aus den 80ern oder 90ern mit einer Fortsetzung oder einem Reboot wiederzubeleben, ist mittlerweile Alltagsgeschäft in der Filmbranche. Das Beispiel, welches am Besten mit dem neuen Ghostbusters Film vergleichen kann, ist Star Wars: Das Erwachen der Macht. Eine alte, bereits etablierte Infrastruktur, die faktisch nur remastered wird. Auch Ghostbusters: Legacy spielt rund 30-40 Jahre später, eben wie Star Wars 7, und stilisiert den Kernpunkt der Geisterjagd als legendäres Mysterium, welches für die meisten Charaktere innerhalb des Films augenscheinlich nur reinste Fiktion verkörpert. Dann beginnt die Heldenreise, wobei die Hauptakteure mit der Zeit feststellen, dass doch etwas wahres dran sein muss. Ja, so richtig innovativ ist das natürlich nicht, aber zumindest gleichen das andere Faktoren, wie Unterhaltung, Besetzung und Action wieder aus. Trotzdem könnte man sich auch von dem neuen Ghostbusters Sequel, zumindest was Gegenspieler und Geister anbelangt ein wenig mehr erhoffen, als den allseits bekannten Slimer freizulassen oder einen in diesem Universum bereits vorhanden Schurken wieder zurückzubringen. Und auch hier hört man gleich wieder die Parallele zu den Star Wars Sequels deutlich heraus. Immerhin bringt man zumindest den Marshmallow Man nicht in seiner vorherigen Dimension zurück ins Geschehen. Dieses mal ist er und seine "Packungs-Geschwister" in Miniatur-Form zurück. Wieder nicht wirklich innovativ integriert, aber trotzdem in den meisten Szenen ein extrem lustiger Wegbegleiter. Und eben das muss man diesem neuen Ghostbusters-Film lassen. Auch wenn vieles natürlich vom Original abgeschaut ist und er enorm viel auf den Nostalgie-Faktor geht, so schafft er genau das, woran bspw. die 2016er Neuauflage gescheitert ist: Er unterhält von Anfang bis Ende den Zuschauer! 


Fazit:

Die Fortsetzung ist geglückt. Daran besteht kein Zweifel. Jason Reitman hat es geschafft, das Original seines Vaters gebührend wiederzubeleben. Neue Ghostbusters wurden etabliert und die alten in angemessener Form gewürdigt. Der Film unterhält die Zuschauer fast so gut wie noch zum Karrierestart der Geisterjäger und profitiert von einem sehr guten Cast, der ausblenden kann, dass dieses Sequel definitiv keine Innovation ist. Ghostbusters: Legacy ist eine echte Überraschung, zur Freude jedes Kritikers, der einen kolossalen Flop prognostiziert hatte.

MCG-Raiting

★★★★★★★

7.5 Punkte



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