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Green Book: Eine wirklich Oscarreife Freundschaft (REVIEW)

 

Das dreifach Oscar ausgezeichnete Drama Green Book steht heute auf dem Prüfstand. Viggo Mortensen und Mahershala Ali waren beide nominiert. Am Ende hatte allerdings nur Ali einen Oscar abgeräumt. Trotzdem ist der Film auf Gesamtsicht ein würdiger Oscar-Vertreter, der es am Ende auch verdient als "Bester Film" betitelt zu werden.

 

 

Mortensen und Ali brillieren in ihren Rollen

Nicht umsonst waren beide (Mortensen als Hauptdarsteller und Ali als Nebendarsteller) für den Oscar nominiert. Beide Schauspieler legen dabei ihr ganzes Können in ihre Rollen. Und nicht nur die beiden, sondern auch der komplette Cast, runden die Sache extrem gut ab. Die Geschichte selbst spielt zwar in den 60ern, könnte aber genauso gut auf jedes andere (nachfolgende) Jahrzehnt übertragen werden. Die ganz besondere Freundschaft, die dem Film letztlich den Titel gibt, hat eine rührende Intensität, die wahrlich nur wenige Filme auf die Leinwand zaubern. Die Umsetzung einer Freundschaft, die durch Rassenfeindlichkeit geprägt ist, ist ohnehin ein recht schweres Gut für ein filmisches Drama. Doch bei Green Book hat man stets das Gefühl, dass der Film diese Herausforderung mit Leichtigkeit meistern kann. Mit viel Emotion sorgen Mortensen und Ali dafür, dass wir als Zuschauer im Kino gut unterhalten werden. Die Rede ist dabei nicht nur von den charmanten Witzen, die gerade durch die großen Gegensätze der beiden Hauptcharaktere, zur Geltung kommt. Nein, denn über die gesamte Laufzeit verpasst Green Book nicht die gefühlvollen Momente, die jedes Drama braucht. Es wird oftmals sehr aufreibend diskutiert und an einigen Stellen dann doch das eine oder andere mal traurig. Green Book besitzt emotionale Vielfalt wie aus dem Lehrbuch.

 

Rassenproblematik der 60er als grundlegendes Kernelement

Das Kernelement in dieser Geschichte ist eine Tour des Künstlers Don Shirley und seiner Band, durch die Südstaaten der USA, die zum Zeitpunkt der Handlung natürlich noch recht feindselig gegenüber den Schwarzen sind. Dadurch kommt es zu vielen sehr aufreibenden Szenen, die uns als Zuschauer am Ende sogar äußerst nachdenklich zurücklassen. Da Rassenfeindlichkeit in den USA weiterhin ein aktuelles Thema ist, kommt dieser Film vielleicht sogar zu einem sehr passenden Zeitpunkt. Da der Film auf wahren Begebenheiten beruht, macht es die Sache noch um einiges wichtiger. Zu sagen, dass trotz des großen Ballast, eine solche Freundschaft überhaupt möglich ist, verhilft Green Book zu einem Film mit einer bedeutenden Botschaft. Denn egal welche Steine man in den Weg gelegt bekommt, besondere Freundschaften sind das was uns Menschen im Inneren ausmacht. Und gerade deswegen, weil der Film diese Botschaft mit einer solchen Energie auf die Leinwand übertragen will, ist Green Book völlig zurecht für den "Besten Film" bei den Oscars ausgezeichnet worden. 

 

Bild: Komplett unterschiedliche Typen: Toni (links, Viggo Mortensen) und Don Shirley (rechts, Mahershala Ali) | © 2019 eOne Germany

 

60s Flair perfekt eingefangen

 

So bunt wie die Geschichte und deren viele Emotionen sind, so bunt ist auch der musikalische Unterton der den zusätzlichen Charme der 60er wiederspiegelt. Im Stile eines typischen Roadtrips, den die beiden Hauptcharaktere absolvieren, versorgt Green Book uns mit einem gelungenen Mix aus Klassik, Blues und Jazz. Ganz besonders eine Szene im Schlussdrittel beschreibt perfekt, wie klassisches mit aktuellen Trends der 60er gemixt werden kann. 

Abseits der Musik überzeugen die für dieses Jahrzehnt typischen Settings in enormen Maße. Die 60er sind tatsächlich richtig stark eingefangen und veranschaulichen wie viel Style schon damals in der Welt vorhanden war. Egal ob Autos, Outfits, Gebäude. Alles an Green Book passt zu dem Flair der 60er.

 

Green Book ist mehr als "nur" ein Drama

Weiter oben im Beitrag wurde es schon erwähnt. Green Book hat nicht nur eine Reihe emotionaler aufreibender Momente, sondern auch viel Witz. So sollte man, bei einem Kinobesuch, nicht zwangsläufig davon ausgehen ein reines Drama zu sehen. Besonders die Unterschiede in den Charakterzügen von Toni und Don Shirley beinhalten viel Stoff für ein herzhaftes Gelächter. Viel Spaß haben wir, als Zuschauer, unter anderem dabei, wenn der hoch kultivierte Don seinem etwas vulgären Kamerad Toni versucht ein wenig Anstand beizubringen. Die von Grund auf gigantischen Unterschiede der beiden machen auf der Leinwand jede Menge Spaß. Und das sind keine Ausnahmen. Relativ häufig sogar hat die Story viele lustige Szenen, die gefühlvoll ausgedrückt und äußerst charmant dargestellt werden. Bevor man also Green Book als ein reines Oscar-Drama abtut, sollte man sich zunächst selbst davon überzeugen. Es gibt ebenso viele witzige, wie traurige Momente. Ein richtig netter Film für einen Kinoabend mit einem guten Freund. 

 

Bild: Trotz aller Widrigkeiten werden Don Shirley und Toni am Ende beste Freunde. | © 2019 eOne Germany

 

Fazit:

Ein Film der viel anbietet. Eine ebenso aufreibende, wie charmante Geschichte über eine besondere Freundschaft, mit vielen Steinen auf dem Weg. Mortensen und Ali liefern beide eine wahnsinnig brillante Leistung ab. Oscar würdig durch und durch. Und fernab der schauspielerischen Leistung stimmen auch die technischen Feinheiten. Musik, Setting und Outfits fangen den Flair der 60er perfekt ein. Lasst euch nicht abschrecken! Green Book ist kein reines Drama, sondern vielmehr ein zeitloser, mit viel charmanten Witz gemischter Film, der jedem Spaß bereiten kann. Ein besonderer Film mit einer nachhaltigen Botschaften, von der sich jeder Zuschauer ein Stück von abschneiden kann.

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

9.0 Punkte

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