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"Greenland": Gerard Butler trotzt dem Kometenhagel (REVIEW)

Bei Gerard Butler sollte man mittlerweile ziemlich vorsichtig sein. In den letzten Jahren kamen so einige Nulpen, an Filmen mit ihm in die Kinos. Wobei es teilweise nicht einmal selbst mit seiner Person in Verbindung steht. Der 50-jährige Schotte hat auch bereits im Genre der Katastrophenfilme Erfahrungen gemacht, wenn auch eher schlechte! Greenland sah zwar im Vorfeld nach genau einer solchen Nulpe aus, war aber tatsächlich das komplette Gegenteil.

Funktionieren Katastrophenfilme auch noch in 2020?

Kurz gesagt: JA! Eigentlich stellt sich vielmehr die Frage, warum nicht mehr Filmemacher wieder auf dieses beinahe ausgestorbene Filmgenre setzen? In einer Zeit, die durch eine schlimme Pandemie geprägt ist, würden solche Filme tatsächlich sogar ziemlich gut reinpassen. Schließlich sind Filme über einen Krankheitsausbruch oder andere Geschichten über einen Killer-Virus, eine Subkategorie des Katastrophenfilms. Zombies lassen wir da mal außen vor, da die lebenden Toten ohnehin, dank ihrer Vielzahl an Filmen, in einer ganz eigenen Liga spielen. Mittlerweile wirken Katastrophenfilme wie eine Ausnahmeerscheinung in der Filmlandschaft. Der letzte (größere) Katastrophenfilm, der einem da in den Sinn kommt wäre wohl San Andreas mit Dwayne Johnson. Wenn man nicht so tief ins Detail einer Katastrophe eintaucht, könnte man auch Crawl dazuzählen. Fakt ist, solche Filme werden immer seltener. Ein Grund dafür ist vermutlich ein zumeist überdimensionales Budget. Katastrophenfilme leben von großen Effekt-Feuerwerken, denn vollkommen natürlich einen Asteroid auf die Erde einschlagen lassen, ist dann leider nicht möglich, für ein authentischen Szenenbild. Selbst andere, häufiger auftretende Naturkatastrophen wie Tsunamis oder Stürme, sind teilweise sehr schwer inszenieren. Zumindest wenn man ein ordentliches Werk in die Kinos bringen will. Greenland handelt von einem Kometeneinschlag. Natürlich ist so ein Film nur mit enorm viel CGI-Einsatz realisierbar. Und vielleicht trotz einem "kleinen" Budget von gerade mal 35 Mio. US Dollar sieht dieser neue Katastrophenfilm solide aus und funktioniert auch noch im Jahr 2020 ziemlich gut. Vielleicht sogar besser als in vorangegangen Jahren.

Veraltete Effekte und das Weltuntergansszenario

Im Hinblick auf das gerade genannte Budget kann man bei Greenland selbstverständlich nicht die Effekte erwarten, wie bei anderen Big-Budget Produktionen, die häufig auch die dreistellige Millionenhöhe kratzen. Tadellos ist das Bild aber dennoch nicht. Häufig sticht einem ein eher zu künstlich geratenes Bild in die Augen, was glücklicherweise aber nicht den Unterhaltungswert des Films verschmälert. Man vergleicht dann nun mal gerne andere Filme, mit ähnlicher Thematik. Und da muss man hier leider hervorheben, dass andere Beispiele der Endzeitfilme wie The Day After Tomorrow oder 2012 mit ihrer Qualität, rein optisch, zweifellos besser ausgestattet sind. Aber dies hat kein bleibenden Schaden bei dem neuen Film mit Actionstar Gerard Butler verursacht. 

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Kleiner Exkurs:

Ein Einschlag aus dem All mag zwar kein gänzlich neues Szenario in der Filmwelt sein (Armageddon und Deep Impact sind hier die bedeutendsten Werke), ist aber ein nach wie vor äußerst gefährliches Ereignis, welches selbst im 21. Jahrhundert noch, bei passender Flugbahn, die menschliche Zivilisation ausradieren könnte. Nimmt man dann noch die Komponente hinzu, dass es in unserem Zeitalter immer noch keine vielversprechende Abwehrmöglichkeiten solcher Himmelskörper (Asteroiden, Meteoriden und Kometen) gibt, wären wir einem solchen Einschlag hilflos ausgeliefert. Natürlich müsste ein solcher Weltraumbrocken eine beachtliche Größe haben, um auch nur im Ansatz, der Menschheit gefährlich zu werden.

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Im Film hat "Clarke" (Name des Kometen) eine für die Menschheit vernichtende Größe. Was neben den zahlreichen Einschlägen, die für sich genommen schon recht viel Spannung erzeugen, zusätzlich mit einfließt, ist die Szenerie von hilflosen Hauptakteuren und deren Suche nach dem allerletzten Ausweg für das eigene Überleben. Die Flucht vor so einem endzeitlichen Spektakel ist wie so häufig ein Wettlauf gegen die Zeit. Es gibt eigentlich nur noch die Option, sich in Sicherheit zu bringen. Sprich, man hat es zwar schon irgendwie in anderen Filmen gesehen und damit schon vor dem geistigen Auge abgespielt, bleibt aber auch durchweg aufregt bei der Geschichte. Auch Greeenland versteht es, dass abschließende Kapitel der Menschheit, welches die absolute Anarchie in den USA präsentiert, so darzustellen, dass man pausenlos sich selbst die Frage stellt, wie man in einer solchen Situation handeln würde. Es mag ein fiktives Werk sein, aber trotzdem ist es spannend mit anzusehen, wie Familie Garrity von einer brenzligen Situation in die nächste steuert. Und alles nur damit man selbst am Leben bleibt bzw. die Familie zu retten versucht. Allerdings hat das ein oder andere Mal die Glücksfee, auch dank einer wohl zu voraussehbaren Geschichte, tatkräftigt mitgeholfen.

Greenland Filmbild
Bild: Familie Garrity auf der Flucht vor dem großen Einschlag. | Tobis Film

Überraschend gut, weil überraschend...

Die wenigsten Zuschauer hätten wohl damit gerechnet, dass man mit Greenland so richtig warm wird. Es mag am Ende zwar nicht allen schmecken, aber der Katastrophenfilm überzeugt doch wesentlich mehr Kritiker und Zuschauer, als man im Vorfeld hätte erwarten können. Was man ohne jeden Zweifel behaupten kann, ist die Tatsache, dass der neue Film mit Gerard Butler im Grunde außer Konkurrenz auf die Leinwände trifft. Der Schachzug, den Kinostart sogar, während der Coronakrise, vorzuverlegen spielt ihm vermutlich ebenfalls gehörig in die Karten. Hinzu kommt, dass man im Normalfall bei Gerard Butler zunächst davon ausgeht, dass hier wieder eine Eintagsfliege im Kino erscheint. Dem ist aber nicht so. Tatsächlich harmoniert hier das Dreiergespann (Gerard Butler als Vater, Monica Baccarin als Mutter und Roger Dayle Floyd als Sohn) überraschend gut. So gut sogar, dass dieses Standard-Familiendrama nicht zu aufgesetzt rüberkommt, wie man es sonst aus zahllosen anderen Filmen kennt. Beobachtet es mal in anderen Katastrophenfilmen. In wirklich jedem dieser Filme spielt sich ein solches Familiendrama ab. Bei den meisten Beispielen geht es nach einer gewissen Zeit einem schlichtweg nur noch auf den Nerven. Hier funktioniert das in weiten Teilen recht solide, ohne das es am Ende die Oberhand über der eigentlichen Szenerie, also dem finalen Einschlag, gewinnt. Chapeau Gerard Butler! Nachdem Geostorm (2017) von den Kritiken regelrecht zerrissen wurde, dachte man eigentlich kaum, dass die Kombination "Naturkatastrophe-Gerard Butler" jemals wieder auf der Leinwand stattfinden würde. Da wurden wir alle eines besseren belehrt!

Zu sehr gängiger Standard?

Eigentlich überwiegen hier bei weitem die positiven Dinge. Man kommt hier aber nicht drum herum, auch einiges an der Geschichte kritisch zu hinterfragen. Es mag ja alles dem Drehbuch geschuldet sein, aber Come On, der größte Teil des Kometenhagels prasselt mal wieder bei uns Europäern nieder? Ist es eigentlich Zufall, dass wir Deutschen, Franzosen, Spanier und und und, immer als erste drauf gehen? Aber gut jetzt einmal Spaß beiseite. Rein chronologisch betrachtet, hat der Film wenige Stellen die nicht dem typischen Schema F entsprechen. Vieles geht dann doch zu simpel und ist so ähnlich aufgebaut wie bei jedem anderen Katastrophenfilm. Ja, ich sagte zwar, dass dies auch ordentlich funktioniert, aber womöglich profitiert der Film auch von der aktuellen Zeit. Wir erleben ja gerade so etwas wie eine globale Katastrophe und da kommt so ein Film natürlich wohl auch ein bisschen besser an, als noch im vorangegangen Jahr oder dem Jahr davor. Trotzdem fehlt auch bei Greenland ein wenig der Mut zur Abwechslung. Die strengente Abhandlung der gezeigten Ereignisse erinnert einen Tick zu sehr an andere bekannte Endzeit-Werke, sodass der Film nur kurzweilige Unterhaltung anbietet. In ein paar Jahren aber wohl kaum zu den Klassikern des Katastrophenfilms zählen wird. Und ja, eigentlich muss er das auch nicht. Aber ein wenig mehr Fantasie schadet doch auch nicht!

Fazit:

In normalen Kinozeiten würde Greenland mit Sicherheit etwas untergehen. Im Augenblick ist es wohl, und das kann ohne Übertreibung klar und deutlich behaupten, der größte Blockbuster den man im Kino finden wird. Und was noch besser ist: Er ist überraschend gut. Vieles sprach im Vorfeld zum Film für eine Katastrophe eines Katastrophenfilms, aber Pustekuchen. Gerard Butler auf der Flucht vor dem zerstörerischen Kometen hat einen ordentlichen Unterhaltungswert, trotz einer standardmäßigen Story. Es ist nicht langweilig und bietet durchaus eine gelungene Prise an satter Spannung. Hingegen sind die Effekte nicht makellos und einige Ereignisse wohl zu stereotypisch. Trotz seiner Makel verspricht Greenland das klassische Popcornkino für die breite Masse!

MCG-Raiting

★★★★★★★

6.5 Punkte

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