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"Halloween Kills": Michael Myers tritt ins Fettnäpfchen! (REVIEW)

Michael Myers ist wieder da und das blutiger den je. Halloween Kills hat ein FSK 18 und wird seinem Ruf als Slasher-Blockbuster absolut gerecht. Fans dieses Genres kommen zwar auf ihre Kosten, dafür nimmt man es aber erneut mit dem Mythos Michael Myers nicht mehr so genau und verzichtet leider auch auf einen Showdown mit Laurie Strode...


Filminfos:

Netflix-Start: 21. Oktober 2021

Laufzeit: 106 Minuten

FSK: 18

Genre: Horror/Thriller

 

Regie: David Gordon Green

Cast: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, Will Patton und James Jude Courtney

Story:

Laurie Strode sowie ihre Tochter und Enkeltochter glauben, dass sie den Serienmörder Michael Myers endgültig getötet haben, indem sie ihn in einem brennenden Gebäude einsperrten. Er konnte sich jedoch befreien und den Flammen entkommen, nur um nach Haddonfield zurückzukehren und dort sein blutiges Handwerk zu verrichten. Währenddessen formieren sich auf den Straßen der Kleinstadt wütende Proteste gegen die Behörden, die nicht in der Lage sind, den Serienmörder aufzuhalten.



So blutig war "Halloween" noch nie!

Zweifellos ist Michael Myers DIE Filmfigur die man am ehesten mit Halloween in Verbindung bringt. Das Original aus 1978 gehört zu den absoluten Klassikern des Slasher-Horrors! Der Kult um den überstarken Serienkiller hat sich seitdem so sehr aufgedröselt, dass selbst die Macher um die Kontinuität streiten. Was ihr zum neuen Teil wissen solltet: Halloween Kills lässt alle Teile nach dem Original außen vor bzw. spielen sie nicht im selben "Filmuniversum". Lediglich der bereit zuvor erschienene Halloween aus 2018 gilt als direkte Vorlage! Der konnte zu seiner Zeit wieder viele Leute über den Kult-Bösewicht überzeugen und gehört zu den besseren der gesamten Filmreihe, doch war er an sich betrachtet keineswegs eine Innovation. Dieser Film besaß schon extrem viele brutale Szenen. Die Fortsetzung legt da noch einen drauf. Man kann durchaus behaupten, dass man mit Halloween Kills den brutalsten aller Filme über Michael Myers vorgeführt bekommt! Der dritte Teil der neueren Halloween-Filmreihe erhielt sogar ein FSK 18. An diese Altersfreigabe trauen sich nur noch die wenigsten Filme ran. Für die Slasher-Fans ist der neue Halloween ein wahres Mörderfest. Fast schon prädestiniert für eine Halloween-Movie-Night! Es sind so kranke Kills darin, dass man doch in ein leichtes Staunen kommen könnte, aufgrund der Brutalität dieser Morde. Zumal es dieses Mal mit den Opfern ohnehin anders läuft, als noch zuvor. Denn in Halloween Kills ist Michael Myers nicht auf der Jagd, sondern wird von der Kleinstadt Haddonfield selbst gejagt. Die Opfer rennen ihm quasi in die Arme, oder besser gesagt ins Messer! 

Treibjagd als Zeichen von Gesellschaftskritik!

 

Wie schon kurz angehaucht, wird Halloween Kills weniger die Flucht vor dem Kultmörder erzählen, sondern die Jagd auf ihn. Sobald nämlich innerhalb des Films jedem einzelnen Bürger von Haddonfield klar wird, dass DER Serienkiller schlechthin zurück ist, beginnt eine Art Treibjagd. Nicht alle, aber sehr viele Bürger organisieren sich an dieser Jagd, die nach und nach immer größer wird. Es entsteht eine Art Gruppierung, die nur dem Zweck dient sich dem Monster das die Stadt terrorisiert aufzuspüren und folglich auch zu töten. Die "Anti-Michael-Myers" Organisation wird von Opfer zu Opfer ebenfalls immer wütender. Ein aufgebrachter Mob macht in der Folge selbst die Stadt unsicher, in dem Glauben diese durch einen organisierten Mord wieder sicherer zu machen. Ein unglaublich ironisches Bild, welches sich im zweiten Drittel im Film abzeichnet und auch unbewusst vor Kollateralschäden nicht Halt macht. Die Jäger werden selbst zum Monster. So oder so ähnlich will es wohl auch David Gordon Green auf die Leinwand projizieren. Er saß bereits beim vorherigen Teil hinter der Kamera und sollte damit auch die Geschichte selbst gut weitererzählen können. Das klappt aber hier weniger gut, als noch im 2018er Halloween. Doch dazu gleich noch mehr. Diese Form der Gesellschaftskritik, in dem die "normalen" Bürger  Selbstjustiz ausüben wollen, funktioniert in weiten Teilen gut. Setzt man es allerdings in ein Verhältnis, wie erfolgreich diese organisierte Gruppierung letztlich ist, so sind alle (wirklich alle) nur die Bauernfigur auf einem Schachbrett des Todes. Denn auch dieses Slasher-Movie hat praktisch nur sinnfreie Tode, bei dem ein Klischee auf das andere folgt. Da wird gleich zweimal eine ganze Schusspistole verballert, ohne das man die Chance hätte das Ziel wirklich zu treffen. Und zudem macht diese sich bildende Bürgerbewegung den gleichen Fehler wie immer: Sie teilt sich auf! Wirklich clever!

Halloween Kills Michael Myers
Bild: Serienkiller Michael Myers entkommt aus dem brennenden Haus aus dem letzten Teil "Halloween"! | Universal Pictures

Laurie Strode fehlt als Gegenspielerin!

Während der letzte Teil noch davon lebte, dass wir auf eine Art Duell zwischen Michael Myers und Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) zusteuern, lässt man das in der Fortsetzung komplett außen vor. Leider! Denn spätestens nach einer halben Stunde ist klar, alle andere Nebenfiguren sind Kanonenfutter. Es fehlt ein wichtiger Gegenpart, eine gute Gegenspielerin, die, und ich sage es mal freundlich, sich klüger verhält als die zahlreichen Opfer in diesem Film. Laurie Strode, die ohnehin eine Art Besessenheit zu diesem Mörder entwickelt, verbringt in dieser Fortsetzung fast die gesamte Zeit im Krankenhaus. Was echt schade ist, da uns die Vorschau zu Halloween Kills auch etwas ganz anderes versprechen will. Folglich nehmen die nächsten Generationen die Aufgabe den Serienkiller zu Strecke zu bringen. Die einzige wichtige Figur die es im Film mit Michael Myers aufnimmt, ist Lauren Strodes Enkelin Allyson (Andi Matichack), die im gesamten Ensemble noch den sichersten Auftritt abgibt. Selbst Karen (Judy Greer), im ersten Teil auch wesentlich wichtiger, nahm eine eher zurückhaltende Rolle ein, hat aber zumindest am Ende eine Szene die noch von Bedeutung sein wird. Das man in Halloween Kills lieber auf eine von den Bürgern gegründete Alternative setzt, als dieses noch im ersten Teil so spannende Strode-Trio mit Großmutter bis Enkelin, ist der mit Abstand größte Fehler, den man hier hätte machen können. Statt Familienkampf gibt es im Sequel leider nur das Haufenprinzip. Mit Nebenfiguren, die kaum Relevanz haben und eben die Chancenlosigkeit in Person verkörpern.

Eine Kultfigur wird "wieder" verhauen!

 

Praktisch jeder neue Film dieser Reihe, seit dem Original, hat auf dem Mythos von Michael Myers nach eigener Laune draufgetreten. Mit Halloween aus 2018 nahm in gewisser Form dem Bösewicht den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Mit dem aktuellen Teil zerstört man dies jedoch wieder gnadenlos. Die berühmt gewordene Maske nimmt wieder eine nicht unwichtige Rolle ein, aber ist sie erstmal ab (und das passiert hier ja tatsächlich) fehlt trotzdem ein AHA-Moment. Im Endeffekt symbolisiert sie nur das Gesicht des Bösen. Des Bösen, dass in diesem Film scheinbar nur das Ziel hat im Elternhaus anzukommen. Zumindest denken das die Widersacher. Im Endeffekt metzelt sich Michael Myers wieder willkürlich durch die Häuser und Straßen, ohne das dabei eine klare Marschrichtung zustande kommt. Er wird zwar, und das kann man ohnehin meilenweit voraussehen (deshalb auch kein Spoiler an dieser Stelle), in seinem Haus ankommen, aber die Route die er in der vorangegangen Stunde einschlägt gleicht doch mehr einem Zick-Zack-Lauf. Also so eindeutig, wie es kurzzeitig im Film versucht wird zu erklären, ist es dann faktisch nicht. Und da sei noch die Frage gestellt, warum man davor unbedingt in zwei andere Häuser einbrechen muss, wenn der Bösewicht doch eigentlich nur nach Hause will. Ihr seht schon alleine das ist schon unglaublich schwach erzählt, wenn nicht sogar ein wenig dämlich.

Was noch viel härter ins Gewicht fällt ist das Ende. Da kann man natürlich keine Einzelheiten wiedergeben, aber ohne Bedenken sagen, dass es wieder viele Fans richtig enttäuschen wird. Der Charakter von Michael Myers wird erneut ein wenig durch den Dreck gezogen, für einen wie es ohnehin schon im Vorfeld bestätigten vierten und vermutlich abschließenden Teil dieser Reihe. Dieser erhielt den denkbar ungünstigsten Filmtitel den man dafür wählen konnte: Halloween Ends! Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber nach diesem Film habe ich tatsächlich weniger Bock auf das "Große Finale" als noch in 2018.


Fazit:

Man hat allen Grund bei Halloween Kills ein wenig enttäuscht zu sein. Slasher-Fans werden zwar mit einem 106 Minuten langem Mörderfest bestens bedient, wer allerdings ein wenig Inhalt von einem Horrorfilm fordert ist hier definitiv Fehl am Platz. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass diese Kultfigur erneut an die Wand gefahren wird, und man sich mit dem Mythos von Michael Myers wieder mal zu viele Freiheiten lässt. Halloween Kills ist somit ein klarer Rückschritt in der neuen Halloween-Filmreihe!

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

4.0 Punkte



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