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"Hexen hexen": Wer hext verliert! (REVIEW)

Ganz klar: Ohne Anne Hathaway hätten sich hier wohl sehr wenige Interessenten an dem Remake gefunden. Diese Neuauflage hat sie als Aushängeschild. Dabei hat sie in der Geschichte selbst relativ wenig Arbeit und punktet allein durch ihre Ausstrahlung. Das allein reicht allerdings nicht für einen guten Film.  

Hexen hexen Filmbild
Bild: Anne Hathaway als Hexenmeisterin im "Hexen hexen" Remake. | Warner Bros.

Anne Hathaway: Völlig übertrieben oder makellos böse?

Hexen hexen ist für Familien und Kinder geschaffen. Der Film und seine Charaktere werden dadurch natürlich etwas zu überspitzt und vereinfacht dargestellt. Die Gleise "Gut" und "Böse" werden relativ schnell verlegt und halten sich auch, ohne weiter darüber nachgedacht zu haben, bis zum Ende. Keinerlei Umschweife und zusätzliche Überraschungen, die die Geschichte im Anschluss etwas undurchsichtiger gemacht hätten. Erstmal nichts schlechtes, wenn man hier eine jüngere Zielgruppe ansprechen will. Die Geschichte und die zugehörigen Figuren sind sehr schnell durchschaut und besonders Kinder dürften sich schnell mit unseren Protagonisten identifizieren können. Auch nachdem sie der Handlung entsprechend in Mäuse verwandelt werden. Die Bosheit in Person bei dem Remake wird von der bezaubernden Anne Hathaway verkörpert. Ohne jeden Zweifel für die Rolle als Hexenmeisterin die perfekte Wahl, da sie die arrogante Diva wirklich hervorragend zu Schau stellt. Dennoch kann man nicht darüber hinweg sehen, dass sie es häufig zu sehr auf die Spitze mit ihrer neuen Rolle treibt. Nicht selten ist das reinstes Overacting. Es mag ja sein, dass man für einen eher harmloseren Film, für jüngere Zuschauer geeignet, etwas übertriebener spielt, aber hier ist es dann doch zu viel des guten. Da sie ohnehin die einzige, wirkliche Gegnerin ist, sollte gerade ihre Figur den Film auf ein höheres Level heben. Doch das ist leider nicht der Fall. Darüber hinaus gibt es hier zahllose weitere Charaktere, die gleichsam wenig zur Geschichte beitragen. Im Endeffekt füllen sie nur einen großen Ballsaal.

Einschläfernde Geschichte ohne Höhepunkte

Ein weiteres Problem, was folglich auch mit Anne Hathaway zusammenhängt, ist eine etwas lahme Geschichte mit wenig Spannung. Es fehlen große Highlights, die den Zuschauer bei Laune halten können. Mit der Hexenmeisterin und ihrer bekannten Darstellerin wirbt man zwar für den Film, die Geschichte wird aber letztlich von Kindern erzählt. Von eben jenen Kindern, die verwandelt wurden und die Hexen bekämpfen wollen. Und nein, das ist kein Spoiler, da man das unbedingt schon alles im Trailer Preis geben wollte. Zumal sollte es, sofern man das Original kennt, schon bekannt sein. Große Unterschiede zum Film aus 1990 gibt es nämlich nicht. So sei auch der Punkt geklärt, ob das Remake wirklich etwas eigenes erzählen will oder streng nach vorhandenem Material handelt. Da reicht es nicht aus nur den Zeitpunkt, sowie die Namen der Charaktere anzupassen. Und auch, wenn einem die ursprüngliche Handlung nicht geläufig sein sollte, so wage ich zu bezweifeln, dass viele Zuschauer diese beeindruckt. Am Ende ist die Erzählweise entscheidend. Denn die ist nicht mehr als die Aneinanderreihung kleinerer Geschehnisse und ohne einen spannenden Endkampf gegen die bösen Hexen. Offen gesagt kommt es auch kaum zu einer nennenswerten Auseinandersetzung zwischen den Hexen und ihren verkleinerten Gegenspielern. Diesen überschaubaren und teilweise recht einschläfernden Plot rettet nicht einmal eine sonst so zuverlässige Octavia Spencer, die hier zumindest noch die ein oder andere Szene mit flotten Sprüchen aufpeppt.

Hexen hexen Filmbild
Bild: Octavia Spencer als "Grandma" versucht den verkleinerten Schützlingen zu helfen. | Warner Bros.

Glatzen, knochenlose Arme und Einzehenfüße

Was hängen bleibt ist vor allem der Look der Hexen. Dieser ist hier doch mit mehr Detail in Szene gesetzt, als befürchtet. Die Darstellung der zauberhaften Monstern in Hexen hexen könnte tatsächlich aus einem Horrorfilm stammen. So verunstaltet hätte man sich das nicht unbedingt vorgestellt. Aber zumindest das hat der Film geschafft! Wir reden hier von abscheulichen aber einprägenden Gestalten mit Glatze, messerscharfen Zähnen, einer gespaltenen Zunge und einem Fuß mit einer Zehe. Dabei hat man natürlich nicht am notwendigen CGI gespart, welches in der aktuellen Verfilmung von Roald Dahls Kinderbuch einen Tropfen zu viel beinhaltet. Künstlerisch hat man sich bei der Gestaltung der Hexen so ausgetobt, dass kleinere Schnitzer, die das Ganze nur mittelmäßig gut auf die Leinwand projizieren, keine Ausnahme bleiben. Dazu zählen unter anderem auch die mängelbehafteten CGI-Mäuse, die im Szenenbild wie winzige, aber dafür elementar vorkommende, Fremdkörper wirken. Da kann auch nicht das luxuriöse und prunkvoll ausgestattete Hotel den bereits vorhanden Schaden ausgleichen. Ein kleines Trostpflaster: Sobald das Hotel betreten wird, bekommen wir es mit einem leicht überforderten aber dennoch charmanten Hotelmanager zu tun, gespielt von Stanley Tucci. Der verkörpert zumindest in dieser bequemen Behausung noch den Ansatz guter Unterhaltung. Selbst wenn es sich dabei nur um schulbuchreifen und kindertauglichen Humor handelt.

Fazit:

Ein Remake was man sich eigentlich sparen kann. Lediglich zum Heimkino für die Familie würde dieses doch eher schmucklose und erzählerisch weniger unterhaltsame Machwerk eine Sichtung wert sein. Eine Fantasykomödie für jung und alt, aber mit dem Hang zur Überdrehtheit. Dabei hebt das Marketing ganz klar Anne Hathaway als Aushängeschild hervor, wobei ihre eigene Figur eigentlich recht wenig zu tun bekommt. Sie porträtiert die arrogante Hexenmeisterin zwar ordentlich, neigt aber dazu die Rolle mit Overacting zu malträtieren. Am Ende bleiben wenig Höhepunkte und die Tatsache das bekannte und vor allem angesehene Künstlernamen im Cast noch lange keinen guten Film garantieren. Eine unterhaltsam Geschichte fehlt, sodass der Spaßfaktor am Ende ziemlich gemischt und überschaubar bleibt.

MCG-Raiting

★★★★★★★★

4.0 Punkte

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