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"Hobbs & Shaw": Ein Spin-Off das dem Namen gerecht wird (REVIEW)

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass es bei den Dreharbeiten zu den Fast & Furious Filmen immer wieder ordentlich hinter den Kulissen gekracht hat. So schlimm sollen die Auseinandersetzungen gewesen sein, dass Actionstar Dwayne Johnson in keinem weiteren Teil mehr zu sehen sein wird. Grund: Vin Diesel! Doch die Fans durften sich dennoch auf mehr von Luke Hobbs hoffen, seitdem man verkündete, dass es ein Spin-Off geben wird. Und mit niemand geringerem als Jason Statham als Deckard Shaw. Es gibt viele gute Gründe, warum dieses Ensemble eine ganz eigene Reihe verdient hat, aber man merkt das Motor trotzdem leichte Startschwierigkeiten hat.

Die Chemie zwischen Hobbs und Shaw

Treffen zwei Alpha-Tiere aufeinander. Dieses Merkmal trifft nicht nur auf die Schauspieler der Reihe zu, sondern auch auf den Beginn der Geschichte von Hobbs & Shaw. Gerade weil sich Luke Hobbs und Deckard Shaw in vielerlei Hinsicht ziemlich ähnlich sind, macht das die Story zu einem sehr abwechslungsreichen Buddy-Movie, welches durch die beiden Machos gleichzeitig ein großes Maß an Witz mit sich bringt. Besonders die verbalen Wortgefechte, im Rausche des Testosteron, finden bei Fans enormen Anklang. Hier sei aber bereits eine kleine Warnung an diejenigen ausgesprochen, welche bislang noch nichts mit der Fast & Furious - Reihe anfangen konnten. Auch das Spin-Off wird vermutlich keine Änderung verschaffen, die Filme für gut zu befinden. Denn der Humor ist und bleibt dasselbe Niveau, wie man es aus den vorherigen Filmen kennt. Wer also etwas subtileres sucht ist hier weiterhin Fehl am Platz und sollte nach anderen Filmen Ausschau halten. 

Was man aber definitiv nicht bestreiten kann, dass dieses Zusammenspiel wirklich stark funktioniert. Hobbs & Shaw bietet, anders als man es vielleicht vermuten mag, wieder die Möglichkeit den Fokus auf lediglich nur zwei Hauptakteure zu konzentrieren. Eine Eigenschaft die in den Hauptfilmen nach und nach verloren gegangen ist. Denn Fast & Furious ist mittlerweile viel zu übersättigt, was die Charaktere betrifft. Auch wenn man immer wieder versucht die Chef- und Nebenrollen in diesen Filmen deutlich zu kennzeichnen, sind es dennoch zu viele eigenständige Köpfe die im Vordergrund stehen müssen. Das Spin-Off hat diesen Punkt deutlich besser gemeistert. Vor allem wirkt der Humor, bei nur zwei Alpha-Tieren, deutlich ausgewogener. 

Physikalische Grenzen außer Kraft gesetzt

Schon seit Jahren nimmt das aktuell größte Action-Franchise sich in Sachen Physik nicht besonders Ernst. Die Messlatte der physikalischen Gegebenheit wird bis an seine Grenzen ausgelotet. Da unterscheidet sich Hobbs & Shaw in keinster Form von den Hauptfilmen. Bedenkt man, dass die beiden Hauptfiguren im Film mit Sicherheit schon zehnmal gestorben wären, bis es zum Endkampf kommt, macht das die Sache im Umkehrschluss wieder völlig übertrieben (aber man kennt das ja bereits). Ja, es ist mittlerweile eines der Kernelemente der Reihe, aber trotzdem wäre doch etwas Mäßigung von Vorteil. Die Kämpfe an sich bieten zwar großen Spaß, wenn auch nicht 100% aller Action-Sequenzen, bleiben aber wie üblich Mittel zum Zweck. Unterhaltung ist versprochen, doch müssen alle Zuschauer die Tatsache ausblenden, dass bei Sichtung der Fast & Furious Filme wir uns weit abseits von Logik und Realität befinden. Kopf ausschalten ist die Devise, mit der man hier in den Kinosaal gehen sollte. Typisches Popcorn-Kino auf Hochglanz poliert, mit zwei der besten Darsteller, die man für einen Actionfilm finden kann. Zudem bietet auch der technologisch optimierte Bösewicht Brixton, gespielt von Idris Elba, einen gewissen Charme an. Aber auch hier muss der Zuschauer bedenken, dass seine Fähigkeiten und Skills fernab jeglicher uns zur Verfügung stehenden Ressourcen liegt. "Over the top" wie es im Buche steht, aber so unterhaltsam wie es nur sein kann.

Aufeinandertreffen zweier Alpha-Tiere - Luke Hobbs trifft Deckard Shaw.
Bild: Aufeinandertreffen zweier Alpha-Tiere - Luke Hobbs trifft Deckard Shaw. | © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH

Teure Produktion aber nicht makellos

Selbst das Spin-Off hat einiges an Geld verschluckt. 200 Mio. US Dollar soll es am Ende verschlungen haben. Wohl bemerkt: Marketingkosten sind hier noch gar nicht mit einbezogen! Von kleineren Makel (manchmal vielleicht doch schon ziemlich auffällig) ist Hobbs & Shaw ebenfalls nicht befreit. Was besonders ins Auge sticht sind die vielen Slow-Motion Shots, die gegen Ende viel zu inflationär in die Szenerie geraten. Es ist sogar so schlimm an manchen Stellen, dass dies der Spannung gegen Ende enorm viel raubt. Bei guten Action-Kämpfen, sollte auch immer noch eine nennenswerte Menge an Spannung vorhanden sein. Dies gerät aber durch die Slow-Motion, die vor allem durch den Bösewicht Brixton und seinen abnormalen Skills geschuldet ist, weit in den Hintergrund. Da ordnen sich Coolness, Equipment und Macho-Sprüche weit, weit davor ein. Und gerade auch die Kämpfe fühlen sich, bis auf den Schlussakt, nicht immer wie die gängige handgemachte Action an. Hier und da muss dann doch ein Gebäude einstürzen, etwas explodieren oder ein Fahrzeug sich wie ein "Transformer" verbiegen können, um irgendwo durchzupassen. Ja, wie häufig bereits erwähnt, es gehört zu Fast & Furious dazu, aber bei einer so teuren Produktion sieht das doch im Verhältnis zu anderen Filmen aus der Reihe, doch hin und wieder etwas fehlerbehaftet aus. Auch bei Hobbs & Shaw kam der Green Screen wohl häufiger zum Einsatz, als einem Lieb ist.

Was taugt Idris Elba als Bösewicht "Brixton"?

Es hört sich zuerst an wie ein schlechter Witz. Idris Elba darf mal einen Bösewicht spielen. Der Mann der Pacific Rim das gewisse Extra verlieh, Nelson Mandela verkörpern durfte und einen der rechtschaffensten Figuren im Marvel Cinematic Universe darstellte, ist jetzt der böse Gegenpart in einem Film. Im Grunde sehr schlecht vorstellbar, aber bei Fast & Furious machbar und vor allem sehr unterhaltsam. Brixton, der wie im Trailer bereits vorgestellt, technologisch optimiert ist und längst nicht mehr als normaler Mensch zu definieren ist, stellt einen weiteren positiven Aspekt für den Film dar. Denn er, als Bösewicht, ist sich nicht zu Schade die Finger schmutzig zu machen. Eine echte Herausforderung, die zwar mit einem Konzern im Rücken viel zu viele Optionen besitzt, und im großem Maße diesen Actionfilm vorwärts trägt. Es wird definitiv nicht langweilig! Man merkt es auch, dass es Elba viel Spaß gemacht haben muss auch mal auf der anderen Seite, also als Bösewicht, zu agieren. Und neben Johnson und Statham, wo es ohnehin nicht einfach ist überhaupt in irgendeiner Form zu glänzen, ist Elba derjenige der als Dritter im Bunde stark herausstricht. Da hat man sich beim Spin-Off nicht lumpen lassen und nahezu die perfekte Wahl getroffen, was den Darsteller angeht. "Black Superman" passt wie die Faust aufs Auge, oder wie die Faust in Luke Hobbs Gesicht.

Deckard Shaw und Luke Hobbs auf der Jagd nach Brixton.
Bild: Deckard Shaw und Luke Hobbs auf der Jagd nach Brixton. | © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH

Fazit

Am Ende ist Hobbs & Shaw ein gelungenes Spin-Off, welches aber auch die Schwächen der Hauptfilme geerbt hat. Weniger ist manchmal mehr, auch wenn das Gesehene sich leider schon zum Standard bei Fast & Furious etabliert hat. Es ist das gängige Popcorn-Kino, welches verlangt einfach mal den Kopf abzuschalten. Johnson, Statham, Elba und auch Kirby, als Darsteller passen in die Story, welche sich aber häufig weitab von Logik und Realität bewegt und gelinde gesagt auch bei anderen Filmen abgeschaut hat. Action gibt es wieder satt, doch die Slow-Motion Animationen nerven einfach nur. Ein großer Spaß, der sich aber hauptsächlich für Hardcore-Actionfans und Fans von Fast & Furious eignet. Wer mit der Filmreihe bislang nichts anfangen konnte, wird auch mit Hobbs & Shaw vermutlich nicht auf den Geschmack kommen.

MCG-Raiting

★★★★★★

6.5 Punkte

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