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"Jexi": Meine Freundin das Handy! (REVIEW)

Ja, vermutlich gucken wir allesamt, in der heutigen Zeit, viel zu oft auf unser Smartphone. Das mittlerweile nicht mehr wegzudenkende Objekt wird auch immer häufiger als elementare Mittel in Filmen eingesetzt. So auch beim Amazon Original Jexi mit Adam DeVine in der Hauptrolle. Eine Komödie die sich sowohl über die Abhängigkeit zum Smartphone, als auch die Vor- und Nachteile von Social Media lustig macht. Das gelingt aber nur bedingt:

Jexi Filmbild
Bild: Phil (Adam DeVine) ist komplett abhängig von seinem Smartphone. | Amazon Prime

Kritische Stimmen gegen die Smartphone-Sucht?

Auch wenn Jexi NUR eine Komödie ist, so beinhaltet er überraschend viel Kritik gegen die unübersehbare Smartphone-Sucht des 21. Jahrhundert. Im Film selbst macht man relativ schnell klar, wie das Landschaftsbild immer mehr in den Hintergrund rückt, während die Leute nur noch darauf bedacht sind auf ihren kleinen Monitor zu fokussieren. In einer Stelle wird das ziemlich deutlich dargestellt, als Phil (Adam DeVine) zum ersten Mal die schönen Flecken in seiner Stadt erkundet, denen er zuvor nicht einmal Beachtung schenkte. Und das obwohl er seinen Job schon monatelang dort ausübt. Bislang beschränkte er sich lediglich auf seine langweilige Arbeit, seine kleine Wohnung und eben auf sein Smartphone. Es mag natürlich etwas übertrieben sein, wie hier dieser Charakter präsentiert wird. So vollkommen abseits des realen Lebens zu marschieren ist wohl eine Seltenheit, könnte man glauben. Aber tatsächlich wird es so oder zumindest so ähnliche Fälle in der Realität geben, wo der Mensch sich in eine vollkommene Abhängigkeit zu seinem mobilen Endgerät begibt. Zweifellos ein unterschätztes Problem! Denn der Mensch erschafft sich durch die endlos vielen Möglichkeiten, die ein Smartphone so mit sich bringt, irgendwie auch sein eigenes Gefängnis. Zumindest wenn er nicht Maß halten kann, was bei diesem Film bereits von Sekunde eins feststeht. Zwar wird fast alles, was hier vorgeführt bekommen, äußerst albern eingefangen, die Randnotiz dazu ist aber eine die ernst zunehmend ist.  

Spaßfaktor: So lala

Adam DeVine ist hauptsächlich für genau solche Komödien bekannt. Albern und häufig auch ziemlich schräg. Der Humor im Film hat natürlich diese zwei Bausteine und weiß sie gelegentlich gut einzusetzen. Ganz ehrlich, man kann hier nicht viel mehr erwarten, als Humor der deutlich unter der Gürtellinie geht. Mit einer Szene hat sich der Film tatsächlich sogar in Erinnerung gespielt, wenn auch etwas zügellos und auf die eigenartigste Weiße, wie man es sich nur vorstellen könnte. Im zweiten Drittel wird Phil nämlich mit seinem Smartphone intim. Aber da dürft ihr euch gerne selbst ein Bild von machen. Ihr seht also in welche Richtung sich der Humor in Jexi bewegt. Wer andere Filme mit Adam DeVine kennt, dem sollte das definitiv nicht fremd sein. Mike And Dave Need Wedding Dates wäre hier wohl das bekannteste Beispiel, der auch seine Filmographie am Besten definiert. Für manch einen mag diese Art von Humor etwas zu drüber sein oder gar abstoßend, in seinem aktuellen Werk allerdings bleibt er immerhin im Mittelteil weit unter dem Radar früherer Filme, im Hinblick auf seine Absurdität. Denn neben der allgemeinen Handygeilheit, die hier thematisiert wird, nimmt eine Romanze die meiste Screentime für sich in Anspruch. Natürlich, so gesehen, auch der Wendepunkt im Leben der Hauptfigur. Nur leider ist das so normal wie es nur sein kann. Der durchschnittliche Aufbau einer Lovestory, in der beide Figuren unterschiedlicher nicht sein können. Und trotz der Sympathie für beide Figuren ist vieles, was in Folge darauf alles passiert, nicht unbedingt schlüssig oder nachvollziehbar. Was man nicht vergessen darf, für die allermeisten seiner Entscheidungen ist u.a. die neue K.I. mit dem titelgebenden Namen verantwortlich. Selbst das Kennenlernen von Figuren basiert darauf. Und das raubt der filmischen Lovestory auch ein wenig die Faszination. 

Jexi Filmbild
Bild: Die neue K.I. "Jexi" stellt Phils Leben komplett auf den Kopf. | Amazon Prime

K.I.: Übertrieben schlau und realitätsfern

Das die heutigen Smartphone-Betriebssysteme und andere K.I. durchaus viel steuern können, ist weiß Gott kein Geheimnis mehr. Mittlerweile gibt es die Gelegenheit seinen ganzen Haushalt über einen Sprachassistent zu managen. Ganz gleich was man davon haltet, es ist keine Fiktion mehr. Das was wir allerdings in Jexi von Statten geht, sind Abhandlungen von Ereignissen zu denen eine K.I. aus der heutiger Sicht schlichtweg nicht befähigt sein sollte. Diese fiktive K.I. ist offenbar so schlau, dass es (sie oder er) in der Lage ist, sich in alle möglichen Systeme zu manövrieren bzw. hacken. Selbst vor einem Auto, welches später wie bei Fast & Furious plötzlich losgelöst Amok fährt, macht Jexi nicht halt. Maßlose Übertreibung ist hierbei kein seltenes Gut. Der Film macht viel zu häufig davon Gebrauch, sodass die Freude, welche in ausgewogenem Maß vorhanden ist, wieder gleich zunichte macht. Denn eigentlich hat der Film selbst einige sehr gute Stellen die ihn für ein Nachmittagsprogramm sicherlich empfehlenswert machen. Langeweile kommt dabei nicht wirklich auf und mit einer reduzierten Lauflänge von 84 Minuten war man auch schon mal schlechter aufgehoben, als mit dieser Komödie. Hätte man hier und da vielleicht auf die surreale Interpretation einer eifersüchtigen K.I. verzichtet, so wäre das Filmerlebnis womöglich sogar noch etwas besser geworden. 

Fazit:

Letzten Endes ist das Amazon Original Jexi eine Komödie die von ihren schrägen und teilweise absurden Momenten lebt. Mit einer Szene spielt sich der Film sogar in den Jahresrückblick (dieser könnte heißen: "die schrägsten Filmmomente aus 2020"). Es bleibt natürlich nicht viel hängen, nachdem man ihn gesehen hat. Schräger Humor, viel irres Zeug und Figuren die selbstverständlich zu überzeichnet sind. Wenn man allerdings die mit einfließende Kritik an der Smartphone-Sucht berücksichtigt, hebt das in geringem Maße seine Qualität. Immerhin ist die Kernbotschaft am Ende eine klare Richtungsweisung für die Hauptfigur: Das Leben spielt sich draußen ab und nicht auf deinem Smartphone-Bildschirm! Eine Botschaft die man sich zu Herzen nehmen kann, auch wenn der Film am Ende nur auf Unterhaltung aus ist.

MCG-Raiting

★★★★★

4.0 Punkte

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