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"John Wick 3": Der neue König des Action-Genres (REVIEW)

Das sich John Wick zu so einer Actiongröße entwickelt, damit hatte wohl 2014 noch niemand gerechnet. Nach knapp fünf Jahren und insgesamt drei Filmen lässt es sich nun mit Gewissheit sagen: John Wick ist der neue König der Actionfilme. Das beweist jetzt auch Teil 3 und das mit blutiger Action in einem vollkommen neuem Maßstab.

Blutiges Gemetzel auf Hochglanz

Mit jedem neuen Film steigerte John Wick das Maß an Brutalität mehr und mehr. Ein Actionfilm der sein FSK 18 zu 100% verdient hat. Und stören tut das im Endeffekt keinen. Denn die Action, so gewaltig sie auch sein mag, ist der absolute Wahnsinn. Zumal Keanu Reeves mit seinen 54 Jahren immer noch eine richtig starke Figur macht. Teil 3 legt noch einmal die Messlatte höher als Teil 2. Und genauso kann es definitiv weitergehen. Mit jedem neuen Teil scheint zudem der visuelle Gegenpart ebenso an Qualität zuzulegen. John Wick ist sich auch im neuen Film nicht zu schade, mal die Schusswaffen beiseite zu legen. Tatsächlich kommt es einem sogar so vor, dass er hier noch mehr Gebrauch vom Nahkampf macht, als jemals zuvor. Wem bekannt ist wie die Figur bislang so agiert hat - als es zu einem der wenigen Nahkämpfe ging - der kann diesen Wert für den aktuellen Film locker verdoppeln. Egal ob Fäuste, Messer oder mittlerweile sogar Äxte und tierische Hilfsmittel, wirklich jede Möglichkeit etwas als Waffe zu gebrauchen findet hier seinen Einsatz. Und genau darum ist die Action in John Wick so faszinierend. Die Vielfalt mit der sich Kenau Reeves Paraderolle jedes mal den Weg erkämpft, macht letztlich den Unterschied zu den anderen Genre-Vertretern. Im Zusammenspiel mit einer qualitativ hochwertigen Technik, die das Franchise an den Tag legt, ist John Wick schlicht und ergreifend der neue Action-König. Wer brutale Action-Szenen, mit teilweise ausgezeichnet durch choreographierten Kämpfen oder auch wilde Ballereien auf der Leinwand sucht, für den sollte John Wick - Kapitel 3 auf alle Fälle die erste Anlaufstation sein. Aber Achtung an dieser Stelle: Die FSK 18, sind wie bereits erwähnt, sowas von angebracht. Es wird sehr heftig.

 

Überraschend humoristische Einlagen

Durchweg Action, ohne Pausen, sind nie eine gute Idee. Zumindest eine Art Story sollte selbst ein reiner Actionfilm inne haben. John Wick schafft diesen Sprung scheinbar ohne großen Mühen, selbst wenn die ursprüngliche Komplexität rund um die Arbeit von Attentätern und Auftragskillern, etwas an Stil verloren hat. In den eher "ruhigen" Szenen versucht Teil 3 sein Netz um das Continental und um das ganze Konstrukt, welches sich jeder Auftragskiller unterzuordnen scheint, weiter zu spinnen. Selbst wenn es dadurch oftmals sehr abstrus und absolut surreal zum Vorschein kommt. Aber genau in diesen Szenen, mit einigen typischen Action-Standard One-Linern, verblüfft der Film mit einer angenehmen Prise an schwarzem Humor. Es ist tatsächlich sehr überraschend, wie sehr Teil 3 darauf aus ist, die Ernsthaftigkeit immer wieder, für kurze Augenblicke, auszublenden. Ungewollt wird auch der sonst so mit steifer Mine auftretende Keanu Reeves zu einem kleinen Komiker. An vielen Stellen sorgen sogar die blutigen Showdowns uns gut zu unterhalten. Rückwirkend hat man vermutlich nie öfter bei Tötungsszenen gelacht als bei John Wick 3. Sie sind einfach oftmals zu krass und übertrieben, dass man sich ein markantes Grinsen nicht verkneifen kann.

Bild: John Wick (Keanu Reeves) besucht viele alte Freunde in seinem dritten Abenteuer. | © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Wozu braucht man Halle Berry und 131 Minuten Laufzeit?

Weniger ist manchmal mehr. Das gilt auch für John Wick! Ein Riesenproblem was Teil 2 und nun auch Teil 3 gemeinsam haben, ist schlicht und ergreifend die Laufzeit von über zwei Stunden. Auch wenn die Konstruktion rund um das Geschäft der Auftragskiller viel Bedarf an Laufzeit einfordert, ist es nicht wirklich vertretbar, warum dies auf mehr als zwei Stunden ausgeweitet werden muss. Zumal es dafür nun auch eine eigene Serie geben soll. Letztlich geht es, einfachheitshalber abgekürzt, um die Flucht und den Kampf von John Wick gegen eine Heerschar von Gleichgesinnten. Eine gut funktionierende Story hätte man hier, so grob es auch klingt, auf gut 90 bis maximal 100 Minuten komprimieren können.

Das nächste, was als Negativpunkt mit der Laufzeit einhergeht, ist der im Endeffekt recht überflüssige Auftritt von Halle Berry. Mit diesem Auftritt wird so sehr im Vorfeld geworben, was ja zunächst letztlich normal ist. Schließlich ist geht es dabei um eine der renommiertesten Stars aus Hollywood. Doch das was bis zum Schluss angeboten wird, ist eine vielleicht zu lang gezogene Action-Sequenz, mit wenig Substanz und eine Halle Berry, die nach einer Viertelstunde wieder von der Bildfläche verschwindet. Die Frage sei also gestattet, warum es diesen Auftritt denn braucht?

 

Wir kriegen niemals genug von John Wick

Was um einiges interessanter für die Story ist, sind die vielen Kleinigkeiten, die direkt mit der Lebensgeschichte des John Wick zu tun haben und von Film zu Film ans Tageslicht kommen. Ein vierter Teil ist bereits bestätigt und Keanu Reeves deutete bereits in Interviews an, dass der Geschichte rund um die Action-Figur noch viele Ideen zu Grunde liegen. Es wird sehr wahrscheinlich auch nach einem vierten Teil damit weitergehen. Und ja, warum eigentlich auch nicht? Von Teil zu Teil wird die Action besser, die Figur interessanter und unterhaltsamer. Nicht viele Franchises aus dem Action-Genre halten diese Art von Niveau über drei Teile hinweg. Selbst John Rambo, The Transporter und co. taten sich in der Vergangenheit damit relativ schwer. Einen großen, enorm positiven, Teil dazu trägt auch die Leistung von Keanu Reeves bei. Auch in diesem Film ist diese durchaus bemerkenswert und so bleibt uns am Ende nur ein Wunsch: Mach weiter so Keanu! 

Bild: John Wick (Keanu Reeves) kann auch zu Pferd. | © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Fazit:

Ganz einfach John Wick ist momentan die Spitze des Eisberg, was es im Action-Genre gerade so vorzuweisen gibt. Wahnsinnig brutale und visuell ausgezeichnet in Szene gesetzte Kämpfe machen auch das dritte John Wick Abenteuer sehr unterhaltsam. Von Teil zu Teil besser und es ist noch lange nicht Schluss. Einziger Knackpunkt ist die Story, die für ein Actionfilm doch relativ übertrieben in die Länge gezogen wird. Trotzdem wir wollen mehr, immer mehr John Wick, weil diese Figur so undurchsichtig, vielschichtig und unüberwindbar zu sein scheint. Klar, irgendwie soll so jeder Actionheld dargestellt werden, aber bei John Wick sieht das am Ende des Tages am realistischsten aus. Teil 4 kann kommen! Wir sind bereit!

MCG-Raiting

★★★★★

8.0 Punkte

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