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"Jojo Rabbit": Zwischen Humor und Tragik passt nur ein Hasenfuß (REVIEW)

Da ist das Jahr kaum drei Wochen alt und schon bekommen wir so einen Knaller in die Kinos. Thor 3-Regisseur Taika Waititi inszeniert einen unterhaltsames, als auch an manchen Stellen sehr nachdenkliches satirisches Drama, dass nicht umsonst für sechs Oscars nominiert ist.

Der Cast liefert ab!

Das Hauptaugenmerk in Jojo Rabbit liegt selbstverständlich auf den Figuren, die des Öfteren sehr merkwürdig daher kommen, aber dennoch mit der Zeit eine sehr positive Entwicklung hinlegen. Und das bei einem, hin und wieder etwas zu übereifrigem, satirischen Drama. Besonders hervorheben muss man, und das hört man bei mir tatsächlich selten, den Kinderdarsteller (Roman Griffin Davis). Denn gerade seine kindische Naiivität, die er in die Figur einfließen lässt, gibt dem Film eine äußerst symphatische Präsenz. Nicht umsonst, war er für diese Leistung, in diesem Jahr, sogar für einen Golden Globe als Bester Hauptdarsteller nominiert. Und das als 12-Jähirger! Aber wenn wir schon einmal beim Cast sind, darf man die Oscar-Nominierte Scarlett Johansson im gleichen Atemzug nicht vergessen. Als liebende und alleinerziehende Mutter im Film, weiß auch sie durchaus zu überzeugen. Dabei sind es nicht einmal zwangsläufig die gelegentlichen lustigen (und süßen) Seitenhiebe gegen ihren Sohn Jojo, sondern ihre positive Ausstrahlung und das trotz der unangenehmen Prämisse die vom Dritten Reich bestimmt wird. Sie ist, die wahrscheinlich wichtigste Figur, innerhalb des Films, die im besonderen Maße auch den Charakter von Jojo Rabbit entscheidend weiterentwickelt. Dabei handelt es nicht nur um familiäre Momente, sondern auch um ihre Taten, welche ebenfalls auf die Handlung erheblichen Einfluss haben.

Auch die zweite Reihe der Nebendarsteller liefert nahezu tadellos ab. Dazu gehören in erster Linie, Sam Rockwell, als ranghoher Offizier und einer heldenhaften Tat zum Schluss. Eine, wie schon fast stiltypisch für sie, absolut verrückte Rebel Wilson. Und Taika Waititi als imaginärer Adolf Hitler, der, bis auf wenige Ausnahmen, stets die Lacher auf seiner Seite hat. Was die schauspielerische Leistung angeht braucht ihr also überhaupt keine Sorgen machen. Aber wie schaut es in Sachen Humor aus?

Der fantastisch absurde Humor in "Jojo Rabbit"

"Satire darf übertreiben". Diese Schlüsselworte hat sich Taika Waititi, als er den Film inszenierte, wohl tatsächlich sehr zu Herzen genommen. Nicht selten knallt er den oftmals sehr schwarzen Humor den Zuschauer direkt vor den Latz. Da gibt es schon sehr viele Stellen, die doch hart unter die Gürtellinie gehen. Für den einen oder anderen Zuschauer mag das vielleicht zu direkt sein, wer aber ein Fan von etwas derben Witzen und Wortgefechten, als auch ziemlich eindeutiger Anspielungen ist, der wird mit Jojo Rabbit seine helle Freude haben. Dabei verliert der Film auch nicht viel Zeit. Gleich zu Beginn wirft er mit solchen Gags schon so stark um sich, als müsse einen knapp geratenen eineinhalbstündigen Film füttern (tatsächlich knapp unter zwei Stunden Laufzeit). Hier wird nichts langsam aufgebaut, was man dem Film definitiv hoch anrechnen kann. Da lassen sich manche Vertreter von ähnlicher Machart deutlich mehr Zeit, um das Publikum zu unterhalten. Jojo Rabbit punktet mit einem gnadenlosen Abrieb für das Dritte Reich, wobei der Funke allerdings nicht bei allen eher lustig anvisierten Momenten sofort überspringen mag. Gelegentlich brauch es dann, neben zahllosen Dialogen immer wieder auch einen Slapstick-Moment, um auch jeden Zuschauer vollends mitzureißen. 

Jojo Rabbit Filmbild
Bild: Jojo (R.Griffin Davis), der imaginäre Adolf (Taika Waititi) und Mutter Rosie (Scarlett Johansson) zu Tisch. | © 2019 Twentieth Century Fox

"Jojo Rabbit" ist nicht NUR eine Komödie

Wer jetzt allerdings denkt, dass es sich bei Jojo Rabbit nur um eine etwas abgedroschene Komödie handelt, irrt gewaltig. Der Film behandelt auch viele Themen, die zu dieser Zeit Gesprächsthema waren, sehr subtil und wagt ab einer gewissen Zeit auch einen krassen emotionalen Bruch der Stimmungslage. Jojo Rabbit legt des Öfteren eine Wende von Komödie zu Drama, und wieder zurück hin und vergisst dabei nie, dass neben all dem Humor auch immer etwas dahinter steckt, was (wenn man die Geschichte Ende der 40er rekapitulieren lässt) eigentlich gar nicht witzig sein sollte. Und gerade dann, wenn der Film eine emotionalere Schiene fährt, gelingt es Taika Waititi seine Hauptfigur Jojo (im Film 10 Jahre alt) etwas reifen zu lassen. Wir bewegen uns, zeitlich gesehen, zwar nur in Tagen eventuell ein paar Wochen oder Monaten, aber wir sehen wie sich dieser sonst so kleine sehr naive Junge mehr und mehr seiner Umgebung anpasst und Verantwortung übernimmt. Prägend dafür ist vor allem ein Ereignis, dass sich im letzten Drittel des Films Ereignis abspielt, und Jojo Rabbit auch zu einem gefühlvollen Drama, als nur einer schwarzen Komödie, entwickelt. Und das hat es wirklich in sich, so viel kann man euch versprechen!

Unterhaltsame Szenerie mit trauriger Wahrheit

Das die Komödie, auch als ein Drama taugt, haben wir nun auch abgearbeitet. Viel entscheidender ist zudem, dass in all den sehr absurden Szenen, häufig ein Detail steckt, dass die traurige Wahrheit zu dieser Zeit erzählt. Im Trailer, sah man beispielsweise schon kämpfende Kinder, die mit Granaten und Raketenwerfer zu Werke sind. Was in Jojo Rabbit manchmal doch sehr übertrieben dazu gedichtet wirkt, ist allerdings traurige Realität gewesen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Als der Krieg, eigentlich schon entschieden war, wurden nämlich alle noch verfügbaren Kräfte, darunter eben auch Alte und Kinder für den letzten Kampf rekrutiert. Wir reden hier von 14 Jahren und stellenweise sogar deutlich jünger! Ein Detail, dass viele im Film für reine Fiktion halten könnten, was aber belegbaren Quellen zufolge tatsächlich in vielen Städten so am Ende eingetroffen ist. Hinzu kommt das Thema der Judenverfolgung, welches innerhalb des Films ebenfalls zum bewegenden Thema wird und auch eindeutige Anspielungen enthält, wenn das jüdische Mädchen Elsa (gespielt von Thomasin McKenzie) beschreibt, dass ihre Eltern in einen Zug einsteigen mussten und sie diese nie wieder gesehen hat. Jojo Rabbit erzählt also auch über Verluste und Hoffnungen, die sich mit der Zeit ergeben.

Fazit:

Am Ende ist Jojo Rabbit ein starkes Stück Satire, dass man schlucken muss. Wahnsinnig lustig, aber auch in einem kleineren Rahmen äußerst bewegend, mit einer Besetzung die absolut traumhaft abliefert, von Hauptdarsteller Roman Griffin Davis bis zur verrückten Rebel Wilson. Dennoch kann der Film, für viele, aufgrund des sehr derben Geschmacks in puncto Humor, ein wenig abschreckend sein. Für Fans des schwarzen Humors ist dieses satirisches Werk allerdings die perfekte Anlaufstelle für einen unterhaltsamen und spaßigen Kinoabend!

MCG-Raiting 

 

★★★ 

 

8.5 Punkte

 

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