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"Just Mercy": Der unerbittliche Kampf für Gerechtigkeit (REVIEW)

Das neue Drama von Destin Daniel Cretton, der demnächst die Regie für den neuen Marvel-Blockbuster Shang Chi übernimmt, hat mit Just Mercy ein neues spannendes und auf einer wahren Geschichte basiertes Justiz-Drama auf die Leinwand gebracht. Das Biopic fällt nicht nur durch den sehr sympathischen Cast positiv auf, sondern auch dank einer sehr bewegenden Geschichte, die eine sehr inspirierende Botschaft beinhaltet.

Das Leben im Todestrakt und der Kampf im Gerichtssaal

Anstelle nur ein reines Gerichtsdrama zu erzählen, widmet sich Just Mercy zudem auch dem isolierten Todestrakt. Neben den Gefechten im Gerichtsaal, bekommen wir also auch die Isolation und Hoffnungslosigkeit der Häftlinge zu spüren. In einem solchen Todestrakt befindet sich Walter McMilian (gespielt von Jamie Foxx). Und wie es die Handlung schon hergibt, völlig zu Unrecht. Der Afroamerikaner wird des Mordes beschuldigt, den er nicht begangen hat. Und verhaftet wurde er letztlich nur, weil die Polizei, als auch die Justiz in der doch eher ländlichen Umgebung von Alabama rassistische Tendenzen hat. Der Film wirft hier eine grundlegende Frage in den Raum. Nämlich wie viele solche Fälle es tatsächlich in den USA gibt. Die Geschichte spielt zwar Ende der 80er, bzw. hauptsächlich Anfang der 90er, hat aber dennoch einen gewaltigen Impact auf die heutige Zeit. Selbst heute noch soll es noch solche Fälle zu Genüge geben. Unglaublich wenn man bedenkt, dass wir mehr als 30 Jahre mehr Erfahrung im Justiz und Rechtswesen besitzen.

Bevor der eigentliche Gerichtskampf seinen Startschuss bekommt, wird zunächst eindringlich dargestellt wie sehr der Todestrakt die Köpfe der Inhaftierten nachhaltig beeinflusst. Denn neben der Hauptfigur des Walter McMilian gibt es noch weitere Insassen, die völlig ohne Grund dort untergebracht sind. Sie führen ein Leben in kompletter Isolation und haben, trotz ihrer Unschuld, die Hoffnung nahezu aufgegeben. Hier kommt Bryan Stevenson (gespielt von Michael B. Jordan) ins Spiel, der es sich selbst zur Aufgabe gemacht hat, genau solche Fälle, wo starke Zweifel an der Schuld bestehen, neu zu verhandeln. Seine gegründete EJI (Equal Injustice Initiative) soll diese übernehmen, und sich dabei nicht durch die Mandanten finanzieren, sondern lediglich durch Spendengelder, da die Familien der Insassen (zumindest im Film so dargestellt) oft nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung haben sich einen Anwalt zu leisten. Eine wahrhaft sehr noble Geste des guten Willen, die auch bei Just Mercy guten Anklang beim Kinozuschauer findet. 

Sympathischer Cast und ein starker Jamie Foxx

Es ist schon wirklich etwas länger her, dass Jamie Foxx eine gute Rolle in einem Film gespielt hat. Zuletzt war er noch im Kinoflop von Robin Hood zu sehen, wo er für seine Darbietung als Little John sogar für eine Goldene Himbeere nominiert wurde. Umso mehr freut es mich, dass er hier mit Just Mercy endlich wieder eine ernsthaftere Rolle verkörpern durfte, und ihm dies sogar wahnsinnig gut gelingt. Als Walter McMilian und vor allem im Zusammenspiel mit Michael B. Jordan als Bryan Stevenson sorgt er tatsächlich für einige Gänsehaut-Momente, die auch nach der Sichtung sehr eindringlich in Erinnerung bleiben. Die beiden Darsteller sprühen dabei soviel Sympathie aus, dass man sich am Ende noch viel mehr davon gewünscht hätte. Auch die oft stark kritisierte Brie Larson fügt sich wunderbar in diese Geschichte ein, auch wenn ihre Figur doch sehr überschaubar bleibt, was die Screentime betrifft. Dennoch möchte man besonders Jamie Foxx hervorheben. Denn als inhaftierte Figur, schwankt er während dem Wechsel zwischen Gericht und Todestrakt auf einer wechselvollen emotionalen Welle, die man von ihm als Schauspieler gar nicht so gewohnt ist. Die Gefühlslage bewegt sich hier von absoluter Leere, bis hin zum Aufkeimen eines kleinen Hoffnungsschimmers. Vor allem diese Momente gehen dann auch uns als Zuschauer unter die Haut, da trotz dieses kleinen Hoffnungsschimmers immer wieder ein herber Rückschlag zum Vorschein kommt. Die Hoffnung, die in Person von Michael B. Jordan ebenfalls eindrucksvoll repräsentiert wird, ermöglicht es auch das so bedeutungsschwangere Zitate, wie "die Gerechtigkeit muss siegen" sich in einem solchen Drama wieder etwas echter anfühlen. 

Just Mercy Jamie Foxx
Bild: Jamie Foxx spielt den im Todestrakt inhaftierten Walter McMilian. | © 2000-2019 Warner Bros

"Es ist niemals zu spät für Gerechtigkeit!"

Das Just Mercy sich voll und ganz dem Kampf für Gerechtigkeit verschreibt, sollte jetzt schon klar sein. Wenn man den Film allerdings zum ersten Mal sieht, wird man sich denken, dass es sich hier wieder um einen typischen Black-and-White Clash handeln könnte. Ja, es gibt diese Szenen, wo Schwarze relativ deutlich unterdrückt werden, sie bleiben aber die Ausnahme. Denn der Film will dann doch mehr sein, als eine reine Argumentation gegen Rassismus. Letztlich will er dieses Thema "Gerechtigkeit" sehr beleuchten und teilweise auch hinterfragen. Der Kampf für die gerechte Sache, ist zwar häufig ein Kernelement in Filmen, aber nur den wenigsten gelingt es dieses Element auch im Detail gut zu erzählen. Und da kann man bei Just Mercy beruhigt sein. Er wird diesem Element absolut gerecht, ohne übers Ziel hinaus zu schießen. Die Dramaturgie die hier zu Grunde liegt, ist wirklich eine traurige, wenn man bedenkt, dass dies alles so in der Realität genauso zugetragen hat (natürlich wurden auch hier Szenen für den Film angepasst). Vielleicht nimmt der Film im Laufe seiner zwei Stunden, doch einige kleine Auswege, was den Rechtsstaat und dessen Beamten betrifft, dies mag dann aber doch eher zweitrangig sein. Die Personen, die im Hintergrund agieren und auch verantwortlich für die Lage von Walter McMilian sind, werden relativ schnell in die Ecke eines klaren Antagonisten gedrückt. Sie sind von Grund auf unsympathisch. Das könnte man eventuell als Kritikpunkt aufgreifen, ist aber zugleich auch nötig, um sich noch besser mit denjenigen auseinanderzusetzen, die im Vordergrund stehen und verzweifelt versuchen das Unrecht zu bekämpfen.

Just Mercy inspiriert und kritisiert

Dieses Drama ist natürlich kein Film, der eine breite Masse ins Kino locken wird. Dennoch ist er eine klare Empfehlung wert, da er vor allem zwei Sachen am Ende tut, für die man ihn in Erinnerung behalten wird. Zum Einen ist er ein sehr inspirierendes Werk, da er aufzeigt, wie sehr Menschen sich für eine bestimmte Sache einsetzen und dabei auch anderen helfen, die ohne diesen Einsatz ein trauriges Schicksal ereilen könnte. Zum Anderen kritisiert er ganz offen das sehr zwiespältige Rechtssystem in den USA, wo es bis heute noch viele Beispiele von ungerechtfertigten Verurteilungen gibt. Im Weiteren Sinne verurteilt er auch die Zustände im Todestrakt, der auch nachweislich Walter McMilian in seiner Psyche so sehr zugesetzt hatte, dass dieser an den Folgen der jahrelangen Isolation erkrankte und letztlich auch verstarb. Das sich Just Mercy diesen Zuständen zuwendet ist keine Selbstverständlichkeit. Oft greifen Gerichtsdramen nur "simple" Fälle und Themen auf, die ohne einen so besonderen Hintergrund (wie hier) schnell erzählt und vergessen werden. Hier sorgen viele Szenen für radikales Umdenken und großes Interesse an einem sehr kritikbehafteten Thema, welches auch heute noch für sehr viel negative Schlagzeilen sorgt. Und dafür muss man Just Mercy ein großes Lob aussprechen!

Fazit:

Just Mercy ist endlich mal wieder ein schönes, wenn oftmals auch sehr trauriges, Justiz-Drama, welches erheblich viel Kritik an den Rechtsstaat abwirft. Dabei sorgt die Abwechslung zwischen Gerichtsaal und Todestrakt für viele Gänsehaut-Momente, die auch nach der Sichtung noch im Kopf hängen bleiben. Hinzu kommt eine starke Besetzung, mit einem Jamie Foxx in einer wunderbaren Filmrolle. Just Mercy ist ein inspirierendes Beispiel vom Kampf für Gerichtkeit, der so viel Input im Hintergrund anbietet, dass zwei Stunden nahezu wie im Flug vergehen und sehr an der Substanz des Zuschauer nagen.

MCG-Raiting  

 

★★★  

 

8.5 Punkte

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