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"Le Mans 66": Der Rennfahrer-Film für Jedermann! (REVIEW)

Christian Bale und Matt Damon das kann doch nur gut werden. In der Tat. Le Mans 66 ist zweifellos sein Geld wert. Aber nicht nur wegen zwei hervorragenden Schauspielern, sondern auch wegen einer ausgewogen und gut erzählten Geschichte, die viele Elemente mit sehr viel Liebe zum Detail inszeniert. Ein Biopic das Spaß macht und viel mehr Wahrheit in sich trägt, als manch ein großer Genre-Vertreter.  

Matt Damon und Christian Bale - Ein neues Traum-Duo?

Matt Damon und Christian Bale sind natürlich keine unbeschriebenen Blätter in Hollywood. Das die beiden mal als Duo auftrumpfen dürfen, ist längst überfällig. Und nach der Sichtung von Le Mans 66 denkt man sich nur: Warum nicht früher? Denn das diese beiden (als Schauspieler eher die Alpha-Tiere hinter Kamera) tatsächlich so harmonisch und witzig zusammen agieren, davon war zunächst nicht auszugehen. Dabei haben sie ihre beiden Rollen am Ende so gut aufgeteilt, dass dies ein neues Traum-Duo in zukünftigen Filmen sein könnte. Dieses ist fast von ähnlich guter (vielleicht sogar gleich guter) Qualität wie das von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt in Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood. Dabei spielt Christian Bale (der sich erneut für diese Rolle einer körperlichen Tortur unterzog) wieder so hervorragend seine neue Rolle, dass diese schon eine Nominierung bei den nächsten Oscars wert ist. Zumindest eine Nominierung als "Bester Nebendarsteller" sollte hier drin sein. Und auch wenn Matt Damon ebenfalls in seiner Rolle als  Caroll Shelby gleichfalls eine mehr als souveräne Leistung abrufen konnte, wird es hier wahrscheinlich nichts mit einer Nominierung ("Bester Hauptdarsteller"). Und trotzdem gehört das zu Matt Damons besten Leistungen in seiner Karriere.

Ford V. Ferrari Biopic mit viel Wahrheit

Bei einem Biopic können die Macher vieles falsch machen. Viel zu häufig werden Elemente im Film eingestreut, die entweder nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben oder Details so abgewandelt haben, dass sie der zu Grunde liegenden Dramaturgie ein wenig emotionaler dargeboten werden, wie bspw. im letzten Jahr bei Bohemian Rhapsody. Doch bei Le Mans 66 steckt selbst in den kleinen, eher unauffälligen Elementen sehr viel Wahrheit. Man mag hier viele Begebenheiten schon fast als zu irrwitzig empfinden, als das sie der Realität entsprechen könnten, aber liest man sich die Geschichte, die hinter dem Film steckt genauer durch, so erkennt man das hier mit viel Liebe zum Detail und äußerst viel Herzblut an die Sache heran gegangen ist. Ganz besonders genau hingeschaut hat man auf die Automobilhersteller Ford und Ferrari. Neben dem eigentlichen (aktivem) Geschehen in Sachen Rennsport, gibt es zudem einen sehr interessanten Nebenplot, welche die Hintergründe (also Management usw.) in akribischer Finesse beleuchtet. Und die hat Le Mans 66 wirklich toll umgesetzt.

Le Mans 66 Szenenbild
Bild: Ken Miles (Christian Bale) mit Team bei einer Siegesfeier noch vor Le Mans. | © 2019 Twentieth Century Fox

Eine Geschichte über Freundschaft und Leidenschaft

Neben den vielen Referenzen auf den Motorsport erzählt Le Mans 66 vor allem eines sehr deutlich: Eine Geschichte über eine abwechslungsreiche von Ups & Downs geprägte Freundschaft zwischen Miles und Shelby. Dabei vergisst das Biopic niemals die Faszination für den Motorsport nicht nur als einen Job zu kennzeichnen, sondern vielmehr, und das ist weitaus besser weil auch in den meisten Fällen zutreffend, als eine Leidenschaft für die man große Teile seines Lebens investiert. Die Menschen, die wir in diesem Film sehen, sind Figuren die für ihre Leidenschaft brennen, ja ich gehe sogar soweit zu sagen: Ein wahres Feuer entfachen! Dabei macht die Geschichte auch kein Halt, vor dem Privatleben der Figuren und erzählt zudem sehr alltägliche Erlebnisse, die den Film noch einen sympatischeren Touch geben, als wenn es ein reiner Rennsportfilm gewesen wäre. Vor allem Rennfahrer Ken Miles, im Film ein etwas rüder Drauf- und Einzelgänger durchläuft in gewisser Form eine Charakterstudie einer amerikanischen Heldenfigur. Von 0 auf 100 möchte man sagen, selbst wenn es sich dabei im Film nicht zwingend um sportliche Siege dreht, aber den Figuren dennoch etwas heroisches anverleibt.

Le Mans 66 ist nicht "nur" für Rennsport-Fans

Ein einfaches, wenn oftmals dennoch sehr schwer einzufangendes Merkmal, von Le Mans 66 ist die Tatsache das es für absolut Jedermann geeignet ist. Nicht nur für große Rennsportfans, sondern auch für diejenigen die absolut nichts mit dem Sport anfangen. Und das ist ein ziemlich großer Pluspunkt für dieses, oftmals auch sehr lustige, Biopic. Lediglich die letzte Viertelstunde, die zwar ebenfalls einen wichtigen Part in der realen Geschichte einnimmt, will nicht ganz mit der vorangegangen Tonalität der ersten zwei Stunden funktionieren. Dennoch bereitet uns der Film viel Freude, Spaß, an manchen Stellen etwas Wut oder gar Trauer. Diese Gefühle in einem Film unterzubringen ist keine Selbstverständlichkeit und verdient viel Respekt. Vertraut mir, wenn ich sage: Le Mans 66 ist für wirklich Jedermann geeignet und einer der Top-Filme aus diesem Jahr!

Fazit:

Ein Rennsportfilm für Jedermann. So könnte man es kurz erläutern. Le Mans 66 erzählt eine wahre, manchmal unglaublich Detail-orientiere Geschichte mit einem Traum-Duo das uns zum Einen viel Spaß bereitet und uns eine Vorstellung davon gibt, wie sehr ein Mensch für eine Sache brennen kann (Leidenschaft ist hier gemeint). Das ausgerechnet die Schlussviertelstunde ein wenig aus der gesamten Tonalität des Films fällt ist zwar schade, aber man kann es dem Film letztlich, bei all der Sympathie die aufgebaut wurde, nur verzeihen. Mit Christian Bale und Matt Damon wurden für diese Rollen auch sehr starke Charakter-Darsteller gefunden, die wohl eines der besten Duos aus diesem Jahr darstellen. 

MCG-Raiting

★★★

8.5 Punkte

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