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"Little Women": Eine Romanverfilmung bei der alles stimmt! (REVIEW)

Es war noch sehr früh im Jahr, als mit Little Women schon einer der Filme des Jahres feststand. Greta Gerwig, die u.a. für den hochgelobten Lady Bird bekannt ist, zaubert eine Literaturverfilmung auf die Leinwand die Freude bereitet und gleichzeitig eine emotionale mitreisend ist.

Wenn der gesamte Cast überzeugend ist

Das fantastische am Film ist ein grandioser Cast von dem man nur träumen könnte. Zuerst die vier weiblichen Hauptfiguren gespielt von Emma Watson, Florence Pugh, Saoirse Ronan und Eliza Scanlen. Schon hier weiß man gar nicht so recht, wer den eigentlich qualitativ heraussticht. Alle, wirklich alle dieser Hauptfiguren hinterlassen ordentlich Eindruck beim Zuschauer. Hervorheben könnte man, zumindest ganz leicht, die Darstellungen von den aufstrebenden Schauspielerinnen Saoirse Ronan und Florence Pugh. Groß ist der Unterschied nicht wirklich, denn jede Figur erhält überraschend viel Screentime, sodass keine der Rollen wirklich hinterherhinkt. Nicht umsonst gab es bereits für den Cast zwei Oscar-Nominierungen, auch wenn es am Ende nicht für eine Auszeichnung reichen würde. Die 25-jährige Irin Saoirse Ronan ist sogar schon zum vierten Mal für einen Oscar nominiert worden. Aber auch die zweite Riege an starken Schauspielern darf man bei Little Women nicht außer Acht lassen. Dazu gehören auf weiblicher Seite Laura Dern und Meryl Streep, die in nahezu jedem Film ausgezeichnete Leistungen abliefern, so auch hier. Laura Dern darf in die Rolle der fürsorglichen Mutter schlüpfen, die während der Abwesenheit ihres Mannes den Haushalt schmeißt und sich äußerst liebevoll um ihre vier Töchter kümmert. Allein dieser Umstand, der in der Story hervorragend umgesetzt wird, zeigt wie man die Mutter fast schon zu einer heroischen Alltagsheldin verklärt. Zu guter Letzt haben wir kleinere und nicht unwichtige Parts, die dann wiederum von männlichen Darstellern ausgefüllt werden. Allen voran Timothee Chalamet, der sich immer wieder charmant in den Vordergrund spielt, trotz der weiblichen Präsenz in Little Women. Hinzu kommen weitere nicht unwesentliche Figuren wie die von Chris Cooper, James Norton, Bob Odenkirk und Louis Garrel. Bei solch einer Vielzahl hätte man vermuten können, dass nicht für alle ausreichend Platz sein würde, aber der Film belehrt uns eines Besseren. Es stehen zwar die vier Töchter im Vordergrund, aber trotz der jeweils längeren oder kürzeren Screentime einer Figur, bleiben wirklich alle, und das ist wirklich eine Besonderheit des Films, in guter Erinnerung.

Starke Frauen in einer mitreisenden Geschichte

Greta Gerwig hat es verstanden starke weibliche Figuren für die Leinwand zu schaffen. Lady Bird hatte das bereits 2017 offenbart. Bei Little Women haben wir es, im krassen Gegensatz zu Lady Bird, gleich mit vier weiblichen Hauptfiguren zu tun, statt mit nur einer einzigen. Es hätte ein Problem werden können, aber diese negative Vorahnung hat der Film schnell im Keim erstickt. Wir haben es hier mit vier Frauen zu tun, die unterschiedliche Talente oder überaus markante Charakterzüge besitzen. Sie verfolgen auch unterschiedlich große Ziele. Bspw. ist Jo (Saoirse Ronan) ein Genie des Wortes. Sie will eine Schriftstellerin werden, was später auch mit dem namensgebenden Filmtitel kollidiert. Amy (Florence Pugh) hat ihr Talent in der Malerei gefunden und wird später auch nach Europa reisen, um ihr Fähigkeiten zu verfeinern. Beth (Eliza Scanlen) kann hervorragend Klavierspielen, allerdings ist es für sie kein Bedürfnis in die weite Welt hinauszuziehen, ebenso wenig wie Meg (Emma Watson), die als wichtigstes Bindeglied der Schwestern fungiert und sich nichts sehnlicher wünscht, als ein familiäres Leben mit Ehemann und Kindern. Durch diese verschiedenen Ansichten und Ambitionen entstehen viele verzweigte Handlungsstränge, die in zwei Zeitabschnitten mit viel Liebe zum Detail, sowie in Ehranbietung der Romanvorlage, erzählt werden. Es gibt so viel zu erzählen, dass der über zweistündige Film tatsächlich wie im Fluge davonschwebt. Man kann kaum die Augen davon lassen, dank der mitreisenden und manchmal bewegenden Geschichte dieser jungen Frauen, die ihren Platz in einer von Männer dominierten Welt finden wollen. Greta Gerwig setzt dabei weniger auf Kitsch, sondern vielmehr auf einen unglaublich gut strukturierten Aufbau, der der Zuschauer ohne jede Mühe folgen kann. Man spürt förmlich wie sehr der Regisseurin die Adaption des weltbekannten und mehrfach verfilmten Romans von Louisa May Alcott am Herzen lag.

Little Women Filmbild
Bild: In Little Women kämpfen sich die vier Schwestern durch eine von Männer dominierte Zeit. | Sony Pictures

Nicht umsonst Oscar prämiert

Bei den Oscars war es letztlich NUR das "Kostümdesign", welches eine Auszeichnung erhielt. Eigentlich viel zu wenig für so einen wunderbaren Film. In dieser Kategorie allerdings auch mehr als verdient. Set und Design sind hervorragend ausgewählt und trotz, der eher ärmlichen Verhältnisse in der die vier Frauen aufwachen, ziemlich farbenfroh präsentiert. Im Film stellt man aber auch klar, wie schwer es für die (unprivilegierten) Figuren ist, an wirklich gute Kleider ranzukommen. Es fehlt logischerweise das Geld und wer hat da schon die Möglichkeit ein teures Kleid für einen Abendball zu kaufen. Insgesamt war Little Women vollkommen zuerst sechsmal nominiert. Dennoch hätte vor allem ich mir gewünscht, dass er mit ein oder zwei Kategorien mehr die Verleihung verlassen hätte. Womöglich sogar als Bester Film, denn bei so einem (nahezu) perfekten Gesamtbild in Sachen Kostüme, Schauspieler und Drehbuch, hätte man sich durchaus für diesen Film entscheiden können. Am Ende siegte in dieser Kategorie Parasite. Viele haben damit wohl nie gerechnet, ich auch nicht um ehrlich zu sein, aber so ist es jetzt nun einmal. Meiner Meinung nach die falsche Entscheidung, nach der Sichtung der Romanverfilmung von Little Women. Im Gegensatz zum prämierten Film geht man hier mit einem guten Gefühl aus dem Film, ohne das jetzt tausend von Fragen aufblitzen. Es ist schade, wirklich schade, dass Greta Gerwig mit ihrer Adaption leider ganz knapp daran gescheitert ist. Aber der Film zeigt auch auf, wie viel Talent diese Frau hat.

Fazit:

Man kommt aus dem Schwärmen zu Little Women einfach nicht raus. Ein Wahnsinns-Cast und eine wunderbar sympathische Geschichte, in der überhaupt keine Längen entstehen, gehören da zu vielen, der positiven Aspekte des Films. Ein mitreisender Film, der auch dazu in der Lage ist viele Emotionen zu erzeugen. Von der jugendlichen Phantasie über eigene Ambitionen bis hin zu traurigen Rückschlägen. Bei diesem Film ist alles vorhanden, was ein Drama ausmachen sollte. Little Women ist um Haaresbreite an einem Meisterwerk dran und einer der Filme des Jahres 2020.

MCG-Raiting

9.0 Punkte

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