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"Midway": Emmerichs Schiffe versenken im Pazifik (REVIEW)

Stargate, Independance Day und Der Patriot haben nicht nur gemeinsam, dass es in irgendeiner Form im Film um einen Krieg geht, sondern diese Filmklassiker haben allesamt denselben Kultregisseur: Roland Emmerich. Meistens mehr bombastisch, als melodramatisch angelegt, verfehlten diese Filme aber dennoch nicht ihre Wirkung auf die Zuschauer. Nun, 2019, folgt ein neuer Kriegsfilm, mit einer Schlacht die innerhalb des Films vielleicht mehr Bedeutung zugestanden wird, als auf diese überhaupt in der Weltgeschichte einnehmen konnte.

Eine Schlacht mit Wirkung, aber nicht DIE Entscheidungsschlacht

Knapp sechs Monate nach dem verheerenden Angriff der Japaner auf Pearl Harbour, befinden sich die US-Streitkräfte im Pazifik in Bedrängnis. Die japanische Marine scheint immer einen Schritt voraus zu sein und plant einen weiteren Großangriff auf die geschwächten Kräfte der Amerikaner. Wochenlang vor der eigentlichen Schlacht wurde das Kriegsgeschehen und das Taktieren der Flottenverbände von den jeweiligen Geheimdiensten oder Spionageeinrichtungen im Hintergrund mitgelenkt. Erst die abgefangenen Nachrichten der Japaner und eine geschickte Falschmeldung sorgten dafür, dass es zu der im Film gezeigten Schlacht erst kam. Neben dem Angriff auf Pearl Harbour und dem s.g. Dolittle Raid (Überraschungsangriff auf Tokio) gebührt dem Film namensgebenden Titel Midway natürlich die größte Beachtung. Zwar hat die Schlacht um Midway einen Wendepunkt in dem Pazifikkrieg dargestellt, allerdings hatten erst die darauffolgenden schweren Niederlagen bei Guadalcanal und dem anschließenden Island-Hopping (Inselspringen) die Japaner endgültig in die Defensive gedrängt und das Kriegsglück auf die Seite der USA verlagert. Der Schlacht um Midway also die Entscheidung im Pazifikkrieg zuzuordnen ist somit etwas betrieben. Entscheidend waren dafür unter anderem die vielen nachfolgenden Schlachten, sowie die Überlegenheit an Streitkräften und Rohstoffen der Amerikaner. Eine ähnliche Dramaturgie wurde auch Pearl Harbour zugeordnet. Hier hatten die Japaner zwar einen Wirkungstreffer erzielt, hatten aber, strategisch gesehen, bei ihrem Angriff entscheidende Fehler begangen, die im gesamten Pazifikkrieg und auf das Geschehen weitreichende Folgen hatte. Man sieht also, die Entscheidung in diesem Konflikt, auf ein einziges Ereignis zu beschränken fehlt schwer. Es wird aber im Film wieder so stilisiert, dass es wieder viel zu pathetisch wirkt.

Midway fokussiert sich nicht allein auf Midway

Das nächste Problem, das der Film mit sich bringt, hängt auch mit den genannten Ereignissen zusammen. Denn gestartet wird in Midway mit dem Beginn des Pazifikkriegs: Dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour Ende 1941. Das nimmt zum Einen schon extrem viel Zeit in Anspruch, weil zunächst im Hintergrund die politische Lage zu der Zeit aufgearbeitet wird und zum Anderen auch die daraus resultierende Wirkung auf die Amerikaner und auch der im Film gezeigten Charaktere bekräftet werden soll. Womöglich ist gerade das etwas zu viel des guten. Ein paar Abstriche hier und da wären notwendig gewesen, denn die eigentliche Schlacht bekommt anschließend nicht die entsprechende Spielzeit innerhalb des Films zu Gute. Auch der darauffolgende Gegenzug der Amerikaner, die Dolittle Raid, findet ihren Weg in den Film. Ebenfalls ein Ereignis das nicht zwingend Hand in Hand mit der Schlacht um Midway gehen muss, da es im Grunde eine eigenständige Operation war. Zumal diese bereits sehr ausführlich im Film Pear Harbour (2001) präsentiert wurde. Aber gut, zumindest sortiert der Film diese Ereignisse ein und verknüpft diese auch geschichtlich akkurat. Denn die besagten Flugzeugträger stießen an jenem Tag, wo diese Operation startete, wirklich aufeinander. Im Endeffekt schadet es aber dem Film, teilweise erheblich, dass zu viele Figuren oder Ereignisse den Plot vorantreiben. Der klare Fokus auf die Schlacht, die durchaus interessante taktische Manöver inszeniert, fehlt leider.

Midway (2019) Szenenbild
Bild: Ein Teil der Besatz der U.S.S. Enterprise im Film. | © Universum Film

Einfach und überschaubarer Plot, aber grobe CGI-Mängel

Kriegsfilme müssen, zumindest in gewisser Form, einen recht schnellen Plot erzählen. Große Kriegsdramen, wie Dunkirk aus 2017 verfolgten beispielsweise ganz andere Ansätze. Denn sie wirken, rund um die reale Geschichte, auch emotional auf den Zuschauer. Bedrückend oder beklemmend, war dieses Gefühl, der über 300.000 britischen und französischen Soldaten, die am Strand von Dünkirchen eingeengt und von ihren Nachschublinien getrennt worden sind. Midway verfolgt dagegen eher simple Ziele. Hier geht es rein ums bombastische. Um die Schlacht, um den Krieg an sich. Hier rangiert jeder dramatische Punkt ganz weit hinten. Zwar werden viele der Schicksale einzelner Piloten oder Offiziere kurz thematisiert, sie finden aber nicht die Zeit, dass diese im großen Stile aufgearbeitet werden, wie z. B. in Pearl Harbour (2001), wo am Ende mehr das Liebeschaos in den Vordergrund rückte, als der Angriff. Das muss dem Film letztlich zu Gute halten, denn er will eben nicht mehr, als das er sein kann. Ein reiner Kriegsfilm ohne das große Drama.

Demgegenüber stehen allerdings das sehr haarstreubende und teilweise sehr schlechte CGI, welches hin und wieder ziemlich übel ins Auge sticht. Es ist sehr ärgerlich, dass man für eine so  große Produktion, wir sprechen hier immerhin von 50-100 Mio. US Dollar Budget, nur der Greenscreen zum Einsatz kommt und das nicht einmal gut funktioniert. Zum Vergleich, Hacksaw Ridge (2016) hatte mit Practical Effects dies weitaus sehenswerter durchgesetzt, bei gerade einmal halb so viel Budget wie Midway. Vielleicht sollte es hin und wieder für die Regisseure heißen: Back to Basics, bevor man eben wahnsinnig viel Geld für nichts und wieder nichts verpulvert.

Midway ist unterhaltsames Popcornkino

Jetzt könnte man vielleicht mutmaßen, nach so viel eher negativen Punkten, wäre Midway nicht unbedingt eine gute Wahl. Zum Teil könnte man dem zustimmen, aber trotzdem kommt bei deutlich mehr als zwei Stunden Laufzeit nicht im Ansatz das Gefühl auf, sich hier zu langweilen. Die Handlung ist schnell, rasant und ohne große Umwege. Selbst wenn der Fokus nicht zwingend allein auf die Titel gebende Schlacht gelegt wird, ist es für den Zuschauer kein blutleerer Film. Midway hat seine Höhen, manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes, denn es geht in die Lüfte, es geht aufs Meer, ja es geht sogar unter Wasser. Egal ob die spannenden Verfolgungen der Jäger in ihren leichten Fliegern, oder der Kampf Träger gegen Träger. Es gibt von allem was man auf dem Meer, in Sachen Krieg nur sehen kann, und das zu genüge. Es ist abwechslungsreich, wenn auch durch die optischen Mängel oft nachhaltig beeinflusst, und unterhaltsam. Und auch der Cast rund um Ed Skrein, der das Fliegerass verkörpert, oder Woody Harrelson der als Taktikfuchs die Japaner versucht auszumanövrieren, oder ein Patrick Wilson, der durch seine analytischen Fähigkeiten den Amerikanern erst die Chance ermöglicht die besagte Falle für die Gegner zu stellen, alle machen ihre Aufgabe gut, wenn auch nicht meisterlich. Dabei wird unter anderem das Taktieren mit großen Flottenverbänden interessant veranschaulicht. Es wird nicht überkompensiert, aber es gibt dem Zuschauer, ein Gefühl, dass man sehr komplizierte Vorgehensweisen am Ende doch recht einfach verstehen kann. 

Gegen Ende, und das ist ebenfalls sehr schön von den Machern, beleuchtet man sogar die Schicksale der im Film gezeigten Figuren. Ein weiterer, wenn auch kleinerer, Pluspunkt für Midway.

Fazit:

Der neue Kriegsfilm von Roland Emmerich wird mit Sicherheit kein epochales Werk sein, an das man sich noch in zehn Jahren erinnert. Der Film gereicht einer Schlacht einen entscheidenden Charakter, den sie so in der Geschichte eigentlich gar nicht inne hat. Und der Fokus auf die Titel gebende Schlacht, nun ja, hätte man definitiv besser ausgearbeitet werden können. Und dennoch vermag es Midway, trotz grober Schnitzer im visuellen Bereich, mit fast zweieinhalb Stunden seine Zuschauer zu unterhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

MCG-Raiting

★★★

5.0 Punkte

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