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"Milla Meets Moses": So verrückt kann Liebe sein! (REVIEW)

In dieser Woche startet in den Kinos ein (kleines) australisches Drama in die Kinos. Und bis auf Ben Mendelsohn haben wir bei Milla Meets Moses hauptsächlich Darsteller, die einem nicht sofort etwas sagen. Die Geschichte selbst erzählt von einem krebskranken Mädchen, dass sich in einen Bad Boy verliebt. Ein Konzept, welches einen dramatischen Hintergrund beinhaltet und am Ende mehr nervt, als das es bewegt.

Milla Meets Moses Filmbild
Bild: Milla (Eliza Scanlen) und Moses (Toby Wallace) in der Eröffnungsszene. | X-Verleih

Was ist das nur für eine Lovestory?

Beginnen wir ganz am Anfang. Die beiden Protagonisten Milla und Moses stoßen absolut zufällig am Bahnhof aufeinander. Fernab jeglicher romantischen Stimmung kommen sich die beiden, äußerst bedenklich, schnell näher. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, wenn ihr auf Fremde stößt, aber so schnell auf Kuschelkurs gehen wahrscheinlich die Wenigsten unter euch. Hier verlieren die Charaktere keine Zeit und kleben förmlich schon in den Anfangsminuten aneinander. Es ist nicht ganz unrealistisch, dass so etwas passieren kann, wie in der Anfangssequenz, es zählt aber mit ziemlich großer Sicherheit zur Ausnahme. Zumal die Begegnung einem mehr Unbehagen bereitet, als eine gefühlvolle Szenerie darstellt. Dieses Unbehagen zieht sich leider auch über die komplette Laufzeit von knapp zwei Stunden hin, sodass man an sich an diesem Drama auch die Zähne ausbeißt. Denn es entstehen absonderlich viele Längen, die die Romanze sehr trocken auf den Zuschauer wirken lassen. Da hilft die Tatsache, dass die Welt rund um Milla nicht normal ist aufgrund ihrer schweren Erkrankung, auch nicht wirklich weiter. Es entsteht zwar ein dramatischer Background, dieser rückt aber erst gegen Ende wieder in den Fokus, was sich nachträglich als größte Schwäche entpuppt. Und leider füllt sich der restliche Inhalt des Filmes mit mehr schlecht als recht konzipierten Szenen, die weder die Qualität haben zu unterhalten, noch eine emotionale Tiefe erzeugen können. Die Geschichte lässt einen unverhältnismäßig kühl.

Ben Mendelsohn einziger Lichtblick im Cast

Mittendrin im Geschehen und letztlich sogar der einzige Lichtblick innerhalb der Besetzung ist Ben Mendelsohn. Ihn kennt man mit Sicherheit aus zahlreichen Blockbustern, wie bspw. aus mehreren Filmen des MCU, Robin Hood, Rogue One und Ready Player One. Er porträtiert dabei meist den Schurken und das häufig auch ziemlich gut. In Milla Meets Moses übernimmt er den Part des Vaters. Dieser ist Psychotherapeut und die wahrscheinlich wichtigste Schlüsselfigur für Milla. Er steht nicht direkt im Vordergrund hat aber dennoch so viel Charme, dass er ab und an auch die gelangweilten Zuschauer einigermaßen unterhalten kann, auch wenn es meist doch sehr kuriose Szenen sind. Ich meine als Psychiater selbst, greift man im Normalfall nicht zu Medikamenten oder therapiert sogar die eigene Frau? Aber was ist schon normal in dieser verworrenen Geschichte? Und da wären wir auch schon wieder bei den anderen Darstellern, die zwar besten Gewissens versuchen ihren Figuren Leben zu verleihen, über den Großteil der Strecke aber kläglich damit scheitern. Zumindest Hauptdarstellerin Eliza Scanlen schafft es noch in kleinem Maße, dass eine oder andere Mal aus ihrer Figur mehr zu machen. Da hört es aber auch schon auf. Sowohl Essie Davis als Millas Mutter und Toby Wallace als Moses scheinen hier nicht mehr zu sein als Filmfiguren ohne einprägsame Charakterzüge. Sie sind einfach da, anwesend und deutlich zu überspielt um es freundlich zu formulieren, aber das reicht bei einem Drama, dass durchaus seine Ziele verfolgt, einfach nicht aus. Es trägt, wie auch die gesamte Geschichte, eher dazu bei, dass sich der Film unnötig zieht und relativ wenig bewirkt.

Milla Meets Moses Filmbild
Bild: Vater Henry (Ben Mendelsohn) bei einer Familienfeier. | X-Verleih

Die Zeit läuft ab...

Wenn der Film gerade nicht erpicht darauf ist, die Zuschauer mit schrillen Geschehnissen gehörig auf den Wecker zu gehen, gibt es trotzdem einige wenige Szenen die durchaus die Tragik dahinter zum Ausdruck bringen. Die Idee, dass die Hauptfigur im Vorfeld schon zum Tode verurteilt ist, bietet viele Chancen aus einem "normalen" Drama noch etwas mehr rauszuholen, als für gewöhnlich. Trotz der vielen eher schwachen Punkte, die jetzt vorgelegt wurden, ist Milla Meets Moses auch eine Hommage an das gesamte Leben. Denn der Film ist, wenn auch ein ziemlich kurz gehaltenes (bezogen auf die Zeitspanne in der die Geschichte spielt), Coming-Of-Age Drama mit dem Aspekt, dass das Leben hier schon von Beginn an der Hauptfigur einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Zeit läuft hier nicht nur vorwärts, sondern auch ab! Zumindest für Milla. Mit jeder neuen Minute ahnt man zwar, dass wir mit der schwer kranken Milla auf das Ende zu steuern, richtig vorbereitet ist man, wie auch im echten Leben, aber nicht. So bringt der Film, wenn auch etwas zu spät, die ohnehin schon vorhandene Dramaturgie des drohenden Ablebens äußerst kraftvoll rüber. Dies hätte aber wahrscheinlich deutlich besser funktioniert, wenn man den Fokus zu Gunsten der verzweifelten Milla ausgelegt hätte, die sich in ihren letzten Tagen bzw. Wochen nach einem erfüllten Leben sehnt, anstatt das überspielte Beziehungschaos welches vor allem in der Mitte die Geschichte bestimmte. Womöglich wäre uns dann die ein oder andere Länge ebenfalls erspart geblieben, aber zeitgleich hätte dann die zweite Hauptfigur Moses im Endeffekt keine Rolle mehr gespielt.

Fazit:

Milla Meets Moses beinhaltet zwar eine äußerst tragische Geschichte, mit einer sehr verzweifelten Figur, macht aber daraus nicht mehr als ein in die Länge gezogenes Beziehungsdrama, indem der Zuschauer schon ungefähr erahnen kann, wo die Reise hingeht. Der Aspekt, dass die hier spielende Hauptfigur mit jeder weiteren Sekunde auf ihr verfrühtes Ableben zusteuert, kommt erst gegen Ende zum Tragen, weshalb der dramaturgische Unterton bis dahin wenig bis gar keine Emotionen beim Zuschauer aufruft. Leider verschlimmern einige der gezeigten Figuren die Lage, indem viel zu überspielt in ihrer Darstellung sind. Weniger Beziehungschaos mehr Verzweiflung in Anbetracht der schwierigen Lebensituation hätte den Film deutlich gefühlvoller gestaltet.

MCG-Raiting

★★★★★★★★

3.5 Punkte

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