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"Monos": Kämpfen und sterben im Dreck (REVIEW)

Guerillakämpfer sind stets ziemlich abgedrehte Persönlichkeiten mit Hang zur Brutalität. Monos spielt in einer abgeschiedenen Region und erzählt von acht Jugendlichen auf ihrem Weg zu einer militärischen Einheit. Mit einprägenden Aufnahmen und der Vielfalt an verstoßenen Individuen hat Monos richtig gut abgeliefert.

Monos Filmbild
Bild: Die junge Guerillatruppe "Monos" lebt auf einem abgelegenen Hügel in den Anden. | DCM

Jung, wild und unerfahren

Die Geschichte spielt in einer abgelegenen Bergregion in den Anden. Weit abgeschnitten von jeglicher Zivilisation muss sich die Guerillagruppe der Monos den Herausforderungen ihres militärischen Oberkommandos fügen und ihren Wert unter Beweis stellen. Zeitgleich müssen sich diese ziemlich jungen Soldaten, bestehend aus den unterschiedlichsten Charakteren, selbst versorgen. Sie bekommen zwar Mittel zur Verfügung gestellt, die Verantwortung darüber liegt aber allein in ihren Händen, bzw. deren direkten Anführer Lobo. Und da die Gruppe nötige erwachsene Reife in vielerlei Momenten vermissen lässt, führt dies häufig zu Spannungen. Spannungen, die die durch ein Geisel-Szenario noch verschärft werden. Doch zu Beginn scheinen sich alle, trotz ihren Differenzen, so nahe zu stehen, dass teilweise familiär wirkende Verhältnisse nicht zu bestreiten sind. Zusammenhalt und Entschlossenheit wird ständig von ihrem kleinwüchsigen Befehlshaber gepredigt, der trotz seiner Statur eine wahrhaft einschüchternde Persönlichkeit verkörpert. Die jungen eifrigen Monos durchlaufen harte Trainingseinheiten, in der ein oder anderen Einstellung sogar mitten im tiefsten Dschungel. Doch was genau macht diese Truppe nun im Film selbst aus? Monos offenbart in einem eindrücklichen Szenen, wie sehr die unwirkliche Natur, das militärische Pflichtbewusstsein und der sturer Wille auf das kleine Kommando voller (undisziplinierter) Teenies einprasselt. Sie mögen zwar ein wilder (zusammengewürfelter) Haufen sein, doch gerade das macht dieses filmische Szenario umso interessanter. Gerade da sie keine "normalen" Soldaten sind und ihnen die Erfahrung fehlt, werden scheinbar vermeidbare Fehler deutlich wahrscheinlicher. Und im Zusammenspiel mit der gefährlichen Umgebung kann jeder Fehltritt der Letzte sein.

Der (dreckige) Alltag einer Guerillatruppe

Die Action findet hauptsächlich in den dicht bewaldeten Regionen unterhalb ihres Unterschlupfs statt. Dabei werden die einzelnen Gefechte, auch häufig inmitten ihrer eigenen Reihen, im Schlamm oder Fluss ausgetragen. Die Kampfhandlungen im Dschungel mögen zwar nicht die allerbeste Qualität besitzen, doch bieten diese die nötige Dramatik, um sich an den Film zu gewöhnen. Neben dem ständigen Drang die Befehle ihres Oberkommandos genaustens zu befolgen (das bleibt aber nicht für immer so), prägen Verrat und Missgunst, besonders ab dem zweiten Drittel, die Gruppe der Monos. Heimliche Affären, egoistische Vorgehensweise und die gefühlskalte Atmosphäre spalten die Gruppe. Spätestens nach einer Stunde kann kaum noch eingeschätzt werden, wie die Charaktere untereinander zueinander stehen. Es gibt keine klare Aussprache, es sei denn der Oberbefehl gibt dies strikt vor. Die Streitigkeiten legen die Mitglieder lieber mit Kämpfen bei. Sich der absoluten Wut hingebend, vergisst vor allem Bigfoot (vermutlich sogar der Älteste in der Gruppe) jede Vernunft. Hauptsache man kann seine Stärke so verdeutlichen, dass alle anderen innerhalb der Monos sich unterordnen. Man erkennt: Der Kampf um die Vorherrschaft bei den Monos erhält von Minute zu Minute mehr Aufmerksamkeit, bis zu einem Punkt in denen für die Jugendlichen alles auf dem Spiel steht. Der Alltag wird dreckiger, in vielerlei Hinsicht. Hätte der dramatische Unterton der Geschichte einen geringeren Stellenwert, so hätte Monos auch einen hervorragenden Thriller darstellen können. Doch neben packenden Einstellungen überwiegt zeitweise das jugendliche Drama, was oft auch ziemlich nervig wirkt, da einzelne Streitpunkte nicht unbedingt die signifikante Schärfe erreichen die es gebraucht hätte.

Monos Filmbild
Bild: "Bigfoot" wird der Anführer der "Monos" und führt ein hartes Regiment. | DCM

Tolle Sets und unbekannte Darsteller

Monos lebt von seinen beeindruckenden Aufnahmen einer südamerikanischen Traumlandschaft. Im Deutschen hatte man den nicht unbedeutenden Beinamen "Zwischen Himmel und Hölle" dem Originaltitel beigefügt. Die Natur gleicht der Vorstellung des Himmels, doch mitten im Himmel angekommen wartet die Hölle auf die Protagonisten. Dabei wird nicht, wie in zahllosen anderen filmischen Beispielen, die Natur zum größten Feind auserkoren, sondern die engsten Freunde oder jeder Einzelne für sich selbst. Dabei setzt der Stab rund um den brasilianischen Regiedebütanten Alejandro Landes nicht auf große Namen von Schauspielern. Lediglich die Amerikanerin Julianne Nicholson mag für den Einen oder Anderen ein bekannter Name sein. Das bedeutet aber auch, dass es in Monos viele Darsteller gibt, die offensichtlich noch bei keinem Film vor der Kamera mitgewirkt haben. Dies merkt man jedoch im Film kaum. Trotz dem Mangel an Erfahrung merkt man dies der Besetzung kaum an. Die Darsteller machen ihren Job sogar überraschend gut, selbst wenn sie bei so manch einer Szene eventuell doch etwas zu übertrieben agieren. Das verrückte Gelächter von Sueca genannt Schwedin (Laura Castrillon) nur um mal ein Beispiel zu nennen! Dennoch bieten gerade die Momente den größten Anreiz an, wenn die Akteure im Einklang oder Zwietracht handeln müssen. So präsentiert der Cast eine ungewöhnlich starke Qualität an, von der man bei solchen doch eher unbekannten Namen zum Start nicht wirklich hätte ausgehen können.

Fazit:

Monos ist ein ziemlich unterhaltsamer Independent-Streifen geworden. Die südamerikanische Koproduktion hat eine überraschende Vielfalt an jungen Charakteren mit dem Vorteil überwältigender Naturaufnahmen, die einen Großteil dazu beitragen, dass aus durchschnittlicher Action deutlich mehr werden kann, als die schlichte Abfolge von Kampfhandlungen. Zudem inszeniert der Film ein jugendliches Drama in einer rauen Umgebung, welches zwar auf Dauer überwiegt, aber sich trotzdem gut in die Geschichte einfügt. Wer auch einmal abseits vom Mainstream schnuppern will, sollte Monos definitiv eine Chance geben.

MCG-Raiting

 

★★    

 

7.0 Punkte

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