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Monsieur Claude 2: Familienchaos trifft Vaterlandsliebe (REVIEW)

Fast vier Millionen Besucher zählte Monsieur Claude und seine Töchter in 2014 allein in Deutschland. Es war eine der größten Überraschungen des Jahres und nun folgt, wie so oft bei einem solchen Kinohit, ein Sequel. Das allerdings, so muss man es im Voraus deutlich sagen, seinem Vorgänger hinterher laufen wird.

"Schön plotitisch korrekt!" 

"Aber ja doch, selbstverständlich!"

Ja er ist wieder da! Der französische Provinzvater mit dem schnellen und irrwitzigen ironischen Mundwerk. Monsieur Claude zeigt auch im zweiten Teil, wie schnell man es sich mit vielen Ethnien verscherzen kann. Aber alles halb so wild, denn die Nebenfiguren stecken in diesem Film so einiges ein. So macht Teil 2 in urkomischer Art und Weise genau da weiter, wo das Original aufgehört hatte. Politik, Länder und gar ganze religiöse Stände nimmt Monsieur Claude 2 auf die Schippe und das natürlich nicht zu knapp. Christian Clavier gelingt es erneut, in seiner Paraderolle, die Zuschauer unglaublich gut zu unterhalten, auch wenn er dieses mal bei weitem nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die seine Figur verdient hätte. Vielleicht geht das an manchen Stellen etwas zu weit, aber es ist genau diese Art von Humor, die es braucht um versteifte politische Themen einmal richtig auseinander zu nehmen. Und das nicht zwangsläufig übertrieben, sondern mit einer relativ ausgeklügelten Struktur, als man zunächst annehmen mag. Wer sich allerdings von religiösen oder politischen Witzen angegriffen fühlt, dem sollte man von Monsieur Claude 2 abraten. Für alle anderen, die eine Prise Ironie ertragen können, ist bei dieser französischen Komödie genau an der richtigen Adresse gelandet.

 

Christian Clavier kommt viel zu kurz

Die Kinder sind verheiratet und ihre Männer bereits die Vielfalt an scherzhaften Kommentaren, seitens Claude, bestens gewohnt. Das hat aber demnach auch zu Folge, dass es in der Fortsetzungen viel zu viele Einzelgeschichten gibt, die mit wenig Detail und teilweise sehr unschlüssigen Entscheidungen erzählt werden. Da kommt ein Christian Clavier als Schlüsselfigur leider viel zu kurz. Trotz der erstaunlichen Vielzahl an eigenartigen und komischen Charakteren, wirkt das im Hinblick auf die Geschichte, etwas zu viel. Die genauen Hintergründe bleiben in der Luft und passen wollen sie auch nicht so recht ins Gesamtbild einer typischen Komödie. Hierbei geht es um persönliche Themen wie Selbstständigkeit, Individualität und die Trennung von Karriere und Familie. Alles eher sehr ernste Themen, die immer wieder mit scharfen Sticheleien der Nebenfiguren aufgegriffen werden. Teilweise gelingt das, aber zu oft bleibt dadurch vieles an Witz und Charme auf der Strecke. Für Claude sind diese Problematiken ein gefundenes Fressen, aber dieser beschäftigt sich die Hälfte der Zeit lieber mit seinem wohlverdienten Ruhestand. Was zuerst ja nicht frei aus der Luft gegriffen ist, aber seinen einzigartigen Charme eine Zeit lang vermissen lässt. Es fehlt an einer gewissen Lockerheit, mit der das Original zuvor deutlich weniger zu kämpfen hatte, als die aktuelle Fortsetzung.

Bild: Claude (r., Christian Clavier) und seine Frau Marie (l., Chantal Lauby) beim Abendessen mit der Familie. | © 2019 Neue Visionen

"Ehe für alle", Integration und Vaterlandsliebe

Zu vermerken bleibt erst einmal: Monsieur Claude als Rentner? Geht gar nicht! Sobald wir aber als Zuschauer, die Figur wieder in Aktion erleben, ist ein Lachanfall nicht weit entfernt. Abseits der familiären Krisensituation, greift die Fortsetzung weitere sehr prägnante Themen auf. Dazu gehört z. B. die "Ehe für alle", die einen Großteil der Geschichte einnimmt und die mithin eine Reihe sehr amüsanter Unterhaltungen zu Folge hat. Des weiteren beschäftigt sich Monsieur Claude ebenfalls mit der alltäglich umgreifenden Integrationsproblematik, die sobald Christian Clavier in den Vordergrund rückt, ebenfalls einen wahnsinnig witzigen Part in die Geschichte integriert. Hier ist es vielleicht etwas zu sehr vorurteilsbehaftet, aber im Endeffekt ist es eine nette Abwechslung mit anzusehen, wenn sich ein Film diesem von Diskussion angefeuerten Gebiet auf eine humoristische Art bedient. Doch über all diesen kleinen Themen und Szenarien, steht die allgegenwärtige französische Vaterlandsliebe, die alle Punkte der Geschichte am Ende zu verbinden versucht. Und ihr gelingt es im Kern letztlich auch. Denn egal wie man es dreht, Monsieur Claude, ist trotz seiner ironischen Ader, ein cineastisches Aushängeschild für die schönen Seiten unseres Nachbarstaates. 

 

Abruptes Ende mit klassischem Happy-End

Auch wenn die Reise zum Ende des Films bis dahin Spaß und Freude bereitet hat, kommt einem der finale Abschnitt tatsächlich etwas abrupt vor. Natürlich muss eine Komödie irgendwann ein Ende finden, doch dieses hier kommt wirklich von jetzt auf gleich, ohne eine zufriedenstellende Erklärung der vorherigen Ereignisse zu liefern. Da geht der übertriebene und undurchsichtige Plan von Claude, praktisch gesehen, viel zu leicht über die Bühne. Sollte man dann noch den Ausgang und den Plan etwas genauer betrachten - was man bei einer Komödie natürlich nicht macht - so hat dieser einen eher manipulativen, als liebevollen Hintergrund. Denn er lässt der Individualität der einzelnen Figuren dabei entscheidend außer Acht. Aber wie gesagt, bei einer Komödie, kann man das schon mal ausblenden. Und selbstverständlich kommt alles wieder so in Ordnung, wie es sein sollte. Wie wir es bereits tausendfach aus anderen Filmen kennen. Ein absolut klassisches Happy-End! Was gleichfalls nicht von großer Bedeutung sein sollte, aber im Nachhinein wenig Abwechslung bedeutet und wir bis auf kleine Veränderungen an selber Ort und Stelle auch in einem möglichen dritten Teil weiter machen.

Fazit:

Monsieur Claude 2 bietet genau das wieder an, was wir aus dem Original kennen lernen durften. An Witz und Charme büßt die Fortsetzung nur wenig ein. Politische Inkorrektheit und komödiantische Darstellung von ernsten Thematiken gelingt, bis auf ein paar Ausnahmen, doch sehr gut. Dennoch hinterlassen viele Einzelgeschichten eine doch zu verzweigte Konstruktion einer Geschichte zurück, die zum Abschluss mit zu primitiven Methoden wieder ihre Auflösung findet. Und sobald Christian Clavier als Hauptfigur seinen Ruhestand antritt, geht die Lockerheit im Film verloren. Übernimmt er allerdings das Ruder wieder, sind wir als Zuschauer, vorzüglich gut unterhalten.

MCG-Raiting

★★★★★

6.0 Punkte

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