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"Mortal Kombat": Die Aufwärmphase zum Turnier? (REVIEW)

Leider erstmal nicht in unseren Kinos. Mortal Kombat wird im deutschsprachigen Raum zunächst einmal nur als Premium VOD in Erscheinung treten. Eigentlich schade, denn dieser überkrasse FSK18-Actioner wäre sowohl für die große Leinwand, als auch fürs Heimkino wie geschaffen. Es läuft zwar nicht alles glatt, aber gegen eine komplette Filmreihe gibt es, nach diesem Auftakt, überhaupt nichts einzuwenden!


Filminfos:

VOD-Start: 13. Mai 2021

Laufzeit: 101 Minuten

FSK: 18

Genre: Action

 

Regie: Simon McQuoid

Mit: Lewis Tan, Jessica McNamee, Josh Lawson und Joe Taslim

Story:

Die Erde wird von dunklen Kräften aus der Outworld bedroht. Sollten die finsteren Mächte zehn Turniere namens "Mortal Kombat" gewinnen, wird Shang Tsung für immer die Kontrolle über die Erde erlangen. Bei neun Siegen stehen die Krieger von Outworld jetzt. Der weise Erdenbeschützer Lord Raiden setzt nun all seine Hoffnungen in drei besondere Kämpfer: Die Ex-Elite-Soldatin Sonya Blade, ihr Mentor Jax Briggs und der MMA-Kämpfer Cole Young müssen mithilfe des Mönchs Liu Kang die Erde verteidigen.



Eine Augenweide für Actionfans?

Gleich vorneweg Mortal Kombat wird sicherlich nicht der beste Actionfilm des Jahres werden. Als Videospieladaption hat er es ohnehin gleich doppelt so schwer, steht dieses doch gescholtene Subgenre im ständigen Kritik-Dauerfeuer. Schließlich muss sich das Reboot auch mit dessen Vorgängern aus den 90ern messen, wobei hier anzumerken ist, dass die 2021er Version definitiv vom aktuellen Stand der Technik profitiert und in vielerlei Hinsicht besser wegkommt. Ich persönlich bin kein Fan der Videospielreihe und vielleicht ist das auch ein kleiner Vorteil, denn Actionfans, vor allem diejenige die ultrabrutale Action lieben werden mit diesem Blockbuster ihre helle Freude haben. Leider ist der Weg zu den krassen Fatalities wie man sie aus den Spielen kennt, doch ziemlich holprig an manchen Stellen. Viele Minuten gehen dabei schon für Exposition drauf. Exposition, die man nicht unbedingt für Dialoge in Anspruch hätte nehmen müssen. Hier erwartet man, dass Fäuste und letzten Endes  auch Eingeweide fliegen, was sie schlussendlich zwar auch tun, aber sich zu häufig mit öden bzw. schnörkellosen Dialogen vermischen. Ein Manko, wodurch einem der Spaß genommen werden kann, hier ist das allerdings nicht (immer) der Fall. Der neue Mortal Kombat ist zum aktuellen Stand des Jahres einer der ganz großen Action-Blockbuster, wenn nicht sogar der Größte momentan! Das liegt aber nicht unbedingt an dessen makelloser Qualität, sondern weil derzeit noch keine echte Konkurrenz am Markt vorhanden ist. Dennoch sei gesagt, dass man sich von einer zurückhaltenden Story nicht abhalten sollte diesen Film zu sehen. Denn die Action im Reboot ist pures Entertainment, welches sowohl für Fans, als auch für den Otto Normalverbraucher absolut geeignet ist. Dabei spielt es nicht einmal einen Unterschied, ob man diesen Actionfilm daheim oder auf der großen Leinwand betrachtet. Für beide Optionen ist der Film ideal.

Geile Kämpfe, zu viele Figuren!

Ein riesiger Cast ist nur selten ein Segen für den Film. Dieses Gefühl setzte sich letztlich auch beim neuen Mortal Kombat durch. Zunächst sei noch erwähnt, dass absolut keiner eine enttäuschende Leistung hingelegt hat. Durch die Bank weg ist die Besetzung stimmig, hat aber die ein oder andere Schwäche. So gibt es mit Cole (Lewis Tan) die klassischste aller Hauptfiguren und das obwohl sein Charakter neu dazu gedichtet worden ist. Alle Anderen sind aus der Spielereihe bekannt. Allen voran Scoprion (Hiroyuki Sanada) und Sub-Zero (Joe Taslim), aber zu den Beiden gleich mehr. Cole ist ein durchschnittlicher MMA-Fighter und auch innerhalb der Story kein Charakter, der die Geschichte vollkommen alleine tragen könnte. Dafür fehlt ihm sowohl das Charisma, als auch interessante Fähigkeiten. Er gehört immerhin zu den Champions der Erde und im Verlauf der Story wird zudem offenbart, dass er einer legendären Blutlinie entspringt. Ihm folgen Sonya (Jessica McNamee), Jax (Mehcad Brooks) und Kano (Josh Lawson). Von denen ist letzterer ein absoluter Scene Stealer. Egal wann dieser egozentrische Chaot sich einmischt, sorgt er durch sein Verhalten entweder für eine lustige Abwechslung oder lenkt die Aufmerksamkeit komplett auf seine Figur. Im Umkehrschluss kommen aber alle weiteren Figuren, wie bspw. Liu Kang (Ludi Lin) und Kung Lao (Max Huang) extrem kurz. Und die haben trotz ihrer deutlich cooleren Fähigkeiten und Moves kaum die nötige Screentime, noch wird die Wichtigkeit dieser Figuren klar gedeutet. Vollkommen abgemeldet dagegen wirkt Lord Raiden (Tadanobu Asano). Der steht für meine Begriffe eigentlich komplett neben der Spur. Schade, hatte man doch mit den verschiedenen Erd-Champions eine ziemlich unausgeglichene und interessante Truppe gebildet.

 

Auf der anderen Seite haben wir Outworld. Hier will man gemäß der Story sich über das sagenumwobene Turnier hinwegsetzen und die Champions der Erde vorzeitig ausschalten, um die Herrschaft zu erringen. Der Plan stammt von Shang Tsung (Chin Han). Der gibt den Bösewicht zum Besten, allerdings ohne derart kreative Ausflüge zu unternehmen. Ihm folgen Mileena (Sisi Stringer), Kabal (Daniel Nelson), Reiko (Nathan Jones) und Nitara (Melanie Narson). Hier handelt es sich ausschließlich um klassische Nebenfiguren, die mal längere und auch kürzere Auftritte haben, dennoch werden sie innerhalb der Kämpfe gut in Szene gesetzt. Und eben jene Kämpfe heben die einzelnen Kräfte noch besser hervor und gestalten das zweite und letzte Drittel äußerst unterhaltsam. Zahlreiche Tode sind da mit inbegriffen und damit einhergehend sind die bekannten Fatalaties, die einfach nur eine Klasse für sich sind! Da schaltet mal doch gerne den Kopf aus. Apropo Kämpfe: Bereits der Beginn hat es in sich. Denn dort bekriegen sich bereits die beiden fähigsten Kämpfer des Films: Scorpion und Sub-Zero. In den ersten Minuten zwar in der Vergangenheit, genauer gesagt im feudalen Japan und ohne die schnieken Outfits, dafür aber mit extremster Brutalität und Intensität. Und keine Sorge die beiden Krieger sehen wir zu einem späteren Zeitpunkt wieder und auch dort wird nicht an intensiven Blutorgien gespart. Die gibt es in Mortal Kombat ohnehin zu Genüge!

Mortal Kombat Characters
Bild: Der Cast des neuen Mortal Kombat Film. Die Champions der Erdenwelt vs. die von Outworld. | Warner Bros.

"Mortal Kombat" ist prädestiniert für eine eigene Filmreihe!

Nein, ein flawless victory ist dieser erste Teil zwar nicht, dafür könnte er aber einen ganz soliden Grundstein für einen neuen Anlauf eines eigenen Franchise gelegt haben. Es gab ja schon mehrere Versuche, wie wir bereits wissen. In der aktuellen 2021er Version haben wir genau die Action bekommen, welche uns im Vorfeld versprochen wurde und das sollte uns doch zumindest nach den ersten 100 Minuten zufrieden stellen. Fürs Erste! Natürlich geht es besser und man kann auch nicht abstreiten, dass das eigentliche Turnier in dem Sinne nie stattgefunden hat. Aber für einen Auftakt hat Simon McQuoid schonmal eine ordentliche Basis hingelegt. Zudem gibt es zahllose Easter Eggs und Anspielungen, welche entweder im kommenden Teil oder darüber hinaus noch mehr Mortal Kombat Stoff bereithalten werden. Schaut euch doch mal Lord Raidens Tempel in aller Sorgfalt an und ihr werdet feststellen, dass hier schon viel Vorleistung für die Filmreihe getätigt wurde. Und wenn die schon ziemlich krassen Fatalaties aus diesem Teil, allen voran die Hut-Kreissäge von Kung Lao, nur einen Vorgeschmack darstellen auf das was noch kommen könnte, dann sollten sowohl Fans der Spielereihe und auch die "normalen" Cineasten in heller Vorfreude auf künftige Sequels sein. Diese Videospieladaption mag zwar nicht die Beste sein und vielleicht auch nicht der krasseste Actionfilm in 2021, aber er bietet eine so unglaubliche Menge an Material, dass ein eigenes Franchise nur die logische Konsequenz ist. Und wünschen wir uns nicht alle (oder zumindest die Fans) endlich mal eine Mortal Kombat Filmreihe die über einen Film hinaus überzeugen kann, mit dem aktuellen Stand der Technik, sowie den vorhandenen visuellen Möglichkeiten? Es wäre doch verschenkt es bei diesem einen Film zu belassen, findet ihr nicht?

Fazit:

Man könnte jetzt kleinlich sein und jedes noch so kleine Detail aus der Spielereihe akribisch auseinandernehmen, aber stattdessen sollten wir uns lieber Gedanken machen, ob diese neue Interpretation das Potenzial hat eine ganze Filmreihe voranzutreiben. Und Mortal Kombat hat eben jenes Potenzial ohne jeden Zweifel aufgezeigt. Das haben die ersten 110 Minuten ultrabrutaler Fatalities und die unglaublich starken Anfangsminuten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dieser erste Vorgeschmack eines neuen Franchise ist einfach nur pure Action-Unterhaltung mit einigen Ups and Downs, wo jedoch das Positive letztlich überwiegt. Zwar hat man das eigentliche Turnier im ersten Film gescheut und es konnten auch nicht alle Figuren entsprechend überzeugen, dieser erste Mortal Kombat Film dieser neuen Reihe ist dennoch ein solider Auftakt mit vielen noch ungenutzten Möglichkeiten.

MCG-Raiting

★★★★★

6.0 Punkte

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