· 

"Mulan": Disneys Sorgenkind! (REVIEW)

Der Kinostart verschoben und am Ende gänzlich gestrichen. Das Live-Action Remake landete schlussendlich direkt auf dem Streamingdienst Disney+. Lediglich in ein paar Ländern lief der Streifen tatsächlich im Kino. Leider erkennt man bei Mulan relativ schnell die Mängel eines blutleeren Megablockbusters. Riesiges Budget, wenig magische Momente und eine wenig interessante Heldenreise. Also all das was bspw. den Zeichentrickfilm so stark gemacht hat.

Kriegerin oder Superheldin?

Nach zwei Stunden fragte ich mich: Was habe ich da jetzt eigentlich gesehen? Eine kultige Disney-Figur als Realverfilmung oder ein Superheldenfilm? Es mag ein Actionfilm mit einer guten Portion Fantasy sein, aber eine sichtbare Entwicklung macht die heldenhafte Mulan im Film nicht unbedingt mit. Die einzige Erklärung hierfür: Sie kann schon alles! Beziehungsweise ihr Chi ist eine übermächtige Gabe. Demnach haben wir im krassen Gegensatz zum hochgelobten Zeichentrickfilm keine prägende und inspirierende Reise von einer jungen Frau zu einer national hoch angesehenen Kriegerin, sondern die Geschichte einer Auserwählten die ihre Feinde mit Leichtigkeit zu überwältigen vermag. Ich mag nicht schon so früh an dieser Stelle den Vergleich zum Vorgänger ziehen, aber in diesem Punkt macht der Zeichentrick wesentlich mehr Spaß und hat auch deutlich größeren Impact auf die Zuschauer. Nachträglich sei die Frage erlaubt, wie die Geschichte abgelaufen wäre, hätte die hier in der Live-Action Version dargestellte Mulan schon viel früher von ihren Kräften Gebrauch gemacht? Wäre China dann nicht diese Invasion durch die Hunnen eventuell erspart geblieben? Denn so richtig ernst nehmen können wir die Feinde letztlich nicht, da deren Präsenz innerhalb des Films keinen hohen Stellenwert besitzt. Die eigentliche Bedrohung geht eher von der mysteriösen Hexe aus, die am Ende obendrein eine denkbar unglückliche Figur abgibt, was die Handlung betrifft. Ihr merkt schon, die Story hat so einige fragwürdige Elemente. Den Weg einer Kriegerin repräsentiert Mulan zu keinem Zeitpunkt. Es sieht deutlich mehr nach einer zweitklassigen Superhelden-Origin aus.

Over-the-Top Actionspektakel

Apropos Superhelden! Es ist definitiv nicht übertrieben Mulan als eine solche zu porträtieren. Ip Man himself Donnie Yen bringt zwar etwas Martial-Arts mit in den Film, aber eben nur in spärlich dosierten Mengen. Viel lieber lässt man unsere Hauptfigur durch die Lüfte springen, fernab jeglicher physikalischer Gesetze. Kurz gesagt die Action ist absolut Over-the-Top und dadurch auf die Dauer auch schwer erträglich. Wir reden hier zwar immer noch von "Fantasy", aber so richtig Spaß bereitet uns die Action dann leider doch nicht. Und eigentlich sollte gerade das die Kernkompetenz der Neuverfilmung sein. Ist es aber folglich nicht. Da bleibt am Ende nicht mehr im Kopf wie kleinere Schwertduelle mit halblebendigen Choreographien. All das kollidiert auch mit dem übermächtigen Talent der Heldenfigur, die mit einer fast schon nervig anmutenden Lässigkeit ihre Gegner abfertigt. Wenn dann noch die Hunnen, also die großen Gegenspieler des Films, sich im Endeffekt, durch eigene Dummheit verschuldet, ihr eigenes kaltes Grab schaufeln, hat dies enorm viel Symbolkraft für den Film und dessen Ausgang. Allerdings nicht im positiven Sinne! Dabei hat man sich als Zuschauer nach einer ziemlich trägen ersten Stunde so auf einen Kampf zwischen den Kontrahenten gefreut. Doch was uns hier präsentiert wird ist einfach nur enttäuschend!

Mulan Filmbild
Bild: Die Optik und die Sets zum Live-Action Remake zu "Mulan" stechen deutlich hervor. | Disney

Auf die Optik reduziert

Was für ein farbenfrohes Spektakel! Die Live-Action Version hat eine überaus wieder erkennbare Optik für ihren Film geschaffen. Diese sticht so sehr hervor, dass es teilweise auch zu viel für die Augen sein kann. Color Grading at its best! Egal ob das nun die schicken Soldatenrüstungen oder andere Kleidungsstile im frühmittelalterlichen China sind. Knallbunt wäre da fast noch eine untertriebene Beschreibung, von dem was man hier zu Gesicht bekommt. Hervorgehoben wird unter anderem der Armee-Look der chinesischen Streitkräfte. Allerdings wirkt dieser Stil unüblich auffällig für Militär-Zugehörige. Vor allem dann wenn die Landschaft, hauptsächlich aus Steppe bestehend, dieses Farbenspiel noch stärker zur Geltung bringt. Für eine Armee ist das aber nicht wirklich von Vorteil, da man dadurch relativ schnell entdeckt werden könnte. Dennoch kann man nicht leugnen, dass Mulan vor allem in visuellen Belangen einiges wiedergutmacht, auch wenn gerne mit den Farben gelegentlich übertrieben wird. Zeitgleich erwecken die Filmsets einen ordentlich Eindruck. Das hierbei viel Wert auf Detailtreue gelegt wurde, ist ebenfalls nicht zu bestreiten. Dementsprechend ist in der diesjährigen Live-Action Version die visuelle und optische Komponente die größte Stärke die der Film zu bieten hat. Doch reicht das aus?

Ein Remake das sich endlich was traut

Zweifellos hatte Mulan es äußerst schwer sich gegen die ohnehin schon kritischen Meinungen zu den Live-Action Remakes durchzusetzen. Neben all seinen Schwächen, darf man eine Sache nicht vergessen: Mulan traut sich, im Gegensatz zu den anderen Remakes, endlich eine eigene Geschichte ohne deutlich erkennbare Anlehnung an das Original zu erzählen. Nach Die Schöne und das Biest, Aladdin und Der König der Löwen, welche allesamt nicht wirklich viel Neues in ihren Filmen als Live-Action beinhalten, wurde hier von fast allem was das Original ausgemacht hat, Abstand genommen. Mit Sicherheit keine schlechte Idee, lediglich die Umsetzung war etwas holprig. Der neue Film der chinesischen Heldengestalt Hua Mulan orientiert sich dabei deutlich mehr an seiner literarischen Vorlage, als es der Zeichentrick jemals hätte darstellen können. Dort lagen andere Kompetenzen, wie Humor und heutzutage unverkennbare Musikstücke, im Fokus. Zumal man deutlich zu verstehen gab, eine breite Masse mit dem Film anzusprechen zu wollen. Gedacht für Kinder, sowie die gesamte Familie. Mittlerweile einer DER Disney-Klassiker schlechthin. Für den jetzigen Film wählte man eine wesentlich erwachsenere Form, die auch durchaus Sinn ergibt. Es entfiel der kindliche Humor, den bspw. die Figur des Mushu wie kein Zweiter im Film prägte, als auch die emotionalen Gesangseinlagen, die hier komplett Fehl am Platz gewesen wären. Wer also auf Nostalgie-Feeling aus ist, wird es hier wahrscheinlich nicht finden. Aber ist dies auch notwendig? Es ist nichts falsches, wenn man ein eigenes Konzept verfolgt, unabhängig von einer Vorgängerversionen. Doch eine interessante Geschichte zu gestalten, welche eventuell sogar etwas mehr Epik mit sich bringt, ist da eine ganz andere Herausforderung die Mulan leider nicht meistern konnte.

Fazit:

Bei Mulan darf man von einer leichten Enttäuschung sprechen. Das neue Live-Action Remake aus dem Hause Disney ist keine Vollkatastrophe, aber dennoch empfindlich nah an dieser Beschreibung dran. Allein auf die Optik sollte man keinen Film reduzieren müssen. Und auch in diesem Punkt ist das Remake nicht von Makeln befreit. Bemerkenswert ist jedoch, dass diese Verfilmung in der Reihe der Disney Live-Action Produktionen aus den vergangenen Jahren, endlich mal mehr Vertrauen in eine eigene Geschichte hat. Es gibt tatsächlich nicht viele Vergleiche die man zu dem Zeichentrickfilm aus 1998 ziehen könnte. Ein kleiner Trost, der aber nicht über einen schwachen Film hinwegtäuschen kann.

MCG-Raiting

★★★★★

4.0 Punkte

Kommentar schreiben

Kommentare: 0