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"The New Mutants": Langes Warten für ein mittelmäßiges Ergebnis (REVIEW)

The New Mutants hat eine lange Veröffentlichungsgeschichte hinter sich. Man kann sich darüber freuen oder aufregen, dass der Film jetzt tatsächlich in den Kinos startet. Die Vermutung bleibt aber, dass der Film 2017 womöglich ein ganz anderer gewesen wäre, als der den wir nun sehen können. Wie dieser ausgeschaut hätte, lädt zur Spekulation ein. Im Endeffekt wird man aber dennoch gut mit dieser Version unterhalten, auch wenn die große Überraschung, die The New Mutants hätte werden können, leider ausbleibt.

Mutanten in der Irrenanstalt

Die große Frage die sich hier nur im Hintergrund abspielt, lautet: Teil des X-Men Universum oder nicht? Es gibt einige, wenn auch unscheinbare Anspielungen an das Universum, aber The New Mutants wirkt in diesem Franchise etwas davon losgelöst. Das ist zwar nicht wirklich etwas schlechtes, trotzdem nimmt man den Film gerade deswegen so wahr, als könne er sich nicht so recht entscheiden, ob er jetzt ein Teil der X-Men ist oder nicht. Zumindest am Anfang kann dieser Part noch gewisses Interesse wecken, sobald man aber immer weiter auf das Mysterium der gezeigten Irrenanstalt eingeht, verschwindet diese Anspielung zusehends. Und an sich betrachtet, hat das Konzept durchaus Möglichkeiten etwas frischen Wind ins Superheldengenre zu bringen. Bereits der erste Trailer lud förmlich dazu ein, sich diesen Film auf der großen Leinwand unbedingt anzuschauen. Mutanten in der Irrenanstalt! Flucht ausgeschlossen und die eigenen Fähigkeiten eingeschränkt, aufgrund der Tatsache dass die Hauptprotagonisten annehmen, sie sind psychisch krank. Ziel ist es nämlich, die fünf Jugendlichen (um die es hier geht), so zu therapieren, dass ihre Kräfte niemandem mehr Schaden zu fügen und sie die Helden werden, die sie sein sollten. Zumindest ist dies das ausgesprochene Ziel der leitenden Ärztin. Natürlich kann man nach einer halben Stunde eins und eins zusammenzählen, dass die Anstalt ein gänzlich anderes Ziel verfolgt. Unvorhersehbarkeit ist mit Sicherheit keine Stäre von The New Mutants. Die Geschichte bietet hier schlicht nicht die nötige Brisanz an, um den Zuschauer vollkommen in den Bann zu ziehen. Trotzdem gibt es genügend Unterhaltung, die den Film zu keinem Zeitpunkt langweilig wirken lassen.

Ein Horrorhaus? Wo?

In The New Mutants ist zu einem gewissen Zeitpunkt die Rede von einem Horrorhaus. Es klang zweifellos sehr interessant, als man mit der Bekanntgabe der Veröffentlichung Superhelden mit Horror-Elementen verbinden wollte. Das Ergebnis in 2020 fällt leider sehr unspektakulär aus. Die Elemente in diesem Film beinhalten weniger Furcht, sondern vielmehr psychischen Druck auf die einzelnen Protagonisten. Das hat zwar viel Auswirkung auf die Entwicklung der Figuren, schockt aber den Zuschauer in keiner einzigen Szene. Es gibt einige Monster, die die Anstalt zur Hälfte des Films unsicher machen, sie bleiben aber vergleichsweise harmlos. Wäre es am Ende ein reiner Horrorfilm geworden, so könne man mit Recht behaupten, dass der Film auf einer Ebene mit dem wahnsinnig schlechten Slender Man Film gesetzt werden kann. Zum Glück für die jungen Mutanten, ist der Horror nicht das Kernelement. Na Gott sei Dank! Da stehen Themen wie Isolation, dem Kampf gegen innere Ängste und sogar sexuelle Vorzüge, deutlich mehr im Vordergrund. Hinzu kommen chaotische Zustände, welche für Jugendliche keine gute Zukunft prognostizieren. Fakt bleibt aber, dass der Faktor Horror hier ziemlich gering ins Gewicht gefallen ist. Es ist dennoch recht schade, da es den Film womöglich eine Spur besser gemacht hätte.

The New Mutants Filmbild
Bild: Fünf Jugendliche mit übermenschlichen Fähigkeiten sind eingesperrt in einer Anstalt. | 20th Century Fox/Disney

Den inneren Dämon besiegen

Die Protagonisten (Rahne, Danielle, Illyana, Sam und Roberto) kommen in die Anstalt, da sie allesamt entweder schlimme Dinge gesehen oder verübt haben. Zeitgleich müssen sie sich dort ihren inneren Dämonen stellen, die durchaus ihre krankhaften Charakterzüge sehr gut begreiflich machen. Abhängig ist dies allerdings auch von den schauspielerischen Leistungen, die auf die gesamte Besetzung betrachtet, eher im guten Durchschnitt angesiedelt sind. Während man Newcomerin Blu Hunt und Game Of Thrones Star Maisie Williams lobenswert erwähnen kann, so sind die Charaktere von Shooting-Star Anya Taylor Joy und dem Brasilianer Henry Zaga ziemlich durchwachsen geraten. Letzter im Bunde ist der britische Darsteller Charlie Heaton, der sich in der Besetzung in der Mitte einsortiert. Mit Sicherheit sind die so unterschiedlichen Leistungen auch den Figuren geschuldet. Es gibt nun einmal zwei, die deutlich hervorgehoben werden, während die anderen hin und wieder nur im Hintergrund agieren. Das ist nichts außergewöhnliches in Filmen, hat hier aber auf die gesamte Gruppe leicht negative Auswirkungen. Die Figuren im Zusammenspiel sind aber aufgrund ihrer verschiedenen Fähigkeiten und Merkmale das positive Gegenstück an welches sich der Zuschauer beim Betrachten richtet. Und jeder der Figuren kämpft gegen eine ähnliche qualvolle Erinnerung an, die mit Leid und Tot von anderen Menschen zu tun hat. Hier gibt man allen fünf Figuren die nötige Zeit, um sich ihren Ängsten zu stellen. Und eine davon bereitet natürlich das große Finale vor.

Halbgares Endergebnis (aber keine Katastrophe)

In Anbetracht seiner Vorgeschichte hätte The New Mutants am Ende eine phänomenale Katastrophe sein müssen. Ähnlich wie Artemis Fowl, der eine ähnlich lange Produktions- und Veröffentlichungsgeschichte vorweist. Aber das Ergebnis hier, ist überraschend guter Durchschnitt. Mit knapp eineinhalb Stunden hat man die ohnehin nicht so starke Geschichte auf eine gute Länge gedrosselt, die auch nicht vergisst einen überdimensionalen Endkampf einzufügen, der zwingend benötigt wurde. Natürlich gibt es auch einige Sachen, die hier stören könnten, wie bspw. das enorme Effekt-Feuerwerk, welches tatsächlich etwas veraltet aussieht. Aber der Schlusskampf bietet auch die Präsentation der einzelnen Fähigkeiten, von denen manche auch ziemlich gut in Szene gesetzt werden. Hier kommt Magie, unglaubliche Geschwindigkeit und ein entflammbarer Körper ins Spiel. Der Kampf ist ausgewogen, wenn auch nicht etwas vollkommen neues was einem die Sprache verschlägt, in Sachen Superhelden oder Mutanten. Zusätzlich dazu sollte man bedenken, dass es sich hier im Film um Jugendliche handelt! Da kann ja noch nicht alles so gut laufen, wie bei den legendären X-Men. Das Endergebnis ist zwar, für die lange Warterei, nur ein halbgares, aber keinesfalls eine Katastrophe.

Fazit:

2017 angekündigt, mehrfach verschoben und 2020 endlich veröffentlicht. Die Vorgeschichte zu The New Mutants ist pures Chaos! Dafür das man drei Jahre auf den Film warten musste, kann man durchaus enttäuschende Gefühle entwickeln, aber eine vollständige Katastrophe ist es dann doch nicht. Am Ende sogar recht solide und mit anständigem Cast, bietet The New Mutants zumindest kurzweilige Unterhaltung, wenn auch an einigen Stellen die gewisse Schärfe gefehlt hat. Man hätte mehr erwartet, aber sich auch zeitgleich schlimmeres vorstellen können.

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

6.0 Punkte

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